Ätna: Lavastrom und ein aktiver Südostkrater

Lavastrom am Ätna erreicht 1900 m Höhenniveau – Südostkrater eruptiert glühende Tephra

Der Ätna zeigt seit dem Wochenende weiterhin ein ungewöhnliches Eruptionsverhalten, da er einen Lavastrom fördert, der aus einer kurzen Spalte an der Südbasis des Zentralkraterkomplexes quillt und in südwestlicher Richtung fließt. Die Lavafront erreichte in den frühen Morgenstunden die Basis des Steilhanges und befindet sich in etwa auf dem Höhenniveau der unteren Seilbahnstation, die auf gut 1900 m liegt. Ich schätze die Länge des Stroms auf über 2 Kilometer. Damit zählt er nicht mehr zu den kleinen Vertretern seiner Art, sondern hat bereits eine respektable Länge erreicht. Er emittierte gestern Abend eine hohe Wärmestrahlung mit einer Leistung von über 900 MW.

Die Eruption ist aber nicht nur wegen dem subterminalen Austrittsort ungewöhnlich, sondern insbesondere, weil der seit gut 20 Jahren inaktive Teil des Südostkraters wieder aktiv geworden ist. Tatsächlich wurden von den Etnaguides Bilder von letzter Nacht geteilt, die die Asche-Eruptionen dieses Kraters dokumentieren. In der Dunkelheit war zu sehen gewesen, dass der Krater nicht nur Asche emittierte, sondern auch glühende Tephra. Damit wurde bestätigt, dass es sich um aktive Eruptionen handelt und nicht um passive Exhalationen infolge von Kollaps-Ereignissen.

Wenn ich spekulieren würde (was ich natürlich niemals mache), würde ich vermuten, dass dieser Aktivitäts-Shift ein Indiz dafür ist, dass sich am Ätna wieder etwas geändert hat. Die Aktivität scheint sich aus dem Nordwesten des Vulkans wieder in den mittleren Südosten zu verlagern. Wodurch dieser Wechsel hervorgerufen wird, vermag ich nicht zu sagen. Seitdem im Herbst die ersten tiefen Erdbeben im Nordwesten auftauchten, die sich in den letzten Monaten in flachere Regionen verlagerten, sieht es so aus, als würde frisches Magma aufsteigen und sich unter dem Vulkan akkumulieren. Vielleicht tritt der Ätna in einen neuen Eruptionszyklus ein.

Island: Bodenhebung bei Svartsengi entschleunigt

Bodenhebung bei Svartsengi auf Island verlangsamte sich – Zahl der Erdbeben bei Sundhunkur steigt langsam

Obwohl sich die Welt momentan um Santorin zu drehen scheint, sollten wir das Geschehen auf Island nicht ganz aus den Augen verlieren: Die Zahl der Mikrobeben entlang der Sundhnukur-Eruptionsspalte ist zwar noch gering, doch es gibt einen leichten Trend der Aktivitätszunahme. So manifestierten sich in den letzten 6 Stunden 3 Beben östlich der Erhebung Sylingafell, also in etwa dort, wo bei den letzten Eruptionen der Hauptförderkanal des Magmas lag.

Die Bodenhebung bei dem westlich gelegenen Gebiet von Svartsengi hat sich in der vergangenen Woche verlangsamt und reduzierte sich auf eine Rate von geschätzten 1,5 bis 2 Kubikmetern pro Sekunde. Das kann zum einen daran liegen, dass tatsächlich weniger Schmelze aus der Tiefe aufsteigt, zum anderen aber auch daran, dass der Gegendruck im flachen Speicherreservoir so groß ist, dass der weitere Magmenzustrom gebremst wird. In diesem Fall wird das Magma früher oder später seitlich ausweichen und zu einer Gangintrusion führen, die letztendlich in einer Eruption gipfeln kann. Sollte sich der Boden mit gleichbleibender Geschwindigkeit heben, dann wird frühestens in einer Woche die Parität zur Hebung vor der letzten Eruption erreicht sein. Meiner Meinung nach steigt dann das Eruptionsrisiko signifikant an.

Die isländischen Vulkanologen sahen den Anstieg des Eruptionsrisikos bereits in der letzten Januar- bzw. ersten Februarwoche. Tatsächlich kann es jederzeit zur Gangbildung oder Eruption kommen, doch bei den meisten Eruptionen überstieg die Bodenhebung das Niveau der Hebung vor der letzten Eruption. Sollte es sich auch diesmal wieder so verhalten, dann müssen wir bestimmt noch 3–4 Wochen warten, bis es losgeht. Andererseits zeigen die leichte Erdbebenzunahme und die Verlangsamung der Bodenhebung, dass es schneller gehen kann.

Die Seismizität auf Island ist momentan vergleichsweise gering: Innerhalb von 48 Stunden wurden nur 49 Beben registriert, darunter ein kleiner Schwarm bei Borganes.

Santorin: Erdbeben Mw 5,3 am 10.02.25

Wasserverfärbungen Nea Kameni in der Santorin-Caldera (Archiv). © Marc Szeglat

Weitere Erdbeben bei Santorin – Stärkste Erschütterung Mw 5,3

Datum 10.02.25 | Zeit: 20:16:28 UTC | Koordinaten: 36.67, 25.7 | Tiefe: 8 km | Mw 5,3

Der Erdbebenschwarm nordwestlich von Santorin geht weiter. Die Aktivität fluktuiert zyklisch und alle 10 bis 12 Stunden kommt es zu einer Verstärkung der Aktivität, bei der nicht nur die Anzahl der Erdbeben zunimmt, sondern auch ihre Stärke. Während einer dieser Hochphasen ereignete sich gestern Abend um 20:16:28 UTC ein vergleichsweise starkes Erdbeben der Magnitude 5,3. Der Erdbebenherd lag in 8 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag nördlich der kleinen Insel Anydros und gefährlich nahe an der Amorgos-Störung, an der sich 1956 das Starkbeben Mw 7,2 ereignete. In den letzten Tagen verlagerte sich die Erdbebenaktivität weiter nach Nordwesten. Schaut man sich die Shakemap an, dann erkennt man, dass sich die meisten Beben nun nordöstlich von Anydros ereignen. Vor ein paar Tagen lag das Eiland noch im Zentrum des Bebenclusters und am Anfang des Schwarms lag der Schwerpunkt des Schwarms südwestlich der Insel. Tatsächlich verläuft die Migration der Beben nicht linear, sondern es gab mehrere Hin-und-her-Bewegungen entlang einer Linie, die an der Ostflanke des Unterwasservulkans beginnt.

Migration der Erdbeben entlang einer Linie

Das EMSC hat eine Animation der Epizentren-Verlagerung im Zeitverlauf gemacht, bei der man die oben beschriebene Migration sehr gut erkennen kann. Die Animation wurde von den Kollegen von „Volcanoes y Ciencia Hoy“ ausfindig gemacht. Schade, dass man versäumte, eine Reliefkarte des Meeresbodens unter die Animation zu legen. Dafür gibt es aber inzwischen eine tektonische Karte des Meeresbodens, auf der die Lage der Erdbeben eingezeichnet wurde. Sie zeigt, dass die Erdbebenmigration zwar parallel zur Hauptstörungsrichtung des Grabens verläuft, aber nur in seinem nordöstlichsten Verlauf mit der Santorin-Anafi-Störung übereinstimmt. Von den Erdbebenmarkierungen verdeckt ist eine kleinere tektonische Bruchlinie, die am Kolumbos beginnt und von der Erdbebenmigration leicht geschnitten wird.

Die Erdbeben könnten nun mit einer tektonisch bedingten Rissöffnung in Zusammenhang stehen oder aber von einem magmatischen Gang verursacht werden, der sich entlang von tektonischen Schwächezonen ausbreitet. Die eingangs erwähnten Verstärkungsintervalle deuten auf Letzteres hin und konnten u.a. bei der Ausbreitung der Intrusionen an den Vulkanen Bardarbunga und Fagradalsfjall, sowie im Vorfeld der La Palma-Eruption beobachtet werden.

Dass das Beben Mw 5,3 gestern Abend so nahe an der Amorgos-Störung lag, ist beunruhigend, denn es besteht die Gefahr, dass auch diese Störung aktiviert werden könnte. Wie erwähnt hat sie ein deutlich größeres Potenzial, starke Beben hervorzubringen, als die Störungen am Boden des Grabens.

Ätna: Erdbeben und Ascheemissionen

Ascheemissionen aus Bocca Nuova und Südost-Krater

Der Ätna auf Sizilien wird zusehends unruhig und stößt nicht nur Lava aus einem neuen Schlot an der Basis des Zentralkraters aus, sondern emittiert auch Vulkanasche. Das Interessante ist, dass die Asche erstmalig seit langem aus dem Alten Südostkrater zu kommen scheint. Auch die Bocca Nuova ist seit dem Mittag beteiligt. Es können passive Emissionen infolge von Kollapsereignissen sein, aber auch aktive Eruptionen.

Der Südostkrater ist eigentlich seit fast 2 Jahrzehnten stillgelegt und die Aktivität im Osten des Vulkans schuf mit dem Neuen Südostkrater einen Anbau an den ursprünglichen Südostkrater. Der Krater entstand erst 1979 und ich sah ihn einige Jahre lang wachsen und war auch bei der Geburt des Neuen Südostkraters zugegen.

Erdbeben M 3,7 im Norden des Ätnas

Dem nicht genug, manifestierte sich heute Nachmittag ein kleiner Erdbebenschwarm an der unteren Nordflanke des Ätnas. Das EMSC zeigt 5 Beben mit Magnituden zwischen 3,7 und 2,0. Da die Anzeige überwiegend auf Beben ab M 2,0 beschränkt ist, könnten auch schwächere Beben aufgetreten sein. Die Ebben standen sehr wahrscheinlich mit tektonischen Prozessen entlang der Pernicana-Störung in Verbindung. Vor den letzten größeren Flankeneruptionen 2001 und 2002/03 ereigneten sich an dieser Störung mehrere Erdbeben, die auch zu Schäden an der Infrastruktur der Region führten. Es kann also Wechselwirkungen mit aufsteigendem Magma geben. Bei diesen Gelegenheiten wurde auch ein verstärktes Gleiten der Ostflanke des Ätnas beobachtet, die sich um bis zu 1 m hangabwärts Richtung Meer verschob. Phasen beschleunigten Hanggleitens können ihrerseits Einfluss auf das eruptive Verhalten des Ätnas nehmen.

Ich will mit diesen Zeilen nicht implizieren, dass eine Flankeneruption ansteht. Außer den beschriebenen Phänomenen der Subterminaleruption, den Ascheexhalationen und Erdbeben entdeckten die Vulkanologen vom INGV bislang keine Anzeichen für sich anbahnendes Ungemach. Sehr wahrscheinlich bleibt es bei der beobachteten Phänomenologie, obwohl der Ätna immer für Überraschungen gut ist.

Fentale: Starke Methangas-Emissionen detektiert

Starke Methan-Emissionen vom Vulkan Fentale – Seltenes Phänomen gibt Rätsel auf

Die Ereignisse im äthiopischen Afar-Dreieck, wo es Anfang des Jahres zu einer Magmenintrusion entlang des auslaufenden Riftvalleys kam, die mit einer Bodenhebung und Extension der Awash-Region einherging, sind durch die Vorgänge bei Santorin etwas in den medialen Hintergrund gerückt. Zu Unrecht, wie ich finde: Zwar hat die Erdbebentätigkeit entlang des Gangs nachgelassen, doch noch immer schwebt eine mysteriöse Wolke über der Caldera des Vulkans Fentale, der am Anfang der Region mit der Bodenhebung liegt.

Am Fentale selbst wurde zu Beginn der Erdbebenserie eine Bodenhebung festgestellt, die sich im späteren Verlauf in eine Absenkung verwandelte, während sich der Boden in Richtung Nordosten auf einer Strecke von 35 Kilometern um bis zu 130 Zentimeter hob. Es kam zu einer Magma-Intrusion, in deren Folge hydrothermale Explosionen entstanden und Schlammvulkane tätig wurden. Zudem bildete sich gegen Ende der Erdbebenphase die beschriebene Wolke über der Caldera des Fentale.

Nach vielen Spekulationen über die Natur der Wolke scheint zumindest die Frage nach ihrer Zusammensetzung beantwortet zu sein: Wie am Wochenende bekannt wurde, überflog ein Satellit von GHGSat in Zusammenarbeit mit SRON den Fentale und hielt im Auftrag des europäischen Klimafolgeforschungsdienstes Copernicus nach Methan Ausschau. Tatsächlich wurde ein starker Methanausstoß am Vulkan entdeckt. Die Förderrate betrug etwa 58 Tonnen pro Stunde bzw. 1400 Tonnen pro Tag.

Der Nachweis von Methan in Verbindung mit der geologischen Aktivität könnte Aufschluss über unterirdische Prozesse geben. Laut Prof. John Stix von der McGill University könnte Magma in den vergangenen Wochen durch Risse in der Erdkruste nach Nordosten geflossen sein, was die Erdbeben in der Region erklären würde. Das Absinken der Erdoberfläche könnte durch das Abfließen des Magmas verursacht worden sein.

Normalerweise sind Magmabewegungen mit Kohlendioxid- und Schwefeldioxidemissionen verbunden. Der Methannachweis deutet jedoch auf ein hydrothermales Reservoir unter der Caldera hin, das durch die Bodensenkung freigesetzt wurde. Das Reservoir enthielt magmatische Fluide, die von dem einen Stockwerk tiefer gelegenen Magmenspeichersystem stammten. Während normalerweise vom Magma selbst kein Methan ausgeht, kann es in einem Hydrothermalsystemen durch chemische Reaktionen mit Kohlenstoff oder wassereichen Gesteinen entstehen. (Quelle: Pressemeldung GHGSat)

Ätna: Lavastrom und Ascheemissionen am Sonntag

Eruption am Ätna hält an – neben Lavastrom auch Ascheemissionen

Der mächtigste Vulkan Siziliens ist seit Samstag wieder aktiv und eruptiert einen Lavastrom, der aus Förderschloten entlang einer kleinen Fraktur an der südlichen Basis des Zentralkraterkegels quillt. Die Aktivität hielt auch gestern an und Videoaufnahmen, die in einem FB-Reel geteilt wurden, zeigen, dass es nicht nur bei einem Lavastrom blieb, sondern auch zu Ascheemissionen aus dem Neuen Südostkrater kam. Dieser Krater war in den letzten Monaten ungewöhnlich ruhig und zeigte auch auf Sentinel-Satellitenfotos im Infrarotspektrum die kalte Schulter. Tatsächlich war der Neue Südostkrater bis zum letzten Frühjahr der aktivste der 4 Ätna-Gipfelkrater, doch dann shiftete die Aktivität in Richtung Zentralkrater, wo die Voragine im Zuge explosiver Eruptionen einen neuen Kraterkegel bildete. Sollten die Ascheemissionen Anzeichen für eine erneute Aktivitätsverlagerung sein?

Eindeutig beantworten lässt sich diese Frage nicht, doch wie in einem der letzten Updates zum Ätna beschrieben wurde, wurde im Januar vermehrt Tremor registriert, dessen Quelle unter dem neuen Südostkrater lag. In den Vormonaten befand sich die Tremorquelle mehr zwischen dem Neuen Südostkrater und dem Zentralkrater. Umso überraschender ist die Lokation der neuen Boccen an der Basis des Zentralkraters.

Der Tremor variiert und schwankt zwischen dem oberen gelben Bereich und dem unteren roten Bereich hin und her, wobei es eine generell leicht steigende Tendenz gibt. Auch wenn man tagsüber auf den Livecams nicht erkennen kann, ob der Lavastrom noch aktiv ist, zeigt der erhöhte Tremor, dass er es zumindest sein könnte.

Subterminale Lavaströme sind oft nur kurzlebig, doch es gibt auch Beispiele lang anhaltender Tätigkeit. In den letzten Jahrzehnten waren solche Lavaströme mehr im Osten des Ätna aktiv und standen mit der Aktivität am Südostkrater in Verbindung. Oft flossen sie ins Valle del Bove. Einen sehr schönen subterminalen Lavastrom gab es im März 1999. Damals floss die Lava mehrere Wochen lang. In den Jahren 2008/09 floss die Lava über Monate. Einen länger anhaltenden Subterminal-Ausbruch gab es auch 2014, als am Fuß des Nordostkraters eine kleine Spalte Lava förderte. Oft wachsen bei solchen Gelegenheiten nach ein paar Tagen Hornitos auf den Förderschloten und es kommt zu Lavaspattering.

Santorin: Noch ein Erdbeben Mw 5,0

Die Klippen von Santorin. © Marc Szeglat

Ein weiteres Beben Mw 5,0 erschütterte Erdbebenregion bei Santorin – Schulen bleiben geschlossen

Datum 09.02.25 | Zeit: 19:05:39 UTC | Koordinaten: 36.660 ; 25.607 | Tiefe: 15 km | Mw 5,0

Ein weiteres mittelstarkes Erdbeben der Magnitude Mw 5,0 manifestierte sich gestern Abend um 19:05 UTC im Erdbebengebiet nordöstlich von Santorin. Der Erdbebenherd soll in 41 Kilometern Tiefe gelegen haben. Das Beben war Auftakt zu einer erneuten Steigerung der Seismizität, nachdem es tagsüber nach einer leichten Entspannung der Situation aussah. Wie so oft gibt es von den verschiedenen Erdbebendiensten uneinheitliche Angaben zum Erdstoß. Die hier genannten Daten stammen vom GFZ Potsdam. Beim EMSC hat das Beben eine Magnitude von 5,2, wobei nicht klar ist, welche Magnituden-Skala verwendet wurde. Die Tiefe hier wird mit 15 Kilometern angegeben.

Im Laufe der Nacht ebbte der neuerliche Erdbebenschub wieder etwas ab, doch auch heute Morgen gab es weitere Erdstöße. Die Magnituden bewegten sich vornehmlich im Zweier- und Dreierbereich. Obwohl sich keine wissenschaftlichen Prognosen über den weiteren Verlauf des Erdbebenereignisses anstellen lassen, gewinne ich den Eindruck einer übergeordneten Abschwächung des seismischen Schwarms. Seine Ursache bleibt ungeklärt und die Fachwelt ist in zwei Lager gespalten. Während die meisten griechischen Seismologen eine rein tektonische Ursache hinter den Beben sehen und die Sequenz als mögliches Vorspiel für ein starkes Erdbeben interpretieren, sind es vor allem Geoforscher aus Deutschland, die einen magmatischen Trigger des Schwarmbebens für wahrscheinlich halten. Da es in der Fachwelt ein ungeschriebenes Gesetzt gibt, dass sich in Punkto Erdbeben und Vulkanausbrüchen immer nur das zuständige Observatorium gegenüber der Öffentlichkeit äußern soll, halten sich andere Forscher meistens mit ihrer Meinungsäußerung zurück.

Auf den ersten Blick scheint die Frage nach dem Auslöser der Erdbebenserie rein wissenschaftlicher Natur zu sein, doch bei genauerer Betrachtung macht es insbesondere für den Katastrophenschutz schon einen Unterschied, ob man mit einem starken Erdbeben oder mit einem (submarinen) Vulkanausbruch rechnen muss oder vielleicht sogar mit einer Kombination aus beiden, gepaart mit einem Tsunami. Doch je extremer die möglichen Folgen der Vorgänge werden, desto unwahrscheinlicher werden sie. Es bleibt natürlich die Frage, auf welche Eventualitäten man sich vorbereiten soll. Auf Santorin reagiert man u.a. mit dem Aufbau von Zeltunterkünften und Schulschließungen.

Die Kontroverse verdeutlicht einmal mehr, wie wenig die Prozesse im Detail verstanden sind, die letztendlich zu Erdbeben und Vulkanausbrüchen führen. Trotz aller wissenschaftlichen Fortschritte sind insbesondere Erdbeben nicht vorhersagbar und Vulkanausbrüche lassen sich bestenfalls nur wenige Tage oder Stunden im Voraus prognostizieren. Mathematische Modelle, die uns eine konkrete Wahrscheinlichkeit für das Auftreten eines Starkbebens bei Santorin geben könnten, gibt es nicht. Wir wissen de facto nicht, ob die Wahrscheinlichkeit für ein starkes Beben nun bei 0,1% oder 100% liegt. Genauso wenig weiß man, mit welcher Magnitude man rechnen muss.

Gibt es einen Zusammenhang von Erdbebenschwärmen in verschiedenen Vulkangebieten?

Unklar bleibt auch, ob es global betrachtet tatsächlich zu Zyklen erhöhter vulkanischer und seismischer Aktivität kommt oder ob vermeintliche Häufungen von Ereignissen reiner Zufall sind. In diesen Tagen werde ich oft angeschrieben, ob es einen Zusammenhang zwischen den Ereignissen in Griechenland (Santorin), Italien (Campi Flegrei) und Äthiopien (Awash) gibt. Rein wissenschaftlich betrachtet lassen sich keine direkten Zusammenhänge erklären. Indirekt sind die Erdbebensequenzen in diesen drei tektonisch aktiven Vulkanregionen über plattentektonische Prozesse gekoppelt.
Es gibt Thesen, nach denen Gezeitenkräfte, Sonnenaktivität und kosmische Hintergrundstrahlung die genannten irdischen Phänomene beeinflussen könnten. Diese Thesen sind bislang wissenschaftlich nicht schlüssig bewiesen und werden von den meisten Wissenschaftlern abgelehnt, da ihre Wirkungen (sofern überhaupt vorhanden) minimal wären. Letztendlich ist es dann eine Glaubensfrage, ob man sich solche außerirdischen Einflüsse auf irdische Gegebenheiten vorstellen möchte oder nicht. Den Weltuntergang werden sie wohl nicht auslösen.

Weiterführender Link: Erdbebenzyklen

Vesuv: Erdbeben erschüttern Gipfelregion

Zwei Erdbeben im Zweierbereich erschüttern Vesuv

Nachdem wir in den letzten Tagen eine erhöhte Seismizität in mehreren süditalienischen Vulkanregionen erlebten, darf natürlich der Vesuv nicht fehlen, denn der zog heute nach und erzeugte zwei Erdbeben mit den Magnituden 2,5 und 2,3. Die Hypozentren beider Beben lagen nahe des Meeresspiegels in nur 700 und 200 m Tiefe. Das Epizentrum des stärkeren Bebens wurde östlich des Kraterbereichs verortet, während die schwächere Erschütterung unter dem südlichen Kraterrand lag. Bereits am Freitag hat es ein Beben Mb 2,0 gegeben. Darüber hinaus wurden auch einige Mikrobeben aufgezeichnet. In diesem Jahr konnten bislang 56 Beben registriert werden.

Die Wissenschaftler vom INGV bringen die Seismizität nicht etwa mit Magmenaufstieg in Verbindung, sondern mit Schrumpfungsprozessen im Schlotbereich des Vulkans. Diese Schrumpfungsprozesse beschleunigten sich den Erdbebenstatistiken zufolge im Jahr 1999, als es zu einer deutlichen Zunahme der Seismizität kam. Seitdem liegt die Erdbebentätigkeit deutlich über dem Niveau des zuvor beobachteten Trends. Warum ausgerechnet seit 1999 die Schrumpfungsprozesse zugenommen haben, wo sich die letzte Eruption bereits 1944 ereignete und das Magma bereits reichlich Zeit zum Abkühlen hatte, blieb rätselhaft.

Im jüngst veröffentlichten Bulletin für den Januar schreiben die Vulkanologen, dass die mehrjährigen Trends des Aktivitätsrückgangs der geophysikalischen Parameter (mit Ausnahme der Seismik) weiter anhalten. Anzeichen für eine Trendwende infolge von Magmaaufstieg gibt es nicht. Schaut man sich die Diagramme aber genauer an, dann erkennt man seit 2022 eine leichte Zunahme der Fumarolen-Temperaturen von 45 auf gut 50 Grad. Außerdem stoppte die bis zum letzten Jahr anhaltende Bodensenkung einer klinometrischen Messstation im Ort Torr del Greco. Es gibt also doch leichte Abweichungen der bisherigen Trends.

In Sichtweite zum Vesuv liegt der Calderavulkan Campi Flegrei, der seine langjährigen Trends ebenfalls beibehält. Hier steigt die magmatisch bedingte Unruhe im Untergrund allerdings weiter an. Auch in den letzten Tagen gab es weitere Erdbeben und Bodenhebungen.

Sakurajima: Vulkanische Blitze am 09. Februar

Erneutes vulkanisches Gewitter am Sakurajima – Zahlreiche Warnungen für den Flugverkehr

Der japanische Kirschblüteninselvulkan Sakurajima ist wieder in einer Eruptionsphase begriffen, in deren Folge mehrere vulkanianische Eruptionen ausgelöst wurden. Bei der jüngsten dieser explosiven Ausbrüche wurde nicht nur Vulkanasche bis auf eine Höhe von 3700 m gefördert, sondern es entstanden auch zahlreiche vulkanische Blitze in der Eruptionswolke, so dass man von einem vulkanischen Gewitter sprechen kann. Auf Neudeutsch werden diese Gewitter „Dirty Thunderstorm“ genannt.

Das VAAC Tokio veröffentlichte seit gestern 14 VONA-Warnungen, in denen Flugzeugbesatzungen vor der Vulkanasche gewarnt werden. Die Aschewolken stellen insbesondere eine Gefahr für Flugzeuge dar, die sich im Landeanflug auf den Flughafen von Kagoshima befinden. Ich selbst saß bereits einmal in einem Flugzeug, das durch die Ausläufer einer solchen Aschewolke vom Sakurajima geflogen ist, aber ohne dass es zu Folgen gekommen wäre, die ich bemerkt hätte. Im Extremfall kann Vulkanasche Triebwerke schädigen und Cockpitscheiben sandstrahlen.

Die Vulkanologen vom JMA brachten eine kurze Notiz zu den Eruptionen, nach denen die Vulkanasche 2000 m über Kraterhöhe aufsteigt, was sich in etwa mit den VONA-Meldungen deckt. Glühende Tephra flog bis zur 6. seismischen Messstation und landete in einer Entfernung von 1100 m zum Krater auf der Vulkanflanke. Die Eruptionswolke wird als voluminös beschrieben.




Im letzten ausführlichen Update für den Beobachtungszeitraum vom 3. Februar bis zum 7. Februar berichteten die Vulkanologen, dass sich am Sakurajima 3 explosive Eruptionen ereigneten, bei denen größere Lavabrocken bis zu einem Kilometer Entfernung zum Minimadake-Krater flogen. Der Showadake blieb ruhig. Auf den Livecams sieht man aber immer wieder Dampf aus diesem Krater aufsteigen.

In Bezug auf die geophysikalischen und geochemischen Parameter wird der Schwefeldioxid-Ausstoß weiterhin als hoch beschrieben. Die Vulkanologen weisen darauf hin, dass es in größerer Tiefe unter dem Vulkan Inflation gibt, was auf eine größere Magmaansammlung hindeutet. Mit weiteren Eruptionen muss gerechnet werden.

Der Sakurajima ist weiterhin Sperrgebiet und darf nicht bestiegen werden. Es drohen mehrere Gefahrenszenarien.