Campi Flegrei: Dokumentation der jüngsten Erdbebenschäden

Blick über Pozzuoli und dem Hafen Darsena. © Marc Szeglat

Erdbebenschäden und Bodenhebung der Campi Flegrei in Fotos dokumentiert – viele Probleme hausgemacht

Der süditalienische Calderavulkan Campi Flegrei sorgt seit Monaten für Schlagzeilen, weil er immer wieder Schwarmbeben erzeugt, die sich über die Zeit hinweg in ihrer Intensität steigerten. So manifestierte sich am 13. März der bislang stärkste Erdbebenschwarm, der in den Campi Flegrei in den letzten Jahrzehnten mit modernen Messmethoden erfasst wurde. Das stärkste Einzelbeben dieses Schwarms brachte es auf eine Magnitude von 4,6 und stellte somit ein weiteres Superlativ als das stärkste Beben auf, das je in den Campi Flegrei gemessen wurde. Anfänglich wurde die Magnitude des Bebens mit 4,4 angegeben, zwei Tage später wurde der Wert korrigiert.

Das Beben verursachte einige Schäden an Gebäuden in Pozzuoli und anderen Gemeinden und es gab sogar eine verletzte Person, die in ihrem Bett von herabfallenden Deckenteilen getroffen wurde. Die Menschen gerieten in Panik und stürmten ein leerstehendes NATO-Gelände, in der Hoffnung, sich dort auf sicherem Boden zu befinden. Der Erdbebenschwarm ging mit einer Beschleunigung der Bodenhebung auf eine Rate von 30 Millimetern im Monat einher, was die schnellste Hebungsrate in der aktuellen Phase des als Bradyseismos bezeichneten Phänomens darstellt. Die Hebungsphase begann im Jahr 2005 und beschleunigte sich seit 2011 signifikant. Mit einer Dauer von nun 20 Jahren ist es zudem die längste Hebungsphase seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Die vorherigen Phasen dauerten 2 bis 3 Jahre. Zwischen den Hebungsphasen gab es Senkungsphasen des Bodens, doch netto blieb über die Jahrzehnte hinweg immer eine Hebung vorhanden. Dennoch gab es in der Antike noch stärkere Bodendeformationen als heute, denn es gibt noch Ruinen aus der Römerzeit, die vor der Küste unter Wasser liegen. Seit der Antike muss es also zu einer Bodensenkung gekommen sein, die stärker als die Hebungen bis heute war.

Auf diesem Panorama erkennt man links das Maar des Lago d’Averno sowie rechts der Mitte den Schlackenkegel des Monte Nuovo. © Marc Szeglat

So viele Bodendeformationen und Erdbeben gehen natürlich nicht spurlos an den Bauten in den Campi Flegrei vorbei. So stattete ich der Region einen Kurzbesuch ab, um die Schäden an den Gebäuden zu dokumentieren und ein paar Aufnahmen der vulkanischen Manifestationen zu machen. Da ich hier als Jugendlicher meinen Erstkontakt zu aktiven Vulkanen hatte, fühle ich mich der Gegend besonders verbunden und besuchte sie auch als Erwachsener immer wieder gerne, wobei ich am liebsten auf dem Campingplatz im Solfatara-Krater campierte. Leider wurden der Platz und die Solfatara nach einem tragischen Unfall im Jahr 2018 gesperrt und es sieht auch nicht so aus, als würde sich daran wieder etwas ändern. Umso erstaunlicher finde ich es, dass man die (touristische) Infrastruktur im Krater nicht zurückbaut, sondern einfach vor sich her gammeln lässt. Ein Phänomen, das leider in ganz Süditalien weit verbreitet ist und sich nicht nur auf Bänke und Zaunpfähle beschränkt, sondern auch Hotels, Sportstadien und Fabrikgebäude umfasst, einmal ganz abgesehen von normalen Wohnhäusern, die von ihren Besitzern aufgegeben wurden. Solch aufgegebene und verwahrloste Infrastruktur nimmt nicht nur Platz weg und verschandelt die Gegend, sondern stellt auch eine zusätzliche Gefahrenquelle in Bezug auf Naturkatastrophen dar: Die nicht gepflegten und damit in ihrer Substanz geschwächten Gebäude reagieren natürlich besonders empfindlich auf Erdbeben und Bodenverformungen und könnten im schlimmsten Fall bei mittelstarken Erdbeben kollabieren, bei denen es in gesünderen Gebäuden bestenfalls ein paar Risse geben würde. Aber offenbar sind italienische Kommunen und der Staat so pleite, dass Gelder für Abriss und Sanierungen fehlen. Natürlich verschwinden entsprechende Gelder auch in mafiosen Strukturen. Davon betroffen sind auch Gelder in Millionenhöhe (vielleicht sogar in Milliardenhöhe) die von der EU für Infrastrukturprojekte zur Verfügung gestellt werden!

Spaziergang durch Pozzuoli

Bei meinem Spaziergang durch Pozzuoli, den ich 2 Wochen nach dem Beben machte, stieß ich noch auf zahlreiche Spuren der Erschütterung. Vor allem handelte es sich hierbei um abgeplatzten Putz von Hauswänden, aber auch um festere Trümmerstücke, die von Fassaden und Dachgiebeln abbrachen. Es gab auch geplatzte Leitungen und Erdfälle und ich sah mehrere Teams, die Gasleitungen auf ihre Dichtigkeit überprüften.

Bei genauerer Betrachtung der abgeplatzten Putzflächen an den Häusern fiel mir auf, dass man hier teilweise nachträglich unter dem Putz Kabel und Rohre verlegt hatte, was natürlich den Putz schwächte. Zudem können andere Materialien in einer Hauswand durch unterschiedliches Schwingungsverhalten während eines Erdbebens diese destabilisieren. Darüber hinaus sah ich aber auch genügend tiefgehende Risse und Balkone in einem desolaten Zustand, wo rostige Metallarmierung sichtbar war. Selbst ohne Erdbeben sind diese Balkone einsturzgefährdet, und bei einem Erdbeben im Fünferbereich wird die eine oder andere dieser baufälligen Konstruktionen einstürzen. Auch hier sehe ich die Probleme hausgemacht, indem man seit Jahrzehnten nichts in Sanierungsarbeiten investiert hat oder diese stümperhaft ausführte. Patina ist ja schön und gut, aber wenn es an die Substanz geht, wird es halt lebensgefährlich und schäbig. Von wegen Dolce Vita! Und wo bitte ist mein Helm?

Die Spuren der Bodenhebung werden am deutlichsten am kleinen Bootshafen Darsena sichtbar, der direkt an die historischen Gebäude von Rione Terra grenzt. Dort ist auch die Messstation RITE installiert, die die höchste Bodenhebung von nun mehr als 142 Zentimetern registriert. Rione Terra und Darsena liegen nahe des geografischen Zentrums der Caldera und parallel zur Bodenhebung senkte sich relativ betrachtet der Meeresspiegel, weshalb der Hafen fast trockengefallen ist.




Trocken präsentierte sich auch das Schlammbecken in der Solfatara, das ich tatsächlich zum ersten Mal seit 30 Jahren komplett trockengefallen sah. Mit Hilfe einer kleinen Thermalkamera, die man via USB an einem Smartphone andocken kann, machte ich einige Thermalbilder vom Südhang der Caldera und musste feststellen, dass es fast überall heiße Gasaustritte zu geben scheint. Wenigstens deutete das der hohe Wärmefluss in einem Großteil des Hangs an. Irgendwo müssen ja die fast 5000 Tonnen Kohlendioxid ausströmen, die hier täglich emittiert werden.

Doch nicht nur der Kohlendioxid-Ausstoß ist erhöht, sondern auch die Emissionen an Schwefeldioxid und Schwefelwasserstoff. Letzteres Gas mit der Formel H₂S ist für den prägnanten Geruch nach faulen Eiern verantwortlich, der im Allgemeinen als Schwefelgeruch bekannt ist. Noch nie habe ich diesen im Bereich der Solfatara so stark wahrgenommen wie dieses Mal. Besonders während meiner letzten Nacht in der Region, in der es stark regnete, drang der Gestank bis in mein Zimmer ein. Am Abend zuvor, als ich auf meinem Bett saß, merkte ich ein leichtes Erzittern der Matratze, das wie ein schwacher Windhauch gerade so zu spüren gewesen war. Da ich keine Blähungen hatte, dachte ich mir: Nanu, ein Erdbeben! Als ich die Erdbebendaten beim INGV checkte, stellte ich fest, dass sich ca. 400 m von meinem Hotel entfernt, inmitten der Solfatara, ein schwacher Erdstoß der Magnitude 1,2 ereignet hatte, dessen Erdbebenherd in knapp 1000 m Tiefe lag. Dass man so schwache Erdstöße tatsächlich spüren kann, war neu für mich.

Fazit

Obgleich die Bewohner von Pozzuoli nichts dafür können, dass sie von den Naturgewalten in besonderem Maße heimgesucht werden, tragen sie eine gewisse Mitschuld an dem Zustand ihrer Gebäude. Viele der betagten Gemäuer, die ursprünglich wohl ziemlich robust waren, wurden im letzten Jahrhundert auf dilettantische Art und Weise und unter Missachtung jeglicher Bauvorschriften mit Stromleitungen und Gas- und Wasseranschlüssen nachgerüstet. Von außen wurden Halterungen für Klimaanlagen angebracht und Metallmatten zwischen Putz und Hauswand eingearbeitet. Durch feinste Risse im Putz dringt Wasser ein, das aufgrund des Salzgehaltes der Seeluft und der Schwefelaerosole aus der Solfatara besonders korrosiv wirkt. Dadurch rostet das Metall, dehnt sich aus und schafft Schwachstellen im Putz, durch die weiteres korrosives Wasser eindringt. Das destabilisiert die Außenverkleidung der Gebäude in einem Maße, dass sie bei den moderaten Erdbeben en masse abplatzt. Stellt sich die Frage, wie stabil oder instabil das darunter liegende Mauerwerk noch ist. Spätestens wenn es zu Erdbeben ab 5,4 kommen sollte, sehe ich einige Gebäude zumindest teilweise kollabieren.

Kanlaon eruptiert weiterhin Vulkanasche

Weitere Ascheemission am Kanlaon – vulkanotektonische Erdbeben registriert

Der Kanlaon ist derzeit der aktivste Vulkan der Philippinen und stößt weiterhin sporadisch Aschewolken aus. So kam es vorgestern zu zwei Emissionen, bei denen laut VAAC Tokio Vulkanasche bis auf 3000 m Höhe aufstieg. Laut einer Meldung bei PHILVOLCS erreichte eine Aschewolke eine Höhe von 500 m über dem Krater, was niedriger ist als das VAAC angab.

In einigen Siedlungen kam es zu schwachen Ascheregen, doch im Großen und Ganzen geht von diesen schwachen Eruptionen ein geringes Gefahrenpotenzial aus. Allerdings könnte sich das schnell ändern, denn der Vulkan ist geladen und zu größeren Eruptionen bereit. Darauf deuten verschiedene geophysikalische und geochemische Parameter hin. Hierzu gehört eine anhaltende Inflation des Vulkans, die durch aufsteigendes Magma verursacht wird, das sich unter dem Kanalon ansammelt und so den Boden anhebt. Dies geht einher mit einer erhöhten Seismizität. So wurden gestern 14 vulkanotektonische Beben registriert, die sich vor allem unter der Nordflanke des Vulkans abspielten. Der Schwefeldioxid-Ausstoß lag gestern bei 2458 Tonnen. Am Vortag wurden sogar 3300 Tonnen SO₂-Ausstoß festgestellt. Damit ist der Kanlaon derzeit der größte vulkanische Emittent an Schwefeldioxid und liegt sogar deutlich vor dem Taal, der im letzten Jahr im Durchschnitt mehr als 4000 Tonnen Schwefeldioxid ausgestoßen hat. In diesem Jahr werden am Taal nur noch ca. 10 % des Ausstoßes vom Vorjahr registriert.

Doch zurück zum Kanlaon: PHILVOLCS hält die Warnstufe „3“ (Orange) aufrecht und es gilt weiterhin eine Sperrzone mit einem Radius von 6 Kilometern um den Krater. Man warnt vor diversen Vulkangefahren, zu denen der Ausstoß größerer Aschemengen gehört, aber auch die Generierung von pyroklastischen Strömen und Laharen. Zudem gilt ein Überflugverbot, da starke Explosionen mit hoch aufsteigenden Aschewolken den Flugverkehr gefährden könnten. Mehrere Siedlungen innerhalb des Sperrgebiets wurden letztes Jahr evakuiert.

Kirishima: Alarmstufe erhöht

Erhöhung der Alarmstufe am Kirishima – Eruption könnte bevorstehen

Heute erhöhte das JMA die Alarmstufe des Vulkans Kirishima von „2“ auf „3“ (Orange)  und etablierte eine Sperrzone mit einem 4 Kilometer Radius um den Krater Shinmoe-dake, da dieser erhöhte Anzeichen eine bevorstehenden Vulkanausbruchs zeigt. Der Vulkan darf also nicht mehr bestiegen werden.

Shinmoe-dake ist ein aktiver Schlackenkegel des 1.421 Metern hohen Komplexvulkans Kirishima, der sich aus mehreren Kraterkegeln zusammensetzt und ein beliebtes Erholungsgebiet in einem Nationalpark auf der japanischen Insel Kyūshū darstellt. Am Fuß des Vulkans gibt es auch ein Thermalgebiet mit einem Onsen.

Grund dafür die Erhöhung der Alarmstufe ist eine zunehmende seismische Aktivität, die seit dem 28. März festgestellt wird. Es wurde eine hohe Anzahl vulkanisch bedingter Erdbeben direkt unter dem Shinmoe-dake registriert. Bereits seit November 2024 zeigen GNSS-Messungen, dass sich ein Magmenkörper akkumuliert hat, wodurch es zu leichten Verformungen des Vulkans kam.


Aktuell sieht am auf der Livecam Dampf aufsteigen, die von Fumarolen am Kraterrand ausgehen.
Durch die zunehmende Aktivität besteht im Umkreis von 4 km um den Krater die Gefahr herabfallender großer Gesteinsbrocken. Vulkanische Ströme können sich bis zu 2 km weit ausbreiten. Zudem könnten Asche und kleinere Schlackenpartikel durch den Wind auch weiter entfernte Gebiete erreichen. Bewohner und Besucher der betroffenen Städte und Gemeinden, darunter Miyakonojo, Kobayashi, Ebino, Takaharu (Präfektur Miyazaki) sowie Kirishima (Präfektur Kagoshima), werden dringend gebeten, vorsichtig zu sein und die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen.

Die letzten größere Eruptionen des Shinmoe-dake ereignete sich 2011 und 2018. Damals kam es zu starken Explosionen infolge paroxysmaler Tätigkeit. Vulkanbomben flogen sogar bis zu einem vielbefahrenen Highway in mehreren Kilometern Entfernung zum Vulkan. Starke Druckwellen ließen Fensterscheiben in der Umgebung bersten und pyroklastische Ströme entstanden. Ein ähnliches Szenario ist auch diesmal nicht ausgeschlossen. Bewohner und Besucher werden daher gebeten, sich von den Gefahrenzonen fernzuhalten und regelmäßig offizielle Warnmeldungen zu verfolgen.

Póas: Zivilschutz erhöht Alarmstufe

Erhöhung der Alarmstufe am Póas – Nationalpark bleibt dauerhaft gesperrt

In Costa Rica steigerte der Vulkan Póas seine Aktivität weiter und erzeugt frequente phreatische Eruptionen im Hauptkrater, dessen Kratersee fast verdunstet ist. Heute steigen die Eruptionssäulen in Form von Schlammfontänen, die auch Tephra enthielten, bis zu 500 m hoch auf. Gestern erreichten sie Maximalhöhen von 400 m. Daher wurde der Alarmstatus des Vulkans vom Zivilschutz auf „Gelb“ erhöht. Das bedingt eine Sperrung des Nationalparks, in dem sich der Póas befindet, auf unbestimmte Zeit. Erst am Mittwoch wurde der Park gesperrt, aber da noch unter der Prämisse, die Situation täglich neu zu bewerten. Nun können sich Urlauber, die einen Besuch des Nationalparks und Vulkans geplant hatten, darauf einstellen, dass sie zumindest in den nächsten Tagen keine Chance auf einen Besuch haben werden.

Die Zeichen für eine baldige Abnahme der Aktivität stehen schlecht, denn der Tremor hat gestern stärkere Werte angenommen, als sie während des Höhepunkts der Aktivitätsphase im letzten Jahr auftraten. Heute war der Tremor zwar etwas niedriger, doch er hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Ähnlich verhält es sich mit dem Schwefeldioxid-Ausstoß, der in den letzten Tagen ebenfalls etwas nachgelassen hat, sich aber generell auf einem hohen Niveau befindet.

Das GNNS-Netzwerk registriert eine anhaltende Bodenhebung infolge von Magmeninflation unter dem Gipfelbereich des Vulkans.

Nimmt man alle Beobachtungen zusammen, dann ist es im Bereich des Möglichen, dass der Póas auf eine eruptive Phase zusteuert, die mit jener von 2017 vergleichbar ist. Damals kam es nicht nur zu phreatischen Eruptionen, sondern auch zur Förderung von Aschewolken. Der Nationalpark blieb wochenlang gesperrt.

Um Missverständnisse zu vermeiden: Die beschriebene Erhöhung der Alarmstufe wurde vom Zivilschutz veranlasst, bei OVISCORI-UNA, dem zuständigen Institut für die Vulkanüberwachung, steht die Vulkanwarnampel bereits länger auf „Orange“.

Sonne: Starker X-Flare und Sonnenfinsternis

Bewegende Zeiten für die Sonnen: Starke Sonneneruption meets Finsternis

Die Sonne wurde heute teilweise vom Mond verdeckt. Vom Westen Deutschlands aus gesehen trat das Tagesgestirn gegen 11:17 Uhr in den Kernschatten der Erde ein und wurde um 12:09 Uhr zu gut 20 % verfinstert. Es handelte sich also um eine partielle Sonnenfinsternis, die von Grönland aus betrachtet immerhin mehr als 80 % der Sonne bedeckte. Die Sonne kümmerte das Ereignis freilich wenig.

Starker X-Flare durch Sonneneruption

Anders sieht es da mit dem massiven Loch aus, das sich vor wenigen Tagen in der Korona der Sonne auftat. Es wird als das zweitgrößte Sonnenloch des aktuellen Zyklus beschrieben und dürfte größer als eine halbe Million Kilometer sein. Vor wenigen Tagen war dieses Sonnenloch direkt auf die Erde gerichtet, doch zum Glück gab es nur einen mittelstarken Sonnensturm, der Nordlichter erzeugte, die auch in Norddeutschland sichtbar waren.

Gestern kam es dann zu einer besonders starken Sonneneruption, einem Flare der höchsten Kategorie X. Sonnenbeobachter sprechen von einer gewaltigen Protuberanz, die weit in den Weltraum hinaus schoss. Zum Glück manifestierte sich dieser Sonnensturm im Nordostsektor der Sonne und war von der Erde weggerichtet, denn ansonsten könnten wir nicht nur atemberaubende Polarlichter bewundern, sondern müssten uns ernsthaft um unsere Satellitenkommunikation, Navigation und evtl. sogar um unsere Stromversorgung sorgen. So bedingte der Sonnensturm nur eine regional begrenzte Störung des Funkverkehrs.

Dank der Sonnenrotation wird die Gruppe großer Sonnenflecken, von denen die Sonneneruptionen ausgehen, in einigen Tagen wieder in Richtung Erde zeigen. Sollte es dann zu vergleichbaren Eruptionen kommen, könnte es auf der Erde zu den oben beschriebenen unerwünschten Effekten kommen.

Gefährliche Elektrifizierung

Der Ausfall elektrifizierter Infrastruktur hätte auf unsere Gesellschaft katastrophale Folgen. Ohne Strom geht praktisch nichts mehr. Wissenschaftler warnten jüngst, dass im Zuge der Elektrifizierung des Straßenverkehrs und dem damit einhergehenden Rückbau des Tankstellennetzes weiteres Ungemach droht, sollte es zu einem großangelegten Stromausfall kommen. Denn dann hätten auch Einsatzfahrzeuge das Problem, nicht mehr tanken zu können. Zudem stellt sich generell die Frage, wie z. B. Kriegsgerät auf Strom betrieben werden soll. Es gibt eine Menge ungelöster Fragen beim Umbau unserer Gesellschaft. Dass es künftig nicht zu Katastrophen und Kriegen kommen wird ist eine Utopie. Besser man bereitet sich auf Worst-Case-Szenarien vor und träumt nicht von einer heilen Welt, so wie man es in Deutschland offenbar in den letzten 20 Jahren tat.

Myanmar: Zehntausende Todesopfer nach Erdbeben befürchtet

Enorme Schäden nach Erdbeben Mw 7,7 in Myanmar – Zehntausende Todesopfer befürchtet

Tag 1 nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe: Das Ausmaß der Schäden wird immer deutlicher, auch wenn noch keine genauen Zahlen zu zerstörten oder stark beschädigten Gebäuden vorliegen. Während in manchen Straßen der am stärksten betroffenen Region Mandalay nur einzelne Häuser eingestürzt sind, gibt es ganze Straßenzüge, in denen kein einziges Gebäude mehr steht.

Die Zahl der Todesopfer wird stetig nach oben korrigiert: Bis zum Samstagmorgen waren mehr als 1.000 Tote bestätigt, zudem wurden rund 2.400 Verletzte registriert. Experten des US Geological Survey (USGS) gehen jedoch von Zehntausenden Todesopfern aus, die sich vermutlich noch unter den Trümmern befinden.

Der Fokus der Rettungskräfte liegt zunächst nicht auf der Bergung der Toten, sondern auf der Suche nach eingeschlossenen Überlebenden – die es mit Sicherheit noch gibt. Eine der größten Herausforderungen ist die fehlende Katastrophenhilfe: Myanmar gehört nicht nur zu den ärmsten Ländern der Welt, sondern wird seit 2021 von einer Militärjunta regiert. Normalerweise sind solche Regime zu stolz, um internationale Hilfe zu erbitten, und sie scheuen sich, ausländische Behörden ins Land zu lassen. Doch in diesem Fall ist es anders: Junta-Chef Min Aung Hlaing bat ausländische Regierungen um Unterstützung. Bereits zuvor hatten Indien und China Hilfe angeboten. Auch dort war das Erdbeben der Magnitude 7,7 zu spüren, richtete jedoch nur leichte Schäden an. Anders verhielt es sich in Thailand, wo es in einigen Regionen zu größeren Zerstörungen kam.

Dramatisch ist die Lage in der thailändischen Hauptstadt Bangkok, rund 1.000 Kilometer vom Epizentrum bei Mandalay in Myanmar entfernt. Dort schwankten die Gebäude mehrere Minuten lang, was sich besonders in den oberen Stockwerken der Wolkenkratzer bemerkbar machte. Auf den Dächern der Hochhäuser schwappten die Pools über. Insgesamt wurden an mehr als 2000 Gebäuden Schäden wie Risse oder abgefallene Fassadenteile registriert. Am schlimmsten traf es eine Baustelle: Ein über 30 Stockwerke hohes Hochhaus im Rohbau stürzte innerhalb von Sekunden wie ein Kartenhaus in sich zusammen und begrub mehr als 100 Arbeiter unter den Trümmern. Zehn Tote wurden bereits geborgen, doch es gibt Kontakt zu einer größeren Gruppe Verschütteter. Ihre Rettung hat oberste Priorität.




Das Erdbeben ereignete sich entlang der großen Sagaing-Blattverwerfung, die Ähnlichkeiten mit der San-Andreas-Störung in Kalifornien aufweist. Ein Beben dieser Magnitude setzte etwa 2,24 × 10¹⁶ Joule Energie frei, was der Sprengkraft von rund 250 Hiroshima-Atombomben entspricht. Eine Geologin des USGS schätzte die freigesetzte Energie sogar auf das Äquivalent von über 340 Hiroshima-Bomben. Die enormen Kräfte verschoben den Boden um mehrere Meter und führten in der Stadt Myittha zu Bodenverflüssigung.

Obgleich sich das Beben verheerend auswirkte, hätte es noch schlimmer kommen können, denn das Hypozentrum lag in einer Tiefe von 24 Kilometern und damit deutlich tiefer als zunächst angegeben.

Es gab mehrere Nachbeben, die auch weiterhin auftreten und die Trümmer weiter verdichten können, so dass Überlebende doch noch getötet werden. Auf der Shakemap des EMSC erkennt man, dass es auch an anderen Regionen entlang der 1200 Kilometer langen Störungszone zu Beben kam. darüber hinaus gab es auch entlang der Kollisionszone von Eurasien und dem indischen Subkontinent zu mehreren Beben.

Zwei weitere starke Erdbeben der Magnitude 6,6 und 6,0 manifestierte sich gestern am Zentralen Mittelatlantischen Rücken auf der Breite von Brasilien. Ach ja, und heute gibt es eine partielle Sonnenfinsternis.

Südkorea von schweren Waldbränden getroffen

Südkorea kämpft mit größter Brandkatastrophe des Landes – Mindestens 28 Todesopfer

In Südkorea wüten schwere Waldbrände, die in kurzer Folge an mehr als 20 Stellen im ganzen Land ausgebrochen sind und eine Gesamtfläche von fast 1000 Quadratkilometern erfassten. Die Naturkatastrophe forderte bislang mindestens 28 Todesopfer, darunter drei Feuerwehrleute und ein Regierungsangestellter. Es wurden 37 Personen verletzt. Über 37.000 Menschen wurden zur Evakuierung gezwungen.

Der erste größere Brand brach am 21. März im Kreis Sancheong aus, gefolgt vom bislang größten Feuer im Kreis Uiseong. Dies führte zu umfangreichen Evakuierungen und dem großflächigen Einsatz von Feuerwehreinheiten. Als Reaktion auf den Notfall erklärte die Regierung mehrere Provinzen offiziell zu Katastrophengebieten.

Der amtierende Präsident Han Duck-soo bezeichnete die Waldbrände als die schlimmsten in der Geschichte Südkoreas. Vielerorts griffen die Brände auf besiedeltes Gebiet über und zerstörten nicht nur mehr als 2570 Gebäude, Fabriken und Geschäfte, sondern auch Kulturgüter. Besonders betroffen war der Gounsa-Tempel in Uiseong, von dem nur neun von 30 Gebäuden erhalten blieben. 30 Kulturdenkmäler wurden beschädigt, darunter ein 900 Jahre alter Ginkgobaum.

Angesichts der Bedrohung für das nationale Kulturerbe erhöhte der Korea Heritage Service am 25. März seine Katastrophenwarnstufe auf „ernst“. 15 historische Gegenstände, darunter zehn Nationalschätze, wurden aus gefährdeten Tempeln evakuiert. Evakuierungsanordnungen betrafen Byeongsan Seowon, das Hahoe Folk Village und den Daejeon-Tempel in Cheongsong. Eine große Wasserkanone wurde nach Hahoe entsandt.

Präsident Han Duck-soo führte einige Brände auf menschliches Fehlverhalten zurück. Die Regierung kündigte ein härteres Vorgehen gegen illegale Feuerquellen bzw. Brandstiftung an. Rund 1.600 Einsatzkräfte, 35 Hubschrauber und zahlreiche Fahrzeuge waren im Einsatz. Betroffene Provinzen wurden zu Katastrophengebieten erklärt, und finanzielle Hilfen in Höhe von 2,6 Milliarden Won bereitgestellt. Zudem gibt es eine große Spendenbereitschaft von Seiten koreanischer Prominenter.

Es gibt viel Kritik am Katastrophenmanagement Südkoreas und auch die Einsatzkräfte werden kritisiert. Sie sollen schlecht vorbereitet gewesen sein und unkoordiniert gehandelt haben. Einige der Todesopfer seien auf Fehlverhalten der Einsatzkräfte Zurückzuführen gewesen. Auch die Alarmstrukturen funktionierten nicht richtig: so kamen Warnungen zu spät oder enthielten unklare Anweisungen, die die Bevölkerung verwirrten.

Chronologie der Brände

21. März

  • Beginn des ersten größeren Brandes im Kreis Sancheong.

23. März

  • Feuer auf der Insel Mokdo, Ulju-gun, Ulsan, nach 1 Stunde und 50 Minuten gelöscht.

24. März

  • Waldbrand beschädigt die Raststätte Jeomgok an der Seosan-Yeongdeok-Schnellstraße.
  • Premierminister Han Duck-soo besucht das Integrierte Waldbrand-Kommandozentrum.

25. März

  • Nationale Feuerwehrbehörde erhöht Brandschutzstufe auf höchste Alarmstufe.
  • Gounsa-Tempel in Uiseong schwer beschädigt, Nationalschätze evakuiert.
  • Korea Heritage Service erlässt Krisenwarnung zum Schutz des Kulturerbes.

26. März

  • 104 Bewohner in Yeongdeok durch Küstenwache gerettet.
  • Absturz eines S-76-Löschhubschraubers in Uiseong.
  • Stromausfälle in Andong führen zu Wasserknappheit.

27. März

  • Regenfälle in Nord-Gyeongsang mit begrenzter Löschwirkung.
  • Luftqualität in Andong erreicht gesundheitsschädliches Niveau.

28. März

  • Vollständige Eindämmung der Waldbrände in Nord-Gyeongsang verkündet.

Ätna: Erhöhter Tremor deutet Eruption an

Tremorspitze im roten Bereich – möglicherweise strombolianische Eruptionen am Ätna

Am Ätna auf Sizilien ist der Tremor gestern Abend wieder deutlich angestiegen und bewegte sich vom gelben Bereich bis ins untere Drittel des roten Bereichs. Solche Tremoranstiege hatten wir in den letzten Wochen öfters und für gewöhnlich sind sie mit strombolianischen Eruptionen einhergegangen. Wie beim letzten Tremoranstieg Anfang der Woche auch hüllte sich der Ätna wieder in Wolken, so dass es keine visuelle Bestätigung der potenziellen Aktivität gab. Das INGV brachte diesmal keine Sondermeldung heraus. Die jüngste Meldung ist 4 Tage alt und berichtet von einem kleinen Lavastrom, der im Gipfelbereich des Ätnas austrat. Vorsorglich setzte man den Alarmstatus für den Flugverkehr auf „Orange“. Dieser Alarm wurde offenbar aufrechterhalten und noch nicht wieder aufgehoben, was auch erklären kann, warum es heute keine gesonderte Aktivitätsmeldung gab. Davor gab es eine Phase intensiver strombolianischer Aktivität am 20. Februar.

Prognosen darüber, ob der Ätna seinen 4-Tages-Rhythmus beibehält, lassen sich nicht aufstellen. Solche Rhythmen kennen wir von Paroxysmen und es könnte sein, dass sich die Eruptionen am Ätna weiter aufschaukeln werden. Die aktuelle Seismizität ist eher gering, doch es gab ja im Februar eine deutlich erhöhte Aktivität, die dann in den Lavastromausstoß gipfelte.

Im aktuellen Wochenbericht für den Beobachtungszeitraum 17. bis 23. März wurde ausführlich auf die Eruptionen vom 20. März eingegangen und auch kurz die Lavastrom-Sichtung vom 24. März beschrieben, obwohl sie außerhalb des Beobachtungszeitraums lag. Der Lavastrom war recht klein, ergoss sich aus dem Südostkrater und war nur kurz auf einem Thermalbild zwischen Wolken zu erkennen gewesen.

Die geophysikalischen Parameter zeigten keine größeren Abweichungen von den Normen. Es wurden vergleichsweise geringe Kohlendioxid-Emissionen gemessen, dafür aber ein hohes Helium-Isotopenverhältnis festgestellt, das darauf hindeutet, dass sich im Übergangsbereich zur Erdkruste Magma im Aufstieg befindet.

Die Analyse der Tremorquellen deutet auf eine größere Magmaansammlung unter dem Südostkrater hin, die sich in einer Tiefe zwischen 2000 und 2900 m unter dem Gipfel befindet. Sie migrierte wieder etwas in nordwestlicher Richtung, wo die Bocca Nuova liegt. Es ist nicht auszuschließen, dass es in den nächsten Wochen wieder eine Episode mit intensiver Lavastromtätigkeit geben wird.

Island: Erhöhte Seismizität bei Svartsengi am 28.03.25

Erneute Zunahme der Seismizität bei Svartsengi auf Island – 30 Zentimeter Bodenhebung seit letzter Eruption

Im Eruptionsgebiet entlang der Sundhnúkur-Kraterreiche auf Island gab es in den letzten 24 Stunden eine deutliche Zunahme der Erdbebenaktivität. Das Erdbebenportal vafri.is zeigt auf seiner Shakemap 16 schwache Erschütterungen an, die bis nach Grindavik hinabreichten. Die stärkste Magnitude war 1,2 in einer Tiefe von 5,2 Kilometern, als genau dort, wo sich typischerweise Magma akkumuliert, bevor es ausbricht. Die meisten Beben lagen aber im Bereich der letzten Eruptionsstelle östlich vom Sylingafell. Sollte es zu einem neuen Ausbruch kommen, dann ist das wieder der wahrscheinlichste Ort, von dem die Spaltenöffnung ausgeht. Ungewiss ist, wie weit sich eine Spalte nach Norden oder Süden öffnen wird. Im Extremfall könnte sie im Norden die wichtige Straße zwischen dem Flughafen Keflavik und der Hauptstadt Reykjavik unterbrechen, während sie im Süden bis nach Grindavik hinein laufen könnte.

Nachdem die Bodenhebung letzte Woche ins Stocken geraten war, ging sie in den letzten Tagen weiter und scheint nun abermals zu stocken. Es stellt sich immer die Frage, ob es Messungenauigkeiten sind, die meistens dadurch zustande kommen können, dass die Bahnen der GPS-Satelliten um wenige Millimeter schwanken, oder ob es tatsächlich Schwankungen im Magmenzustrom aus der Tiefe gibt. Zu erwarten wäre eine kontinuierliche Abnahme des Zustroms, da der Gegendruck im oberen Speichersystem immer größer wird und das aufsteigende Magma gegen diesen ankämpfen muss. Was auch immer die Ursache für die Schwankungen sein mag, so hat die Bodenhebung wieder ca. 30 Zentimeter seit dem letzten Ausbruch erreicht. Ein Wert, bei dem es bereits früher Eruptionen gab. Das ist ein möglicher Anhaltspunkt um ein baldigen Eruptionsbeginn zu vermuten aber kein hinreichendes Kriterium.

Tatsächlich kommt nun auch der oft zitierte Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson auf die Idee, dass Vulkanausbrüche schwer vorherzusagen sind. Er äußerte sich in einem MBL-Artikel sinngemäß, dass die bisherigen Annahmen zur Vorhersage von Ausbrüchen nicht zuverlässig seien. Ein Ausbruch könne heute, morgen, übermorgen oder gar nicht beginnen. Ein Problem, das man auch von anderen Vulkanen her kennt, etwa wenn es um die Regelmäßigkeit von Paroxysmen am Ätna geht: Ein paar Eruptionen scheinen einem bestimmten Muster zu folgen, das dann irgendwann durchbrochen wird. Wir Menschen müssen lernen, uns von unseren schematischen Denkmustern zu befreien und vor allem von unserer Zeitvorstellung in Bezug auf geologische Prozesse. Zudem ist es eine Frage der Definition, ob es sich um verschiedene Ausbrüche handelt oder nicht doch um Episoden eines lang anhaltenden Ausbruchs.