Island und das Geheimnis der Crystal Ice Cave

Von Eishöhlen, Nordlichtern und ein viel zu teures Butterbrot – Reportage zur Island-Kurzreise im März 2025

Island, die magische Insel im Nordostatlantik, hat weitaus mehr zu bieten als die mannigfaltigen Erscheinungen des Vulkanismus. Nicht umsonst nennt man die Insel international Iceland und assoziiert sie mit dem Bild von „Feuer und Eis“. Obgleich Leroy und ich auf unserem Kurzurlaub über Karneval hofften, dass der lang erwartete Vulkanausbruch auf Reykjanes beginnen würde, war es doch das Eis, das uns letztendlich lockte und den entscheidenden Anstoß zu unserer Reise gab: Auf der Agenda stand ein Besuch der Crystal Ice Cave am Vatnajökull, und falls genug Zeit sein sollte, auch ein Abstecher zur Katla-Eishöhle. Tatsächlich hofften wir auch, ein paar Nordlichter zu Gesicht zu bekommen, und wir wollten auch unser Bad in der Blauen Lagune nachholen, das uns der Vulkanausbruch im letzten März vermasselt hatte. Wer weiß, vielleicht eine der letzten Chancen, dort im warmen Wasser zu dümpeln, bevor der nächste Ausbruch die Lagune verschlingt und mit Lava verfüllt.

Gesagt, getan – wir machten uns am letzten Februartag auf nach Island, natürlich mit einer Beurlaubung für Leroy in der Tasche, denn die zwei freien Tage um Karneval reichten für unser Vorhaben nicht ganz aus. Im Vorfeld unseres Fluges drehte sich mir beim Checken der Wetternachrichten ein wenig der Magen um, denn es war fast kontinuierlich schlechtes Wetter vorausgesagt.

Da wir wieder von Amsterdam aus flogen (die Flugpreise von deutschen Flughäfen aus sind inzwischen nur noch als unverschämt zu bezeichnen), ging der erste Tag doch fast ganz für die Anreise drauf. Erst am späten Nachmittag konnten wir auf Island unseren Minicamper in Empfang nehmen und uns auf den Weg machen, um etwas zu essen zu fassen.

Essen gehen ist auf Island so eine Sache, denn wenn man nicht unbedingt über 100 € für ein Abendessen bezahlen möchte, geht man am besten in einen American Diner, um Burger zu essen, oder zu KFC. Wir wählten Letzteres, das man in Keflavik findet. Von dort aus fuhren wir dann zu den Gunnuhver Hot Springs nahe am Reykjanestá-Leuchtturm. Zum einen gibt es hier einen abseits der Straße gelegenen Parkplatz, auf dem man ganz gut nächtigen kann, zum anderen finde ich das Rauschen und Zischen der Hochdruckgasaustritte dort beruhigend. Natürlich hoffte ich insgeheim auch auf ein spürbares Erdbeben, die hier vor der Küste immer ganz gerne in Schwärmen auftreten. Tatsächlich gab es nachts auch einen scharfen Ruck im Auto, der durch ein Erdbeben ausgelöst worden sein könnte. Oder war es doch nur eine der brutalen Windböen, die uns nachts erfassten und am Wagen rüttelten?

Grindavik und das Bad in der Blauen Lagune – 15 € für ein Butterbrot

Morgens drehten wir im eiskalten Wind eine Runde um das Thermalgebiet und besichtigten dann Grindavík, bevor wir zu unserem Termin in der Blauen Lagune fuhren, den wir bereits zu Hause online (obligatorisch) gebucht hatten. Nur durch das Glück einer Stornierung eines anderen Gastes des Resorts hatten wir eine Woche vor Reiseantritt einen freien Platz für Samstag um 13 Uhr ergattert – für den schlappen Preis von 104 €, wobei der 12-jährige Leroy noch kostenlos durchkam. Im letzten Jahr hatte ich noch 77 € für das Ticket bezahlt, das ich dann ja aufgrund des Ausbruchs und der Schließung der Lagune nicht wahrnehmen konnte – und das natürlich trotz anderslautender Versicherungen vonseiten der Blauen Lagune nicht zurückerstattet wurde. Naja, irgendwie muss man die von Vulkankatastrophen heimgesuchten Isländer ja unterstützen, wobei ich denke, dass der Vulkanausbruch und das unter der Blauen Lagune aufsteigende Magma den Besucheransturm gefördert, anstatt ausgebremst haben. Aber immerhin schafften wir es diesmal.

Da wir vor unserem Termin noch etwas Zeit hatten und noch nicht gefrühstückt hatten, wagten wir einen Besuch im Self-Service-Restaurant der Lagune. Mich lachte ein eingepacktes Sandwich an, doch in dem Moment, in dem meine Hand sich ihm näherte, erspähte ich den Preis von umgerechnet ca. 15 €! Wie von einem Elektroschocker getroffen, zuckte meine Hand zurück, und ich schlenderte kopfschüttelnd zur Kaffeebar, um dort den teuersten Kaffee zu bestellen, den ich wohl jemals in einer mäßig gemütlichen Atmosphäre zu mir genommen hatte. Irgendwie fühlte ich mich an deutsche Flughäfen erinnert, wobei ein Butterbrot dort etwa die Hälfte kostet. Vielleicht war ich in der Apotheke eines Flughafens gelandet? Leroy und ich schlenderten zu unserem Camper zurück und bereiteten erst einmal eine Brotzeit zu, bevor wir dann endlich schwimmen gehen konnten.

Nun ja, was soll ich sagen – Umkleide und Dusche des Spas haben sicherlich schon bessere Zeiten erlebt und sind zudem viel zu klein dimensioniert für die Besuchermassen, weshalb wohl auch immer nur eine begrenzte Anzahl an Terminen ausgegeben wird. Außerdem gab es nicht einmal Umkleidekabinen, sondern man musste sich vor den Spinden umziehen. Im Eintrittspreis inbegriffen sind aber Handtücher und ein Freigetränk, das man an der Bar im kieselgurgefärbten blauen Wasser zu sich nehmen kann. Das Wasser selbst war deutlich wärmer, als ich es von meinem letzten Besuch hier vor gut 20 Jahren in Erinnerung hatte. Vielleicht kommt das ja durch die zusätzliche Erdwärme des unter einem aufsteigenden Magmas. Baden in einem gigantischen Kochtopf – und man selbst ist die Fleischeinlage. Ein pikanter Gedanke.

Durch das warme Wasser und die kalte Luft dampfte es gewaltig, sodass man hier nicht nur im Wasser, sondern auch im Nebel saß und von der bizarren Landschaft drumherum kaum etwas sah. Apropos Kieselgur: Dieser lagerte sich früher als Schlamm am Boden der Lagune ab, und wer mochte, konnte ihn vom Boden aufnehmen und sich damit einschmieren. Jetzt war der Boden blitzblank, und den Schlamm gab es an einer Ausgabestelle. Im Eintritt inbegriffen war ein Löffel voll Schlamm, um ihn sich als Gesichtsmaske ins Gesicht zu schmieren. Wer mehr wollte, musste dafür nun halb so viel wie für ein Butterbrot bezahlen. Sagt mir mal einer, die Isländer seien nicht geschäftstüchtig!

Nach gut drei Stunden beendeten wir unser Bad und machten uns auf den Weg Richtung Vík, denn für den nächsten Tag stand der Besuch der Eishöhle auf dem Programm. Sie liegt in der Nähe der Gletscherlagune Jökulsárlón am Fuße des mächtigen Vatnajökull – eine ca. sechsstündige Fahrt von Grindavík aus. Wenigstens die Hälfte der Strecke wollte ich noch schaffen. Unser Nachtquartier bezogen wir am Skógafoss unweit der Katla, ein Ort, an dem ich immer wieder gerne bin. Nachts regnete es in Strömen, doch am nächsten Morgen überraschte uns Sonnenschein. Gut gelaunt brachen wir in Richtung Vatnajökull auf, aber nicht, ohne im Einkaufszentrum von Vík zu frühstücken.

Natürlich muss man heutzutage den Besuch einer Eishöhle im Voraus online buchen. Ich erledigte das jedoch erst am Vortag und hatte Glück noch zwei Plätze zu bekommen. Ein nicht ganz billiges Vergnügen, das mit 150 € pro Person zu Buche schlug. Ebenso selbstverständlich war es, dass wir zu einer bestimmten Zeit am Treffpunkt erscheinen mussten, was uns ein wenig unter Zeitdruck setzte. Die Tour-Veranstalter werben damit, dass die Kristall-Eishöhlen auf dem Breiðamerkurjökull liegen und man Helm und Steigeisen braucht, was aber von den Veranstaltern zur Verfügung gestellt werden kann. Nur entsprechend stabile Wanderstiefel und wasserdichte, warme Kleidung sollte man mitbringen.

Schock an der Gletscherlagune Jökulsárlón: Wo sind all die Eisberge geblieben?

Um 12 Uhr – eine Stunde vor Tourbeginn – erreichten wir die Gletscherlagune Jökulsárlón, auf deren Parkplatz der Treffpunkt lag. Als ich auf den Parkplatz einbog, traf mich der Schlag! Es kam einer Nahtoderfahrung gleich, bei der vor dem inneren Auge der Film des Lebens abläuft. Ich erinnerte mich, wie ich hier vor 20 Jahren nur einer Handvoll Autos begegnet war. Tagelang campierte ich damals auf einem Feldweg am Ufer der Gletscherlagune und beobachtete den Tanz der Eisberge. Nun waren die Eisberge bis auf einige kümmerliche Reste verschwunden, stattdessen war der große Schotterparkplatz randvoll mit Autos. So voll, dass ich 15 Minuten lang kreiste, ohne einen Stellplatz zu ergattern. Vollkommen entnervt steuerte ich die Küste auf der anderen Seite der Ringstraße an, wo es noch einen Parkplatz gab, von dem aus man etwa zehn Minuten zur Lagune lief. Da der Tourbeginn näher rückte, packten wir hastig unsere sieben Sachen und kramten Steigeisen und Helme hervor – schließlich sollte es auf den Breiðamerkurjökull gehen. Diese gewaltige Gletscherzunge des Vatnajökulls prägte wie kaum eine andere Eismasse das Schicksal der Isländer.

Von der bewegten Geschichte des Breiðamerkurjökull erzähle ich an anderer Stelle mehr. Hier nur so viel: Die ersten Siedler Islands fanden an seiner Stelle ein bewaldetes Tal vor, das erst durch einen Kälteeinbruch und eine Vulkankatastrophe entwaldet und für Jahrhunderte unbewohnbar wurde. In dieser Phase drang die Gletscherzunge bis zur Küste vor. Heute zieht sich der Gletscher dank des menschengemachten Klimawandels im Rekordtempo zurück – so weit, dass kaum noch Eisberge in die vom Gletscher geschaffene Schmelzwasserlagune Jökulsárlón kalben, oder besser gesagt kalbten, denn ich habe die Gletscherlagune noch nie so Eisbergfrei gesehen wir jetzt.

Aufgerödelt und overdressed erreichten Leroy und ich den Parkplatz und fanden den Superjeep, der uns auf das Eis bringen sollte – oder zumindest dachten wir das. Mit uns versammelten sich 13 weitere Reisende, von denen die wenigsten für eine Gletschertour gewappnet schienen. Doch der Jeep war es: mit einem Meter durchmessenden Reifen, deren Luftdruck sich vom Fahrersitz aus regulieren ließ. Vom Parkplatz aus fuhren wir gut drei Kilometer über die Ringstraße, bevor wir auf eine Piste abbogen. Mit großem Brimborium ließ der Fahrer Luft aus den Reifen ab – schließlich könne man nur mit einem Superjeep diese Strecke bewältigen. Ich beobachtete etwas zweifelnd einen normalen SUV, der uns entgegenkam.




Das Geheimnis der Kristall-Eishöhle – Sie liegt nicht auf dem Breiðamerkurjökull

Während der Fahrt erzählte der Guide, dass sich die Eishöhlen ständig verändern und sie immer wieder neue entdeckten. Nach gut sechs Kilometern Pistenfahrt stoppten wir auf einer Schotterfläche, etwa einen Kilometer vom Rand der Gletscherzunge entfernt. „Nanu, schon Pinkelpause?“, dachte ich. Doch nichts da – im Eiltempo marschierten wir auf einen nahegelegenen Bergrücken zu. Dessen Rand war noch vor wenigen Jahren vom zurückweichenden Gletscher geschliffen worden, und auf ihm hatten sich Massen von Schotter aus den Seitenmoränen abgelagert. Genau auf diese Moräne steuerte unser Guide zielsicher zu. Nach fünf Minuten standen wir vor einem unscheinbaren Loch im Schotter, unter dem sich offenbar noch Resteis befand. Einer nach dem anderen verschwand in dieser Öffnung. Eine der Mitreisenden hielt kurz vor der Schwärze inne und fragte den Guide ernsthaft, ob es in der Höhle dunkel und eng sein könnte, denn sie und ihr Mann litten ein wenig unter Klaustrophobie. Meine Steigeisen hatte ich übrigens im Jeep gelassen.

Die ganze Tour erinnerte mich immer mehr an den Besuch des Antelope Canyons, den ich im Sommer nach 30 Jahren ein zweites Mal besucht hatte, was ich hätte besser sein lassen sollen! In der Resteishöhle war es ähnlich voll, sodass sich bei mir kein richtiges Abenteuergefühl einstellen wollte. Das Eis war jedoch stellenweise von einem beeindruckend klaren Blau, wie man es in der Natur nur selten sieht. Ich kam mir vor wie im Inneren eines riesigen Wick-Blau-Hustenbonbons und wartete darauf, jeden Moment ausgespuckt oder runtergeschluckt zu werden.

Wie immer auf Gruppenführungen blieb zu wenig Zeit, um in Ruhe vom Stativ zu fotografieren und Leute anzumotzen, die einem durchs Bild rennen, also begnügte ich mich damit, mit dem Smartphone einige Bilder zu knipsen. Jetzt, wo ich wusste, dass man die Höhle bequem mit einem SUV erreichen konnte und sie außerhalb der Tourenzeiten wohl menschenleer wäre, nahm ich mir vor, bei meiner nächsten Islandreise hierher zurückzukehren, um ungestört Bilder zu schießen.

Als wir die Höhle nach gut 30 Minuten verließen, schien es, als träten wir in eine andere Zeit: Der Sonnenschein war einem beginnenden Schneesturm gewichen, die Sicht war eingeschränkt. Zurück an der Gletscherlagune peitschte uns auf dem Weg zum Auto Hagel ins Gesicht – und Leroy erfuhr, was echtes Wetter ist. Auf der Rückfahrt zum Skógafoss wurde es immer heftiger, und im Nu verwandelte sich die Ringstraße in einen Eiskanal. Da hatte ich ihn, den Abenteueraspekt, den ich in der Eishöhle vermisst hatte. Aus der eigentlich dreistündigen Fahrt wurden fünf Stunden mit Sichtweiten von teilweise unter 50 Metern. Als wir – ohne Schneeketten dabei zu haben – den steilen Straßenabschnitt hinter Vík passiert hatten und uns dem Campingplatz bei Skógafoss näherten, war ich verdammt froh.

Der Schneefall ging erst in den Morgenstunden in Regen über, und da das Wetter nicht besser wurde, verwarfen wir die Idee, die Katla-Eishöhle zu besuchen, und entschieden uns stattdessen für das Eyjafjallajökull-Vulkanmuseum mit seiner Lava-Show. Angesichts des horrenden Eintrittspreises begnügten wir uns aber damit, einen Kaffee aus dem Automaten zu trinken und den 20-minütigen Vulkanfilm zu gucken, was bereits mehr kostete, als ein Kinoabend in Deutschland.

Mittags machten wir uns auf den Weg zum Haukadalur und dem Geysir Strokkur. Doch auch hier war es bewölkt, sodass das Fotografieren des Geysirs wenig Sinn machte – zumal er trotz des schlechten Wetters von unzähligen Touristen umringt war. Beeindruckt hat mich jedoch die wild sprudelnde Quelle Blesi, die im vergangenen Sommer plötzlich einen Hitzeschub bekam und anfing zu kochen.

Einmal Sky-Lagoon bitte sehr

Am Nachmittag fuhren wir zurück nach Reykjavik und bezogen in einem kleinen Ort vor der Stadt Quartier. Da keine Wetterbesserung in Sicht war, beschlossen wir, unseren letzten Tag noch einmal dem Baden zu widmen und testeten die Sky Lagoon. Einmal baden gehen für ca. 150 € ist zwar verrückt, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Natürlich musste man auch hier online reservieren und eine feste Eintrittszeit einhalten. Im Gegensatz zur Blauen Lagune war das Spa jedoch modern ausgestattet, und der in einem Lavastrom an der Küste angelegte Poolbereich war ansprechend gestaltet – wäre da nicht der unablässige Wind gewesen, der einem das Gehirn gefror und Hagel ins Gesicht peitschte. Das siebenstufige Saunaritual, das hier zelebriert wird, sollte man sich aber nicht entgehen lassen.

Am Abend fuhren wir zurück nach Keflavik, wo unser Flieger am frühen Morgen startete. Unser Quartier war ein beschrankter Campingplatz, dessen Schranke sich nur nach Online-Zahlung öffnete. Wie ich es hasse! Doch nachts hatten wir dann doch noch Glück: Gegen Mitternacht rissen die Wolken auf, und wir konnten über der Reykjanes-Halbinsel und dem wilden Nordatlantik eine spektakuläre Nordlicht-Show erleben, womit Leroys größter Wunsch für diese Reise in Erfüllung ging!

Island: Schwarmbeben in Öxarfjörður an der TFZ

Schwarmbeben in an der Tjörnes-Fracture-Zone auf Island

Heute Morgen begann im Norden von Island ein Erdbebenschwarm, der sich aus mehr als 7 Erschütterungen zusammensetzt. Die Epizentren manifestierten sich etwa 10 km westlich der Stadt Kópasker in der Bucht von Öxarfjörður. Das stärkste Ereignis der Magnitude 2,4 wurde um 14:39 Uhr registriert. Kurz danach ließ die Intensität des Schwarms stark nach. Bereits um 11:11 Uhr gab es ein Erdbeben der Magnitude 2,3. Es liegen keine Meldungen über spürbare Erdbeben vor.

Die Bucht von Öxarfjörður gehört zur Erdbebenzone Tjörnes, und Erdbeben sind in der Region relativ häufig.

Bei der Tjörnes-Fracture-Zone (TFZ) handelt es sich um eine seismisch aktive Transformstörung vor der Nordküste Islands. Sie verbindet das nordöstliche Ende des Mittelatlantischen Rückens (Reykjanes-Laugarnes-Riftzone) mit dem Kolbeinsey-Rücken weiter nördlich. Die TFZ besteht aus mehreren Strike-Slip-Störungen (Blattverschiebungen) und Verwerfungen, die durch die westwärts gerichtete Verschiebung der nördlichen Riftzone entstehen. Die Tjörnes-Fracture-Zone ist eine der aktivsten seismischen Regionen Islands. In den Jahren 2012 und 2013 gab es eine Schwarmbebenserie mit mehreren Erdbeben über M 5,0.

Deutliche Steigerung der Seismizität bei Sundhnúhur

Heute bebte es aber nicht nur an der TFZ, sondern auch in anderen Regionen von Island, so dass in den letzten 48 Stunden 215 Beben detektiert wurden. 27 Beben ereigneten sich in der Vatnajökull-Region und 26 waren es im Süden von Island, wobei es auch ein Beben an der Hekla gab. Auf der Reykjanes-Halbinsel wurden 71 Beben festgestellt, die sich an mehreren Spaltensystemen ereigneten. Auffallend ist, dass es im Svartsengi-Gebiet und hier speziell entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe eine deutliche Zunahme der Aktivität gab: In den letzten 24 Stunden manifestierten sich fast 2 Dutzend Beben, als praktisch jede Stunde eine Erschütterung. Doch da die Natur nicht viel von Statistik hält, kamen die Beben gehäuft vor und die meisten manifestierten sich gestern Abend und heute Morgen. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass sie durch das aufsteigende Magma entstanden ist und der Druck im Fördersystem steigt. Die Bodenhebung hat in den letzten Tagen stark nachgelassen, so wie es vor der letzten Eruptionen der Fall gewesen war. Durchaus möglich, dass der erwartete Ausbruch doch bald beginnt.

Island: Sundhnúkur-Eruption mit Krafla verglichen

IMO-Wissenschaftler ziehen Parallelen zwischen Sundhnúkur und Krafla – Eruption könnte weiter auf sich warten lassen

Unter dem Svartsengi-Gebiet auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel sammelt sich weiterhin Magma an, was heute ein paar Erdbeben mehr auslöste als in den vergangenen Tagen. In der Region wurden in den letzten 24 Stunden zehn schwache Erschütterungen registriert. Drei der Beben manifestierten sich nordwestlich von Grindavik. Diese leichte Zunahme der seismischen Aktivität lässt jedoch keine verlässlichen Rückschlüsse darauf zu, wann der nächste Ausbruch stattfinden wird.

In den letzten Wochen hat sich der Magmenaufstieg deutlich verlangsamt. Je langsamer sich Magma ansammelt, desto schwieriger wird es, den Zeitpunkt des nächsten Ausbruchs mit einer Genauigkeit von mehr als ein paar Monaten abzuschätzen – oder überhaupt sicherzustellen, dass es erneut zu einer Eruption kommt.

Allerdings gibt es bislang keine Hinweise in den verfügbaren Daten oder Modellberechnungen, die eine erneute Beschleunigung der Magmaansammlung unter Svartsengi in Zukunft ausschließen.

Noch vor wenigen Wochen war das IMO davon überzeugt, dass es im März zu einem Ausbruch kommen würde. Doch laut einer aktuellen Stellungnahme scheinen die Forscher mittlerweile weniger sicher. Sie ziehen Parallelen zur Krafla-Eruptionsserie im Norden Islands, die zwischen 1975 und 1984 andauerte. Ähnlich wie bei der aktuellen Situation kam es damals zu mehreren eruptiven Episoden mit immer längeren Pausen dazwischen. Vor der letzten Krafla-Eruption pausierte die Aktivität sogar über zwei Jahre. Ein Szenario, das nun auch für Sundhnúkur nicht mehr ausgeschlossen wird.

Nach dem Ende der Krafla-Eruption setzte sich die Bodenhebung über Jahre fort, ohne dass es zu weiteren Ausbrüchen kam. Erst 1990 endeten die Bodendeformationen endgültig.

Der Vergleich zwischen Sundhnúkur und Krafla ist nicht neu und wurde bereits vor über einem Jahr angestellt. Doch während frühere Eruptionen wertvolle Erkenntnisse liefern, lassen sie sich selten eins zu eins auf aktuelle Ereignisse übertragen. Somit bleibt es möglich, dass es bald zu einem weiteren Ausbruch in der Sundhnúkur-Kraterreihe kommt – ebenso wie eine Verlagerung der Aktivität in ein anderes Spaltensystem auf Reykjanes nicht ausgeschlossen werden kann. Natürlich könnte die Aktivität auch ohne einen weiteren Ausbruch enden.

Island: Schwefelgeruch in Grindavik

Starker Schwefelgeruch in Grindavik beunruhigte Bürger – Feuerwehr alarmiert

Gestern nahmen Anwohner von Grindavik einen starken Schwefelgeruch wahr, der Sorgen weckte, dass in der Stadt oder in ihrer unmittelbaren Nähe Magma aufgestiegen sein könnte und kurz vor dem Ausbruch stand. Die Feuerwehr wurde alarmiert und rückte aus, um dem Phänomen auf die Schliche zu kommen, doch offenbar verlief die Suche nach der Quelle der Emissionen erfolglos. Es lässt sich nicht ausschließen, dass etwas Magma unter die Stadt migrierte oder dass sich vulkanische Gase entlang eines magmatischen Gangs ausbreiteten und in der Stadt diffus austraten. Zudem könnte natürlich der Wind Gase von der Sundhnúkur-Kratereihe nach Grindavik getragen haben. Im Gebiet der letzten Eruptionen kommt es immer noch zu starken Dampfentwicklungen.

Die Anwohner von Grindavik stehen mit der Wahrnehmung starken Schwefelgeruchs nicht alleine da, denn am anderen Ende Europas trägt sich Vergleichbares zu: Die Bewohner von Pozzuoli in Süditalien wohnen nicht nur am Rand eines Vulkans, sondern mitten drin. In der Caldera Campi Flegrei wurden in den letzten Wochen immer wieder erhöhte Schwefeldioxidwerte gemessen und auch der Geruch von faulen Eiern lag in der Luft. Dieser Gestank wird allerdings nicht von Schwefeldioxid verursacht, sondern von Schwefelwasserstoff. Ich kann mir gut vorstellen, dass man in Grindavik auch dieses Gas gerochen hat.

Gestern gab es nicht besonders viele Erdbeben auf Island, aber im Bereich der Sundhnúkur-Kratereihe gab es 5 schwache Erschütterungen. Die Seismizität bewegt sich seit Tagen auf ähnlichem Niveau, ohne signifikant anzusteigen. Die Bodenhebung hat sich zudem wieder etwas verlangsamt, wobei nicht differenziert werden kann, ob es sich um Messfehler handelt oder ob sich der Boden tatsächlich langsamer hebt. Generell hält die Bodendeformation aber weiter an und es kommt zu Magmaaufstieg. Trotz aller Bemühungen lässt sich nicht prognostizieren, wann es zum nächsten Ausbruch kommen wird, vorausgesetzt, es kommt tatsächlich einer. Doch davon gehen die meisten Wissenschaftler aus.

Island 19.03.25: Erneutes Erdbeben unter Bardarbunga

Erdbeben M 4,2 erschüttert Bardarbunga auf Island – Erdbebenserie reißt nicht ab

Datum 19.03.2025 | Zeit: 08:21:02 UTC | Koordinaten: 64.622 ; -17.434 | Tiefe: 4,7 km | M 4,2

Der isländische Gletschervulkan Bardarbunga wurde heute Morgen um 08:21:02 UTC von einem Erdbeben der Magnitude 4,2 erschüttert. Das Hypozentrum befand sich in 4,7 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag 4,9 Kilometer östlich des Calderazentrums. Kurz zuvor ereignete sich zwei Kilometer entfernt ein Erdbeben der Magnitude 2,9. Es folgten weitere, schwächere Beben.

Erdbeben mit Magnituden im Viererbereich sind unter dem Bardarbunga bekannt und treten in den letzten Monaten immer häufiger auf. Die Beben sind häufig tektonischen Ursprungs und manifestieren sich entlang der Brüche am Boden der Caldera. Forscher vermuten, dass ein magmatisch bedingter Druckanstieg im Speichersystem des Vulkans Spannungen erzeugt, die letztendlich die Erdbeben auslösen. Die Beben sind somit Ausdruck eines Aufheizens des magmatischen Systems, was mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Vulkanausbruch führen wird. Wann dieser jedoch kommt, lässt sich nicht prognostizieren. Die erneute Aufheizphase nach der großen Eruption im Jahr 2014 dürfte ein langer Prozess sein, der mehrere Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte dauert. Manchmal überraschen Vulkane jedoch und bereiten sich schneller auf die nächste Eruption vor, als man annimmt.

Generell gibt es unter mehreren Vulkansystemen auf Island Anzeichen für ein Aufladen der magmatischen Systeme – Prozesse, die mit Erdbeben einhergehen. So wurden bereits im Januar rund 2.100 Erdbeben registriert, was einem leichten Anstieg im Vergleich zu den letzten drei Monaten entspricht. Die höchste Aktivität wurde auf der Halbinsel Reykjanes beobachtet, gefolgt von Grjótárvatn und Bardarbunga. Das stärkste Erdbeben des Monats wurde am 14. Januar mit einer Magnitude von 4,9 in Bardarbunga gemessen. Insgesamt überstiegen 30 Erdbeben die Stärke 3,0, davon 21 in Bardarbunga.

In den letzten 48 Stunden wurden im Kartenabschnitt des Vatnajökull 44 Beben registriert, die meisten davon tatsächlich im Bereich des Bardarbunga. Unter ganz Island waren es im gleichen Zeitraum 132 Beben. Einige davon manifestierten sich auch wieder im Areal von Grjótárvatn, das ebenfalls Anzeichen eines Aufheizungsprozesses zeigt.

Auf der Reykjanes-Halbinsel und insbesondere im Bereich von Svartsengi war es in den letzten Stunden relativ ruhig und der Ausbruch lässt weiter auf sich warten.

Island: Erhöhte Ausbruchswahrscheinlichkeit bestätigt

IMO-Forscher bestätigen auf Island erhöhte Ausbruchswahrscheinlichkeit bei inzwischen gleichbleibender Seismizität

Auf der isländische Reykjanes-Halbinsel gab es in den letzten 24 Stunden wieder einige Erdbeben. Sechs Beben manifestierten sich entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe bei Svartsengi. Eins der Erdbeben lag unter Grindavik. Auch an den benachbarten Spaltensystemen Fagradalsfjall und Krysúvik bebte die Erde, sehr wahrscheinlich infolge der erhöhten Spannungen durch die Bodenhebung bei Svartsengi.

Laut den Vulkanologen von IMO besteht entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe weiterhin eine hohe Ausbruchswahrscheinlichkeit. Das geht aus einem heute veröffentlichten Bulletin hervor. Demnach setzt sich die Magmaansammlung weiter fort, obgleich sich die Geschwindigkeit der Bodenhebung in den letzten Tagen etwas verlangsamte. Das kann entweder daran liegen, dass aus der Tiefe weniger Magma aufsteigt, oder an dem immer weiter ansteigenden Gegendruck im flach liegenden Speichersystem, der aufsteigendes Magma quasi ausbremst.

Das derzeitige Magmavolumen unter Svartsengi ist seit Beginn der Eruptionen im Dezember 2023 auf ein neues Höchstmaß angewachsen und war zu keinem Zeitpunkt höher als jetzt. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass diese Phase der Magmaakkumulation in absehbarer Zeit in eine Gangbildung nebst Eruption mündet, die voraussichtlich zwischen Sundhnúkur und Stóra-Skógfell Platz nehmen wird.

In den vergangenen Wochen hat die seismische Aktivität allmählich zugenommen, was auf steigenden Druck im Bereich der potenziellen Ausbruchsstelle hindeutet. Ein Vulkanausbruch kann daher kurzfristig erfolgen. In den letzten Tagen steigerte sich die Seismizität allerdings nicht mehr und täglich werden zwischen 5 und 7 schwache Beben registriert.

Der Schwerpunkt der Erdbebenaktivität liegt weiterhin im selben Bereich wie vor den jüngsten Ausbrüchen, insbesondere zwischen Sundhnúkur und Stóra-Skógfell. Dort trat bei sechs der sieben Eruptionen seit Dezember 2023 erstmals Magma an die Oberfläche. Die Anfang des Monats gemeldete Verlagerung der Erdbeben in östlicher Richtung hat sich nach einer erneuten Analyse mit genaueren Daten nicht bestätigt. Die Vulkanologen wiesen darauf hin, dass ein fehlerhaft arbeitendes Geophon falsche Daten geliefert hatte. Der Fehler wurde inzwischen behoben.

Die Gefahreneinschätzung hat sich gegenüber der Vorwoche nicht geändert und in den unterschiedlichen Zonen gelten die gleichen Risikoeinschätzungen wie zuvor: Die rote Zone mit dem größten Gefahrenpotenzial ist die Zone 3, in der die Kraterreihe verläuft. Die Blaue Lagune, das Geothermalkraftwerk und Grindavik liegen in der orangen Gefahrenzone.

Island: Seismizität bei Svartsengi stagniert

Vor gut einem Jahr war entstand der Kraterkegel, der auch bei den letzten Eruptionen aktiv war. © Marc Szeglat

Erdbebentätigkeit entlang der Sundhnukur-Kraterreihe auf Island stagniert– Warten auf den Ausbruch

In den letzten 24 Stunden manifestierten sich entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe sieben schwache Erdbeben. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 1,4. Die Beben konzentrierten sich auf den Bereich östlich des Sylingafell, wo bei den letzten Eruptionen das Eruptionszentrum lag. Es liegt also die Vermutung nahe, dass sich in dem Areal auch beim nächsten Ausbruch die Spalte öffnen wird, wobei nicht vorhersehbar ist, wie weit sie sich in nördlicher oder südlicher Richtung ausdehnen wird. Die Anzahl der Erdbeben hat aber im Vergleich zu den letzten Tagen nicht weiter zugenommen und stagniert. Gegenüber der höheren Tätigkeit gestern hat sie sogar etwas nachgelassen. Da bedeutet aber nicht, dass die Zeichen auf Entspannung stehen.

In Erwartung der Eruption hat sich bereits der eine oder andere Vulkanspotter auf den Weg gemacht und auch einheimische Vulkanbeobachter und Drohnenpiloten stehen mit ihren Geräten in den Startlöchern. Theoretisch könnte ein Ausbruch jederzeit und ohne große weitere Vorwarnung beginnen oder aber eben auch nicht. Die Bodenerhebung hält weiterhin an, ihre Geschwindigkeit ist aber niedriger: Vor der letzten Eruption stiegen ca. 3,4 Kubikmeter Magma pro Sekunde aus dem tiefer gelegenen Speicherreservoir in das flacher liegende, während es jetzt ungefähr 2,3 Kubikmeter pro Sekunde sind. Außer beim letzten Ausbruch musste immer deutlich mehr Magma in das flache Speicherreservoir aufsteigen, bevor die Eruption startete, als es beim vorangegangenen Ausbruch der Fall gewesen ist. Daher könnte es auch noch einige Wochen dauern bis der nächste Ausbruch beginnt. Zuverlässige Prognosen lassen sich nicht anstellen.

Die Behörden beobachten die Entwicklung genau und sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Die Experten gehen davon aus, dass der nächste Ausbruch eine ähnliche Intensität wie die vorherigen haben wird. Die Vorwarnzeit für den letzten Ausbruch war außergewöhnlich kurz, weshalb erneut nur ein Zeitfenster von 30 bis 40 Minuten vor dem Ereignis erwartet wird.

Unterdessen hat die seismische Aktivität in Reykjanestá, die am Mittwoch einsetzte, deutlich nachgelassen. Innerhalb der letzten 24 Stunden wurden dort nur vereinzelt Erdbeben registriert, während es seit Beginn des Erdbebenschwarms mehr als 700 waren.

Während die seismische Aktivität auf der Reykjanes-Halbinsel heute etwas schwächelt, gab es nachmittags beim Bardarbunga ein Erdbeben der Magnitude 2,9.

Island: 12 Beben bei Sundhnúkur

Weitere Steigerung der Seismizität entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe – Größte Magmenakkumulation seit Beginn der Ausbrüche auf Island

Die letzten Tage waren für Island sehr bewegend, insbesondere was die Erdbebenaktivität anbelangte. So registrierte das seismische Netzwerk von IMO innerhalb von 48 Stunden 274 Erdbeben, die sich vor allem im Bereich der Reykjanes-Halbinsel konzentrierten. Ein Großteil der Beben hängt noch mit dem abklingenden Erdbebenschwarm bei Reykjanestá zusammen, wo sich in den letzten Tagen insgesamt 6 Beben mit Magnituden im Dreierbereich zugetragen hatten.

In den letzten 24 Stunden steigerte sich die Erdbebenaktivität entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe, wo 12 schwache Erschütterungen festgestellt worden waren. Zwei der Beben wurden unter Grindavik detektiert. Die Bodenhebung im Svartsengi-Gebiet geht unterdessen weiter und es fließt Magma von dem tief gelegenen Magmenreservoir in das flachere.

Bislang wurde von den IMO-Wissenschaftlern kommuniziert, dass sich seit dem Ende der November-Eruption gut 22 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt haben, doch in einem MBL-Interview brachte IMO-Naturgefahrenexpertin Ingibjörg Andrea Bergþórsdóttir eine neue Zahl ins Spiel: Sie meinte, dass sich inzwischen 38 bis 40 Millionen Kubikmeter Magma akkumuliert hätten. Das sei das größte Magmavolumen unter Svartsengi seit Beginn des Ausbruchs im Dezember 2023. Diese Angabe bezieht sich auf das Gesamtvolumen der Akkumulation seit Beginn der Hebungsphase im September/Oktober 2023. Bei den vorherigen Eruptionen wurde nicht die gesamte akkumulierte Magmenmenge eruptiert, sondern es verblieb immer noch Schmelze im Reservoir. Ob sie noch eruptionsfähig ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt geschrieben. Jedenfalls meinte Ingibjörg, dass es das höchste in dem Areal gemessene Magmenvolumen sei. Entsprechend stark könnte also die nächste Eruption ausfallen, wobei ich denke, dass sie sich in einer ähnlichen Größenordnung bewegen wird wie die letzten beiden Ausbrüche, vorausgesetzt, sie beginnt in den nächsten Tagen. Sollte sich der Eruptionsstart noch ein paar Wochen hinziehen, dann könnte es natürlich zu einem signifikant größer dimensionierten Ausbruch kommen.

Island: Starker Erdbebenschwarm hält am 13.03.25 an

Datum 12.03.2025 | Zeit: 23:25:02 UTC | Koordinaten: 63.790 ; -22.748 | Tiefe: 5,2 km | ML 3,5

Starker Erdbebenschwarm bei Reykjanestá auf Island geht weiter – mehr als 430 Erdbeben detektiert

Der Erdbebenschwarm, der gestern Nachmittag bei Reykjanestá auf Island einsetzte, geht auch nach fast 24 Stunden weiter. Inzwischen manifestierten sich mehr als 430 Erdbeben in dem Küstenabschnitt nahe des bekannten Leuchtturms an der Südwestspitze der Reykjaneshalbinsel. Hier liegt das erste von fünf vulkanisch-tektonischen Spaltensystemen der Halbinsel, die mit dem Mittelatlantischen Rücken assoziiert sind, der genau im Bereich des Erdbebengebiets die Tiefen des Ozeans verlässt und auf über Meeresspiegelniveau aufsteigt.

Das stärkste Erdbeben des Schwarms ereignete sich letzte Nacht um 23:25 Uhr und brachte es auf eine Magnitude von 3,5. Das Epizentrum wurde 2400 m west-südwestlich von Reykjanestá verortet und hatte einen Erdbebenherd in 3500 m Tiefe. Damit liegt es sehr flach. Eine Bodenhebung wird hier aber aktuell nicht detektiert, im Gegenteil: In den letzten Wochen ist an der Messstation RVIT eine leichte Subsidenz zu beobachten. Sie geht mit einer schwachen südwärtsgerichteten Bodenverschiebung einher.

Als Grund für den Erdbebenschwarm vermuten die IMO-Wissenschaftler, dass es aufgrund der Bodenhebungen im benachbarten Svartsengi-System zu Spannungen im Untergrund kommt, die sich bis nach Reykjanestá auswirken und dort die Erdbeben an Störungszonen verursachen.

Die Bodenhebung bei Svartsengi hält weiter an. Es sollen sich seit dem Ende der letzten Eruption mehr als 20 Millionen Kubikmeter Magma akkumuliert haben.

Interessant ist, dass an einigen Messstationen im Westen des Svartsengigebiets und bei Grindavik eine Beschleunigung der horizontalen Bodenverschiebungen in der Ostkomponente der Bewegung gemessen wird. Besonders auffällig ist das an der Messstation GRVM mitten in Grindavik. Eine Beschleunigung der Hebegeschwindigkeit gibt es indes nicht, sondern eher eine Verlangsamung. Ein ähnliches Verhalten setzte wenige Tage vor der letzten Eruption ein und kann ein Indiz dafür angesehen werden, dass Magma aus dem Reservoir in Richtung Sundhnúkur abfließt.