Campi Flegrei zeigt stabile Aktivität

Solfatra in den Campi Flegrei, Jenny Morelia, KI-bearbeitet

Anhaltende Unruhe infolge des Druckanstiegs im Hydrothermalsystem der Campi Flegrei

Die süditaienische Caldera Campi Flegrei westlich von Neapel bleibt auch zum Jahresende 2025 unter intensiver Beobachtung. Wie aus dem aktuellen Wochenbericht des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) hervorgeht, zeigen die Messdaten weiterhin eine erhöhte, jedoch stabile Aktivität. Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eskalation gibt es derzeit nicht, doch der langjährige Trend zur Druckbeaufschlagung hält an. Auffällig ist eine Verlagerung der Entgasungsaktivität von Pisciarelli in den Solfatara-Krater, wo die Fumarolentemperaturen besonders hoch sind. Heute gab es auch wieder ein Erdbeben Md 2,0.

Im Zeitraum vom 22. bis 28. Dezember registrierten die Geowissenschaftler insgesamt 48 Erdbeben mit geringen Magnituden. Die stärksten Erschütterungen erreichten eine Magnitude von 2,0 und lagen damit deutlich unterhalb der Schwelle, bei der Schäden zu erwarten wären. Die meisten Beben ereigneten sich in geringer Tiefe im Bereich von Pozzuoli und der Solfatara .

Besonders aufmerksam verfolgen die Wissenschaftler die anhaltende Bodenhebung, ein bekanntes Phänomen der Campi Flegrei. Seit Oktober 2025 hebt sich der Boden im Zentrum der Caldera mit einer Rate von 25 Millimetern pro Monat. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn bereits 22 Zentimeter Hebung gemessen. Ursache ist der zunehmende Druck im unterirdischen hydrothermalen System, indem sich heiße Gasen und Flüssigkeiten akkumulieren.

Auch die geochemischen Daten bestätigen die Druckzunahme: Die Temperaturen der Fumarolen, insbesondere der Hauptfumarole BG im Krater der Solfatara, sind weiter gestiegen und liegen aktuell bei durchschnittlich rund 170 Grad Celsius, mit Spitzenwerten von bis zu 173 Grad. Gleichzeitig bleiben die gemessenen Gasemissionen, etwa von Kohlendioxid, auf einem erhöhten, aber stabilen Niveau.

Trotz dieser Entwicklungen betont das INGV, dass es derzeit keine Anzeichen für eine kurzfristige, gefährliche Veränderung gibt. Die beobachteten Prozesse passen zu der seit Jahren andauernden Phase erhöhter Aktivität. Dennoch bleibt die Lage sensibel: Die Campi Flegrei zählen zu den am dichtesten besiedelten Vulkangebieten Europas. Auch wenn man derzeit nicht mit einem magmatisch bedingten Vulkanausbruch rechnet, könnten phreatische Explosionen auftreten.

In den vergangenen hatte unser Vereinsmitglied Jenny Morelia das Glück, bis auf den Rand Nordrand der Solfatara vorgelassen zu werden und konnte die Aufnahme oben machen, die ich mit KI-Hilfe aus 3 Screenshots ihres Videos zusammengesetzt habe.

Türkei: Bildung von Dolinen hat deutlich zugenommen

Mitten in der Kornkammer der Türkei tut sich der Boden auf – Zunahme der Dolinenbildung hat sich signifikant verstärkt

In der weiten Ebene Zentralanatoliens, dort wo Weizenfelder und Zuckerrübenplantagen das Bild prägen, wächst eine stille Gefahr. Immer häufiger reißt der Boden plötzlich auf, kreisrunde Löcher entstehen, teils dutzende Meter tief und breit genug um Landwirtschaftsgeräte und sogar Häuser zu verschlingen. Was lange als seltene geologische Kuriosität galt, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem ernsten Problem entwickelt: Sinklöcher, sogenannte Dolinen, breiten sich in alarmierendem Tempo aus.




Eine neue Untersuchung der türkischen Katastrophenschutzbehörde AFAD zeigt das Ausmaß der Entwicklung. Insgesamt 684 Erdabsenkungen wurden im Konya-Becken kartiert, dem landwirtschaftlichen Herzstück des Landes. Besonders betroffen ist der Bezirk Karapınar, wo sich die Dolinen wie Narben durch die Felder ziehen. Allein im vergangenen Jahr dokumentierten Forschende der Technischen Universität Konya 42 neue Einsturzstellen – eine Zahl, die den drastischen Wandel verdeutlicht. Noch vor wenigen Jahrzehnten trat ein solches Phänomen nur alle paar Jahre auf.

Die Ursachen sind vielschichtig, doch die Richtung ist klar. Anhaltende Dürren und steigende Temperaturen, verstärkt durch den Klimawandel, haben die Wasserreserven der Region stark geschwächt. Gleichzeitig wird Grundwasser in großem Stil für die Bewässerung abgepumpt. Der Grundwasserspiegel ist in manchen Gebieten seit den 1970er-Jahren um mehrere Zehnermeter gefallen. Mit dem Wasser verschwindet auch der Druck, der unterirdische Hohlräume in den kalk- und gipshaltigen Gesteinen stabilisiert. Das Ergebnis: Der Untergrund kollabiert, die Oberfläche bricht ein.

Ein direkter Zusammenhang mit aktiver Tektonik gilt unter Geologen als unwahrscheinlich. Erdbebenserien oder großräumige Bruchbewegungen fehlen hier, inmitten der Anatolischen Platte. Dennoch spielt die geologische Struktur eine indirekte Rolle. Alte Störungszonen und Klüfte wirken wie natürliche Schwächezonen und lenken Grundwasserströme und genau in diesen Bereichen entstehen bevorzugt die unterirdischen Hohlräume, die später einstürzen.

Noch treffen die meisten Dolinen landwirtschaftliche Flächen, doch das Risiko wächst. Straßen, Bewässerungsanlagen und langfristig auch Siedlungen könnten betroffen sein. AFAD arbeitet inzwischen an detaillierten Risikokarten und Frühwarnsystemen. Klar ist jedoch: Ohne eine nachhaltigere Wasserbewirtschaftung droht Zentralanatolien, seine fruchtbaren Böden buchstäblich zu verlieren – Loch für Loch.

Blizzard in den USA verursacht Verkehrschaos

Bombenzyklon über den USA: Blizzard im Norden, Tornado im Süden – ein Sturm mit vielen Gesichtern

Ein außergewöhnlich starkes Wintersturmsystem hat in den letzen Tagen weite Teile der USA erfasst und dabei eindrucksvoll gezeigt, wie unterschiedlich die Auswirkungen ein und desselben Wetterereignisses sein können. Während ein sogenannter Bombenzyklon über den Großen Seen und Michigan zu Blizzard-Bedingungen führte, kam es im Süden des Systems – unter anderem in Illinois – zu schweren Gewittern und sogar zu einem Tornado.

Blizzard

Der Bombenzyklon, meteorologisch als „rapide Zyklogenese“ bezeichnet, entwickelte sich, als der Luftdruck im Kern des Tiefdruckgebiets innerhalb von 24 Stunden extrem schnell fiel. Diese rasche Intensivierung sorgte für Orkanböen, dichte Schneefälle und teils lebensgefährliche Bedingungen in Regionen rund um die Großen Seen. In Michigan, Wisconsin und Teilen von New York meldeten Behörden Stromausfälle für zehntausende Haushalte, gesperrte Autobahnen und massive Einschränkungen im Flugverkehr. In einigen Gebieten sank die Sicht durch Schneeverwehungen zeitweise auf nahezu null.

Gleichzeitig spielte sich weiter südlich ein völlig anderes, aber eng verbundenes Wetterdrama ab. Im Bundesstaat Illinois, insbesondere im Macon County zwischen Decatur und Mount Zion, setzte ein Tornado auf, der über mehr als 35 km am Boden blieb und mindestens neun Wohnhäuser beschädigte. Mehrere Dächer wurden abgedeckt, ganze Straßenzüge verwüstet. Glücklicherweise wurden keine Verletzten gemeldet; evakuierte Anwohner fanden in Notunterkünften Schutz.

Der Zusammenhang zwischen Blizzard und Tornado mag auf den ersten Blick überraschend wirken, ist meteorologisch jedoch erklärbar. Beide Phänomene waren Teil desselben großräumigen Sturmkomplexes. Während auf der Nord- und Westseite des Tiefs eisige Luftmassen für Schnee und Sturm sorgten, traf auf der Süd- und Südostseite warme, feuchte Luft auf kalte Höhenluft. Diese Konstellation erzeugte eine starke Windscherung – eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Entstehung von Tornados.

Solche Kombinationen aus winterlichen Extrembedingungen und schwerem Unwetter sind selten, treten aber bei besonders kräftigen Tiefdrucksystemen immer wieder auf. Meteorologen warnen, dass der Klimawandel die Intensität solcher Stürme erhöhen könnte, da stärkere Temperaturgegensätze und ein dynamischerer Jetstream extreme Wetterlagen begünstigen.

Für Millionen Menschen in den betroffenen Regionen bleibt die Erkenntnis, dass Wetterextreme nicht isoliert betrachtet werden können, sondern oft Teil eines komplexen, miteinander verknüpften Systems sind.

Afar-Dreieck und Riftvalley: Ein Kontinent zerbricht

Afar-Dreieck im Fokus der Geowissenschaft: Alte Daten liefern neue Einsichten in eine lebendige Erde

Anfang 2025 rückte die Afar-Region in Äthiopien mehrfach ins Blickfeld der Wissenschaft: Im Januar ließ eine Serie von Erdbewegungen und magmatischen Intrusionen im Awash-Gebiet nahe dem Vulkan Dofan die Alarmglocken läuten, als tiefes Magma in die Kruste eindrang und Bodenhebungen und Beben auslöste. Im Juli sorgte der berühmte Erta Alé mit effusiven Eruptionsspalten und Lavastromaktivität erneut für Schlagzeilen, während Ende November der lange ruhende Schildvulkan Hayli Gubbi vermutlich erstmals im Holozän ausbrach und eine Aschewolke von über 13 km Höhe in die Atmosphäre schleuderte. Diese Ereignisse markieren eine Phase außergewöhnlicher tektonischer und magmatischer Dynamik in einer der aktivsten Regionen der Erde, wo sich der afrikanischen Kontinent spalten und ein neuer Ozean entsteht.

Afar-Dreieck

Vor diesem geologischen Hintergrund veröffentlichte ein internationales Forscherteam aus Italien (INGV), England und Australien jetzt eine wissenschaftliche Neubewertung eines Magnetdatenarchivs aus den Jahren 1968–69. Die Studie „A review of the 1968 Afar Magnetic Survey data and integration with vintage Red Sea and Gulf of Aden data“, erschienen im Journal of African Earth Sciences, nimmt diese historischen aeromagnetischen Messwerte und verknüpft sie mit aktuellen Daten aus dem Roten Meer, dem Golf von Aden und dem Jemen. Das Ergebnis ist ein detailliertes neues Bild der Krustenstruktur und Rift-Evolution im Afar-Dreieck – dem geologischen Scharnierpunkt, an dem sich die Arabische, Somalische und Nubische Platte voneinander entfernen.

Die neue Auswertung der Magnetdaten bestätigt, dass die Aufspaltung der Erdkruste in der Afar-Region gestaffelt und nicht gleichzeitig verlief. Die ersten Rissbildungsprozesse setzten bereits vor rund 30–35 Millionen Jahren entlang der Strukturen des Golfs von Aden ein. Einige Millionen Jahre später folgte das Rifting im Roten Meer, das vor etwa 20 Millionen Jahren aktiv wurde. Der Hauptäthiopische Graben, heute der nördliche Ast des Ostafrikanischen Grabensystems, erreichte die Afar-Region dagegen erst vergleichsweise spät, vor etwa 10–11 Millionen Jahren. Diese zeitlich versetzte Entwicklung erklärt, warum ältere, tiefreichende Bruchzonen aus dem Golf-von-Aden- und Rotmeer-System das tektonische Grundgerüst der Region dominieren, während der äthiopische Graben eine jüngere Überprägung darstellt. Bis heute befindet sich die Afar-Region in einer hochaktiven Phase der Riftentwicklung, in der sich tektonische Dehnung, magmatische Intrusionen und Vulkanismus gegenseitig verstärken. Aktuelle Ereignisse wie aufsteigendes Magma, Bodenhebungen, Erdbebenschwärme und Eruptionen an Vulkanen wie Erta Ale oder Hayli Gubbi – dessen Eruption vermutlich vom Erta Alé getriggert wurde – zeigen, dass sich die kontinentale Kruste weiterhin ausdünnt – ein Prozess, der langfristig zur vollständigen Aufspaltung Afrikas und zur Entstehung neuer ozeanischer Kruste führen kann.

„Afrika spaltet sich langsam in zwei Teile“, fasst Koautor Riccardo De Ritis vom National Institute of Geophysics and Volcanology zusammen. Die Auswertung der magnetischen Signale hebt die duale Ausrichtung der Bruchzonen hervor: im Süden dominiert der Abdruck des Golfs von Aden, im Norden der des Roten Meeres – ein Muster, das tiefreichende Bruchsysteme und den anfänglichen Pfeiler der Riftbildung widerspiegelt.

Diese neue Analyse zeigt nicht nur, wie historische Daten durch moderne Technik zu neuem Leben erweckt werden können, sondern liefert maßgebliche Hinweise auf die tektonischen Prozesse, die zur Entstehung eines neuen Ozeans und zur künftigen Teilung Afrikas führen könnten. In Kombination mit den jüngsten magmatischen und vulkanischen Aktivitäten der Region ergibt sich ein eindrucksvolles Bild einer Erdkruste im Umbruch.

Quellenangabe: Purcell, P. G., De Ritis, R. & Styles, P. (2026). A review of the 1968 Afar Magnetic Survey data and integration with vintage Red Sea and Gulf of Aden data. Journal of African Earth Sciences, 233, 105881. https://doi.org/10.1016/j.jafrearsci.2025.105881

Ägäis: Ungewöhnliche Hydrothermalfeld entdeckt

Neue hydrothermale „heiße Zonen“ vor Milos: Forscher entdecken hydrothermales Unterwasser-System entlang tektonischer Bruchzonen

Vor der griechischen Insel Milos haben Meeresforscher ein überraschend weit verzweigtes hydrothermales System entdeckt, das auf bislang unerforschten Tiefenbereichen des Kontinentalsockels existiert. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 27. November 2025 in Scientific Reports, zeichnen ein detailliertes Bild von Tiefen zwischen 30 und 230 Metern, in denen heißes Wasser, Gase und mineralhaltige Fluide aus dem Meeresboden austreten – weit unterhalb der üblichen flachen vulkanischen Quellen, aber auch oberhalb der klassischen Tiefsee-Schlote der Black Smokers.

Hydrothermalfeld

Das internationale Forscherteam um Paraskevi Nomikou nutzte eine Kombination aus hochauflösenden geophysikalischen Messmethoden wie Seismik, Magnetik und Gravimetrie sowie bathymetrischer Kartierung und chemischen Analysen. Die Forscher wurden dabei durch autonome Unterwasserfahrzeuge und ferngesteuerte Roboter (ROV) unterstützt. So konnten sie drei Hauptzonen hydrothermaler Aktivität ausmachen: Aghia Kiriaki, Paleochori–Thiorychia und Vani. Alle drei liegen entlang aktiver tektonischer Bruchzonen, die den Meeresboden südöstlich und nordwestlich von Milos prägen, und sind mit der Subduktionszone des Hellenischen Bogens und dem dahinterliegenden Vulkangürtel assoziiert.

Auffällig ist die tiefe und clusterartige Verteilung der Austrittsstellen: Die Schlotquellen erscheinen nicht gleichmäßig, sondern in charakteristischen Gruppen. Zwei Tiefenbereiche – um etwa 130 m und 180 m – zeigen besonders viele hydrothermale Quellen. Im größten der untersuchten Gebiete bei Paleochori–Thiorychia fanden die Wissenschaftler sogar eine dritte, tiefer liegende Gruppe um 210 m.

Auch die Erscheinungsformen der hydrothermalen Aktivität sind vielfältig: In flacheren Bereichen des Meeresbodens gibt es diffuse Gas- und Wärmeaustritte auf sandigem Grund, oft begleitet von dichten mikrobiellen Matten. In größeren Tiefen tauchten dagegen CO₂-degassende Schornsteine und Bereiche mit aktivem, über 180 °C warmem Fluidaustritt auf – ein Hinweis auf ein dauerhaft aktives hydrothermales System.

Die Forscher betonen, dass diese zwischentiefen hydrothermalen Felder ein Bindeglied darstellen zwischen den bisher gut erforschten flachen Küstenquellen und den klassischen Tiefsee-Schloten. Ihre räumliche Nähe zu tektonischen Strukturen legt nahe, dass die Geologie des Meeresbodens entscheidend ist für das Vorkommen und die Verteilung solcher Systeme.

Diese Entdeckung erweitert unser Verständnis darüber, wie hydrothermale Systeme entstehen, sich ausbreiten und möglicherweise Lebensräume für spezielle mikrobiologische Gemeinschaften bieten – und liefert Impulse für künftige Forschungsreisen in die oft vergessenen mittleren Meerestiefen.

Quelle: Nomikou, P., Bejelou, K., Koschinsky, u.a. (2025). Structural control and depth clustering of extensive hydrothermal venting on the shelf of Milos Island. Scientific Reports, 15, 42359. https://doi.org/10.1038/s41598-025-26398-y. Lizenz der CC

Island: Erdbeben am Kleifarvatn

Erdbeben Mb 3,3 beim Kleifarvatn – erhöhte Aufmerksamkeit an der Sundhnúkur-Kraterreihe

Ein Erdbeben der Magnitude 3,3 hat in der Nacht zum Samstag die Region um den Kleifarvatn des Kysuvik-Spaltensystems im Südwesten Islands erschüttert. Das Beben ereignete sich kurz vor 2 Uhr Ortszeit und war in mehreren Ortschaften deutlich zu spüren, darunter in Hafnarfjörður und Akranes. Das Epizentrum lag in einem bekannterweise tektonisch aktivem Gebiet, in dem es regelmäßig zu Erdbeben kommt.

Erdbeben

Nach Angaben des Isländischen Wetterdienstes (IMO) folgte dem Hauptbeben ein Nachbebenschwarm. Bekanntermaßen kommt es hier zu Bodendeformationen, die mit unterirdischen Fluidbewegungen im Zusammenhang stehen könnten.

Geowissenschaftler betonen, dass das Ereignis für diese Region nicht außergewöhnlich ist und nicht direkt mit vulkanischer Aktivität in Verbindung steht. Gerade weil sich das Erdbeben in relativer Nähe zu besiedelten Gebieten ereignete, wurde es von vielen Menschen wahrgenommen und sorgte für Aufmerksamkeit.

Während das Beben bei Kleifarvatn als normales Ereignis eingestuft wird, richtet sich der Blick der Forscher weiterhin auf die Lage an der Sundhnúkur-Kraterreihe nahe Svartsengi. Dort hält die langsame, aber stetige Ansammlung von Magma an. Der Prozess der Magmenakkumulation lässt die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Vulkanausbruchs weiter ansteigen.

Nach Einschätzung des IMO verläuft die Magmaansammlung derzeit ruhig und ohne deutliche Beschleunigung. Gerade diese langsame Entwicklung erschwert jedoch genaue Prognosen: Je gleichmäßiger sich Magma ansammelt, desto größer ist die Unsicherheit über den Zeitpunkt einer möglichen Magmaintrusion oder eines Ausbruchs. Diese Unsicherheit kann sich über mehrere Monate erstrecken.

Die seismische Aktivität im Bereich Sundhnúkur bleibt derweil gering. In den vergangenen Wochen wurden nur wenige, überwiegend schwache Erdbeben registriert. Die offizielle Gefahreneinschätzung wurde daher nicht geändert, und die bisherige gilt weiterhin.

Ätna: Weitere paroxysmale Eruption am Nordostkrater

Ätna erzeugte gestern eine zweite paroxysmale Eruption: Lavafontänen, Explosionen und Lavastrom Richtung Valle del Bove

Der Ätna auf Sizilien generierte gestern Nachmittag eine zweite paroxysmale Eruption, nachdem die erste erst wenige Stunden her war. Der Verlauf des Tremors zeigte am Abend eine weitere Spitze, als der Krater einen weiteren Anlauf nahm, Lavafontänen zu erzeugen, doch diese fiel schnell wieder ab, und es blieb bei intensiven Explosionen. Außerdem ist ein Lavastrom unterwegs, der aus einem neuen Schlot am Fuß der Voragine austritt. Der Gipfelkrater dieses jungen Kegels emittiert weiter geringe Mengen Vulkanasche. Der Tremor bewegt sich heute an der Basis des Roten Bereichs, und eine erneute Verstärkung der Aktivität ist sehr gut möglich. Damit zeigt der alte Nordostkrater, dass er auch nach 28 Jahren ohne Paroxysmen noch in der Lage dazu ist, wieder richtig aufzudrehen.




Tremor am Ätna. © INGV

Nach Angaben des italienischen Instituts für Geophysik und Vulkanologie (INGV) zeigte der Nordostkrater eine rasche Abfolge unterschiedlicher eruptiver Phasen, begleitet von starken Explosionen, Lavafontänen und lang anhaltender Aschefreisetzung.

Bereits in der Nacht zum 27. Dezember war die strombolianische Aktivität am Nordostkrater nahezu kontinuierlich, wenngleich die Sicht durch dichte Bewölkung stark eingeschränkt war. Leuchtende Wolken zeugten jedoch von intensiven Explosionen. Am Vormittag, gegen 09:00 UTC, nahm die Aktivität deutlich zu: Lavafontänen erreichten Höhen von bis zu 200 Metern, begleitet von kontinuierlichen Ascheemissionen. Kurz vor 10:00 UTC schwächte sich die Aktivität vorübergehend wieder ab.
Parallel dazu öffnete sich am oberen Osthang des Voragine-Kraters eine neue Förderöffnung. Von dort aus setzte ein Lavastrom ein, der sich ostwärts in Richtung der oberen Valle del Bove bewegte. Aufgrund anhaltender Wolken war seine genaue Ausdehnung zunächst nicht erkennbar, später bestätigten Satellitendaten jedoch eine Länge von rund 1,8 Kilometern.

Am frühen Nachmittag folgte eine erneute, noch energiereichere Phase: Um 14:15 UTC begann am Nordostkrater eine Lavafontänen-Episode mit Auswurfhöhen von bis zu 400 Metern. Eine dichte, bis zu 12 Kilometer hohe Eruptionssäule wurde vom Wind nach Westen verfrachtet und zog en. Gegen 14:45 UTC ging diese Phase in heftige Explosionen über, bei denen grobes pyroklastisches Material weit über den Kraterkegel hinausgeschleudert wurde.

Am Abend kam es erneut zu starken Explosionen am Nordostkrater. Zeitgleich verstärkte sich die Aktivität an der Voragine-Öffnung, die nun eine kontinuierliche Lavafontäne von mehreren Dutzend Metern Höhe speiste. Messdaten zeigen wiederholt sehr hohe Tremor- und Infraschallwerte, typisch für explosive Lavafontänen. Deformationsmessungen deuten auf kurzfristige Deflations- und Inflationsphasen im Gipfelbereich hin, während das GNSS-Netz keine größeren Bodenbewegungen registrierte.

Am Vormittag des 28. Dezembers zeigt sich die Situation etwas entspannter und der Alarmstatus für den Flugverkehr wurde auf Orange reduziert. Dennoch ist es Lebensgefährlich sich dem Nordostkrater zu nähern, da jederzeit in Paroxysmus einsetzen kann.

Da ich gerade in den USA unterwegs bin, erscheinen meine Berichte immer etwas zeitversetzt. Wie es für Ätna typisch ist, bricht er immer aus, wenn ich weit, weit weg bin.

Taiwan: Erdbeben Mw 6,6 vor der Nordostküste

Starkes Erdbeben erschüttert Nordost-Taiwan – keine schweren Schäden gemeldet

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,6 hat am späten Samstagabend, dem 27. Dezember 2025, die Nordostküste Taiwans erschüttert. Das Beben ereignete sich um 23:05 Uhr Ortszeit (15:05 Uhr UTC) vor der Küste nahe Yilan und war in weiten Teilen der Insel deutlich zu spüren – bis hin zur Hauptstadt Taipei.

Taiwan. © EMSC

Nach Angaben internationaler Erdbebenüberwachungsstellen lag das Epizentrum rund 33 Kilometer östlich von Yilan und etwa 58 Kilometer südöstlich von Keelung. Das Hypozentrum befand sich in einer Tiefe von rund 69 Kilometern. Aufgrund dieser vergleichsweise großen Tiefe fielen die Auswirkungen an der Oberfläche weniger zerstörerisch aus, als es bei einem flacheren Beben ähnlicher Stärke der Fall gewesen wäre.

Augenzeugen berichteten von stark schwankenden Gebäuden, klappernden Fenstern und kurzzeitiger Panik in Wohnhäusern und Einkaufszentren. In mehreren Städten verließen Menschen vorsorglich ihre Wohnungen. Vereinzelt fielen Gegenstände aus Regalen, und es kam lokal zu kurzen Stromunterbrechungen. Schwere Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur wurden jedoch zunächst nicht gemeldet, ebenso wenig bestätigte Berichte über Todesopfer.

Auch große Unternehmen reagierten vorsorglich. Der taiwanesische Halbleiterkonzern TSMC teilte mit, dass in einigen Produktionsstätten Mitarbeitende kurzzeitig evakuiert wurden, um Sicherheitsprotokolle einzuhalten. Der Betrieb konnte nach ersten Kontrollen jedoch weitgehend fortgesetzt werden.

Eine Tsunami-Warnung wurde von den zuständigen Behörden nicht ausgegeben. Dennoch riefen die taiwanesischen Katastrophenschutzstellen die Bevölkerung dazu auf, aufmerksam zu bleiben und sich auf mögliche Nachbeben einzustellen – ein in der Region nicht ungewöhnliches Szenario nach stärkeren Erschütterungen.

Taiwan liegt an der Nahtstelle zwischen der Eurasischen Platte und der Philippinischen Seeplatte und gehört zum sogenannten Pazifischen Feuerring. Erdbeben sind dort häufig, teils mit erheblichen Folgen. Das aktuelle Beben zählt zu den stärkeren Ereignissen des Jahres, blieb jedoch nach bisherigen Erkenntnissen glimpflich.

Die Behörden setzten ihre Lagebeobachtung fort und kündigten an, weitere Informationen zu veröffentlichen, sobald umfassendere Schadensanalysen vorliegen.

Campi Flegrei: Neue Studie zum Bradyseismos

Solfatara der Campi Flegrei. © Marc Szeglat

Vulkanische Unruhe in den Campi Flegrei: Neue Studie entschlüsselt Zusammenhang von Bodenhebung und Erdbeben

Campi Flegrei ist eine der aktivsten und komplexesten Vulkanregionen Europas. Die Caldera liegt am Rand des Ballungsraums Neapel und ist selbst dicht besiedelt: In der „roten Zone“ der Campi Flegrei, dem von Italiens Zivilschutz als am höchsten gefährdet eingestuften Gebiet bei einem möglichen Vulkanausbruch, leben nach aktuellen Einschätzungen etwa 500 000 Menschen. Seit 20 Jahren hebt sich der Boden der Caldera – zunächst langsam, dann immer schneller. Die Bodenhebung wird von Tausenden Erdbeben jedes Jahr begleitet. Ein aktueller wissenschaftlicher Artikel, veröffentlicht im renommierten Fachjournal Scientific Reports (Nature), liefert nun wichtige neue Erkenntnisse über die Dynamik der vulkanischen Unruhe – insbesondere über den Zusammenhang zwischen der Bodenhebung und der Häufigkeit von Erdbeben.




Bei den Campi Flegrei handelt es sich um einen großen Calderavulkan, der sich durch eine beeindruckende geologische Geschichte auszeichnet. Seit den 1950er Jahren kommt es immer wieder zu Phasen von Bodenhebung, bei denen sich der Boden im Zentrum der Caldera um mehrere Meter hebt. Diese Bodenhebung wird von tausenden schwacher bis mäßig starker Erdbeben begleitet, die als Erdbebenschwärme auftreten. Solche Prozesse können Vorboten für größere Vulkanausbrüche sein und sind daher von großem Interesse für Wissenschaft und Bevölkerung.

Die Ursache für die Bodenhebung liegt tief unter der Erdoberfläche verborgen: Magma und heiße Fluide sammeln sich in Reservoiren in der Erdkruste an. Diese Zunahme von Material und starke Entgasungen aus dem Magma üben Druck auf die darüber liegende Erdkruste aus, wodurch sich der Boden langsam hebt. Gleichzeitig verändern sich durch das Einpressen der Magmen oder Fluide die Spannungsverhältnisse im Gestein, was häufig Erdbeben auslöst.

Neue Erkenntnisse aus der Studie

Die nun veröffentlichte Studie analysiert Daten aus den letzten 20 Jahren und zeigt, dass der Zusammenhang zwischen Bodenhebung und Erdbeben nicht einfach linear verläuft. Stattdessen sind die Erdbeben Teil einer komplexen „epidemischen“ Kettenreaktion: Ein Erdbeben kann weitere auslösen, doch dieser Prozess wird durch die Bodenhebung und strukturelle Grenzen im Gestein begrenzt. Das Team konnte mathematisch beschreiben, wie die Häufigkeit der Erdbeben mit der Bodenhebung zusammenhängt – nämlich nicht unendlich steigend, sondern mit einem abnehmenden Effekt, je mehr sich der Boden hebt.

Die Analyse zeigte: Mit zunehmender Bodenhebung nimmt die Effizienz ab, mit der zusätzliche Deformationen neue Erdbeben auslösen können. Dies führt zu einem Sättigungseffekt – die Häufigkeit der Erdbeben steigt also nicht unendlich weiter, sondern flacht relativ zur Zunahme der Bodenhebung ab. Mathematisch bedeutet das, dass die Zunahme der Erdbebenrate eine doppelt exponentielle Funktion der Bodenhebung ist, aber mit einem negativen Parameter, der den abnehmenden Zuwachs beschreibt.

Bedeutet das weniger Erdbeben vor einem Ausbruch?

Das Modell heißt nicht, dass vor einem möglichen Ausbruch keine Zunahme von Erdbeben oder Bodenhebung stattfindet. Vielmehr zeigt es, dass die Beziehung komplex ist: Eine Beschleunigung der Bodenhebung kann weiterhin auftreten – das wurde an zwei Phasen unterschiedlicher Wachstumsraten beobachtet.

Die Erdbebenhäufigkeit steigt zwar zu Beginn der Bodenhebung an, aber der Effekt, dass ein Beben weitere Beben auslöst, wird durch zunehmende Verformung immer stärker begrenzt. Dies könnte durch Veränderungen im Gestein (z. B. plastische Deformation, Versiegelung von Bruchflächen) verursacht werden.

Es ist also möglich, dass sich vor einem größeren Ereignis oder Ausbruch die Bebenrate nicht mehr stark erhöht, obwohl sich der Boden weiter hebt – was eine einfache Interpretation der seismischen Aktivität erschwert und sich negativ auf das Frühwarnsystem vor einem möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruch auswirken könnte.

Kurz gesagt: Eine steigende Bodenhebung geht meist mit mehr Erdbeben einher, aber die Erdbebenhäufigkeit wächst nicht immer proportional oder exponentiell mit. Dieses Verhalten muss bei der Überwachung und Gefährdungsabschätzung berücksichtigt werden, um Fehleinschätzungen zu vermeiden.

Dieser Befund hat wichtige Konsequenzen für die Vulkanüberwachung: Erdbeben allein geben nicht immer eine lineare Vorhersage der Bodenhebung oder eines möglichen Ausbruchs. Vielmehr ist das Zusammenspiel beider Prozesse entscheidend.

Quelle: Godano, C., Convertito, V., Tramelli, A., et al. (2025). Interplay between ground deformation and seismicity during the 2005–2025 unrest at Campi Flegrei. Scientific Reports, 15, Article 43238. https://doi.org/10.1038/s41598-025-27259-4. Lizenz der CC