Fagradalsfjall mit starker Bodenhebung am 07.07.23

Staat: Island | Koordinaten: 63.901-22.272 | Aktivität: Intrusion

Erdbeben und bis zu 18 cm Bodenhebung am Fagradalsfjall

Das massive Schwarmbeben am isländischen Vulkan Fagradalsfjall geht weiter: IMO meldet mehr als 6500 Erdbeben seit dem 04. Juli. Nachdem sich die Bebenhäufigkeit gestern Mittag ein wenig abschwächte, intensivierte sie sich nachts wieder und ein neuer Schub etablierte sich. Es wurden wieder 5 Erdbeben mit Magnituden im 4er-Bereich erzeugt. Das stärkste Einzelbeben hatte eine Magnitude von 4,8. Das Epizentrum wurde 1.5 km west-südwestlich von Keilir lokalisiert.

Gestern schrieb ich, dass ich aufgrund der geringen Bodenhebung von 3 cm, die man anhand der GPS-Daten ablesen kann, nicht davon ausgehe, dass am Fagradalsfjall ein Vulkanausbruch innerhalb von Stunden bevorsteht. Ich verwies aber auch auf die Möglichkeit, dass diese Messungen im Angesicht des massiven Erdbebenschwarms nicht korrekt sein könnten und man zur genauen Einschätzung der Lage auf ein Interferogramm warten muss. Gestern Abend präsentierte uns IMO dann besagtes Interferogramm, das InSAR-Messungen zwischen dem 26. Juni und 6. Juli visualisiert. Hier sieht die Lage ganz anders aus und passt zu den massiven Schwarmbeben: demnach hat es bereits bis zu 18 cm Bodenhebung gegeben, was bereits 2 Zentimeter mehr ist als zum Eruptionsbeginn im letzten Jahr. Die Bodenhebung konzentriert sich auf dem Bereich des magmatischen Gangs zwischen Fagradalsfjall und Keilir, mit einem Spitzenwert auf halber Strecke zwischen den beiden vulkanischen Erhebungen. Dort war die Bodenhebung auch am größten, als es zur ersten Eruption in 2021 kam. Genau wie damals, spekuliert man darüber, ob nicht dort eine neue Spalte aufgehen könnte. Für Vulkanbeobachter wäre das suboptimal, denn der neue Eruptionsort würde dann ein gutes Stück abseits der bestehenden Infrastrukturen am Fagradalsfjall liegen. Aber es kann natürlich genausogut sein, dass es wieder zu einem Ausbruch im Bereich Fagradalsfjall kommen wird, weil dort wohl die ausgeprägtesten Schwächezonen existieren.

Wann kommt es am Fagradalsfjall zum Vulkanausbruch?

Je länger Schwarmbeben und Inflation anhalten, desto wahrscheinlicher ist ein Vulkanausbruch innerhalb kurzer Zeit. Viele Vulkanologen rechnen mit einem Ausbruch innerhalb von 3 Tagen. Sollte das Magma nicht in den nächsten Tagen durchbrechen, dann halt beim nächsten oder übernächsten Lavaschub. Ich halte einen Vulkanausbruch in diesem Jahr für sehr wahrscheinlich und tatsächlich sieht es momentan so aus, als würde ein Ausbruch eher früher als später stattfinden. Auch wenn Mutter Erde macht was sie will und sich nur bedingt an menschlichen Prognosen hält, scheint sich die Einschätzung vieler isländischer Vulkanologen zu bestätigen, dass die Reykjanes-Halbinsel in eine neue Tätigkeitsphase eingetreten ist. Mittlerweile gibt es auch Vorschläge, dass man die 5 Spaltensysteme auf Reykjanes mit ihren Vulkanen als ein zusammenhängendes Vulkangebiet betrachten sollte. Es bleibt auf jeden Fall spannend auf Island!

Vulkan Fagradalsfjall mit Intrusion am 06.07.23

Erdbeben aufgrund von Magmenaufstieg unter Fagradalsfjall halten an

Das Schwarmbeben unter dem isländischen Vulkan Fagradalsfjall hält auch den zweiten Tag in Folge an und macht keine Anzeichen aufzuhören. In den letzten Stunden nahm die Anzahl der Erdbeben etwas ab, aber solche Fluktuationen sah man auch bereits bei ähnlichen Ereignissen in den Jahren 2021 und 2022. Der Erdbebenschwarm zählt über 4000 Einzelbeben, von denen 3400 in den Tabellen auf der Website von IMO angezeigt werden. 13 Erdbeben hatten Magnitude im 4er-Bereich. Der stärkste Erdstoß brachte es gestern auf M 4,8. Insgesamt 90 Erschütterungen hatten Magnituden ab 3.

Die Vulkanologen von IMO stuften gestern den Alarmstatus des Vulkans auf „orange“ hoch und halten es für sehr gut möglich, dass in den nächsten Stunden oder Tagen ein neuer Vulkanausbruch beginnt. Sie beobachteten eine aufwärtsgerichtete Verlagerung der Erdbeben, die in ca. 8 km Tiefe begannen und mittlerweile bei einer Tiefe von 2-3 km angekommen sind. Die Beben manifestieren sich in einer langgestreckten Zone, die im Nordosten des Fagradalsfjall-Vulkans beginnt und im Südwesten des Vulkans Keilir endet. Das entspricht der Lage des magmatischen Gangs, der sich bereits im den letzten beiden Jahren vor den Eruptionen am Fagradalsfjall gebildet hatte. Das Magma steigt also wieder entlang des gleichen Risssystems auf, wie es 2021 und 2022 der Fall war. Während sich die erste Eruption durch wochenlange Erdbeben angekündigt hatte, startete der zweite Vulkanausbruch im letzten Jahr nach wenigen Tagen. Allerdings hatte es damals auch Wochen vor der Eruption Magmaansammlungen an anderen Stellen der Region um Grindavik und dem Thermalkraftwerk Svartsengi gegeben. Doch auf Island vertritt man die Meinung, dass es diesmal schneller zu einer neuen Eruption kommen könnte. Wie immer besteht trotzdem die Möglichkeit, dass das Magma kurz unter der Oberfläche in der Kruste stecken bleibt und eine Eruption ausbleibt.

Ich halte zwar auch einem baldigen Ausbruch für wahrscheinlich, allerdings finde ich die Bodenhebung von 3 cm noch zu gering, als dass ich meinen würde, dass es bereits in den nächsten Stunden losgeht. Vor der letzten Eruption betrug die Bodenhebung 16 cm. Es kann aber auch sein, dass die GPS-Messungen ungenau sind und die tatsächlichen Werte höher sind. Hier müssen wir auf ein Interferogramm warten. Weiterhin ist es möglich, dass der Untergrund unter dem Vulkan so geschwächt ist, dass jetzt ein geringerer Druck reicht, um eine Eruption auszulösen.

Die großen isländischen Medienanstalten laufen bereits warm und haben wieder ihre LiveCams online gebracht. Sie blicken in Richtung Fagradalsfjall und Keilir. Ich habe sie auf der Fagradalsfjall-Live-Seite eingebunden.

Interessant ist auch diese 3D-Grafik, die Mike entdeckt hat. Dort erkennt man sehr schön die Lage der Erdbeben, die den Verlauf des magmatischen Gangs widerspiegeln.

Massiver Erdbebenschwarm auf Island am 05.07.23

Fast Tausend Erdbeben erschüttern Fagradalsfjall auf Reykjanes

Datum 05.07.23 | Zeit: 08:21:35 UTC | 63.935 ;  -22.199 | Tiefe: 3,9 km | Mb 4,8

Update 12:00 Uhr: IMO meldet jetzt ca. 1600 Erdbeben, obwohl in der Tabelle nur knapp 1300 angezeigt werden. Stärkster Erdstoß hatte heute Morgen die Magnitude 4,8 und ein Hypozentrum in 3,9 km Tiefe. Das Epizentrum wurde 1.5 km west-südwestlich von Keilir lokalisiert. Dort endete der magmatische Gang, der im Jahr 2021 intrudierte. Insgesamt traten heute bereits 3 Beben mit Magnituden im 4er-Bereich auf. Der Vulkan-Alarmstatus für den Flugverkehr wurde gerade auf „orange“ erhöht.

Originalmeldung: Auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel begann gestern Nachmittag gegen 16:00 Uhr Ortszeit ein starkes Schwarmbeben. Bis heute Morgen um 9 Uhr wurden zwischen Fagradalsfjall und Keilir fast 1000 Erdbeben registriert. 17 dieser Beben hatten eine Magnitude im Bereich von 3. Das stärkste Einzelbeben im Hauptcluster hatte eine Magnitude von 3,7. Die Beben verteilen sich über einen größeren Bereich im Südwesten Islands, ähnlich wie bei den starken Schwarmbeben vor den letzten beiden Eruptionen. Auch die Tiefe der Erdbebenherde variiert, wobei die meisten Beben in Tiefen zwischen 7 und 4 km auftreten. Diese Tiefen sind typisch für die Ansammlung eines Magmenkörpers oder das Eindringen eines magmatischen Gangs. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es in den nächsten Tagen einen signifikanten Anstieg der Bodenhebung geben wird. Seit April wurde mit GPS-Messstationen eine vergleichsweise leichte Bodenhebung beobachtet, die an einer Messstation inzwischen 3 cm erreicht hat.

Wenn diese Schwarmbeben durch Magmenintrusion verursacht wurden, stellt sich natürlich die Frage, ob und wann es zu einer Eruption kommen wird. Vor der ersten Fagradalsfjall-Eruption im Jahr 2021 wurde die Reykjanes-Halbinsel monatelang von vergleichbaren Schwarmbeben heimgesucht und es kam zu deutlichen Bodenhebungen. Vor der zweiten Eruption traten Schwarmbeben einige Wochen zuvor auf, wobei sie sich zunächst nicht direkt am Fagradalsfjall manifestierten. Spekulativ ist, dass sich eine Eruption diesmal noch schneller ankündigen könnte, da die Förderstrukturen bereits etabliert sind und nur wieder aktiviert werden müssen, anstatt komplett neu entstehen zu müssen. Insbesondere während der ersten Eruption wurde nach einer mehrtägigen Anfangsphase, während derer Schmelze aus dem magmatischen Gang austrat, Lava ausgestoßen, die aus primitivem Magma schnell aus größerer Tiefe aufgestiegen war. Man vermutete eine direkte Verbindung zwischen einem Magmenreservoir nahe dem Ort der Schmelzbildung in der Asthenosphäre/Erdmantel und dem Förderschlot. Während die erste Eruption mehrere Monate dauerte, hielt die zweite Eruption im letzten Sommer nur gut 2 Wochen an. Hier wurde wahrscheinlich nur die Schmelze ausgestoßen, die sich in den Wochen zuvor in der Erdkruste angesammelt hatte.

Erdbeben auf Island: Blafjöll am 01.07.06

Schwarmbeben am isländischen Blafjöll

Im Süden von Island, im Übergangsbereich zwischen der Reykjanes-Halbinsel und Südisland, manifestierte sich heute Früh ein Schwarmbeben. Die Isländische Meteorologische Behörde (IMO) meldet in dem Gebiet 140 Erschütterungen. Sie wurden 4,0 km südwestlich von Litla Kaffistofan lokalisiert und lagen in einer Tiefe von etwa 5 km. Die stärkste Erschütterung hatte eine Magnitude von 1,4. Blafjöll ist eine vulkanische Erhebung, die wegen ihres Wintersportgebiets bekannt ist und zum Vulkansystem Brennisteinsfjöll gehört, welches ebenfalls eines der fünf großen Rissysteme auf Reykjanes bildet. Schwarmbeben sind in diesem Gebiet nicht ungewöhnlich und kamen seit 2021 häufiger vor. Am Tag zuvor gab es ein Schwarmbeben bei Krisuvik, einem Vulkangebiet, das mit dem magmatischen Gang am Fagradalsfjall assoziiert ist. Seit Anfang Mai ist eine kontinuierliche Zunahme der Seismizität auf der Halbinsel zu beobachten, die meiner Meinung nach mit magmatischen Prozessen an der Grenze zur Asthenosphäre gekoppelt sein könnten, obwohl es dort selbst keine Erdbeben gibt.

Definitiv mit magmatischen Prozessen gekoppelt ist die seismische Aktivität unter der Katla-Caldera. Nach dem Schwarmbeben gestern gab es nur noch vereinzelte Erdbeben. Das stärkste Beben gestern hatte eine Magnitude von 4,4 und wurde von Leuten gespürt, die sich bei Thorsmörk aufhielten. IMO veröffentlichte ein Statement, nachdem man im Fluss Múlakvísl eine erhöhte elektrische Leitfähigkeit gemessen hat. Diese kommt sehr wahrscheinlich durch vulkanische Mineralien und Gase im Wasser zustande. Zudem wurde am Gletscher eine erhöhte Konzentration vulkanischer Gase gemessen. Die Interpretation der Messungen lässt auf geothermische Aktivität schließen, magmatische Bewegungen können jedoch nicht ausgeschlossen werden. Die geothermische Aktivität eines Vulkans steht im Allgemeinen im direkten Zusammenhang mit einem Magmenkörper unter dem Vulkan, von dem Erdwärme und Fluide ausgehen. Warum dies im Bereich der Katla gehäuft während des Sommers auftritt, ist unklar. Dieser Umstand führt in den Sozialen Medien zu Spekulationen über einen anderen Ursprung der Erdbeben: Man vermutet Eisbruch, der durch Eisschmelze während des Sommers verursacht werden soll. Diese Spekulationen werden durch den Umstand verstärkt, dass die Erdbeben zum großen Teil in nur 100 m Tiefe (unter dem Meeresspiegel) liegen. Meiner Meinung nach sind viele der Erdbeben zu stark, als dass sie durch Eisbruch hervorgerufen werden könnten. Sollte dem so sein, würde ich auch sichtbare Depressionen im Gletschereis erwarten. Was dagegen spricht, ist, dass die Erdbeben praktisch nur im Bereich der Caldera auftreten, wo das Eis am dicksten ist und durch sommerliche Temperaturen an der Oberfläche kaum beeinflusst werden dürfte. Über der Caldera ist die Eisschicht des Myrdalsjökull 500-600 Meter mächtig. Vergleichbare Effekte müssten auch an anderen Gletschern auftreten, was aber derzeit nicht der Fall ist.

Vulkan Katla auf Island – News vom 30.06.23

Schwarmbeben erschüttert isländischen Calderavulkan Katla – Stärkstes Beben Mb 4,4

Datum 30.06.23 | Zeit: 02:46:45 UTC | 63.658 ; -19.097 | Tiefe: 0,1 km | Mb 4,4

Der subglaziale Calderavulkan Katla wurde heute Nacht von einem Schwarmbeben erschüttert. Die IMO registrierte innerhalb von 48 Stunden 59 Erdbeben im Bereich des Gletschers Myrdalsjökull, der die Caldera bedeckt. Das stärkste Einzelbeben hatte eine Magnitude von 4,4. Das Hypozentrum lag in nur 100 m Tiefe. Das Epizentrum wurde 7,8 km ost-nordöstlich von Goðabunga lokalisiert. Es gibt Wahrnehmungsberichte aus Thorsmörk. Der Schwarm zählt zu den stärksten Ereignissen der letzten Jahre und schürt Sorge, dass der Vulkan bald aktiv werden könnte. Die Gesamtenergie des Schwarms war vergleichsweise hoch. Es wurden 8 Beben mit Magnituden über 3 registriert. Genauso viele Beben hatten Magnituden im 2er-Bereich.

Die Vulkanologen von IMO beschreiben zwar den Erdbebenschwarm auf ihrer Website, liefern aber keine weiteren Interpretationen des Geschehens. Die Ursache für die Erdbeben bleibt weiter spekulativ. Bodenhebung und vulkanischer Tremor werden im Bereich der Katla derzeit nicht registriert. Die Beben verursachen aber Peaks im Tremorgraphen, die besonders im niedrigen Frequenzband sichtbar sind. Die meisten Beben liegen in geringen Tiefen, kurz unterhalb des Meeresspiegelniveaus. Da tiefere Erdbeben selten vorkommen, halte ich Magmenaufstieg als Ursache für die Beben für unwahrscheinlich. Dennoch könnten sich magmatische Fluide bewegen, die sich bereits früher akkumuliert haben und das Hydrothermalsystem beeinflussen. Steigender Fluiddruck könnte das Spannungsfeld ändern und oberflächennahe Störungen aktivieren.

Übrigens gab es gestern ein weiteres Erdbeben mit einer Magnitude größer 3, das sich außerhalb des Katla-Gebietes ereignete. Das Beben der Magnitude 3,1 erschütterte die südwestliche Vatnajökullregion beim Vulkan Þórðarhyrna, der mir bis dato unbekannt war.

Gestern gab es auch einen Erdbebenschwarm auf der Reykjanes-Halbinsel. Die meisten der 66 Beben hier ereigneten sich im Bereich von Krýsuvík, wo es auch vor den beiden Fagradaslfjall-Eruptionen Schwarmbeben gab. Alles in allem herrscht gerade viel Bewegung unter Island, und es würde mich nicht wundern, wenn wir hier innerhalb eines Jahres einen weiteren Vulkanausbruch erleben würden. Neben Fagradalsfjall und Katla ist Askja ein möglicher Kandidat. Dort gibt es aktuell Bodenhebung. Ihr Zentrum hat sich offenbar etwas verlagert, weg von der Messstation OLAC, hin zur Station JONC, wo inzwischen 26 cm Bodenhebung festgestellt werden. Der Wert von 60 cm an der Station OLAC stagnierte zuletzt bei 59,7 cm.

Update 16:00 Uhr: Es gibt ein Statement der Vulkanologen zum Erdbebenschwarm unter der Katla, nach dem unter dem Gletscher ein erhöhter Gasausstoß registriert wird. Zudem ist die elektrische Leitfähigkeit, von Flüssen die den Gletscher entwässern, erhöht.

Erdbeben auf Island – News vom 21.06.23

Erhöhte Seismizität auf isländische Reykjanes-Halbinsel

Die Reykjanes-Halbinsel befindet sich im Südwesten von Island und war Schauplatz der letzten beiden Vulkanausbrüche auf Island, die sich in den Jahren 2021 und 2022 ereigneten. Da sich laut Aussage von Vulkanologen weitere Ausbrüche ereignen könnten -die Halbinsel soll in eine neue Aktivitätsphase eingetreten sein, die mehrere Jahrzehnte anhalten könnte- Blicken wir natürlich mit gesteigertem Interesse auf die Erdbeben der Region. Die beiden Eruptionen haben sich Monate zuvor durch eine rege Erdbebenaktivität angekündigt gehabt. Tatsächlich beobachten wir seit einigen Wochen einen leichten Anstieg der Seismizität unter Reykjanes. In der vergangenen Woche wurden insgesamt 130 Erschütterungen festgestellt.

In den letzten Tagen manifestierten sich kleinere Schwarmbeben am Spaltensystem zwischen Fagradalsfjall und Keilir, ähnlich wie es sich einige Monate vor den letzten Eruptionen ereignete. Sollten die Beben durch Magmenbewegungen im Untergrund hervorgerufen werden und somit Vorzeichen einer erneuten Eruption sein, befinden wir uns in einem frühen Stadium des Magmenaufstiegs, der sich an der Erdoberfläche in einer leichten Bodenhebung manifestiert. So zeigen die GPS-Messungen am Fagradalsfjall eine Bodenhebung von maximal 20 mm. Die Hebungsphase begann im Mai, etwa zeitgleich mit der Zunahme der Seismizität. Der letzte Messwert stürzte jäh ab. Da das Phänomen an allen Messstationen auftrat, gehe ich von einem Systemfehler aus.

Die Erdbebentätigkeit ist in anderen Vulkanregionen Islands ebenfalls erhöht. Im Wochenbulletin des IMO heißt es, dass in der letzten Woche (Kalenderwoche 24) vom seismischen Netzwerk 660 Erdbeben registriert worden sind. Davon wurden etwa 600 Ereignisse manuell verarbeitet. Dies ist ein leichter Anstieg gegenüber der Vorwoche, in der es rund 550 Erdbeben gab. Das größte Erdbeben der Stärke M3.1 in dieser Woche ereignete sich im Vulkan Bárðarbunga. Am Geitlandsjökull-Gletscher wurde ein Erdbeben der Stärke 2,8 gemessen.

Bodenhebung an der Askja hält an

IMO betont, dass die Bodenhebung an der Askja linear verläuft und mittlerweile auf 60 Zentimeter angewachsen ist. Pro Woche ereignen sich in der Region zwischen 40 und 50 schwache Erdbeben. Das Dach eines Magmenkörpers soll sich in ca. 2,9 km Tiefe befinden. Ob- und wann es zu einem Vulkanausbruch kommen wird bleibt ungewiss.

Erdbeben auf Island: News vom 14.06.23

Schwarmbeben am Fagradalsfjall

Im Bereich des isländischen Vulkans Fagradalsfjall gab es in den vergangenen Tagen ein kleines Schwarmbeben. In der Hauptphase des Schwarms registrierte IMO 83 schwache Erdstöße innerhalb von 48 Stunden unter Reykjanes. Die meisten Beben manifestierten sich im Spaltensystem Krýsuvík-Fagradalsfjall und könnten ein Indiz für aufsteigendes Magma sein. Die meisten Hypozentren lagen im Bereich des magmatischen Gangs, der die beiden Eruptionen am Fagradalsfjall mit Schmelze versorgte. Seit Anfang Mai scheint es einen leichten Trend zur Bodenhebung am Fagradalsfjall zu geben. An der GPS-Messstation FAFC hob sich der Boden gemittelt um 15 mm an. Der höchste Wert wird allerdings an der Messstation FEFC gemessen, die sich an der Küste auf Höhe des Vulkans befindet. Dort beträgt die Bodenhebung 22 mm. In den Regionen, wo in den letzten Jahren als erstes Bodenhebungen gemessen wurden (Geothermalkraftwerk Svartsengi und am Thorbjörn-Vulkan) ist es momentan ruhig.

Generell hat in den vergangenen Wochen die Seismizität unter Island leicht zugenommen. Das kann genaueren Messungen bei besserem Wetter geschuldet sein, da schwache Erdbeben oft im Signalrauschen der Stürme untergehen. In der vergangenen Woche registrierte das seismische Netzwerk auf Island 550 Erschütterungen. Das stärkste Beben manifestierte sich am Bardarbunga und hatte eine Magnitude von 3,0. In der Woche davor gab es dort ein Beben M 3,4. Laut dem wöchentlichen Update vom IMO war die seismische Aktivität in der Katla-Caldera im Vergleich zur Vorwoche bemerkenswert: das stärkste Beben der Magnitude 2,5 wurde am 10. Juni um 15:40 Uhr registriert. Etwa zwanzig Erdbeben wurden am 8. Juni westlich des Myrdalsjökull-Gletschers in einem kleinen Schwarm registriert.

Vier Ereignisse ereigneten sich im und in der Nähe des Berges Hekla. Weitere Erdbeben ereigneten sich an allgemein bekannten Orten innerhalb einiger der Hauptvulkane und an bekannten Brüchen und Bruchzonen.

Aktuell zeigt die isländische Bebenkarte 158 Erschütterungen an. Auffällig sind die Beben entlang der Reykjanes-Halbinsel, in der Katla-Caldera und beim Askja-Vulkan. Dort liegt die Bodenhebung bei 60 cm. Der letzte Messwert liegt darunter und deutet Subsidenz an, aber es könnte sich um einen Ausrutscher handeln.

Erdbeben auf Island – News vom 06.06.23

Erdbeben M 3,0 bei Surtsey

Datum 06.06.23 | Zeit: 03:17:37 UTC | 63.303 ; -20.650 | Tiefe: 16 km | Mb 3,0

In den letzten Tagen steigerte sich die Seismizität unter Island wieder. So gab es letzte Woche einen kleinen Schwarm auf der Halbinsel Reykjanes, der sich hauptsächlich an der Westspitze der Insel austobte. Es wurden aber auch mehrere Beben entlang des Störungssystems registriert, zu dem auch der Fagradalsfjall gehört. Das Schwarmbeben an der Tjörnes-Fracture-Zone war ebenfalls aktiv. Einzelne Erschütterungen gab es auch entlang der großen Zentralvulkane. Hier lag der Schwerpunkt bei Askja und Katla.

Gestern manifestierte sich ein Beben der Magnitude 3,4 am Bardarbunga, der unter dem größten Gletscher Europas liegt. Hierbei handelt es sich um den Vatnajökull. Das Beben lag am Ostrand der Caldera und hatte eine Herdtiefe von fast 3 km.

Das eigentliche Beben-Highlight stellt eine Erschütterung der Magnitude 3,0 dar, die sich heute Nacht bei den Westmänner-Inseln zutrug. Das Beben hatte ein Hypozentrum in 16 km Tiefe und ein Epizentrum, das 2.7 km west-südwestlich der Vulkaninsel Surtsey lokalisiert wurde.

Surtsey ist nicht nur der jüngste Inselvulkan vor Island, sondern auch Synonym für Unterwassereruptionen, bei denen die Explosionen so stark sind, dass Tephra die Wasseroberfläche durchbricht und eine Insel auftauchen lässt. Dieser Ausbruchstypus wird als surtseyanische Eruption bezeichnet. Die gewalttätige Geburt der Insel geht auf das Jahr 1963 zurück. Damals begann die Eruption, die bis 1967 andauerte. Zurück blieb eine 2,7 Quadratkilometer große Insel, die von der UNESO als Weltnaturerbe geschützt ist. Nur Forscher dürfen die Insel betreten. Sie studieren, wie das Leben neues Land besiedelt. Der Name der Insel hat natürlich einen Bezug zur isländischen Mythologie und bezieht sich auf den Feuerriesen Surtur.

Das aktuelle Beben ereignete sich in einer Tiefe, in der Magma in die Erdkruste eindringen könnte. Allerdings gab es neben der erwähnten Erschütterung nur noch zwei schwache Beben, die relativ flach lagen und ein Schwarmbeben blieb aus. Von daher kann es sich um ein Setzungsbeben oder eine rein tektonische Erschütterung handeln.

Island und der Asphalt

Isländische Hochlandpisten sollen teilweise asphaltiert werden

Vulkanreisen auf Island werden künftig einfacher, aber leider verlieren sie durch die Ankündigung, dass mehrere wichtige Hochlandpisten asphaltiert werden sollen auch an Attraktivität für all jene Hochlandfahrer, die mit ihren Geländewagen ein Abenteuer erleben wollen. Also, nicht durch die Ankündigung verlieren die Reisen ihre Abenteuerlichkeit, sondern durch den Asphalt. Zugleich kann man davon ausgehen, dass einfacherer Zugang ins Hochland noch mehr Touristen dorthin lockt, als es in den letzten Jahren sowieso schon der Fall war, was natürlich Sinn des Unterfangens ist. In einem Artikel auf icelandreview.com heißt es, dass alleine der Ausbau der Infrastruktur am zum Touristenzentrum Kerlingarfjöll im südlichen Hochland bis zu 20 Millionen Euro bereit gestellt werden. Das ist dann die größte Einzelinvestition im Hochland außerhalb eines Geothermalkraftwerks. Die einfachen Hütten sollen einem Luxushotel weichen und der Campingplatz wird saniert. Der Zugang zum Kerlingarfjöll wird für die Luxusgäste limitiert.

Für mich liest sich das wie ein Albtraum! Noch mehr Schickimicki verwöhnter Weicheier, ähnlich wie der (Apres) Schitourismus weite Teile der Alpen versaut hat! Da wird dann künftig bei Prosecco im warmen Thermalpool gebadet, allerdings ohne vorher zu frieren, wenn man sich am Rand des Badebeckens ungeschützt im kalten Wind die Badehose überzieht. Hoffentlich denkt man dann auch daran für die Teslas und E-Trons genug Schnelladesäulen zu verbauen, denn sonst kommt man dann trotz Asphalt bald nicht mehr weiter. Und während sich eine Schotterpiste noch beinahe naturnahe in die Landschaft einfügt, ist ein teeriges Asphaltband ein landschaftszerteilender Fremdkörper, den die Natur in jahrzehntelanger Erosionsarbeit zerkleinern und zurückerobern muss.


So war man vor 20 Jahren auf Island unterwegs. Wo mein Bus das Rad hebt, dass war auf dem Weg zum Kerlingarfjöll!

Nicht nur die Route zum Kerlingarfjöll soll asphaltiert werden, sondern auch die beiden Haupthochlandrouten Kjölur und Sprengisandur, sowie einige weitere Nebenstrecken. Während ich die Kjölur Anfang der 1990er Jahre noch ohne Brücken erleben durfte und mit meinem gemieteten Lada Niva Sport furten musste, wurde sie im Laufe der letzten Jahrzehnte entschärft, indem Brücken gebaut wurden. Aber wenigstens blieb noch die Sprengisandur, doch auch diese wird e-Auto ready gemacht.

Was bedeutet das nun für den Vulkantourismus? Er wird immer mehr kommerzialisiert! Einerseits werden somit auch entlegenere Eruptionsstellen leichter zugänglich, andererseits wird das dann im Eruptionsfall noch schärfere Absperrungen und Kontrollen mit sich bringen, als es bis jetzt schon der Fall ist. Das Beispiel der Fagradalsfjall-Eruption hat gezeigt, wie zweischneidig einfacher Zugang zu einem Vulkanausbruch sein kann: der Vulkanausbruch verkommt zu einem Touristenspektakel mit Jahrmarkt-Charakter und zugleich haben die Sicherheits- und Rettungskräfte alle Hände voll zu tun, weil sich planlose Familien mit kleinen Kindern im Nebel verlaufen, oder weil Oma sich den Knöchel verknackst. Alles schön und gut solange es die Ausnahme bleibt und nicht zur Regel wird!

Apropos Autos: Am Ätna wollte ich einen Jeep mieten und habe einen T-Roc bekommen. Wer um alles in der Welt braucht so ein piependes und blinkendes Auto mit Chromleisten in den engen Gassen und Feldwegen am Ätna? Doch dazu später mehr! Eins kann ich bereits jetzt verraten: Ich bin für die „schöne neue digitalisierte Elektrowelt“ wohl zu alt und analog!