Poás: Phreatomagmatische Eruptionen

Aktivität am Poás hält an – Eruptionen als phreatomagmatische bezeichnet

In Costa Rica ist der Poás weiter aktiv und eruptiert fast im Minutentakt. Laut dem jüngsten OVISCORI-UNA-Statement sind die Eruptionen zumindest zum Teil phreatomagmatischen Ursprungs und fördern Asche-Dampf-Wolken, die teilweise mehr als 500 m über Kraterhöhe aufsteigen.

Die Ascheemissionen werden auch vom VAAC Washington registriert und lösten seit dem 28. März bis gestern 19 VONA-Warnungen aus, wobei auch jene Meldungen mitgezählt sind, die darauf hinweisen, dass es keine Asche mehr gibt. Zuletzt wurden Aschewolken in 3000 m Höhe detektiert, die in Richtung Westen drifteten.

In den sozialen Medien sorgen zwei Videos, die mit der eruptiven Tätigkeit am Poás in Verbindung stehen, für Aufregung. Ein Clip zeigt einen Bach (Rio San Carlos), dessen Wasser sich durch die Beimischung von Vulkanasche grau verfärbte. Außerdem soll auf der Wasseroberfläche Asche geschwommen haben. Die Vulkanologen erklärten dazu, dass es ein normaler Effekt sei, wenn sich am Vulkanhang Asche ablagert und es zu Regenfällen kommt. Im Extremfall können dann auch Lahare entstehen.

Das zweite Video zeigt einen Drohnenflug über den Krater. Besonders interessant ist, dass man aus der Vogelperspektive deutlich erkennt, dass der Kratersee verschwunden ist. Einzig in einer Vertiefung um einen der Förderschlote gibt es noch eine kleinere Wasseransammlung. Die Eruptionen aus diesem Schlot folgen in kurzen Abständen und bringen noch die Schlammfontänen hervor, die für die phreatischen Eruptionen des Poás charakteristisch sind. Diese Eruptionssäulen steigen oft nur bis zu 100 m auf.

Die höher aufsteigenden Aschewolken erzeugt hingegen der trockengefallene Förderschlot, der auch den größeren Durchmesser hat. Hier gibt es die als phreatomagmatisch beschriebenen Ausbrüche, die auch glühende Tephra fördern. Ich persönlich würde den Begriff „phreatomagmatisch“ mit Vorsicht auf diese Eruptionen anwenden, denn diese Eruptionen sind normalerweise hochexplosiv und deutlich stärker als das, was man gerade am Poás sieht. Vielleicht gibt es eine geringe Interaktion von Wasser mit Schmelze, doch ich glaube eher, dass hier bereits zum größten Teil im Schlot erkaltete Lava mit Wasser interagiert, indem es ein oberflächennahes Wasserreservoir durchstößt. Die Asche-Eruptionen aus diesem Schlot sind zwar kraftvoller, ereignen sich aber deutlich seltener als die phreatischen Ausbrüche.




Die Seismizität ist erhöht und wird von vulkanischem Tremor dominiert, der mit den Eruptionen einhergeht. Es werden auch langperiodische Erdbeben festgestellt. Die Anzahl vulkanotektonischer Erdbeben ist in den vergangenen Tagen zurückgegangen, nachdem es am 30. März einen sechsstündigen Erdbebenschwarm gab. Vermutlich ist dort ein kleinerer Magmenkörper aufgestiegen, der nun für die Eruptionen verantwortlich ist. Der Erdbebenschwarm ging mit einer deutlichen Bodenhebung einher.