Campi Flegrei: Nationaler Notstand ausgerufen

Panorama über Pozzuoli und Küste der Campi Flegrei. © Marc Szeglat

Ausrufung des nationalen Notstands für das Gebiet der Campi Flegrei aufgrund der Zunahme der Erdbebenaktivität

Das Erdbeben der Magnitude 4,4, das gestern den süditalienischen Calderavulkan Campi Flegrei bei Neapel erschütterte, verursachte nicht nur weitere Schäden in Pozzuoli und Umgebung, sondern verunsicherte die Bewohner des Areals zusätzlich: Viele Menschen flüchteten bei dem Erdbeben ins Freie, und der Bürgermeister von Pozzuoli forderte die Bevölkerung auf, dort zu verweilen, bis die Häuser kontrolliert wurden. In der Konsequenz wurde gestern Abend der Notstand für das Gebiet ausgerufen.

Für die Ausrufung des nationalen Notstandes verantwortlich zeigt sich Nello Musumeci, der Minister für Katastrophenschutz. Er appellierte an die Regierung, seiner Empfehlung nachzukommen, was dann auch schnell geschah: Der Ministerrat genehmigte den Antrag.

Der nationale Ausnahmezustand ist eine gesetzlich vorgesehene Maßnahme, die bei außergewöhnlichen Ereignissen wie Naturkatastrophen, großen Bränden oder gesundheitlichen Krisen ergriffen werden kann. Im Falle der Phlegräischen Felder wurde er aufgrund der zunehmenden seismischen Aktivität und des Bradyseismus verhängt. Mit dieser Maßnahme wird es Behörden ermöglicht, schneller und flexibler auf die Notlage zu reagieren. Dazu gehört die Möglichkeit, gesetzliche Vorgaben und Haushaltsgrenzen temporär zu umgehen, finanzielle Mittel bereitzustellen sowie ggf. persönliche Freiheiten einzuschränken, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten.

Die Gültigkeit eines nationalen Ausnahmezustands beträgt zunächst zwölf Monate und kann einmalig um weitere zwölf Monate verlängert werden. Ziel ist es, bestehende Verfahren zu beschleunigen und notwendige Hilfsmaßnahmen effizient umzusetzen, insbesondere im Hinblick auf Schutzmaßnahmen, Unterstützung der betroffenen Bevölkerung und mögliche Wiederaufbauarbeiten.

Das Ausrufen des nationalen Notstands zeigt, wie dramatisch die Lage in den Campi Flegrei ist und wie sehr die Menschen unter den fortwährenden Erdbeben leiden. Der Erdstoß gestern war der zweitstärkste, der jemals in dem vulkanischen Gebiet gemessen wurde. Nachdem ich gestern über das Erdbeben berichtet hatte, manifestierten sich zwei weitere Erdstöße mit Magnituden im Dreierbereich, die von den Anwohnern deutlich gespürt worden waren. Neben der Angst vor einem starken Erdbeben mit einer Magnitude über 5, das die von der anhaltenden Aktivität geschwächte Bausubstanz vermutlich stark zusetzen würde, schwebt noch das Damoklesschwert eines sich möglicherweise zusammenbrauenden Vulkanausbruchs.

Campi Flegrei: Erdbeben Mb 4,4 am 13. Mai

Blick über Pozzuoli und den Hafen. © Marc Szeglat

Starker Erdbebenschwarm erschüttert Campi Flegrei – Stärkstes Beben Md 4,4 verursachte Einsturz eines Hauses

Datum: 13.05.2025 | Zeit: 10:07:45 UTC | Koordinaten: 40.823 ; 14.114 | Tiefe: 5 km | Md 4,4

In den Phlegräischen Feldern (Campi Flegrei) begann heute Nacht ein seismischer Schwarm, dessen bisheriger Höhepunkt heute Vormittag von 2 Erdbeben der Magnituden 4,4 und 3,5 markiert wurde, wobei auch Schäden entstanden. Beide Beben waren von den Anwohnern der Caldera deutlich zu spüren gewesen, wobei beim EMSC Wahrnehmungsmeldungen aus einem Umkreis von gut 35 Kilometern eingingen. Ein Bebenzeuge will sogar in knapp 200 Kilometern Entfernung zum Epizentrum ein leichtes Schütteln gespürt haben.

Das Beben Md 4,4 ereignete sich um 10:07:45 UTC (12:07:45 Uhr MESZ) und hatte einen Erdbebenherd in 5 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum befand sich im Golf von Pozzuoli, wenige Meter von der Küste entfernt im Hafenbereich der Stadt. Hier hatte es bislang noch nicht so viele Erdbeben gegeben. Das Beben Md 3,5 lag direkt unter Pozzuoli, genauer zwischen dem Marcellum und Rione Terra, wo das Zentrum der Caldera liegt und die stärkste Bodenhebung gemessen wird. Diese hatte sich in den letzten Wochen auf eine Geschwindigkeit von 15 mm pro Monat reduziert, lag aber immer noch über dem langjährigen Mittel. In den nächsten Tagen werden wir sehen, ob sich die Hebegeschwindigkeit heute wieder erhöht hat.

Schäden und Beeinträchtigung des öffentlichen Lebens in den Campi Flegrei

Mit einer Magnitude von 4,4 reiht sich die Erschütterung in den Reigen der stärksten Beben ein, die in den Campi Flegrei bislang gemessen wurden. Ein stärkeres Beben gab es nur vor genau 2 Monaten, das in einer Neubewertung auf Md 4,6 kam. Zuerst wurde es ebenfalls mit Md 4,4 eingestuft. Auch diesmal ist eine Korrektur des Wertes noch möglich, wobei sowohl auf- als auch abgestuft werden könnte. Fest steht aber, dass es eines der stärksten Beben in der Region war und dass es weitere Schäden verursacht hat. Aufgrund der langjährigen Zermürbung der Bausubstanz werden die Gebäude immer anfälliger, wobei einige Gebäude bereits als einsturzgefährdet gelten.

Entsprechendes hat man auch in Pozzuoli erkannt und nach dem Erdbeben gab es einen Appell des Bürgermeisters von Pozzuoli an die Bevölkerung, sich im Freien aufzuhalten und nicht in die Häuser zurückzukehren, bevor diese überprüft wurden. Ersten Berichten zufolge stürzte ein unbewohntes Haus teilweise ein. Es kam auch zu Erdrutschen am Monte Gauro. Schulen wurden geschlossen und der Zugverkehr eingestellt. Viele Menschen versammelten sich an den Evakuierungspunkten und verbrachten den Vormittag auf Plätzen.

Erdbeben und Bodenhebung der Campi Flegrei hängen mit Magmenaufstieg zusammen

Erst vor 2 Wochen zeigte sich INGV-Direktor Mauro de Vito optimistisch, dass es zu einer Entspannung der Lage kommen könnte, was mich allerdings sehr erstaunte. Die seismische Aktivität zeigt seit mehreren Jahren ein ähnliches Muster, bei dem sich stärkere seismische Phasen, die mit einer beschleunigten Bodenhebung einhergehen, mit ruhigeren Phasen abwechseln, bei denen es zu einer Reduzierung der Hebegeschwindigkeit des Bodens kommt. Auffällig ist, dass sich die Intervalle mit den ruhigeren Phasen in den letzten 2 Jahren signifikant verkürzten. Ich persönlich denke nicht, dass die aktuelle Bradyseismos-Phase kurzfristig einfach enden wird, so wie es bei den letzten – nur ca. 2 Jahre andauernden – Bradyseismosphasen im 20. Jahrhundert der Fall gewesen ist.

Die aktuelle Hebungsphase begann bereits vor 20 Jahren und es mehren sich die wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass sie nicht nur von magmatischen Fluiden ausgelöst wird, sondern direkt von Magma, das von einem tiefen in einen flacher liegenden Magmenkörper migriert. Wahrscheinlich ist der Druck im tiefen Magmenkörper inzwischen so groß geworden, dass sich von dort immer wieder Magmablasen lösen, die dann ähnlich dem Wachs in einer Lavalampe aufsteigen. Obgleich es Beispiele gibt, in denen langanhaltende Vulkanaufheizungsphasen nach Jahren ohne Eruption abgeklungen sind, wird der Prozess hier wahrscheinlich erst enden, wenn es zu einer nachhaltigen Druckentlastung infolge einer Eruption gekommen ist. In der weiteren Druckaufbauphase steigt auch das Risiko für Erdbeben, die durchaus stärkere Schäden hervorrufen könnten.

Campi Flegrei: Studie enthüllt Schwachstelle des Vulkans

Weitere Erdbeben, Reduzierung der Hebegeschwindigkeit und Identifizierung einer Schwachstelle in den Campi Flegrei

Obwohl es in der süditalienischen Caldera Campi Flegrei heute wieder mehrere Erdbeben gab – das stärkste hatte eine Magnitude von 2,3 –, deuten die geophysikalischen und geochemischen Parameter auf eine kurzfristige Entspannung der Situation hin: Laut dem heute veröffentlichten Bulletin wurden im Beobachtungszeitraum vom 28. April bis 4. Mai 2025 43 Erdbeben detektiert und eine leichte Reduzierung der Bodenhebungsgeschwindigkeit von 20 mm im Monat auf 15 mm festgestellt. Außerdem hat sich der Kohlendioxid-Ausstoß weiter reduziert, bewegt sich aber immer noch über dem Durchschnittsniveau des letzten Jahres. Die Gas-Temperatur der Pisciarelli-Fumarole lag bei 97 Grad.

Entgegen den Aussagen des INGV-Direktors Mauro de Vito, der bereits letzte Woche in einem Interview meinte, dass die neusten Daten Grund zum Optimismus gäben, sehe ich in dem leichten Rückgang der Aktivität kein Anzeichen für eine grundlegende Änderung im Geschehen. Vielmehr handelt es sich um das übliche Verhalten des Vulkans, nachdem es eine Verstärkung der seismischen Krise gegeben hat, die mit einer signifikanten Beschleunigung der Bodenhebung und einer Erhöhung des Gasausstoßens einherging. Die gemessenen Werte liegen immer noch über dem Durchschnitt dessen, was wir seit 2018 praktisch als normal ansehen, was an anderen Vulkanen aber bereits Grund für Alarmismus wäre.

De Vitos Optimismus steht konträr zu den Forschungsergebnissen der letzten Monate, die immer mehr zu bestätigen scheinen, dass der Motor hinter dem Bradyseismos, der seit jeher für Bodenhebung und Erdbeben in den Campi Flegrei verantwortlich gemacht wird – Magma ist, das nicht nur Fluide aufsteigen lässt, sondern auch selbst bis in 4 Kilometer Tiefe unter dem Vulkan migriert ist. Die neuesten Studienergebnisse, die heute in einem Blogartikel des INGV vorgestellt wurden, zeigen, dass es sogar eine bislang unbekannte Schwachstelle in Form einer instabilen Gesteinsschicht gibt, in der bereits Magma intrudierte.

Neue Studie identifiziert poröse Gesteinsschicht

Die fragile Zone in der Erdkruste unter der Caldera wurde mit Hilfe von hochauflösenden 3-D-Bildern des Untergrunds und der Analyse von Gesteinsproben einer Tiefenbohrung identifiziert, die 3 Kilometer hinab reichte und als Geothermie-Explorationsbohrung angelegt wurde. Die neu entdeckte Schwächezone liegt in 3–4 Kilometern Tiefe und umfasst einen Übergangsbereich aus porösem Gestein, der in 2500 bis 2700 m Tiefe beginnt. Diese Zone ist für Fluide durchlässiger als die darüberliegenden Gesteinsschichten aus vulkanischem Material und nicht so widerstandsfest wie die in größeren Tiefen liegenden Kalksteinschichten. Daher sammeln sich in dieser Schwächezone magmatische Fluide, was zur Bodenhebung und zu Erdbeben führt.

Numerische Simulationen deuten darauf hin, dass frühere Magmaintrusionen genau in dieser Zone gestoppt wurden, was die Schwächung weiter begünstigte. Kleinere Magmamengen erstarren dort häufig, ohne die Oberfläche zu erreichen. Größere oder schnell aufsteigende Magmamengen könnten jedoch nach einer Akkumulationsphase diesen Bereich überwinden – wie beim Ausbruch des Monte Nuovo im Jahr 1538. Außerdem ist es nicht ausgeschlossen, dass größere Magmamengen, die aus einem großen Reservoir in 8 Kilometern Tiefe aufsteigen, diese Schwäche- und Zwischenspeicherschicht in einem Rutsch überwinden.

Obwohl die Studie keine unmittelbaren Prognosen ermöglicht, liefert sie wichtige Erkenntnisse über die Dynamik der Campi Flegrei. Sie unterstreicht die Bedeutung kontinuierlicher und interdisziplinärer Überwachung, um kritische Veränderungen frühzeitig zu erkennen und das Risiko für die Bevölkerung zu verringern.

Campi Flegrei: Neues Schwarmbeben und weitere Studie

Weitere Studie bestätigt hohe Fluiddynamik in geringer Tiefe

Erst heute Morgen habe ich über eine neue Studie berichtet, die einen flach liegenden Magmenkörper unter dem Yellowstone-Vulkan identifizierte. Hierbei wurde das Bildgebungsverfahren der seismischen Tomografie eingesetzt. Einem neuen Bericht beim IGNV zufolge hat man eine vergleichbare Studie auch in den Campi Flegrei durchgeführt. Und ähnlich wie unter der Yellowstone-Caldera wurde auch hier ein Magmenkörper in nur 3,9 Kilometern Tiefe entdeckt.

Die INGV-Forscher untersuchten den Untergrund der Caldera Campi Flegrei in zwei Kampagnen, die 2020–22 und 2023–24 durchgeführt wurden, und verglichen die computergenerierten Modelle des Untergrunds, die dadurch entstanden, dass das Wellenverhalten tausender Erdbeben untersucht wurde. Die Forscher entdeckten unter der Caldera zwei Gebiete, in denen es zu einer anomalen Erhöhung der Ausbreitungsgeschwindigkeit der seismischen Wellen kam. Die erste Anomalie kommt durch eine erhöhte P-Wellen-Geschwindigkeit (Vp) in 3–4 km Tiefe unter Pozzuoli und dem angrenzenden Meer zustande. Die zweite zeigt sich in einer erhöhten S-Wellen-Geschwindigkeit (Vs) in rund 2 km Tiefe unter dem Fumarolengebiet Solfatara-Pisciarelli. Diese Anomalien stehen im Zusammenhang mit der beobachteten Bodenhebung und einer Zunahme der Seismizität. Der Vergleich der Daten der beiden Kampagnen belegte eine hohe Dynamik in dem Gebiet.

Die Vp-Anomalie kann entweder auf eine moderate magmatische Intrusion (< 1 km³), die überkritische Fluide enthält, oder auf die Ansammlung dichter Fluide wie Hochdruckwasser oder Gase zurückzuführen sein. Beide Prozesse erhöhen die seismische Geschwindigkeit gegenüber dem umgebenden porösen Gestein. Einige Studien deuten zudem auf einen Magmaaufstieg von 6 km auf etwa 3,9 km Tiefe hin. Diese Menge des aufgestiegenen Magmas ist jedoch zu gering, um tomographisch sicher nachweisbar zu sein.

Weitere Schwarmbeben unter der Caldera

Seit gestern kommt es auch wieder zu einem weiteren Erdbebenschwarm, der bis jetzt aus gut 30 Erschütterungen besteht. Er ist Ausdruck der dynamischen Prozesse unter den Campi Flegrei. Das stärkste Beben des Schwarms ereignete sich heute Morgen um 06:28:55 UTC und hatte eine Magnitude von 2,7. Der Erdbebenherd lag in 3,7 Kilometer Tiefe, Das Epizentrum wurde nordwestlich der Solfatara an der Tangentiale verortet. Die Bewohner der Region reagieren immer genervter auf die Beben. Es gibt Medienberichte, in denen die Anwohner mit den Worten zitiert werden, dass sie die Beben nicht mehr ertragen könnten.

Ein Ende der Hebungsphase ist indes nicht in Sicht und das INGV bestätigte in seinem jüngsten Wochenbericht ein Anhalten der Bodenhebung mit einer Geschwindigkeit von 20 mm pro Monat. Es gibt Hinweise auf eine leichte Reduzierung der Hebegeschwindigkeit. Dennoch hält der langjährige Trend der Druckbeaufschlagung an.

Campi Flegrei: 36 Erdbeben infolge anhaltender Bodenhebung

Fischereihafen Darsena von Pozzuoli weitgehend trockengefallen. © Marc Szeglat

Neues Schwarmbeben erschüttert Campi Flegrei – 36 Erschütterungen bis zum Nachmittag

Nach einigen Tagen geringer Seismizität wird der süditalienische Calderavulkan Campi Flegrei erneut von einem Schwarmbeben erschüttert. Es setzte kurz nach Mitternacht ein und erzeugte bis um 16 Uhr MESZ 36 Einzelbeben.

Die meisten Magnituden bewegten sich im Bereich der Mikroseismizität, wobei die stärkste Erschütterung eine Magnitude von 1,8 hatte. Dieses Beben manifestierte sich in nur 800 m Tiefe unter dem Südrand der Solfatara. Die meisten Beben streuten in einem größeren Bereich um das Maar herum, wobei auch Pisciarelli nicht ausgenommen wurde.

Der Schwarm fand bis jetzt vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit in den sozialen Medien, was daran liegen könnte, dass man besonders in Italien damit beschäftigt sein dürfte, Ostern zu feiern. Das INGV und die Kommunen Pozzuoli brachten aber ihre üblichen Warnungen und Statements heraus und erklärten das Ereignis auch wieder für beendet.

Der Erdbebenschwarm stand im Zusammenhang mit der weiterhin anhaltenden Bodenhebung, deren Rate seit einigen Wochen bei 20 mm pro Monat liegt. Dieser Wert wurde im letzten Wochenbulletin des INGV bestätigt. Die an der GPS-Station von RITE (RIONE TERRA) aufgezeichnete Bodenhebung beträgt seit Januar 2024 ca. 260 mm. Betrachtet man die Bodenhebung seit dem Einsetzen der aktuellen Hebungsphase im Jahr 2005, kommt man inzwischen auf 144 Zentimeter.

Im Beobachtungszeitraum vom 7. bis 13. April 2025 gab es 118 Beben. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 2,9. Die Gastemperatur bei Pisciarelli lag im Durchschnitt bei ca. 97 Grad, was nach wie vor ein hoher Wert ist, aber ein Stück von den Höchsttemperaturen, die hier gemessen wurden, entfernt liegt. Im März lag der Kohlendioxidausstoß weiterhin bei mehr als 5000 Tonnen am Tag.

Die geophysikalischen Parameter bestätigen den seit langem anhaltenden Trend der Druckbeaufschlagung des Hydrothermalsystems. Auch wenn es die letzten stärkeren Erdbeben Mitte März gegeben hat und sich die Bodenhebung von damals 30 mm entschleunigt hat, gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Zwar sieht es momentan nicht so aus, als würde ein Vulkanausbruch unmittelbar bevorstehen, könnte es langfristig betrachtet auf einen hinauslaufen. Phreatische Eruptionen könnten jederzeit einsetzen, besonders in Phasen mit stärkerer Erdbebentätigkeit.

Campi Flegrei: Schwarmbeben am 13.04.2025

Der Solfatara-Krater der Campi Flegrei ist eigentlich ein Maar. © Marc Szeglat

Datum: 12.04.2025 | Zeit: 21:29:15 UTC | Koordinaten: 40.825 ; 14.1355 | Tiefe: 2,2 km | Md 2,9

Weiteres Schwarmbeben erschüttert Campi Flegrei – Stärkste Magnitude 2,9

In Süditalien steht die Caldera Campi Flegrei weiterhin im Zeichen einer erhöhten Erdbebentätigkeit. Seit gestern manifestierten sich fast 60 Erdbeben. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 2,9 und ein Hypozentrum in Kilometern Tiefe. Das Epizentrum befand sich am äußeren Südwestrand des Solfatara-Kraters. Einige Hundert Meter südwestlich bildete sich bei der Bebentätigkeit der letzten Tage ein Erdbebencluster. Generell streuten die Erschütterungen über einen größeren Bereich der zentralen Caldera.

In den letzten Tagen steigerte sich die Seismizität wieder deutlich und es steht zu befürchten, dass sie einem neuen intensiven Erdbebenschwarm entgegenstrebt, bei dem dann auch wieder mehrere Erdbeben mit mittelstarken Magnituden größer 3 entstehen werden. Vielleicht sogar auch wieder Beben im Viererbereich. Erst im März wurde vom INGV enthüllt, dass man eine Methode entdeckt hätte, mit der sich diese starken Schwarmbeben vorhersagen lassen, denn einige Tage vor solchen Ereignissen soll es zu einem erhöhten Wärmeflux kommen, den man mit satellitengestützten Sensoren nachweisen könne. Ich bin mal gespannt, ob es zu einer entsprechenden Warnung kommen wird. Mein Optimismus hält sich in Grenzen.

Der Optimismus hält sich auch bei den Anwohnern der Campi Flegrei in Grenzen, wo man auf jedes neue Erdbeben aufs Empfindlichste reagiert: Die sozialen Medien sind voll mit Wahrnehmungsmeldungen und Schicksalsberichten: Immer mehr baufällige Häuser, die von den Erdbeben zerrüttet wurden, wurden inzwischen von Zivilschutz und Feuerwehr inspiziert und evakuiert. Die Bewohner sind oft finanziell nicht gut aufgestellte Bürger, die vorläufig in Hotels unterkommen, aber langfristig betrachtet schlechte Aussichten auf eine neue Wohnung haben. Durch die sich summierenden Erdbebenschäden an den Gebäuden werden immer mehr Häuser unbewohnbar und da Neubauten fehlen, steht immer weniger Wohnraum zur Verfügung. Die Folge ist, dass die Mieten steigen und gerade Arbeitslose und Rentner immer öfter wohnungslos sind. Langfristig betrachtet werden wohl zig Tausende umgesiedelt werden müssen.

Campi Flegrei: Fähre auf Grund gelaufen

Weitere Erdbeben erschüttern Caldera Campi Flegrei – Fähren haben Probleme im Hafen

In Süditalien wird der Großraum Pozzuoli weiter von Erdbeben erschüttert, die im Zusammenhang mit der Bodenhebung des Calderavulkans Campi Flegrei stehen. Das INGV registrierte seit gestern 35 Erschütterungen, die sich auf zwei Schwärme aufteilten. Das stärkste Beben heute hatte eine Magnitude von 2,2 und eine Herdtiefe von 4,2 Kilometern, was verhältnismäßig tief ist. Das Epizentrum lag an einer bekannten Störungszone im Golf von Pozzuoli und vor der Küste von Bacoli. Sowohl das INGV als auch die Stadtverwaltung informierten über das Ereignis.
Neue Informationen liegen auch vom Bürgermeister Pozzuolis vor, der in einem Newsartikel meinte, dass noch nicht alle Gebäudekontrollen nach dem Erdbeben Md 4,6 vom 13. März abgeschlossen seien. Bevor man mit den Kontrollen fortfahren könne, warte man auf vollständig ausgefüllte Formulare.

Zugleich räumte der Bürgermeister ein, dass aufgrund der Bodenhebung von nunmehr gut 144 Zentimetern zunehmend Probleme im Hafenbereich auftauchen. Besonders bei Ebbe haben immer mehr Fähren Probleme im Hafen, weil der Wasserstand zu niedrig ist. Erst am Dienstag lief eine Fähre auf Grund und musste auf die Flut warten, bevor sie wieder frei kam.

Geophysikalische Daten zeigen weitere Druckbeaufschlagung des Vulkansystems

Die geophysikalischen Parameter zeigten sich in der Vorwoche wenig verändert: Es gab 31 Erdbeben und die Bodenhebung lag bei 20 mm im Monat. Die Gastemperatur der Pisciarelli-Fumarole lag im Durchschnitt bei 96 Grad, wobei es eine hohe Variabilität gab. Es wurde bestätigt, das der langjährige Trend zur Druckbeaufschlagung weiterhin anhält.

Interessant sind auch die Daten des neu erschienenen Bulletins für den Monat März, in dem sich das stärkste je gemessene Erdbeben in den Campi Flegrei ereignete. Hierbei handelte es sich um das oben erwähnte Beben vom 13. März mit einer Magnitude von 4,6. Insgesamt gab es in diesem Monat 659 Erschütterungen. Sicherlich ein sehr hoher Wert, der allerdings hinter dem Höchstwert vom Februar zurückblieb. Damals wurde 1813 festgestellt. Der Kohlendioxid-Ausstoß belief sich in jedem der Monate auf ca. 5000 Tonnen am Tag.

Neben den blanken Zahlen beeindruckten mich auch die grafischen Darstellungen der Werte, die verdeutlichen, dass die Verlaufskurven der meisten Werte eine zunehmende Beschleunigung der Prozesse im Untergrund zeigen. Leider kann die Wissenschaft noch nicht auf entsprechende Referenzwerte vom Aufheizen eines Supervulkans zurückblicken, so dass uns Vergleichsdaten und Erfahrungen fehlen, um wirklich beurteilen zu können, was passieren wird. Meiner Meinung nach wird die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruches signifikant größer, je länger die Bodenhebungsphase andauert.

Campi Flegrei: Studie belegt Dauer früherer Aufheizungsphasen

Unruhen in den Campi Flegrei halten an – Studie enthüllt Besorgniserregendes

Die süditalienische Caldera Campi Flegrei liefert seit Jahren Stoff für zahlreiche Studien und Artikel, da es so aussieht, als würde sich der Vulkan auf einen neuen Ausbruch vorbereiten. Die Symptome sind eigentlich eindeutig, werden allerdings kontrovers diskutiert und unter dem Begriff Bradyseismos zusammengefasst und oft verharmlost. Wohl aus Angst davor, dass man die dichtbesiedelte Region als unbewohnbar deklarieren muss. Auch gestern gab es wieder ein Schwarmbeben und die Vulkanologen bestätigten eine Bodenhebung mit einer Geschwindigkeit von 20 mm pro Monat. Zudem werden große Mengen magmatischer Gase freigesetzt.

Die aktuelle Phase erhöhter Unruhen begann bereits vor 20 Jahren und beschleunigte sich in mehreren Stufen. Bereits im letzten Jahrhundert gab es mehrere Bodenhebungsphasen, die aber nicht länger als 3 Jahre anhielten. Den Bodenhebungen folgten Absenkungen, ohne allerdings das Höhenniveau wie vor den Hebungsphasen zu erreichen.

Forscher aus aller Welt arbeiten daran, die Prozesse im Untergrund zu entschlüsseln, und versuchen, Vorhersagemodelle zu entwickeln, ob und wann es zu einem neuen Vulkanausbruch in den Campi Flegrei kommen könnte. Der letzte Ausbruch manifestierte sich im Jahr 1538, als der Schlackenkegel Monte Nuovo entstand. Hierbei handelte es sich um einen als normal groß einzustufenden Vulkanausbruch, der vermutlich einen VEI 2 hatte. Deutlich größer waren da die beiden Eruptionen von vor 15.000 Jahren (VEI 7) und 39.000 Jahren (VEI 7–8), die enorme Auswirkungen auf die Umwelt hatten. Bei dem älteren Ausbruch wurden etwa 300 Kubikkilometer Tephra freigesetzt. Während in dem Ballungsraum bei Neapel bereits ein normalgroßer Ausbruch besorgniserregend wäre, fürchtet man doch vor allem eine dieser superstarken Eruptionen mit hohem Explosivitätsindex, die europaweite Auswirkungen hätte und den Großraum Neapel komplett zerstören würde. Doch wie wahrscheinlich ist es, dass es in den nächsten Jahrzehnten zu so einem Ausbruch kommen könnte?

Forscher der Universität Göttingen veröffentlichten nun eine Studie, die sich vor allem mit der Eruption von vor 39.000 Jahren beschäftigte. Sie fragten sich, wie lange die Aufheizungsphase des Vulkans dauerte, und lieferten ein beunruhigendes Ergebnis. Sie untersuchten Gesteinsproben des Kampanischen Ignimbrit. Hierbei handelt es sich um ein Vulkangestein, das während der Eruption meterhoch abgelagert wurde. Die Forscher setzten hochpräzise Elektronen-Mikrosonden ein und untersuchten die chemischen Wachstumsringe magmatischer Kristalle, die im unterirdischen Magmaspeicher kurz vor der Eruption entstanden. Diese Ringe wirken wie geologische Zeitzeugen der Prozesse im Erdinneren.

Finale Aufheizungsphase der Supervulkaneruption vor 39.000 Jahren dauerte nur ca. 60 Jahre

Im Fokus der Analyse stand die Verteilung des Spurenelements Barium entlang der Ränder von Sanidin-Kristallen. Die Daten deuten darauf hin, dass ein Zustrom frischen Magmas aus der Tiefe unmittelbar vor der Eruption erfolgte. Modellierungen dieser chemischen Profile legen nahe, dass dieser letzte Magmen-Nachschub das bereits vorhandene, ältere Magma innerhalb von nur etwa 60 Jahren zur Explosion brachte.

Entscheidend für die Dauer dieses Zeitraums ist jedoch die Temperatur des aufsteigenden Magmas. Die Studienergebnisse zeigen, dass bei Temperaturen von etwa 970 Grad Celsius der Zeitraum von der Magmazufuhr bis zur Eruption sogar auf wenige Monate bis maximal vier Jahre schrumpfen kann. Liegt die Temperatur hingegen niedriger, zum Beispiel bei 850 Grad, kann sich die Vorwarnzeit auf bis zu mehrere Jahrhunderte ausdehnen.

Angesichts der seit Jahren zunehmenden Bodenhebung und damit einhergehenden Erdbebenaktivität der seit 20 Jahren dauernden Unruhephase unter den Phlegräischen Feldern werfen diese Erkenntnisse ein neues Licht auf die Vorgänge im Untergrund. Die Ergebnisse liefern zwar keine Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption, zeigen aber, dass es nicht unbedingt Jahrhunderte dauern muss, bis es zu einer neuen extrem starken Eruption kommen könnte.

Meine Interpretation

Geht man von einer 60-jährigen Aufheizungsphase aus und impliziert, dass man sich aktuell in einer befindet, wäre bereits 1/3 dieser Zeit verstrichen und es würden noch 40 Jahre verbleiben, um die Menschen des Großraums Neapel umzusiedeln und Europa katastrophenfest zu machen. Freilich weiß man nicht (oder will es nicht wissen), ob es sich bei der aktuellen Unruhephase bereits um die finale Aufheizungsphase des Calderavulkans Campi Flegrei handelt.
(Quellen: Pressemeldung Uni Göttingen; Springer-Nature-Link)

Campi Flegrei: Schwarmbeben am 07.04.25

Neuer Erdbebenschwarm in den Campi Flegrei – Stärkste Magnitude M 2,4

Datum: 07.04.2025 | Zeit: 07:43:32 UTC | Koordinaten: 40.8372 ; 14.1398 | Tiefe: 2,6 km | Md 2,4

Nach einigen ruhigeren Tagen in der süditalienischen Caldera kam es heute Morgen um 07:43:32 UTC zu einem Erdbeben der Magnitude 2,4. Die Tiefe des Erdbebenherdes wurde vom INGV mit 2,6 Kilometern angegeben. Das Epizentrum lag nördlich der Solfatara, in der Nähe der Tangentiale (Stadtautobahn) Richtung Neapel. Der Erdstoß war in den oberen und unteren Stadtteilen von Pozzuoli deutlich zu spüren gewesen, obwohl er unter der eigentlichen Wahrnehmbarkeitsgrenze von 3,0 lag. Wie ich bereits berichtet habe, spürte ich vor 2 Wochen tatsächlich ein Beben M 1,2, als ich mich an der Solfatara aufhielt. Dass so schwache Erdstöße spürbar sind, liegt einerseits an den geringen Herdtiefen und zum anderen an der Beckenstruktur der Caldera, die Erdbebenwellen verstärkt.

Das Beben kam aber nicht alleine, sondern in Begleitung von 18 weiteren Erschütterungen geringerer Magnituden. Sie verteilten sich auf das Areal in und um die Solfatara und reichten bis zum Astoni-Krater im Norden der Caldera.

Das INGV und die Commune Puzzuoli reagierten schnell und brachten Sondermeldungen heraus. Der Bürgermeister von Pozzuoli wies auf die Notfallrufnummern hin, unter denen sich besorgte Bürger melden können und wo auch Schäden aufgenommen werden.

Die Erdbeben sind Ausdruck des Bradyseismos genannten Phänomens, in dessen Folge sich der Boden im zentralen Calderabereich hebt. Die Hebung begann 2005 und beträgt inzwischen gut 144 Zentimeter. Die Hebegeschwindigkeit betrug zuletzt 20 mm im Monat und reduzierte sich von ihrer Maximalgeschwindigkeit letzten Monat, als sie infolge eines sehr starken Erdbebenschwarms auf 30 mm hochgeschnellt war.

Motor des Phänomens sind magmatische Fluide und auch Magma selbst, das sich auf mehreren Ebenen des Untergrunds der Caldera ansammelt. Es ist durchaus möglich, dass am Ende des Hebungsprozesses ein Vulkanausbruch stehen wird. Ein weiteres Szenario ist ein Abklingen der Hebung und eine anschließende Senkungsphase.