Island: IMO aktualisierte Erdbebendaten

IMO hat Mittags die Erdbebendaten der Nacht nachgereicht – kein nennenswerter Aktivitätsrückgang

Heute Mittag hat IMO der Erdbebenstatistik von heute Morgen ein Update verpasst und die Erdbeben der Nacht in den Tabellen ergänzt. Somit ist mein Artikel von heute Morgen praktisch hinfällig, in dem ich schrieb, dass die Seismizität stark nachgelassen hätte. Defacto ist die Erdbebenaktivität praktisch gleich geblieben, vielleicht mit einer leicht rückläufigen Tendenz in den letzten Tagen, wobei zu berücksichtigen gilt, dass starker Wind herrschte und vielleicht nicht alle schwachen Beben detektiert werden konnten. IMO meldet jetzt, 50 Erdbeben in der Nacht detektiert zu haben, etwa genauso viele wie gestern im gesamten Tagesverlauf.

Neue GPS-Messungen zeigen anhaltende Bodenhebung

Es gibt auch eine neue GPS-Messung der Bodenhebung von Svartsengi, die von IMO durchgeführt wurde. Hier ist von einer Verlangsamung der Bodenhebung nichts zu sehen und der Verlauf des Grafen schaut ziemlich steil aus. Es fehlen die vielen Zwischenwerte der Messung der Uni, so dass der Verlauf nicht so kleinmaßstäblich ist. Der letzte Datenpunkt schloss auf jeden Fall zum Wert vom 10. November auf, der gemessen wurde, bevor es zur Dykebildung kam. Da weiterhin Magma in den Sill unter Svartsengi fließt und der Druck im System zunimmt, stellt sich nun die Frage, ob es in den nächsten Stunden/Tagen zu einem neuen Ausbruchsversuch der Schmelze kommen wird. Es könnte also jetzt sehr kurzfristig zu einem Vulkanausbruch oder einer neuen unterirdischen Gangintrusion nebst Erdbeben kommen. Natürlich kann auch erstmal nichts passieren. Vielleicht wurde der Untergrund durch die Intrusion des Ganges soweit stabilisiert und neues Volumen geschaffen, in dem die Schmelze ausweichen kann, sodass wir erst weitere Ereignisse sehen werden, wenn die unterirdischen Speicherkapazitäten erschöpft sind oder der Schwellenwert einer weiteren Schwachstelle überschritten wird und diese vom Magma durchbrochen werden kann.

Island: Seismizität hat nachgelassen

Seismizität lässt nach – Bodenhebung bei Svartsengi gering

Seit gestern Abend registrierte das seismische Netzwerk auf Reykjanes nur eine Handvoll schwacher Erschütterungen am magmatischen Gang und es sieht so aus, als hätte die Erdbebentätigkeit stark nachgelassen. Das Wetter ist zwar regnerisch, aber der Wind ist moderat, sodass man den Drop der Seismizität nicht nur dem Wetter in die Schuhe schieben kann.

Die Bodenhebung bei Svartsengi hat noch nicht ganz aufgehört, ist aber deutlich zurückgegangen, wobei inzwischen wieder das Bodenhöhenniveau wie am 10. November erreicht wurde. An anderen Messstationen wie Eldvörp, Grindavik-Nord (Messstation GRIV) und bei den Sundhunksgigar hebt sich der Boden allerdings im gleichen Tempo weiter. Woran das liegt, bleibt unklar. Ein Denkmodell ist, dass die Elastizitätsgrenze des Deckgesteins bei Svartsengi erreicht ist und sich der Boden ohne weiteres nicht weiter heben kann, was den Druck im Sill erhöhen wird und bald für eine Reaktion sorgen könnte. Vielleicht steigt dort aber auch einfach nur noch wenig Schmelze auf, was auch das Nachlassen der Erdbebentätigkeit erklären würde. Die bereits aufgestiegene Schmelze fließt noch zu den Rändern ab und stoppt auch dort bald. Andererseits gab es gut einen Tag vor den Eruptionen am Fagradalsfjall ebenfalls einen starken Rückgang der Seismizität und die Ausbrüche begannen genau dann, als man dachte der Magmenaufstieg hätte gestoppt. Die nächsten Stunden werden es zeigen, ob es sich diesmal ähnlich verhält!

Blaue Lagune öffnet morgen

Offenbar rechnet man auf Island aktuell nicht mehr mit einer Eruption oder der Entstehung eines neuen Gangs mit einhergehendem Rifting und starker Erdbebentätigkeit, denn morgen will das Thermalressort der Blauen Lagune seine Pforten wieder teilweise öffnen. Allerdings darf man nur mit dem Bus anreisen und die Hotels bleiben geschlossen. Das Bad wurde erst einen Tag vor der Bildung des magmatischen Gangs geschlossen, als es bereits zu stärkeren Erdbeben gekommen war, die nachts Hotelgäste des Ressorts in die Flucht schlugen. Ob es besonders klug ist, die Blaue Lagune wieder zu eröffnen, obwohl noch kein Gras über die aktuell anhaltende Periode magmatischer Unruhe gewachsen ist, stelle ich mal in Frage?

Island: Bodenhebung entschleunigt sich

Erdbeben halten an – Bodenhebung verlangsamte sich

Gestern wurden trotz starken Windes zahlreiche Erdbeben auf der Reykjanes-Halbinsel registriert, doch nicht alle Beben manifestierten sich am magmatischen Gang, sondern es gab ein Schwarmbeben westlich vom Kleifarvatn und bei Skeggi á Hengli. IMO betont, dass trotz des starken Windes gestern gut 70 Erschütterungen am Gang festgestellt wurden. Seit Mitternacht waren es heute 50 Beben. Die Aktivität geht also auf dem Niveau der letzten Tage weiter und könnte sich sogar wieder etwas verstärkt haben. Die Bodenhebung hat indes nachgelassen und dürfte sich bei Svartsengi auf wenige Millimeter pro Tag reduziert haben. Gestern sah es so aus, als hätte sie ganz gestoppt, doch ein neuer Messpunkt heute zeigt leichte Bodenhebung an. Insgesamt hob sich seit dem 10. November der Boden um 35 cm an und hat nun fast wieder Parität mit dem Niveau von vor der Gangintrusion erreicht.

Dieser Augenblick wurde von allen Geowissenschaftlern mit Spannung erwartet, da es nun wieder wahrscheinlicher wird, dass es zu einem neuen Ausbruchsversuch der Schmelze kommt. Man darf sich auch die Frage stellen, ob sich der Magmenzustrom in den Sill unter Svartsengi verlangsamt, weil aus der Tiefe weniger Schmelze aufsteigt oder weil der Gegendruck im Sill so weit angewachsen ist, dass die aufsteigende Schmelze immer schwerer aufsteigen kann. Sollte Ersteres der Fall sein, dann sinkt das Eruptionsrisiko erst einmal wieder, bis ein neuer Magmenschub kommt. Im zweiten Fall steigt das Eruptionsrisiko weiter an. Tatsache ist, dass wir nicht genau wissen, was im Untergrund vorgeht.
Inzwischen ist das Antilavabollwerk, das das Geothermalgrafwerk und die Blaue Lagune vor Lavaströmen schützen soll, fast fertig.

Den Grindavikings wird es dieses Jahr aber nicht mehr gestattet werden, in der Stadt zu übernachten. Sie dürfen aber zwischen 7 und 19 Uhr die Stadt betreten.

Island: Neues zur Bodenhebung

Bodenhebung noch höher als vor dem 10. November – Servercrash auf Island

Gestern Abend brachte IMO ein neues Statement zu den Geschehnissen bei Grindavik heraus. Demnach hält die Bodenhebung bei Svartsengi an und wäre noch höher als vor dem 10. November. Meiner Meinung nach hat sie aber noch etwas nachgelassen und dürfte sich jetzt auf ähnlichem Niveau wie vor dem besagten Stichtag der Dyke-Intrusion und dem Rifting liegen. Grund zu dieser Annahme liefert ein neuer GPS-Messwert von Svartsengi, der gestern Abend noch auf der Seite der Uni-Reykjavik aktualisiert wurde. Es war die erste Messung seit 2 Tagen. Es fehlen noch ca. 1,5 cm Bodenhebung, um das Niveau wie vor dem 10. November zu erreichen. Es könnte also stündlich zu einem neuen Ausbruchsversuch des Magmas kommen. Als wahrscheinlichster Ausbruchsort steht weiterhin die Region östlich von Thorbjörn im Fokus. Es ist gut möglich, dass sich eine Eruptionsspalte in der Gegend von Sundhúksgíga bildet.

Tatsächlich hat mir ein Vnet-Leser geschrieben, dass ein isländischer Geowissenschaftler gepostet hat, dass es einen schwerwiegenden Crash in der Datenverarbeitung gegeben hätte, von dem sich die digitale Infrastruktur nur langsam erhole.

Die Anzahl der detektierten Erdbeben auf Reykjanes sieht heute recht mager aus, allerdings ist das Wetter schlecht und es gibt starke Niederschläge und Wind. Von daher ist es gut möglich, dass schwache Erdbeben im Rauschen untergehen und nicht detektiert werden. In den letzten Tagen verhielt sich die Seismizität ähnlich wie die Bodenhebung: Sie war im Großen und Ganzen stabil mit einer leicht abnehmenden Tendenz.

IMO kündigt Ausbau der Naturgefahren-Überwachung an

Gestern kam es dann auch zur erwähnten Bürgerversammlung in Grindavik. Es sprach IMO-Direktor Árni Snorrason, der meinte, dass die Geschehnisse vom 10. November in ihrer Schnelligkeit und Stärke die Experten vom IMO überraschten. Sie würden ein neues Bild dessen prägen, was in der Natur möglich ist. Obwohl IMO die verschiedensten Prozesse rund um die Uhr überwacht, die zu Naturkatastrophen führen können, wurde beschlossen, die Überwachungen noch einmal auszubauen und auch Personal aufzustocken. Das wäre wohl bereits mit Einverständnis der Regierung beschlossen. Er betonte auch noch einmal, dass man sehr wahrscheinlich am Anfang einer mehrjährigen Aktivitätsphase auf Reykjanes stehe. Offenbar hat sich in den letzten Tagen hinter verschlossenen Türen einiges getan und man ist nicht ganz so ruhig, wie es den Anschein hat.

Island: Bodenhebung und Seismizität am 12.12.23

Bodenhebung und Erdbeben auf Reykjanes halten an – Datenlage unsicher

Die isländischen Forscher scheinen sich nach der medialen Aufregung um die Magmenintrusion im letzten Monat in ihr Schneckenhaus zurückgezogen zu haben und veröffentlichen praktisch keine Statements mehr. Ob es daran liegt, dass es nichts zu sagen gibt, oder weil ihre Prognosen so daneben gingen, bleibt spekulativ. Leider hat man alle anderen auch von den Daten zur Bodenhebung gekappt, und die entsprechende Seite bei IMO präsentiert sich zerschossen. Bis vorgestern wurden wenigstens noch äquivalente Seiten der Universität Reykjavik gepflegt, doch ausgerechnet die Grafik zur Messstation Svartsengi wird seit dem 10. Dezember nicht mehr aktualisiert. Wir fliegen also praktisch blind und es stellt sich die Frage, ob es eine technische Störung gibt oder ob man die Daten nicht mehr übermittelt, damit andere außerhalb des elitären Wissenschaftsclubs nicht mehr fundiert spekulieren können. Denn eins haben die Geschehnisse der letzten Wochen gezeigt: Zuverlässige Prognosen zu Vorgängen im Erdinneren lassen sich nach wie vor nicht anstellen. Dafür gibt es einfach zu viele unbekannte Faktoren, die darüber entscheiden, ob ein Magma an der Erdoberfläche eruptiert oder nicht.

Wie dem auch sei, bis zum 10. Dezember hielt die Bodenhebung bei Svartsengi an. Allerdings zeigte sie eine leicht nachlassende Tendenz, die sich bis jetzt an benachbarten Messstationen fortsetzt. Die Geschwindigkeit der Bodenhebung ist also zurückgegangen, hat bei Svartsengi aber fast das Niveau wie vor dem 10. November erreicht. Die Frage ist natürlich die, ob die Schmelze im Sill noch größtenteils fließfähig ist oder nicht? Das dürfte der entscheidende Faktor zur Einschätzung des Eruptionsrisikos sein. Bei weniger flachen Magmenkörpern bleibt die Schmelze im Erdinneren über Jahre hinweg fließfähig. Bei einem linsenförmigen Sill von wenigen Metern Höhe muss das nicht unbedingt der Fall sein. Anhaltende Bebentätigkeit im Bereich zwischen Thorbjörn und Hagafell zeugt aber davon, dass es noch Magmenbewegungen zu geben scheint. IMO schreibt zu den Erdbeben, dass die Tätigkeit konstant ist. Gestern gab es ca. 350 Erschütterungen im Bereich des magmatischen Gangs.

In Grindavik gehen die Aufräumarbeiten weiter und man hat damit begonnen, einen fast 2 km langen Riss im Boden zu verfüllen. Heute Nachmittag soll es eine Bürgerversammlung geben, auf der weiteres Vorgehen besprochen wird. Vielleicht gibt es dort dann wieder eine Lageeinschätzung der IMO-Forscher, über die ich hier berichten kann.

Island: Erdbebentätigkeit auch am 10.12.23 erhöht

Erdbebentätigkeit auf Reykjanes weiterhin erhöht – Erschütterungen auch im Norden

Gestern gab es auf Island zwei Erdbeben mit den Magnituden 3, 0 und 3,8. Ersteres ereignete sich im Norden und manifestierte sich an der Tjörnes-Fracture-Zone bei Grimsey. Hierbei handelt es sich um die nördliche Fortsetzung des Mittelatlantischen Rückens, der im Süden bei der Reykjanes-Halbinsel auf Island trifft. Hier, genauer in 70 km Entfernung zur Küste bei Reykjanestá ereignete sich der zweite Erdstoß mit der Magnitude 3,8. Einen direkten Zusammenhang zwischen den Ereignissen gibt es nicht. Entlang des magmatischen Gangs auf Reykjanes wurden gestern 365 schwache Erschütterungen detektiert. In der ersten Tageshälfte des heutigen Tages waren es 165 Erdbeben. Die Seismizität fluktuiert ein wenig, befindet sich seit Tagen aber auf einem vergleichsweise stabilen Niveau. Darüber hinaus gab es zahlreiche Erdbeben an 3 anderen Spaltensysteme der Halbinsel.

Die Beben zeugen von einem ebenso stabilen Magmenaufstieg im Bereich von Svartsengi. Die Schmelze wird unterirdisch weitergeleitet und lässt den Boden auch östlich und westlich von Svartsenig weiter steigen. Zwar sind die GPS-Daten bei IMO weiterhin offline, dafür kann man sie aber auf einer Seite der Uni Reykjavik weiter ablesen. Zu sehen ist, dass bei Svartsengi noch gut 2,5 cm Bodenhebung fehlen, bis man den Wert vom 10. November erreicht hat, als der Sill unter Svartsengi vermeintlich auslief und in das sich neu bildende Rift strömte. Es könnte also sein, dass wir bei anhaltender Inflation in 4-5 Tagen wieder ein spannendes Ereignis sehen werden. Allerdings ist das keine wissenschaftliche Prognose, denn im Endeffekt lassen sich solche Ereignisse nicht vorhersagen. Es kann also auch sein, dass der Schwellenwert imaginär ist und erst einmal nichts passiert. Sollte tatsächlich Magma die Bodenhebung verursachen, bleibt die Ausbruchswahrscheinlichkeit groß.

Genaugenommen wissen wir nicht mit 100-prozentiger Sicherheit, dass die Bodenhebung von Magma verursacht wird. Es könnten auch andere magmatische Fluide wie hydrothermale Tiefenwässer oder tektonische Prozesse hinter dem Phänomen stecken oder wenigstens daran beteiligt sein. Allerdings sind sich die verstummten IMO-Wissenschaftler einige gewesen, dass der Motor hinter den starken Erdbeben nebst Bodenverschiebungen vom 10. November Magma war.

Island: Neue Gefahrenkarte am 09.12.23

Neue Gefahrenkarte für die Gegend am magmatischen Gang auf Island

Gestern Abend veröffentlichte IMO ein neues Statement zu Lage am magmatischen Gang auf der Reykjaneshalbinsel bei Grindavik. Demnach gibt es 4 Zonen unterschiedlich starker Gefährdung. Die Gefahr einer plötzlich einsetzenden Eruption ist demnach entlang der Sundhnukur-Kraterreihe weiter am größten. Svartsengi wird als ein mittlerer Gefahrenbereich eingestuft, in dem die größte Gefahr wohl von Rissbildungen ausgehen soll. Persönlich finde ich es etwas paradox, da dort die Bodenhebung am größten ist und man sich nicht sicher sein kann, dass die Schmelze nicht auch einen direkten Weg zur Erdoberfläche findet. Auch nach Westen Richtung Eldvörp könnte sich Magma ausbreiten und einen Weg zur Oberfläche finden. Die Forscher schreiben in ihrer Gefahreneinschätzung aber auch, dass Gebiete außerhalb der markierten Flächen auf der Karte auch über ein gewisses Gefahrenpotenzial verfügen.

Zunahme der Seismizität

Im IMO-Bericht ist weiterhin zu lesen, dass die Erdbebentätigkeit in den letzten Tagen relativ konstant war und dass die Bodenhebung im Bereich von Svartsengi weitergeht. Heute steigerte sich die Seismizität aber wieder und seit Mitternacht wurden 270 Erschütterungen registriert. Auf der Shakemap sieht man, dass die Beben wieder anfangen über einen größeren Bereich zu streuen.

Keine öffentlich zugänglichen GPS-Messdaten mehr

Leider gibt es seit vorgestern keine Aktualisierungen der Messpunkte der GPS-Stationen mehr, so dass man sich selbst kein Bild der Lage machen kann. Ob es sich um eine technische Störung handelt, oder ob die isländische Wetterbehörde den Service absichtlich eingestellt hat, ist unklar. Die Bodenhebung nähert sich auf jeden Fall einem kritischen Wert, ab dem man wieder mit einem Magmenabfluss aus dem Reservoir unter Svartsengi rechnen muss. Dafür spricht auch die aktuelle Zunahme der Seismizität. Ob es zu einem Ausbruch kommen wird oder sich ein neuer magmatischer Gang bildet, wird sich zeigen. Natürlich kann auch gar nichts passieren, oder es geschieht erst etwas in einigen Monaten.

(Ergänzung: Während IMO die aktuellen GPS-Daten nicht mehr anzeigt, werden sie auf einer Seite der Universität Island noch aktualisiert.)

Erdbebensequenz am Reykjanes Ridge

Am Reykjanes-Ridge gab es in den letzten 24 Stunden 9 Erdbeben mit Magnituden zwischen 5,0 und 5,1 (GFZ-Daten). Ein bemerkenswerter Schwarm, der allerdings nicht in direktem Zusammenhang mit den Geschehnissen auf Island seht, da er sich etwa auf Breite von Schottland ereignete. Das Reykjanes Ridge ist jener Teil des Mittelatlantischen Rückens, der bei Island auf der gleichnamigen Halbinsel mündet.

Island: Erdbeben nicht nur auf Reykjanes

Weitere Erdbeben auf Reykjanes – Auch unter Vatnajökull bebte es

Datum 07.12.2023 | Zeit: 00:02:52 UTC | Lokation: 64.666 ; – 17.455| Tiefe: 2,2 km | Md 3,1

Heute Nacht gab es gut 90 Erschütterungen im Gebiet von Svartsengi und dem magmatischen Gang bei Grindavik und bis um 10 Uhr steigerte sich die Zahl auf 120. Im laufe des Nachmittags konnte man eine Intensivierung der Seismizität beobachten. Doch die stärksten Erschütterungen ereigneten sich gestern im Bereich des Vantajökull-Gletschers im Osten der Insel. Dort manifestierte sich ein Erdstoß Md 3,1 am Bardarbunga. Ein Beben Md 2,8 manifestierte sich am benachbarten Grimsvötn-Vulkan, der ebenfalls unter dem größten Gletscher Europas liegt. Grimsvötn ist statistisch gesehen mit einer Eruption überfällig, und vor 3 Jahren gab es eine länger anhaltende Episode mit Bodenhebungen. Es wurde über einen neuen Vulkanausbruch spekuliert, der aber bis jetzt ausbliebt. Das Beben am Bardarbunga ist wohl nicht als Anzeichen eines sich zusammenbrauenden Ausbruchs zu interpretieren, selbst wenn es von Magmenaufstieg zeugen sollte. Der Vulkan brach zuletzt 2014 aus und die Aufheizungsphasen des großen Calderavulkans werden wenigstens in Dekaden gerechnet. Während ein mittelfristiger Vulkanausbruch im Bereich des großen Gletschers eher unwahrscheinlich ist, sieht es mit der Reykjanes-Halbinsel anders aus. Auch wenn die seismische Aktivität momentan unspektakulär zu sein scheint, zeugt sie von einem anhaltenden Magmenaufstieg in einem Magmenkörper, der sich in 4-5 km Tiefe unter Svartsengi befindet. Theoretisch kann es jederzeit zu einem Vulkanausbruch kommen. Die Vorwarnzeit könnte extrem kurz sein.

Gestern gab es eine Sitzung der Stadtverwaltung in Grindavik, und man beratschlagte über die Reparaturarbeiten, die bereits begonnen haben. Es gibt Überlegungen, einige Schäden nicht zu beheben und sie quasi als Mahnmal in Erinnerung an die Geschehnisse vom 10. November zu erhalten. Gleichzeitig könnten sie als Touristenattraktion dienen. Vor allem denkt man da wohl an Risse und Erdfälle, die man teilweise bereits verfüllt hat. Außerdem hat man bereits begonnen, beschädigte Leitungen auszutauschen. Wenn man bedenkt, dass auf Island nur knapp 330.000 Menschen leben, ist es erstaunlich, über wieviel Manpower man verfügt! Wenn ich drandenke, dass ich bereits fast ein Jahr auf einen Glasfaseranschluss der Telekom warte, und das, wo das Kabel gerade einmal 120 m entfernt liegt. Armes Deutschland! Man darf gespannt sein, wie viele Jahrzehnte ins Land gehen, bis bei uns die energetische Transformation vollendet ist.

Bis zum Spätnachmittag gab es heute noch keine Aktualisierung der GPS-Messwerte zur Bodenhebung. Ich reiche sie so schnell wie möglich nach.

Übrigens, ich bin dabei meine Seite Streaming-Planet etwas auszubauen und habe ein paar Länderinformationen zu Island zusammengestellt. Meine älteren Reisevideos über Island findet ihr hier.

Island mit Beschleunigung der Bodenhebung am 07.12.23

Wenigere Erdbeben am magmatischen Gang – Bodenhebung bei Svartsengi verstärkt sich

Entlang des magmatischen Gangs, der sich am 10. November auf der Reykjanes-Halbinsel bei Grindavik gebildet hatte, gab es in den letzten Stunden vergleichsweise wenige Erdbeben. Gestern wurden insgesamt 180 Erschütterungen detektiert. Abends schrieb IMO in einem Update, dass die neuesten geodätischen Modellierungsergebnisse darauf hindeuten, dass der Magmazufluss zum Gang wahrscheinlich aufgehört hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu diesem Zeitpunkt entlang des Deichs zu einem Ausbruch kommt, ist daher deutlich gesunken. Unter Svartsengi setzt sich jedoch die Ansammlung von Magma fort. Diese Einschätzung fußte darauf, dass nicht nur die Erdbebentätigkeit entlang des Gangs nachgelassen hatte, sondern dass auch die Bodenhebung an den meisten Stationen entlang des Gangs gestoppt hatte oder sehr gering war. Allerdings sieht man heute, dass es weitere Bodenhebungen in der Größenordnung von mehr als 1 cm am Tag bei den Sundhnukur-Kratern gibt, die ja als wahrscheinlichster Ausbruchsort entlang des Gangs gehandelt wurden.

Signifikant bleibt auch die Bodenhebung bei Svartsengi, wobei hiervon ein recht großes Areal betroffen ist, das sich bis nach Eldvörp im Westen ausdehnt, wo ebenfalls eine Bodenhebung von mehr als 1 cm detektiert wird. Das Gleiche gilt für die nördlich von Svartsengi gelegene Messstation NORV. Wie man sieht, hebt sich der Boden in einem großen Areal weiterhin an, wobei die Geschwindigkeit der Hebung fluktuiert, was man aber auch erwarten kann. Generell frage ich mich, ob das geodätische Modell richtig ist, was davon ausgeht, dass Schmelze von einem Sill in 4 km Tiefe unter Svartsengi in den Gang bei den Sundhnukur-Kratern fließt. Ich denke, dass die Bodenhebung von einer großräumige Magmenakkumulation verursacht werden könnte, die unterhalb des Sills liegt und sich im Osten bis an den Westrand vom Fagradalsfjall ausbreitet und im Westen bis hinter Eldvörp reicht. Alternativ kann man sich auch fragen, ob das Modell des Sills richtig ist oder ob es sich hierbei nicht um einen größeren Magmenkörper handelt. Da es abseits des Gangs nur wenige Erdbeben gibt und praktisch keine in größeren Tiefen, scheinen die Aufstiegswege frei zu sein. Sie bildeten sich wahrscheinlich bei den früheren Phasen mit Magmenaufstieg, die seit 2019 mehrmals vorkamen.

Sollte die Bodenhebung in diesem Tempo weitergehen, dann wird der kritische Punkt der Akkumulation, bei dessen Erreichen am 10. November der Gang entstand, nicht erst Ende nächster Woche erreicht werden, sondern bereits an diesem Wochenende. Geht man davon aus, dass die Strukturen im Untergrund noch vom letzten Ereignis geschwächt sind, könnte ein kritischer Schwellenwert des Drucks auch früher überschritten werden. Kurzum, wir könnten also wenige Tage vor einem neuen Event stehen, das sich möglicherweise in einer neuen Gangbildung oder in einer Eruption manifestiert. Es ist natürlich denkbar, dass alle Modelle falsch sind und erst einmal nichts passiert. Es bleibt also spannend und zuverlässige Prognosen lassen sich nicht stellen.

Übrigens verglichen die IMO-Wissenschaftler, die das gestrige Update schrieben, die aktuelle Situation einmal mehr mit den Geschehnissen an der Krafla im Jahr 1975.