Erdbeben-News: Reykjanes am 03. Juni

  • Auf Reykjanes gab es ein Erdbeben Mb 3,2
  • Die Bodenhebung hat nachgelassen
  • Auch an anderen isländischen Vulkanen gab es Erschütterungen

Erdbeben M 3,2 nahe Keilir

Datum: 03.06.22 | Zeit: 06:45:23 UTC | Lokation: 63.937 ; -22.06 | Tiefe: 5,7 km | Mb 3,2

Nachdem es nun einige Tage vergleichsweise ruhig auf Reykjanes herging, gab es heute wieder ein spürbares Erdbeben M 3,2. Es manifestierte sich in 5,7 km Tiefe und 5,1 km östlich des Vulkans Keilir. Es folgten einige schwächere Erdstöße, so dass in den letzten 48 Stunden 127 Beben detektiert werden konnten. Generell haben Seismizität und Inflation aber nachgelassen, so dass man davon ausgehen kann, dass weniger magmatische Fluide aufsteigen, als es zuvor der Fall war. Die GPS-Daten zeigen ebenfalls eine Abschwächung der Bodenhebung und es sieht so aus, als wäre die Gefahr einer Eruption momentan gebannt. Allerdings wächst sie mit jedem neuen Schub Magma, dass in die Erdkruste intrudiert, besonders, wenn die Intrusion immer an der gleichen Stelle erfolgen sollte.

Erdbeben an der Hekla

Erdbeben gab es aber nicht nur auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel, sondern auch weiter nördlich am Vulkan Hekla. Dort detektierte das seismische Netzwerk von IMO 3 schwache Erdstöße direkt am Vulkan und 2 weitere in einige Kilometern Entfernung. Die Hekla ist „thick and swollen“ und im Untergrund akkumulierte sich in den letzten Jahren ein größeres Magmenvolumen. Vulkanologen rechnen seit längerem mit einem Vulkanausbruch, doch dieser lässt weiter auf sich warten. Das GPS-Netzwerk zeigt aktuell allerdings keine weiteren Bodenhebungen an, so dass die Wahrscheinlichkeit groß sit, dass wir noch etwas länger auf einen Ausbruch der Hekla warten werden.

Bodenhebung Askja

Ganz anders sieht es an der Askja aus. Dieser Calderavulkan liegt im isländischen Hochland und bläht sich weiter auf. Doch auch hier zeigen die aktuellen Messwerte einen leichten Rückgang der Bodenhebung. Die Werte gleichen erstaunlich jenen von Reykjanes, ganz so, als ob die beiden weit auseinander liegenden Vulkansysteme gekoppelt wären, was natürlich nicht der Fall ist. Einige Erdbeben hat es an der Askja ebenfalls gegeben.

Erdbeben Mb 4,5 auf Island erschüttert Bardarbunga

Auf Island gibt es wieder reichliche Erdbeben. Das Stärkste brachte es auf eine Magnitude von 4,5. Es gibt Inflation. Die Bodenhebung auf Reykjanes hält ebenfalls an.

Erdbeben am Bardarbunga

Datum: 28.05.22 | Zeit: 08:06:16 UTC | Lokation:  64.62 ; 17.45 | Tiefe: 1,1 km | Mb 4,5

Soeben hat ein Erdbeben der Magnitude 4,5 den isländischen Calderavulkan Bardarbunga erschüttert. Das Hypozentrum lag 1,1 km tief. Das Epizentrum wurde 4.3 km ost-süd-östlich vom Vulkan lokalisiert. Die Daten stammen von IMO und könnten noch korrigiert werden. Das EMSC ermittelte eine Magnitude von 4,7. Das Erdbeben wurde von einer Reihe schwächerer Erschütterungen begleitet.

Die GPS Messungen zeigten in den letzten Wochen einen ehr deflationären Trend, wobei das langjährige Mittel auf eine deutliche Inflation kommt. Seit 2016 hob sich der Boden um 15 cm.

Das Erdbeben ist kein Hinweis für eine bevorstehende Eruption, zeigt aber an, dass der Vulkan alles andere als erloschen ist. Es gibt aber nicht nur Erdbeben unter dem Vatnajökull, sondern auch in anderen Regionen Islands. Auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel gabe s in den letzten Tagen ein Schwarmbeben, das mit Bodenhebung einher ging. In den letzten 48 Stunden registrierte das seismische Netzwerk von IMO 159 Erschütterungen. Das Schwarmbeben migrierten weiter Richtung Grindavik und lagen vergleichsweise flach. Die Inflation hält an. Die Bodenhebung beträgt am Thorbjörn-Vulkan nun fast 7 cm. Die Messstation bei Grindavik wurde um 6 cm angehoben. Die Bodenhebung wird von Magmatischen fluiden verursacht. Hierbei kann es sich um Gesteinsschmelze handeln, es sit aber auch denkbar, das magmatische Gase und Hydrothermalwasser in die flach liegenden Gesteinsschichten aufsteigt. Eine neue Studie ergab, dass vor der Fagradalsfjall-Eruptionen ein Teil der Inflation durch diese Fluide ausgelöst wurde. Allerdings gilt es als gesichert, dass sich ein Dyke zwischen Thorbjörn und Eldvörp gebildet hat. Noch immer lässt sich nicht sagen, ob die Inflation letztendlich zu einer neuen Eruption führen wird. Falls ja, dann ist eine Spalteneruption wie am Fagradalsfjall im letzten Jahr wahrscheinlich.

Erdbeben-News 25.05.22: Reykjanes

  • Am Magmatischen Gang nördlich von Grindavik bebt es weiter
  • Die Bodenhebung beträgt am Thorbjörn fast 6 cm
  • Die Hypozentren liegen flacher und steigen auf

Erdbeben erschüttern Magmatischen Gang bei Grindavik

Datum: 25.05.22 | Zeit: 18:33:51 UTC | Lokation: 63.86 ; -22.44 | Tiefe: 4,1 km | Mb 2,9

Die Erdbebentätigkeit unter der isländischen Reykjanes-Halbinsel hält an. Heute gab es einen weiteren Schwarm nordwestlich von Grindavik. In den letzten 48 Stunden wurden 202 Beben registriert. 23 Erschütterungen hatten Magnituden im 2er Bereich. Auffällig ist, dass die Hypozentren der aktuellen Erdbeben überwiegend in Tiefen zwischen 2 und 3 km liegen. Zuvor lagen sie meistens in ca. 5-8 km Tiefe. Es sieht so aus, als würden Magmatische Fluide aufsteigen. Allerdings würde man vor einer beginnenden Eruption eine seismische Krise mit mehreren Tausend Erdbeben innerhalb kurzer Zeit erwarten, von daher wird es jetzt wahrscheinlich noch nicht zu einer Eruption kommen. Die Lage bleibt aber angespannt.

Die GPS-Messungen zeigen, dass sich der Boden im Bereich des neuen Magmatischen Gangs weiter hebt. Am Thorbjörn beträgt die Bodenhebung fast 6 cm. Die Messstation bei Grindavik misst eine Bodenerhöhung von 3,5 cm. Oft liegt der kritische Schwellenwert bei 20 cm, bevor sich eine Eruptionsspalte öffnet. Bis dahin ist noch etwas Luft.

IMO warnt auf seiner Website nicht nur vor Erdrutschen, sondern auch vor Erdbeben, die eine Magnitude von 6,5 erreichen könnten und auch die Hauptstadt durchrütteln würden. Grund für diese Warnung ist ein allgemeines Anziehen der Seismizität im Bereich des Spaltensystems von Brennisteinsfjöll.

Gestern gab es ebenfalls einen Schwarm, der nur 8.0 km nördlich vom Geysirgebiet Haukadalur verortet wurde. Er bestand aus 46 Erdbeben, von denen 3 Erschütterungen Magnituden zwischen 2 und 3 hatten. Sie lassen sich den Erdbeben zuordnen, die seit einigen Wochen immer wieder im Bereich des Langjökull-Systems auftauchen. Offizielle Interpretationen des Geschehens sind dünn gesät. Es ist nicht auszuschließen, dass die Schwarmbeben mit Fluidbewegungen zusammenhängen. Entlang des Langjökull-Systems liegen mehrere Thermalfelder und man kann von einem ausgeprägten Hydrothermalsystem ausgehen.

Erdbeben gibt es auch unter den subglazialen Vulkanen des Vatnajökulls. In dem Erfassungsbereich, zu dem auch Askja und Herdubreid gehören, gab es 25 Beben innerhalb von 48 Stunden. Hier ist die Aktivität im Bereich der Caldera Bardarbunga am auffälligsten.

Reykjanes: INSAR-Aufnahme bestätigt Inflation

Eine neue INSAR-Aufnahme bestätigt eine Inflation von 4,5 cm auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel. Das Bild fasst Radar-Daten Zusammen, die zwischen dem 27. April bis 21. Mai aufgenommen wurden. Die Zone der größten Bodenhebung erstreckt sich entlang eines neuen Magmatischen Gangs, der sich zwischen Thorbjörn und der Eldvörp-Kraterreihe erstreckt. Das Dach des Magmatischen Gangs befindet sich in 4 km Tiefe, seine Basis in 8 km. Der Gang soll nur einige Meter breit sein.

Heute gab es auch weitere Erdbeben im Bereich von Grindavik. Insgesamt registrierte IMO innerhalb von 48 Stunden 178 Erschütterungen. Heute um 07.15 Uhr wurde 3 km nordöstlich von Thorbjörn ein Erdbeben der Stärke 3,5 gemessen.

 

Erdbeben-News 22.05.22: Reykjanes

  • Die seismische Aktivität unter Reykjanes bleibt hoch
  • Das stärkste Erdbeben hatte am Freitag eine Magnitude von 3,8
  • Weiter Magmenintrusionen sind wahrscheinlich

Reykjanes mit weiteren Erdbeben M größer 3

Datum: 20.05.22 | Zeit: 18:33:51 UTC | Lokation: 63.81 ; -22.83 | Tiefe: 6,6 km | Mb 3,8

Die Erdbebentätigkeit unter der isländischen Reykjanes-Halbinsel hält weiter an. Es ereignen sich immer wieder Erdbeben-Schübe, bei denen es nicht nur zu zahlreichen Mirkobeben kommt, sondern auch zu Erdbeben mit Magnituden im 3er Bereich. In den letzten 48 Stunden registrierte IMO 298 Erdstöße unter Reykjanes. 6 Erdbeben hatten Magnituden im 3er Bereich. Bereits am Freitag kam es zu einem Schwarmbeben vor der Westspitze der Halbinsel bei Reykjanestá. Hier kam es zum stärksten Erdstoß der letzten 48 Stunden. Er hatte die Magnitude 3,8. Das Hypozentrum lag in 6,6 km Tiefe. Zeitnahe ereigneten sich auch einige Erdbeben im Westen der Halbinsel nahe Hrómundartindi. Dort hatte die stärkste Erschütterung eine Magnitude von 3,1.

Heute manifestierten sich die meisten Beben wieder um die Gegend bei Grindavik. Auffallend ist, dass sich die Epizentren verlagert haben und nun näher an Grindavik heranreichen. Der stärkste Erdstoß dort brachte es auf M 3,6 und hatte ein Hypozentrum in 4,5 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 2,5 km nordwestlich von Grindavik lokalisiert. Die Vermutung liegt nahe, dass auch dort Magma in den Untergrund eindringt. Vielleicht migriert es vom bereits bekannten Dyke weiter in Richtung Süden. Es könnte sich aber auch um eine eigenständige Intrusion handeln. Eine alternative Möglichkeit ist die, dass bereits intrudiertes Magma das regionale Spannungsfeld beeinflusst und die Beben an bereits existierenden Störungen verursacht.

Ich komme gerade von einem Treffen der Vulkanologischen Gesellschaft e.V. und wir diskutierten natürlich auch über die Vorkommnisse auf Island. Die einhellige Meinung war, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass wir in den nächsten Monaten eine weitere Eruption auf Reykjanes sehen werden. Mehrere Vereinsmitglieder sind in den Sommerferien auf Island und fiebern den Ereignissen entgegen.

Isländischer Vulkan Thorbjörn mit deutlicher Inflation

  • Es gibt weitere Details zur Magmenintrusion auf Reykjanes
  • Es wurde ein Magmatischer Gang von 7 km Länge ausgemacht
  • Auch an der Askja gab es weitere Bodenhebungen.

Magmatischer Gang am Thorbjörn

Die Seismizität auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel hat weiter nachgelassen, ist aber dennoch erhöht. IMO zeigt für die letzten 48 Stunden noch 198 Erschütterungen an. Heute Mittag gab es ein Erdbeben M 3,0. Es manifestierte sich in 5,4 km Tiefe. Das Epizentrum lag 5,3 km nord-nord-östlich von Grindavik und damit in der Region, in der es seit Tagen bebt. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Schwarmbeben von Magmenintrusionen verursacht werden. Im Zentrum dieser Extrusionen befindet sich ein Magmatischer Gang, so wie wir ihn von der Fagradalsfjall-Eruption her kennen. Er wurde inzwischen recht gut lokalisiert: Er ist zwischen 7 und 9 km lang und erstreckt sich vom Vulkan Thorbjörn bis zur Eldvörp-Kraterreihe. Der Gang soll relativ schmal sein und eine Mächtigkeit von 4 km haben. Seine Oberseite befindet sich in 4 km Tiefe, die Basis in 8 km.

Eldvörp gehört zum Reykjanes-Zentralvulkan und steht nicht in Verbindung mit dem Krýsuvík-System, in dem sich der Fagradalsfjall befindet. Gleichwohl erlebte die nun betroffene Region bereits zu Anfangs der Geschehnisse auf Reykjanes Inflation. Die aktuellen GPS-Daten zeigen die höchste Inflation für den Thorbjörn Vulkan an, der sich wenige Meter von der Blauen Lagune entfernt befindet. Dort hob sich der Boden um 4 cm. Freilich bedeutet das nicht, dass es dort auch zur Eruption kommen muss.

Inflation an der Askja

Inflation gibt es aber nicht nur auf Reykjanes, sondern auch am Vulkan Askja. Dort waren die GPS-Messungen aufgrund des Schnees ausgefallen. Aber nun funken die Messstationen wieder und enthüllen, dass die Erde während des Winters nicht faul war und es an einigen Stationen zu weiteren Bodenhebungen kam. Sie lief ziemlich kontinuierlich ab und beträgt an der Stationen OLAC bis zu 30 cm. Sie befindet sich am Westufer des Öskuvatn, der die Askja-Caldera zum Teil füllt.

Bei den hier beschriebenen Bodenhebungen geht man davon aus, dass Magma der Grund dafür ist. Genaugenommen müsste es allerdings Magmatische Fluide heißen.

Reykjanes: Magmenintrusion bestätigt

  • IMO bestätigt Magmenintrusion in der Nähe der Blauen Lagune
  • Gut 1,5 Kubikkilometer sind intrudiert
  • Ein Vulkanausbruch erscheint in nächster Zeit möglich

Magmenintrusion bei der Blauen Lagune

Das IMO bestätigte heute Nachmittag, dass es im Zuge der erhöhten Seismizität der letzten Wochen zu einer größeren Magmenintrusion nordwestlich von Grindavik gekommen ist. Das Volumen der Intrusion wird mit ca. 1,5 Kubikkilometer angegeben, was schon eine beachtliche Menge ist. Der Boden im Bereich des Geothermalkraftwerks Svartsengi und der Blauen Lagune hob sich um mehrere Zentimeter an. Ein Vulkanausbruch in nächster Zeit kann nicht ausgeschlossen werden und der Alarmstatus wurde auf „gelb“ erhöht. Gleichzeitig wurde die Warnung vor stärkeren Erdbeben erneuert und darauf hingewiesen, dass Erdbeben Steinschläge auslösen können. Zudem wurde empfohlen lose Gegenstände und Möbel in Gebäuden zu sichern.

Es wäre schon ein recht ungünstiger Ort für einen Vulkanausbruch, da das Kraftwerk die Landeshauptstadt mit Strom versorgt. Außerdem handelt es sich bei der Blauen Lagune um eine der wichtigsten Touristenattraktionen auf Südisland. Man kann sich denken, warum man erst jetzt mit der Sprache rausrückt: viele potenzielle Badegäste der Blauen Lagune dürften die Vorstellung unangenehm finden, von einem Vulkanausbruch im Badewasser überrascht zu werden.

Das Bild zeigt nicht nur die Blaue Lagune, sondern auch den Thorsbjörn-Vulkan im Hintergrund. Die Blickrichtung ist Süden. Dort begannen vor fast 2 Jahren die ersten Bodenhebungen. Einige Kilometer weiter westlich der Blauen Lagune befindet sich die Eldvörp Kraterreihe, wo die jüngsten Beben stattfanden. Der Fagradalsfjall-Vulkan befindet sich ca. 10 km östlich der Blauen Lagune. Bereits vor der Fagradalsfjall-Eruption rechnete man mit einem Vulkanausbruch zwischen der Blauen Lagune und der Eldvörp Kraterreihe.

Es ist noch alles andere als gewiss, dass es in der beschriebenen Region diesmal zu einer Eruption kommen wird. Genauso gut könnte sich das Magma noch einen anderen Austrittsort suchen, oder einfach im Boden stecken bleiben und erkalten. Trotzdem, spannende Zeiten auf Island!

Erdbeben-News 16.05.22 Island

  • Ein Erdbebenschwarm manifestierte sich nordwestlich von Grindavik
  • Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 4,7
  • Epizentren liegen bei der Kraterreihe Eldvörp
  • Der Alarmstatus wurde wohl auf „gelb“ erhöht
  • Geophysiker warnt vor unruhigen Zeiten

Reykjanes mit weiteren Erdbeben

Datum: 15.05.22 | Zeit: 17:38:20 UTC | Lokation: 63.85; -22.54 | Tiefe: 5,2 km | Ml 4,7

Die Schwarmbeben unter der isländischen Reykjanes-Halbinsel haben weiter zugelegt. Das bezieht sich auf die Anzahl der Beben, aber auch auf die freigesetzte Energie, bzw. die Magnituden. IMO registrierte in den letzten 48 Stunden 514 Erschütterungen. 11 Beben hatten Magnituden ab 3. Der stärkste Erdstoß hatte eine Magnitude von 4,7 und befand sich in fast 5 km Tiefe. Auffällig ist, dass die Spannungen in der Erdkruste so groß werden, dass sie zu Beben unter dem Meeresboden führen. Solche weit streuenden Erdbeben haben wir in den Wochen vor der Fagradalsfjall-Eruption ebenfalls gesehen. Die meisten Erdbeben manifestierten sich nordwestlich von Grindavik, unter der Eldvörp Kraterreihe, die sich im Bereich des Geothermalkraftwerks Svartsengi und der Blauen Lagune befindet. Dort zeichnet sich auch eine Bodenhebung infolge von Inflation ab. Der Zivilschutz gab eine Warnung vor weiteren Erdbeben und einem möglichen Vulkanausbruch heraus. Der Alarmstatus wurden auf „gelb“ erhöht.

Geophysiker prognostiziert unruhige Zeiten für Reykjanes

Geophysiker Pál Einarsson sagte in einem Interview, dass diese seismische Aktivität erst der Anfang sei. Er rechnet mit weitaus stärkeren Erdbeben, besonders im Gebiet des Brennisteinsfjöll-Vulkans und Risssystems. Er verweist dabei auf Erdbeben des 20. Jahrhunderts, die in der Region Magnituden um 6 hatten. Sie ereigneten sich 1929 und 1968. Damals waren die Ortschaften auf Island noch klein und es entstanden nur mäßige Schäden. Was ein Erdbeben M 6,0 nahe Reykjavik anrichten könnte ist unklar. Man müsste schon mit Schäden an der Infrastruktur rechnen und ich kann mir gut vorstellen, dass vor allem Rohrleitungen der Geothermalen Energieversorgung in Mitleidenschaft gezogen werden könnten.

Pál sagte weiterhin, dass die unruhigen Zeiten auf Reykjanes bereits 2019 begannen und das viele der aufgestellten Szenarien eintrafen. Dazu zählt die Fagradalsfjall-Eruption. Die Wissenschaftler prognostizierten nicht nur stärkere Erdbeben, sondern auch weitere Eruptionen. Historische Betrachtungen zeigten, dass sich Erdbeben und Vulkanausbrüche auf Reykjanes phasenweise konzentrierten. Die unruhige Phase könnte mehrere Jahrzehnte anhalten. Einige Prognosen gehen von 40-50 Jahren aus. Auf Reykjanes liegt nicht nur die Inselhauptstadt, sondern auch der Internationale Flughafen von Keflavik und eines der wichtigsten Geothermalkraftwerke. Bleibt zu hoffen, dass die Infrastruktur die unruhigen Zeiten übersteht.

Erdbeben News 15.05.22: Island M 4,8

Datum: 14.05.22 | Zeit: 16:56:32 UTC | Lokation: 64.01; -22.44 | Tiefe: 8 km | Ml 4,8

  • Unter Reykjanes bebte es mit Ml 4,8
  • Das Beben ereignete sich nahe der Lavahöhle Raufarhólshellir
  • 16 Menschen befanden sich währen des Bebens in der Höhle
  • Das Beben manifestierte sich am Hengill Risssystem

Reykjanes: Erdbeben Ml 4,8

Gestern Nachmittag wurde der Osten der isländischen Reykjanes-Halbinsel von einem moderaten-starken Erdbeben der Magnitude 4,8 gerockt. Das Beben ereignete sich um 16.56 Uhr und war einer der stärksten Erdstöße der letzten Monate. Er konnte in weiten Teilen von Südwest-Island gespürt werden. Für die betroffene Region war es der stärkste Erdstoß, der dort seit 1991 aufgezeichnet wurde. Da keine älteren Daten vorliegen, kann man sagen, es war der stärkste Erdstoß seit Beginn der Datenerfassung. Das Epizentrum befand sich bei Þrengslin, das östlich von Lambafell liegt. Die Tiefe des Hypozentrums betrug 8 km. In der gleichen Gegend wurden 5 Vor- und Nachbeben mit Magnituden im 3er Bereich registriert. Insgesamt meldete IMO innerhalb von 48 Stunden 450 Erschütterungen. Somit befindet sich die Seismizität auf hohem Niveau. Die Beben manifestierten sich nicht nur bei Þrengslin, sondern wurden auch an anderen bekannten Bebenspots der Halbinsel festgestellt. Stark betroffen ist auch die Region bei Grindavik.

Menschen überstanden Erdbeben in einem Lava-Tunnel

Þrengslin ist eine schroffe Region aus bemoosten Lavaflächen, die ca. 20 km Luftlinie von Selfoss entfernt liegt. Bis Reykjavik sind es gut 50 km. In der Nähe des Epizentrums befindet sich die begehbare Lavahöhle Raufarhólshellir, die ein beliebtes Ziel bei Touristen ist. Laut einem Artikel in der isländischen Zeitung MBL, befand sich gerade eine Gruppe von 16 Personen in der Höhle, als die Erde bebte. Die Höhlenführerin Jóna Sigurlína Pálmadóttir erzählte, dass die Guides in der Höhle das Erdbeben nicht spürten, sondern nur hörten, während die Menschen an der Erdoberfläche durchgerüttelt wurden. Die Polizei schloss den Zugang zur Höhle vorsichtshalber, da befürchtet wurde, dass das Erdbeben Lavafelsen gelockert hat. Die Höhle muss erst auf ihre Sicherheit überprüft werden, bevor erneut Führungen stattfinden dürfen.

Erdbeben manifestierte sich am Hengill-Risssystem

Bei der Höhle handelt es sich um einen Lavatunnel, der bei einer Eruption entstand, die sich vor gut 5000 Jahren ereignete. Es wurde viel Lava gefördert, so dass das Leitahraun-Lavafeld entstand. Der Tunnel bildete sich, als ein gedeckelter Lavastrom abfloss und den Hohlraum zurückließ. Die Eruption wird dem Hengill-System zugeordnet. Beim Hengill handelt es sich um einen Zentralvulkan im Übergangsbereich zwischen der Reykjanes-Halbinsel und Südisland. Zu ihm gehört ein großes Risssystem. An einem dieser Risse hat sich das aktuelle Erdbeben ereignet. Das Beben ist tektonischen Ursprungs gewesen, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass die erhöhte Seismizität unter Reykjanes mit dem Magmenkörper zusammenhängt, der sich in ca. 15 km Tiefe bildete. Das Magma und die Fluidbewegungen können Spannungen im Untergrund verursachen und so Erdbeben an Störungszonen auslösen. Natürlich kann das Beben einfach im Zusammenhang mit den divergenten Plattenbewegungen der kontinentalen Naht zwischen Nordamerika und Europa stehen.
Ein weiteres Erdbeben M 4,2 erschüttert Reykjanes. Das Epizentrum befand sich diesmal 5.4 km wets-nord-westlich von Grindavík. Das Hypozentrum lag 5,3 km tief. IMO zeigt nun 510 Erdbeben auf Reykjanes an.

IMO Wissenschaftlerin Kristín Jónsdóttir bestätigte in einem interview meine Vermutung von heute Vormittag und sagte, dass die hohe Seismizität auf Reykjanes wahrscheinlich mit dem großen Magmenkörper in 15 km Tiefe zusammenhängt. Beim Thermalkraftwerk Svartsengi (dort wo das aktuelle Beben bei Grindavik war) gibt es sehr wahrscheinlich einen flacher liegenden Magmenkörper und es könnte sich eine neue Eruption zusammenbrauen.