Island: Erhöhte Ausbruchswahrscheinlichkeit bestätigt

IMO-Forscher bestätigen auf Island erhöhte Ausbruchswahrscheinlichkeit bei inzwischen gleichbleibender Seismizität

Auf der isländische Reykjanes-Halbinsel gab es in den letzten 24 Stunden wieder einige Erdbeben. Sechs Beben manifestierten sich entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe bei Svartsengi. Eins der Erdbeben lag unter Grindavik. Auch an den benachbarten Spaltensystemen Fagradalsfjall und Krysúvik bebte die Erde, sehr wahrscheinlich infolge der erhöhten Spannungen durch die Bodenhebung bei Svartsengi.

Laut den Vulkanologen von IMO besteht entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe weiterhin eine hohe Ausbruchswahrscheinlichkeit. Das geht aus einem heute veröffentlichten Bulletin hervor. Demnach setzt sich die Magmaansammlung weiter fort, obgleich sich die Geschwindigkeit der Bodenhebung in den letzten Tagen etwas verlangsamte. Das kann entweder daran liegen, dass aus der Tiefe weniger Magma aufsteigt, oder an dem immer weiter ansteigenden Gegendruck im flach liegenden Speichersystem, der aufsteigendes Magma quasi ausbremst.

Das derzeitige Magmavolumen unter Svartsengi ist seit Beginn der Eruptionen im Dezember 2023 auf ein neues Höchstmaß angewachsen und war zu keinem Zeitpunkt höher als jetzt. Das wahrscheinlichste Szenario ist, dass diese Phase der Magmaakkumulation in absehbarer Zeit in eine Gangbildung nebst Eruption mündet, die voraussichtlich zwischen Sundhnúkur und Stóra-Skógfell Platz nehmen wird.

In den vergangenen Wochen hat die seismische Aktivität allmählich zugenommen, was auf steigenden Druck im Bereich der potenziellen Ausbruchsstelle hindeutet. Ein Vulkanausbruch kann daher kurzfristig erfolgen. In den letzten Tagen steigerte sich die Seismizität allerdings nicht mehr und täglich werden zwischen 5 und 7 schwache Beben registriert.

Der Schwerpunkt der Erdbebenaktivität liegt weiterhin im selben Bereich wie vor den jüngsten Ausbrüchen, insbesondere zwischen Sundhnúkur und Stóra-Skógfell. Dort trat bei sechs der sieben Eruptionen seit Dezember 2023 erstmals Magma an die Oberfläche. Die Anfang des Monats gemeldete Verlagerung der Erdbeben in östlicher Richtung hat sich nach einer erneuten Analyse mit genaueren Daten nicht bestätigt. Die Vulkanologen wiesen darauf hin, dass ein fehlerhaft arbeitendes Geophon falsche Daten geliefert hatte. Der Fehler wurde inzwischen behoben.

Die Gefahreneinschätzung hat sich gegenüber der Vorwoche nicht geändert und in den unterschiedlichen Zonen gelten die gleichen Risikoeinschätzungen wie zuvor: Die rote Zone mit dem größten Gefahrenpotenzial ist die Zone 3, in der die Kraterreihe verläuft. Die Blaue Lagune, das Geothermalkraftwerk und Grindavik liegen in der orangen Gefahrenzone.

Campi Flegrei: 340 evakuierte Personen

Folgen der Erdbeben in Campi Flegrei: 340 Menschen vertrieben, Bahnhof gesperrt, Feuerwehr im Dauereinsatz

Nach der jüngsten Erdbebenserie, die den süditalienischen Calderavulkan Campi Flegrei in der vergangenen Woche erschütterte, werden weiterhin Häuser inspiziert und Schäden erfasst. Bisher wurden 670 Gebäude begutachtet, während noch 330 auf der „To-Do-Liste“ stehen. Mehrere Gebäude wurden als unbewohnbar erklärt, sodass insgesamt 340 Personen aus 142 Familien evakuiert werden mussten. Während 55 Betroffene vorläufig in Hotels untergebracht sind, fanden die übrigen in unabhängigen Unterkünften Zuflucht.

Gut tausend Feuerwehrleute sind im Einsatz oder in Bereitschaft. Der Bahnhof Gerolomini in Pozzuoli bleibt aufgrund von Erdbebenschäden geschlossen, weshalb dort keine Züge der Cumana mehr halten. Die meisten Schulen sollen in den nächsten Tagen wieder öffnen, sodass die Schüler zum regulären Unterricht zurückkehren können.

Die Erdbebenserie erreichte am 13. März eine Magnitude von 4,4 – eines der stärksten jemals in den Campi Flegrei gemessenen Beben, zusammen mit einem gleichstarken Ereignis im letzten Jahr. Die jüngsten Erschütterungen schüren Sorgen vor noch stärkeren Beben oder gar einem Vulkanausbruch – ein Szenario, das auch viele Wissenschaftler zunehmend für möglich halten. Zwar gibt es derzeit keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch, doch aktuelle Studien deuten auf einen zunehmenden magmatischen Einfluss auf Bodenhebung, Seismizität und Gasausstoß hin.

Theoretisch könnte sich die Lage innerhalb weniger Tage zuspitzen, da Daten auf eine größere Magmenansammlung in etwa acht Kilometern Tiefe hindeuten. Kleinere Mengen Schmelze sind bereits in Tiefen von vier bis fünf Kilometern aufgestiegen. Vor dem letzten Ausbruch in den Campi Flegrei, der 1538 den Monte Nuovo schuf, hob sich der Boden um mehrere Meter – manche Quellen sprechen sogar von bis zu 19 Metern Hebung.

Tatsächlich hoffen immer mehr Anwohner der Caldera, dass sich ein ähnliches Szenario eher früher als später wiederholt. Was paradox klingt, liegt daran, dass der italienische Staat vorsorgliche Evakuierungen nur bei einer sich anbahnenden Eruption finanziert. In diesem Fall würden die Evakuierten staatliche Unterstützung erhalten, einschließlich neuer Wohnungen in anderen Regionen. Viele Menschen, die stärkere Erdbeben fürchten, müssen jedoch in Pozzuoli ausharren – es sei denn, sie können sich eine Umsiedlung aus eigener Tasche leisten. In den vom Bradyseismus betroffenen Gebieten nehmen daher Proteste und hitzige Debatten zu.

Update 19:00 Uhr: Das INGV gab bekannt, dass die Magnitude des Bebens von 4,4 auf 4,6 hochgestuft wurde.

Yellowstone: 42 Erdbeben im Februar

Dampffahne eines neuen Thermalgebiets im August 2024. © YVO

42 Erdbeben im Yellowstone Nationalpark – Leichte Subsidenz detektiert

Die Yellowstone-Caldera in den USA zählt zu den machtvollsten Aschestrom-Calderen der Welt und erzeugte in der jüngeren Erdgeschichte 3 Supervulkaneruptionen, die im Mittel alle 700.000 Jahre auftraten. Zwischen diesen Eruptionen gab es auch normalstarke Ausbrüche, die auch in der Neuzeit wieder auftreten könnten. Momentan befindet sich der Calderavulkan in einem zwischeneruptiven Stadium, das von einer intensiven hydrothermalen Aktivität gekennzeichnet ist: Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele Geysire, heiße Quellen und Schlammbecken zu bewundern wie hier.

Zu den beeindruckendsten hydrothermalen Erscheinungen zählt der mächtigste Geysir der Welt: Der Steamboat-Geysir, der über lange Zeiträume hinweg nur sehr selten sprang, steigerte im Jahr 2019 plötzlich seine Aktivität und sprang alle paar Tage. Mittlerweile haben sich die Pausenintervalle wieder deutlich verlängert, liegen aber dennoch unter dem langjährigen Mittel. Zuletzt sprang er am 3. Februar 2025 nach gut 72 Tagen Ruhe.

Wie aus einem neuen Monatsbulletin des YVO für den Februar 2025 hervorgeht, war der Yellowstone-Vulkan weiterhin seismisch aktiv: Es wurden 42 Erdbeben detektiert. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 2,6. Es gab 2 Erdbebenschwärme mit 18 und 11 Erschütterungen, die sich in den Arealen von Mammoth und West Thumb zutrugen. Auch Bodendeformationen in Form einer leichten Subsidenz von bis zu 20 mm wurden nachgewiesen, was den mehrjährigen Trend bestätigt, der nun seit dem Ende der letzten Hebungsphase im Jahr 2019 vorherrscht.


Die Bodendeformationen im Yellowstone stehen in erster Linie mit Fluidbewegungen im Hydrothermalsystem zusammen, obgleich es in tieferen Erdschichten auch Magmenansammlungen gibt, die sich in den letzten Jahrzehnten in Richtung Westen verlagerten. Insofern ähneln die Prozesse hier den bradyseismodalen Vorgängen in den Campi Flegrei, die in den letzten Monaten für einiges Aufsehen sorgten.

Intensive hydrothermale Aktivität

Trotz der Subsidenz gab es im letzten Jahr einige bislang selten beobachtete hydrothermale Phänomene, die eigentlich auf eine Verstärkung des Hitzeflusses im Untergrund hindeuten. Hierzu zählen die starke hydrothermale Eruption vom 23. Juli 2024, die sich im Biscuit Basin ereignete, und die schwächere Dampfexplosion vom 15. April im Norris Geyser Basin. Darüber hinaus wurden mehrere neue Fumarolen und Dampfaustritte entdeckt, von denen ein gestern veröffentlichter Bericht erzählt. Das prägnanteste dieser Phänomene manifestierte sich im Roadside Springs Thermal Area und wurde am 5. August des vergangenen Jahres entdeckt, als ein Wissenschaftler des Nationalparks von Mammoth Hot Springs in Richtung Norris-Geysir-Becken fuhr. Die Forscher sahen im Vorbeifahren eine Dampffahne zwischen Bäumen aufsteigen, wo es zuvor keine hydrothermalen Manifestationen gab. Die Erscheinung wurde später von Geologen untersucht, die am Fuße eines Rhyolith-Lavastroms ein neues, etwa 60 m langes Thermalfeld vorfanden. Heute steigt zwar keine Dampfwolke von diesem Feld mehr auf, aber es gibt heiße Quellen mit einer Temperatur von 77 Grad Celsius.

Home Reef: Thermische Anomalie und Wachstum detektiert

Inselvulkan Home Reef in Tonga vergrößerte sich und zeigt thermische Anomalie

Das junge Vulkaneiland Home Reef gehört zum Südseearchipel Tonga und liegt in der Tonga-Kermadec-Subduktionszone, einer Region mit hoher tektonischer Aktivität. Home Reef erblickte erst im Jahr 2022 das Licht der Welt. Seitdem wuchs die Insel in mehreren Phasen weiter an. Die jüngste dieser Phasen begann im letzten Dezember. Seitdem werden immer wieder thermische Anomalien registriert, die auf Satellitenfotos im Infrarotspektrum sichtbar sind. Eine dieser Anomalien erzeugt heute eine schwache Thermalstrahlung mit 3 MW Leistung. Auf einem Sentinel-Satellitenfoto von gestern erkennt man, dass die Anomalie vom Krater ausgeht, der sich am südwestlichen Inselrand befindet. Zudem ist das Wachstum der Insel zu erkennen, das hier anhand von Bildern vom Dezember 2024 und Februar 2025 dokumentiert wird.

Der Unterwasservulkan, der 2022 erstmals über die Meeresoberfläche hinausragte, hat seither mehrfach neues Land gebildet. Nach Ausbrüchen in den Jahren 2023 und 2024 erreichte die Insel eine Fläche von 12,2 Hektar, bevor sie während der jüngsten Aktivitätsphase von Dezember 2024 bis Januar 2025 um weitere 3,7 Hektar wuchs.

Satellitenbilder zeigen nicht nur, wie sich das neue Land durch ausströmende und erkaltende Lava formte, sondern auch dass sich das Wasser entlang der Küsten durch freigesetzte Gase und Schwefel verfärbte. Während einige der emittierten Stoffe das Wachstum von Phytoplankton fördern, sind die heißen, sauren Fontänen für viele Meereslebewesen schädlich. Bis das neu entstandene Land von höheren Tierarten dauerhaft besiedelt wird, werden noch Jahre vergehen, doch schon heute dient die Insel als Rastplatz für Seevögel und amphibische Meeresbewohner.

Frühere Eruptionen in diesem Gebiet bildeten oft instabile Inseln aus leicht erodierbarem Material. So wurden die jungen Vulkaninseln innerhalb von Monaten wieder auf Unterseetiefe abgetragen. Die aktuelle Insel besteht jedoch aus widerstandsfähigerem Gestein, weshalb Geologen von einer längeren Beständigkeit ausgehen.

Die Eruptionen des Home-Reef-Vulkans waren nicht stark genug, um die Bevölkerung des Inselreiches Tonga zu beeinflussen. Anders sieht es mit den Eruptionen des weiter südlich gelegenen Inselvulkans Hunga Tonga-Hunga Ha‘apai aus, der im Jahr 2022 groß ausbrach und explodierte. Diese Eruption löste Tsunamis und Ascheregen aus, unter denen die Bevölkerung Tongas litt.

Lascar: Gelbe Alarmstufe bleibt bestehen

Erhöhte Aktivität am Vulkan Láscar – Gelber Alarm bleibt aufgrund thermischer Anomalien bestehen

Seit Anfang Februar befindet sich der chilenische Vulkan Láscar in einem Stadium erhöhter Unruhe und der Alarmstatus wurde auf Gelb erhöht, was nun in einer neuen Gefahrenanalyse des Southern Andes Volcanological Observatory mit dem Nationalen Dienst für Geologie und Bergbau (SERNAGEOMIN) bestätigt wurde.

Demnach beobachtet das Observatorium in San Pedro de Atacama weiterhin eine gesteigerte vulkanische Aktivität am Vulkan Láscar. Besonders auffällig ist eine vergleichsweise schwache thermische Anomalie mit einer Leistung von 7 MW, die gestern im Krater nachgewiesen wurde.

Laut dem aktuellen Special Volcanic Activity Report, der am 16. März veröffentlicht wurde, wurden seit dem 6. Februar drei eng beieinander liegende Zonen thermischer Strahlung im Krater identifiziert. Sie sind auf dem aktuellen Sentinel-Satellitenfoto im Infrarotspektrum zu erkennen und markieren drei heiße Förderschlote. Auf em Bild oben erscheinen sie als ein Punkt links der Bildmitte.

Überwachungskameras zeichneten zudem weißliche Entgasungen auf, jedoch ohne Anzeichen dafür, dass Tephra ausgestoßen wurde. Gleichzeitig zeigt das seismische Netzwerk des Vulkans einen anhaltenden Rückgang der langperiodischen Erdbeben, ein Trend, der seit einer kurzen Hochphase Anfang Februar zu beobachten ist.

Trotz dieser Entwicklung bleibt die Alarmstufe auf Gelb, was auf einen instabilen Zustand des Vulkans hinweist. Eine weitere Intensivierung der Aktivität in den kommenden Wochen oder Monaten kann nicht ausgeschlossen werden. Als Vorsichtsmaßnahme bleibt der Zugang innerhalb eines Kilometers um den Krater gesperrt, auch wenn pyroklastisches Material potenziell über diesen Bereich hinaus gelangen könnte.

Der Nationale Dienst für Katastrophenvorsorge und -reaktion (SENAPRED) hat in Zusammenarbeit mit der regionalen Präsidentendelegation von Antofagasta das präventive Frühwarnsystem für San Pedro de Atacama aufrechterhalten, das seit dem 12. Februar 2025 in Kraft ist. Zusätzlich gilt ein 10 Kilometer breiter Sicherheitsbereich, um Einwohner und Touristen zu schützen.

Die Behörden mahnen zur Vorsicht und fordern die Bevölkerung auf, die Sicherheitsmaßnahmen zu respektieren und sich über die offiziellen Kanäle über mögliche Entwicklungen zu informieren.

Der Láscar ist ein aktiver Stratovulkan in der Atacama-Wüste im Norden Chiles, etwa 70 km südöstlich von San Pedro de Atacama. Er gilt als einer der aktivsten Vulkane Chiles und gehört zur Andenvulkan-Kette, die durch die Subduktion der Nazca-Platte unter die Südamerikanische Platte entstanden ist. Der Vulkan hat eine Gipfelhöhe von 5.592 m. Das ist aber nicht die Nettohöhe des Vulkans, denn er erhebt sich von einer Hochebene aus. So befindet sich San Pedro de Atacama bereits in 2400 m Höhe.

Der Láscar ist auch nicht der einzige Vulkan in Chile, der auf Alarmstufe Gelb steht, denn der Komplexvulkan Puyehue-Cordón Caulle zeigt ein ähnliches Verhaltensmuster wie der Láscar.

Piton Fournaise: Deflation gestoppt

Deflation am Piton de la Fournaise gestoppt – Trendwende erkennbar

Der Piton de la Fournaise ist ein Schildvulkan vom Hawaii-Typ und liegt auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean. Politisch gehört die Insel als französische Der Piton de la Fournaise ist ein Schildvulkan vom Hawaii-Typ und liegt auf der Insel La Réunion im Indischen Ozean. Politisch gehört die Insel als französisches Überseedepartement zu Europa. Der Vulkan gilt als einer der aktivsten Feuerberge der Welt, obgleich er seit letztem Jahr schwächelt und seinen mehrjährigen Eruptionsrhythmus mit ca. 3 Ausbrüchen pro Jahr aufgab. Dem nicht genug, wurde in den letzten Monaten eine Subsidenz des Gipfelbereichs um gut 25 mm beobachtet. Und die Vulkanhänge flachten sich leicht ab. Doch nun deuten GNSS-Messungen eine Trendwende an und nach mehreren Monaten ohne Druckaufbau zeigt der Piton de la Fournaise nun Anzeichen einer erneuten magmatischen Aktivität. Die Messungen der Forscher vom OVPF registrieren eine leichte Aufwölbung am Gipfel, was darauf hindeutet, dass Magma allmählich unter dem Vulkan aufsteigt. Dieser sicherlich noch recht schwache Magmenaufstieg wurde von einigen vulkanotektonischen Erdbeben begleitet. Außerdem wurde ein Ausstoß von geringen Mengen an Schwefeldioxid (SO₂) und Schwefelwasserstoff (H₂S) festgestellt. Das deutet darauf hin, dass der Magmaaufstieg noch in einem frühen Stadium ist.

Mögliche Entwicklungen:

Die aktuelle Inflation könnte auf eine erneute Auffüllung des Magmareservoirs hindeuten. Dennoch gibt es verschiedene Szenarien und es ist nicht sicher, dass es in absehbarer Zeit wieder zu einem Vulkanausbruch kommen wird. Die Vulkanologen nennen drei mögliche Entwicklungsszenarien für die nächsten Wochen und Monate:

  • Das Magma verbleibt in der Tiefe, ohne einen Ausbruch zu verursachen, und die Aktivitätsparameter stabilisieren sich.
  • Die Aktivität nimmt zu, begleitet von einer Zunahme seismischer Ereignisse.
  • Der Druck reicht aus, um das Gestein zu brechen, was in den kommenden Wochen oder Monaten zu einem Ausbruch führen könnte.

Eine genaue Überwachung der geophysikalischen und geochemischen Parameter ist unerlässlich. Die aktuellen Anzeichen erfordern erhöhte Aufmerksamkeit, auch wenn ein unmittelbarer Ausbruch nicht sicher vorhergesagt werden kann. Es kann aber als wahrscheinlich angesehen werden, dass der Piton de la Fournaise eines Tages wieder ausbrechen wird. Mehrjährige Pausen gab es allerdings auch in den letzten Jahrzehnten immer wieder. Dabei zeigte sich der Trend, dass neue Eruptionen umso heftiger wurden, je länger der Vulkan zuvor pausiert und Kraft getankt hatte.

Popocatepetl mit glühenden Lavadom im Krater

Lavadom wächst im Krater des Popocatepetl – wenige Ascheeruptionen

Der Popocatepetl in Mexiko präsentiert sich dieser Tage ungewöhnlich ruhig und es kommt nur zu schwachen Exhalationen, die wenig Vulkanasche enthalten. Gelegentliche Eruptionen fördern Vulkanasche bis auf 5700 m Höhe, die von starken Winden in östlicher Richtung verfrachtet wird. CENAPRED meldete gestern nur 17 Ausatmungen geringer Intensität, dazu moderaten Tremor mit einer Gesamtdauer von 52 Minuten. Das zugehörige Livecambild präsentiert einen wolkenfreien Vulkan, der nur etwas entgast. So war es auch in den letzten Tagen.

Die vermeintliche Ruhe nutzte ein unbekannter Gipfelstürmer, um – verbotenerweise – bis zum Krater aufzusteigen. Was er erblickte und mit seiner Handykamera dokumentierte, dürfte den Vulkanologen vor Ort wenig gefallen haben, denn er blickte auf eine glühende, domartige Lavaplatte herab, die gut zwei Drittel des Kraterbodens bedeckte. Die glühende Lava verstopft praktisch den Förderschlot und könnte sich zu einem richtigen Dom ausbilden. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Domwachstum im Krater des Popocatepetls. Diese Domwachstumsphasen gipfelten bislang immer in einer Serie starker Explosionen, bei denen der Dom zerstört wurde. Es ist also durchaus möglich, dass man in nicht allzu ferner Zukunft mit starken Ascheeruptionen rechnen muss, bei denen es zu Beeinträchtigungen des Flugverkehrs kommen kann, wovon insbesondere der internationale Flughafen von Mexiko Stadt beeinflusst wird. Natürlich in Abhängigkeit von der Windrichtung.

Der Popocatepetl ist mit einer Höhe von 5.452 m der zweithöchste Vulkan Mexikos, der gut 70 Kilometer von der Hauptstadt entfernt liegt. Zugleich ist es der aktivste Vulkan des Landes. In seinem Wirkungskreis leben mehr als 20 Millionen Menschen. Sie wären bei einem starken Ausbruch zwar nicht alle in Lebensgefahr, doch ihre Lebensqualität könnte durch eine große Eruption beeinträchtigt werden. Daher steht der Vulkan unter genauster Beobachtung von Seiten der Vulkanologen.

Äthiopien: Weitere Erdbeben am 16.03.25

Erdbeben M 5,3 bei Awash in Äthiopien – Erdstoß war in der Hauptstadt zu spüren gewesen

Datum 16.03.2025 | Zeit: 18:53:10 UTC | Koordinaten: 9.425 ; 40.218 | Tiefe: 10 km | M 5,3

Nach ein paar Wochen der Ruhe kam es gestern Abend zu zwei weiteren mittelstarken Erdstößen in der äthiopischen Awash-Region, die bereits Anfang des Jahres Schauplatz eines starken Schwarmbebens war, das mit einem Riftingprozess unter magmatischem Einfluss in Verbindung stand. Das stärkere Beben hatte eine Magnitude von 5,3 und ein Hypozentrum, das in 10 Kilometern Tiefe fixiert wurde. Diese Angaben stammen vom GFZ. Das EMSC meldete eine Magnitude von 5,1. Der Erdstoß manifestierte sich um 18:53:10 UTC und hatte ein Epizentrum, das 49 km nördlich von Awash lokalisiert wurde. Ein zweites Beben ereignete sich um 21:20:16 UTC und brachte es auf eine Magnitude von 4,3. Wahrscheinlich gab es auch schwächere Beben, die aufgrund des faktisch nicht vorhandenen seismischen Netzwerkes in der Region nicht registriert wurden. Aus dem Mangel an Seismografen resultiert auch das Problem, dass weder die Epizentren noch die Hypozentren genau lokalisiert werden können.

Die Beben manifestieren sich am beginnenden Afar-Dreieck im Norden des Ostafrikansichen Riftvalleys. Hierbei handelt es sich um eine über 6000 Kilometer lange plattentektonische Naht, an der sich ein Teil Ostafrikas vom Rest des afrikanischen Kontinents abtrennt, wodurch im Laufe der nächsten Jahrmillionen eine neue Mikroplatte entstehen könnte. Entlang des Riftbodens öffnet sich ein neuer Ozean, dessen Verlauf bereits jetzt durch eine Kette von Sodaseen markiert wird. Durch das Rifting entstehen tief reichende Risse in der Erdkruste, die durch Magma aus der Tiefe verfüllt werden. Der Prozess wird durch einen großen Mantelplume gesteuert, der in 2 Arme aufgeteilt ist. Ein Arm des Magmaschlauches wird unter Kenia vermutet, der andere unter der von den Erdbeben geplagten Awash-Region. Ähnliche Prozesse kennt man von Island. Ob es in Äthiopien kurzfristig zu einem Vulkanausbruch kommen wird, ist ungewiss, aber durchaus möglich. Wirklich vorbereitet ist man auf ein Katastrophenszenario vor Ort nicht.

Island: Seismizität bei Svartsengi stagniert

Vor gut einem Jahr war entstand der Kraterkegel, der auch bei den letzten Eruptionen aktiv war. © Marc Szeglat

Erdbebentätigkeit entlang der Sundhnukur-Kraterreihe auf Island stagniert– Warten auf den Ausbruch

In den letzten 24 Stunden manifestierten sich entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe sieben schwache Erdbeben. Das Stärkste hatte eine Magnitude von 1,4. Die Beben konzentrierten sich auf den Bereich östlich des Sylingafell, wo bei den letzten Eruptionen das Eruptionszentrum lag. Es liegt also die Vermutung nahe, dass sich in dem Areal auch beim nächsten Ausbruch die Spalte öffnen wird, wobei nicht vorhersehbar ist, wie weit sie sich in nördlicher oder südlicher Richtung ausdehnen wird. Die Anzahl der Erdbeben hat aber im Vergleich zu den letzten Tagen nicht weiter zugenommen und stagniert. Gegenüber der höheren Tätigkeit gestern hat sie sogar etwas nachgelassen. Da bedeutet aber nicht, dass die Zeichen auf Entspannung stehen.

In Erwartung der Eruption hat sich bereits der eine oder andere Vulkanspotter auf den Weg gemacht und auch einheimische Vulkanbeobachter und Drohnenpiloten stehen mit ihren Geräten in den Startlöchern. Theoretisch könnte ein Ausbruch jederzeit und ohne große weitere Vorwarnung beginnen oder aber eben auch nicht. Die Bodenerhebung hält weiterhin an, ihre Geschwindigkeit ist aber niedriger: Vor der letzten Eruption stiegen ca. 3,4 Kubikmeter Magma pro Sekunde aus dem tiefer gelegenen Speicherreservoir in das flacher liegende, während es jetzt ungefähr 2,3 Kubikmeter pro Sekunde sind. Außer beim letzten Ausbruch musste immer deutlich mehr Magma in das flache Speicherreservoir aufsteigen, bevor die Eruption startete, als es beim vorangegangenen Ausbruch der Fall gewesen ist. Daher könnte es auch noch einige Wochen dauern bis der nächste Ausbruch beginnt. Zuverlässige Prognosen lassen sich nicht anstellen.

Die Behörden beobachten die Entwicklung genau und sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet. Die Experten gehen davon aus, dass der nächste Ausbruch eine ähnliche Intensität wie die vorherigen haben wird. Die Vorwarnzeit für den letzten Ausbruch war außergewöhnlich kurz, weshalb erneut nur ein Zeitfenster von 30 bis 40 Minuten vor dem Ereignis erwartet wird.

Unterdessen hat die seismische Aktivität in Reykjanestá, die am Mittwoch einsetzte, deutlich nachgelassen. Innerhalb der letzten 24 Stunden wurden dort nur vereinzelt Erdbeben registriert, während es seit Beginn des Erdbebenschwarms mehr als 700 waren.

Während die seismische Aktivität auf der Reykjanes-Halbinsel heute etwas schwächelt, gab es nachmittags beim Bardarbunga ein Erdbeben der Magnitude 2,9.