Italien: Erdbeben ML 4,5 nahe Stromboli

Ein mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 4,5 ereignete sich südöstlich vom Stromboli

Datum 25:02.25 | Zeit: 18:11:16 UTC | Koordinaten: 38.693 ; 15.372 | Tiefe: 126 km | ML 4,5

Gestern Abend wurde das Tyrrhenische Meer südöstlich von Stromboli von einem mittelstarken Erdbeben der Magnitude 4,5 erschüttert. Das Epizentrum wurde vom EMSC 51 km nord-nordwestlich von Villafranca Tirrena verortet. Betrachtet man die Shakemap, dann sieht man, dass es tatsächlich keine 20 Kilometer vom Stromboli entfernt lag. Das Hypozentrum befand sich in einer großen Tiefe von 126 Kilometern und somit in der Asthenosphäre. Dort entsteht durch partiales Schmelzen von Krustenmaterial das Magma, das am Stromboli eruptiert wird. Wahrnehmungsmeldungen liegen nicht vor, was der großen Tiefe des Hypozentrums geschuldet sein dürfte.

Sehr wahrscheinlich stand das Beben mit der Subduktion der Ionischen Platte unter die Tyrrhenische Mikroplatte in Verbindung. Dieser Prozess verursacht nicht nur Spannungen, die durch Erdbeben abgebaut werden, sondern verursacht extreme Reibungen, die einen Großteil der Hitze liefern, die für die Magmenentstehung notwendig ist. Da mit dem Meeresboden auch hydratisierte Gesteine in die Asthenosphäre abtauchen, reduziert der Wasseranteil zudem den Schmelzpunkt des Gesteins. Auch wenn es sich um ein tektonisches Beben ohne direkten Bezug zum Stromboli handelte, zeugt es von den Prozessen der Magmaentstehung. Die Bodenerschütterungen in unmittelbarer Nähe zum Vulkan könnten sich überdies auf die eruptive Tätigkeit auswirken.

Die vulkanische Aktivität am Stromboli ist momentan unauffällig, soll heißen, der Vulkan geht seiner normalen Tätigkeit nach, die durch strombolianische Explosionen im nordöstlichen Kratersektor gekennzeichnet ist. In den nordöstlichen, zentralen und südwestlichen Kratersektoren gibt es überwiegend Entgasungen und gelegentliches Lavaspattering. Die geophysikalischen Parameter sind aktuell überwiegend mittelstark und unauffällig. Der Schalldruck der Explosionen liegt bei Werten kleiner 0,5 bar und bewegt sich somit auf niedrigem Niveau. Das gleiche gilt für den Schwefeldioxid-Ausstoß, der gestern nur 50 Tonnen am Tag betrug. Die Kohlendioxid-Emissionen lagen bei moderaten 599 Tonnen am Tag. Der Vulkanaktivitätsindex steht auf „mittel“.

Update: Die Lagedaten zum Erdbeben wurden gerade vom EMSC aktualisiert. Das Epizentrum wurde nun 34 km nördlich von Villafranca Tirrena verortet und die Tiefe mit 184 km angegeben.

Indonesien: Starkes Erdbeben erschüttert Sulawesi

Starkes Erdbeben Mw 6,1 vor der Küste von Sulawesi in Indonesien

Datum 25:02.25 | Zeit: 22:55:46 UTC | Koordinaten: 0.395 ; 124.858 | Tiefe: 9 km | Mw 6,1

Vor der Nordostküste der indonesischen Insel Sulawesi manifestierte sich gestern Abend ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,1. Die Tiefe des Erdbebenherds lag in nur 9 Kilometern. Das Epizentrum wurde 101 km südlich von Tondano verortet. Tsunami-Alarm wurde nicht gegeben und Berichte über Schäden liegen auch nicht vor. Es gab aber zahlreiche Nachbeben, so dass ein eindrucksvoller Erdbebencluster entstand.

Der Erdstoß war in der gesamten Region deutlich zu spüren gewesen und hat die Menschen in den Morgenstunden aufgeschreckt. In Indonesien war es zum Zeitpunkt des Bebens 5:55 Uhr.

Indonesien liegt am zirkumpazifischen Feuerring, der entlang der Plattengrenze des Pazifiks verläuft. Wie der Name vermuten lässt, kommt es hier nicht nur häufig zu Erdbeben, sondern auch zu Vulkanausbrüchen. In der Nähe des Epizentrums des Bebens vor Sulawesi liegen mehrere als aktiv eingestufte Vulkane. Zu diesen Vulkanen gehören Lokon-Empung und Soputan im Norden Sulawesis, aber auch die Feuerberge auf der benachbarten Insel Halmahera. Hier sind es vor allem Dukono und Ibu, die auf das Erdbeben reagieren könnten. Nördlich von Sulawesi liegt das Sanghie-Archipel, das vulkanischen Ursprungs ist. Der bekannteste Vulkan hier ist der Karangetang. Bis jetzt gibt es keine sichtbaren Anzeichen, dass einer der Vulkane durch eine Verhaltensänderung auf das Beben reagiert.

Tektonisch betrachtet stand der Erdstoß mit dem Sangihe-Graben in Verbindung und manifestierte sich am südlichen Ausläufer der Subduktionszone, die die Molukkenseeplatte im Westen begrenzt. Die Ostbegrenzung der kleinen tektonischen Platte der Molukkensee wird vom Halmahera-Graben gebildet. Damit liegt hier der seltene, wenn nicht sogar einzigartige Fall vor, dass eine Mikroplatte von 2 Subduktionszonen eingerahmt ist. Im Osten subduziert sie unter die Halmahera-Platte und im Westen unter die Sundaplatte, auf der Sulawesi liegt. Diese beiden Subduktionszonen sind maßgeblich für die zahlreichen Vulkane der Region verantwortlich und natürlich auch für viele der hier stattfindenden Erdbeben. Davon gibt es übrigens auch mehrere außerhalb der oben beschriebenen Erdbebenzone. So ereignete sich auch ein Beben M 4,9 in direkter Nachbarschaft zum Karangetang.

Campi Flegrei: Beschleunigte Bodenhebung

Schlammbecken in der Solfatara. © Marc Szeglat

Beschleunigung der Bodenhebung in den Campi Flegrei während des Erdbebenschwarms nachgewiesen

Der süditalienische Calderavulkan verrichtete in den letzten 3 Tagen „business as usual“, soll heißen, dass er die Seismizität auf das bekannte Maß der aktuellen Hebungsphase verringerte. Die Bewohner der Caldera erholen sich langsam von ihrem Schock und versuchen, ihrem Leben mit so viel Normalität wie möglich nachzugehen. Dennoch gibt es immer wieder Konferenzen und Bürgerversammlungen mit Spezialisten. So auch gestern Abend, als man sich zu einer Diskussion in Agnano traf, an der nicht nur Anwohner des westlichsten neapolitanischen Stadtteils, der an den Campi Flegrei grenzt, teilnahmen, sondern auch hohe Vertreter von Zivilschutz und Bürgermeister. Es wurde der Beschluss gefasst, dass man im Hippodrom von Agnano einen Wartebereich einrichtet, in dem besorgte Bürger sich während eines Erdbebenschwarms aufhalten können, wenn sie ihren Häusern nicht trauen und Angst haben, dass sie bei einem stärkeren Erdbeben einstürzen könnten. Natürlich sind die Wartebereiche auch dafür gedacht, dass man sich hier vor einer Evakuierung sammelt. Den Verantwortlichen wird wohl auch langsam bewusst, dass im Falle eines Vulkanausbruchs evtl. nicht wochenlang vorher Zeit bleibt, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten, und man anfangen muss, entsprechende Strukturen zu schaffen. Das Schwarmbeben letzte Woche verdeutlichte den Ernst der Lage noch einmal.

Wie im heute erschienen Wochenbulletin des INGV für den Beobachtungszeitraum 17. bis 23. Februar wurde noch einmal Bilanz gezogen, die verdeutlicht, dass es sich bei dem Schwarmbeben um ein Ereignis der Superlative handelte: Zwischen dem 15. und 19. Februar wurden 692 Erschütterungen festgestellt. 610 Beben hatten eine Magnitude größer Null. Direkt zu Beginn des Schwarms beschleunigte sich die Bodenhebung signifikant und in den ersten beiden Tagen kamen 10 mm dazu; so viel, wie sich der Boden sonst in einem Monat hebt. Das macht offensichtlich, dass die Bodenhebung Auslöser des Erdbebenschwarms war. Schaut man sich die nicht bereinigten Messwerte an, dann erkennt man, dass sich der Boden zunächst sogar um bis zu 25 mm hob, es dann aber zum Ende der Phase einen Rücksetzer der Bodenhebung gab. Ob es sich hierbei um tatsächliche Bodenbewegungen handelte oder ob es ein messtechnischer Effekt war, ist mir nicht bekannt.

Die Forscher konnten keine Veränderung im Gasausstoß feststellen, was mich eigentlich wundert, insbesondere wenn man der Theorie glauben schenken mag, dass die Bodenhebung von Fluiden, also Gas und wässrigen Lösungen, hervorgerufen wurde, die ins Hydrothermalsystem eindrangen.

Die Gastemperatur der Pisciarelli-Fumarole lag bei 97 Grad und damit oberhalb des Kondensationspunktes von 95 Grad.

Liest man in der Lokalpresse die Statements verschiedener Forscher zu den Vorgängen in den Campi Flegrei, dann merkt man, wie wenig die Prozesse des vermeintlichen Bradyseismos verstanden sind und wie komplex sie sein können. Was ich erstaunlich finde, ist die immer wieder betonte Aussage, dass es seit Jahrhunderten ein ewiges Auf und Ab des Bodens gibt, was immer wieder mit Perioden erhöhter seismischer Aktivität einherging. Laut Geophysiker Giuseppe De Natale traten die als Bradyseismos bekannten Phasen aber nur einige Jahrzehnte vor und nach den letzten beiden Eruptionen auf. Genauso beruft man sich immer auf die Tatsache, dass sich vor der Monte-Nuovo-Eruption der Boden innerhalb weniger Monate um bis zu 17 Meter gehoben haben soll, bevor es zum Ausbruch kam. Zwar ist es schön und gut, wenn man bestimmte Muster in den Vorgängen der Natur erkennt, doch niemand sagt, dass sie sich immer wieder exakt so wiederholen müssen. Um das festzustellen, braucht man in Pozzuoli nicht weit zu schauen, denn ein Blick auf den Ätna zeigt, dass das mit der Mustererkennung unter Umständen Schall und Rauch sein kann.

Santorin: Erdbebensituation am 25.02.25

Sonnenuntergang auf Santorin. © Marc Szeglat

Santorin mit zwei Erdbeben im Viererbereich – Anzahl der Beben weiter rückläufig

Datum 24:02.25 | Zeit: 11:33:08 UTC | Koordinaten: 36.687 ; 25.688 | Tiefe: 7 km | Mw 4,3

Obwohl die Gesamtzahl der Erdbeben im Gebiet nordöstlich von Santorin weiter abgenommen hat, ereigneten sich in den letzten 24 Stunden noch 2 Beben mit den Magnituden 4,3 und 4,1. Zudem gab es 14 schwächere Erdbeben. Die beiden stärksten Beben manifestierten sich nördlich der kleinen Insel Anydros, die zuletzt im Zentrum des Bebensturms lag. Obgleich man noch nicht mit Sicherheit sagen kann, dass das Schwarmbeben vorbei ist und nicht wieder aufleben könnte, hat sich die Situation deutlich entspannt. Die Situation könnte aber trügerisch sein, denn es könnten sich auch wieder größere Spannungen im Untergrund aufbauen. Ob diese tektonisch bedingt sind oder ggf. von einer weiteren Magmenintrusion verursacht werden, ist im Ergebnis in Bezug auf Erdbeben erst einmal zweitrangig. In beiden Fällen könnten Erschütterungen im Sechserbereich entstehen. Im zweiten Fall würde die Wahrscheinlichkeit eines submarinen Vulkanausbruchs steigen.

Generell kommt es bei Gangbildungen nicht immer zu einem Vulkanausbruch, wie man auch sehr schön am Beispiel des Ostafrikanischen Riftvalleys sehen kann, wo sich nun in der äthiopischen Afar-Region innerhalb von 3 Monaten mindestens 2 große magmatische Intrusionen ereigneten. Da es in der Afar-Region kein vernünftiges seismisches Netzwerk gibt, wurden nur Erdbeben mit Magnituden größer 4 registriert, wobei das stärkste Beben mit einer Magnitude von 6 erst vor 2 Wochen auftrat, nachdem die eigentliche Intrusion offenbar vorbei war. Vergleicht man beide Ereignisse, könnten sie von ähnlichem Ausmaß gewesen sein, wobei die Gangbildung in der Afar-Region wahrscheinlich größer war. Zwar wurden dort nur die stärkeren Erdstöße registriert, doch hier konnte man mittels Satelliten Bodendeformationen messen und hydrothermale Aktivität bis hin zu phreatischen Explosionen beobachten. Da die Ereignisse in Griechenland in großer Tiefe unter Wasser abliefen, fehlen solche Beobachtungen. Messergebnisse von den Stationen am Meeresboden wurden bislang nicht veröffentlicht. Daher gibt es eine gewisse Unsicherheit, ob es magmatisch bedingte Beben waren bzw. sind. Das Beispiel Äthiopien zeigt aber, dass die Gefahr eines stärkeren Erdbebens auch bei Santorin noch nicht gebannt ist.

In Griechenland und speziell auf Santorin muss man wohl über einen Paradigmenwechsel nachdenken. Es stellte sich heraus, dass natürlich viele Gebäude in prekären Lagen ohne Baugenehmigung errichtet wurden. Überdenken muss man auch das Konzept des Massentourismus. Zum einen stellt sich die Frage der Gebäudesicherheit von Hotels, Pensionen und vor allem Privatunterkünften. Zum anderen muss man Pläne entwickeln, wie man die Menschenmassen im Sommer im Notfall evakuiert und versorgt. Vielleicht helfen entsprechende Konzepte auch, den touristischen Overkill der Insel zu minimieren. Doch eins scheint mir klar zu sein: Die Preise für Urlauber dürften in diesem Jahr niedriger als sonst sein, doch wenn man neue Konzepte entwickelt, wird es wohl später noch teurer werden.

Übrigens, der Erdbebenschwarm auf Santorin bestand aus mehr als 21.500 Erschütterungen.

Äthiopien: Erdbeben am 24. Februar

Drei Beben in der Awash-Region. © EMSC

Weitere Erdbeben in der Awash-Region in Äthiopien – Stärkste Erschütterung Mw 5,3

In der äthiopischen Awash-Region kam es heute Nacht zu drei mittelstarken Erdbeben. Das stärkste Beben hatte die Magnitude 5,3. Zwei weitere Erschütterungen erreichten Magnituden von Mw 4,7 und Mw 4,5. Da die Tiefen der Erdbebenherde nicht genau bestimmt werden konnten, wurden sie auf 10 Kilometer fixiert. Es ist gut möglich, dass sie tatsächlich flacher lagen. Der Grund für die ungenaue Tiefenbestimmung liegt darin, dass es in der Region zu wenige Seismografen gibt. Auch die Lokalisierung der Epizentren ist ungenau.

Die Beben stehen im Zusammenhang mit den Magmenintrusionen von Oktober 2024 und Januar 2025, die auch mit einer verstärkten Spreizung des auslaufenden Ostafrikanischen Riftvalleys einhergingen. Zwischen den Vulkanen Fentale und Dofan intrudierte Magma in Form eines Gangs, wodurch sich der Boden stellenweise um bis zu 130 cm hob. Am Ausgangspunkt der Intrusion, dem Vulkan Fentale, sank der Boden um mehr als einen Meter ab. Seit Mitte Januar schwebte über der Caldera des Fentale eine lange Zeit als rätselhaft eingestufte Wolke, die später als Methan identifiziert wurde. Diese Wolke ist auf dem jüngsten Satellitenbild nicht mehr zu erkennen, dafür aber Fumarolen am Südrand der Caldera.

Die Intrusion schuf mehrere neue Thermalgebiete mit starker hydrothermaler Aktivität. Fotos aus der letzten Woche dokumentierten sogar Schlammgeysire.

Beeinflussen Beben bei Awash den Vulkan Erta Alé?

In den letzten Tagen gab es auch Erdbeben in anderen Regionen des Ostafrikanischen Rifts, unter anderem in Mosambik und Eritrea. Letzteres Beben hatte eine Magnitude von 4,3 und manifestierte sich unweit der äthiopischen Vulkane Dallol und Erta Alé. An diesem Vulkan gab es in den vergangenen Monaten häufige Lavaüberläufe, die seit der Intrusion bei Awash im Januar jedoch nicht mehr aufgetreten sind. Sentinel-Satellitenaufnahmen zeigen im Infrarotspektrum noch einige Hotspots, bei denen es sich um heiße Förderschlote der Hornitos handelt, doch Lavaströme fehlen. Ob das Zufall ist oder ob die Aktivität durch die Vorgänge im 550 Kilometer entfernt gelegenen Awash abgewürgt wurde, ist eine interessante Frage. Die Forschung geht davon aus, dass starke Erdbeben mit einer Magnitude ab 6 Vulkanausbrüche bis in eine Entfernung von 1000 Kilometern beeinflussen können. Vielleicht reichten die Beben im 5er-Bereih auch aus um den Erta Alé zu beeinflussen.

Island: Erdbeben M 5,2 unter Bardarbunga

Erdbeben M 5,2 erschütterte Bardarbunga – Seismizität auch auf Reykjanes erhöht

Datum 22.02.25 | Zeit: 21:04:47 UTC | Koordinaten:  64.663 ; -17.468 | Tiefe: 1,6 km | Mb 5,2

Gestern Abend gab es auf Island einen seismischen Schub, in dessen Folge sich entlang einiger der Vulkanketten auf den beiden Hauptstörungszonen Islands zahlreiche Erdbeben ereigneten. Das stärkste Erdbeben manifestierte sich unter dem subglazialen Vulkan Bardarbunga und hatte eine Magnitude von 5,2. Die Tiefe des Erdbebenherds wird von IMO mit 1,6 Kilometer angegeben. Das Beben manifestierte sich um 21:04:44 UTC unter dem Nordwestrand der Caldera. Es folgten 2 weitere theoretisch spürbare Beben mit den Magnituden 3,0 und 3,1. Zudem gab es eine Reihe schwächerer Beben, die sich sowohl vor als auch nach den stärkeren Beben ereigneten. In dem Kartenabschnitt Vatnajökull wurden nun innerhalb von 48 Stunden 41 Beben registriert.

Die IMO-Experten verweisen darauf, dass vergleichbare Beben unter Bardarbunga nicht unüblich sind. Im April letzten Jahres hatte es eine Erschütterung M 5,4 gegeben. Doch in den vergangenen Monaten gab es eine Steigerung der mittelstarken Erschütterungen unter Bardarbunga.

Bereits drei Stunden vor den stärkeren Beben unter Bardarbunga begann auch in anderen Regionen Islands die Seismizität zu steigen, darunter auch im Bereich der Sundhnukur-Kraterreihe auf Reykjanes. Ich ergänzte den Artikel von gestern mit einer entsprechenden Bemerkung und mutmaßte, dass eine Eruption nicht mehr lange auf sich warten lassen könnte, denn gestern hatte es im Svartsengi-Gebiet insgesamt 7 Erschütterungen gegeben. Darüber hinaus nahm auch die Seismizität im näheren Umfeld zu, unter anderem bei Krysuvik und Reykjanestá, ganz so, wie es vor den anderen Eruptionen auch der Fall war. Doch nach dem stärkeren Erdbeben unter Bardarbunga beruhigte sich die Situation ein wenig.

Tatsächlich gab es nachts auch einige Beben unter der Katla, doch hier kann man nicht von einem Schwarm sprechen. Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Aufleben der Seismizität an den verschiedenen Lokationen gibt oder ob das nur ein Zufall war, ist ungeklärt. Ich konnte aber bereits in der Vergangenheit öfter beobachten, dass es nach ruhigeren Phasen zu einem Aufleben der Aktivität in mehreren Regionen der Insel kommt. Mögliche Zusammenhänge könnten Spannungen sein, die durch die Kontinentaldrift entlang der beiden isländischen Riftzonen entstehen. Auf diesen Riftzonen liegen auch die meisten Zentral- und Spaltenvulkane der Insel. Unter Bardarbunga befindet sich zudem noch der zentrale Teil des Island-Mantelplumes, der neben dem Rifting als Hauptmotor des Vulkanismus auf der Insel im Nordatlantik gilt.

In Bezug auf die Situation bei Sundhnukur gibt es bei FB einen Post, nach dem das geothermal erwärmte Leitungswasser, das aus Svartsengi kommt, aktuell besonders heiß sein soll. In dem Beitrag heißt es weiter, dass dies auch einige Tage vor den anderen Eruptionen der Fall gewesen sein soll.

Island: Schwarmbeben nahe Hengill

Schwarmbeben bei Eiturhóll im Hengill-System auf Island

In Eiturhóll auf Mosfellsheiði, unweit des Hengill-Vulkansystems, wurde heute Nacht erhebliche seismische Aktivität in Form eines Schwarmbebens registriert: Ungefähr 30 Erschütterungen geringer Magnituden traten auf. Das Hengill-System ist eines der fünf großen Riftsysteme auf Island, die mit Vulkanismus assoziiert sind. Es liegt im Nordosten von Reykjanes, unweit der Hauptstadt Reykjavík.

Bereits im letzten Jahr gab es dort mehrere Schwarmbeben, die im Zusammenhang mit Wasserverpressungen in Bohrlöchern des nahe gelegenen Geothermalkraftwerks Hellisheiði stehen könnten. Andererseits vermuten isländische Vulkanologen, dass nach und nach verschiedene Riftsysteme auf Reykjanes aktiv werden könnten. Seit 2021 gab es Eruptionen im Fagradalsfjall- und Svartsengi-System. Einige isländische Vulkanologen gehen jedoch davon aus, dass sich die Aktivität eher in den Westen als in den Osten von Reykjanes verlagern wird. Bis jetzt sieht es allerdings so aus, als würde sich die nächste Eruption wieder im Svartsengi-System ereignen. Hier hebt sich der Boden weiter, und es gibt sporadische Erdbeben.

Ein kleinerer Erdbebenschwarm ereignete sich auch unter dem subglazialen Vulkan Bárðarbunga, der ebenfalls im Verdacht steht, sich langfristig wieder auf eine Eruption vorzubereiten. Einige Erschütterungen wurden zudem bei der Askja registriert. Zuletzt hat sich die Bodenhebung im Bereich der Caldera verlangsamt, obgleich noch eine schwache Hebung messbar ist.

Seit gestern hat sich im Bereich von Svartsengi nichts Wesentliches getan, neue Erdbeben wurden nicht verzeichnet. Betrachtet man die Grafiken der Bodenhebung genauer, zeigt sich, dass die Messstation SKSH eine Beschleunigung der Bodenhebung registriert. Hier übersteigt die aktuelle Hebung bereits den Wert vor der letzten Eruption und liegt knapp unter dem bisherigen Maximum vor der vorletzten Eruption Ende August. Bei Grindavík stagniert die Bodenhebung. Es scheint, als hätte sich der Hauptaufstiegsweg der Schmelze aus der Tiefe von Svartsengi aus etwas in nordöstlicher Richtung verlagert. Theoretisch betrachtet könnte ein neuer Ausbruch jederzeit beginnen, ein Garant für eine weitere Eruption gibt es aber nicht.

Die seismische Aktivität steigerte sich heute Abend. Es könnte (muss aber nicht) innerhalb weniger Stunden zu einer Eruption kommen.

Island: Erdbeben und Bodenhebung am 21.02.25

Leichte Zunahme der Erdbebenaktivität – Vulkanologen auf Island attestierten gesteigertes Ausbruchsrisiko

Auf der isländischen Reykjaneshalbinsel gibt es aktuell nur vergleichsweise wenige Erdbeben: In den letzten 48 Stunden wurden vom seismischen Netzwerk 27 Beben registriert. Auffällig ist aber, dass 10 Beben im Bereich der Sundhnukur-Kraterreiche verortet wurden, was einen leichten Anstieg der Seismizität in dem Bereich widerspiegelt, in dem Vulkanologen den nächsten Ausbruch auf Reykjanes für am wahrscheinlichsten halten. In den letzten Wochen habe ich bereits öfter über einen leichten Anstieg der Bebentätigkeit hier berichtet. Tatsächlich gesellt sich pro Woche ein zusätzliches Beben am Tag hinzu.

Die Erdbeben werden von einer Magmaansammlung verursacht, die den Boden im Svartsengigebiet ansteigen lässt. Die Bodenhebung fluktuierte in den letzten Wochen immer wieder, doch wenn man die Werte über einen längeren Zeitraum mittelt, kommt eine nahezu kontinuierliche Hebung dabei heraus. Ich gehe davon aus, dass sich der Magmenzustrom aus der Tiefe bestenfalls leicht reduziert hat.

IMO veröffentlichte heute einen neuen Artikel zum Geschehen und aktualisierte auch die Gefahreneinschätzung. Jetzt zeigen auch die Modellrechnungen, dass sich unter Svartsengi inzwischen eine ähnliche Menge Magma angesammelt hat wie vor dem Ausbruch am 20. November letzten Jahres. Damit steigt das Eruptionsrisiko signifikant. Die Vulkanologen rechnen in den nächsten Tagen/Wochen mit dem Beginn eines neuen Ausbruchs und schließen nicht aus, dass sich eine Eruptionsspalte weiter in nördlicher oder südlicher Richtung ausbreiten wird, als es bis jetzt der Fall gewesen ist. Sollte sich eine Spalte weiter in Richtung Süden öffnen, wäre Grindavik wieder einmal gefährdet.

Die Vulkanologen betonen, dass sich durch die wiederholten Ausbrüche in dem gleichen Bereich inzwischen durch die Magmaansammlungen und Bodenhebungen weniger Spannungen als zuvor aufbauen, weswegen die Seismizität niedriger ist. Das könnte auch die Vorwarnzeit vor einem Ausbruch weiter verringern. Man geht noch von einer ca. 30-minütigen Warnung durch einen Erdbebenschwarm im Vorfeld der Eruption aus.

Bislang wurde keine Druckänderung in den Bohrlöchern bei Svartsengi festgestellt. Diese Druckänderungen gelten inzwischen als verlässlichstes Anzeichen einer sich anbahnenden Eruption und könnten eher einsetzen als ein Erdbebenschwarm.

Ich selbst bin mit Leroy voraussichtlich über Karneval auf Island, in erster Linie, weil wir Eishöhlen besichtigen wollen und auf Polarlichter hoffen. Einen Vulkanausbruch würden wir natürlich auch mitnehmen.

Campi Flegrei: Der Erdbebenschwarm am 20. Februar

Schwarmbeben in den Campi Flegrei schwächte sich ab, hält aber dennoch weiter an

Es ist heute nun bereits der dritte Artikel, in dem ich von nachlassender Aktivität berichten muss oder darf, je nach Standpunkt. Außer am Ätna und Santorin lässt die Aktivität auch bei den Campi Flegrei nach, doch hier ist der Rückgang weniger stark als an den beiden anderen Vulkanen. Heute wurden noch ca. 50 schwache Erschütterungen im Bereich der Caldera festgestellt. Das stärkste Beben hatte eine Magnitude von 2,3 und manifestierte sich in 2400 m Tiefe im Bereich der Pisciarelli-Fumarole. Hier und im östlichen Bereich des Solfatara-Kraters, an dem die Pisciarelli-Fumarole angrenzt, gab es die meisten stärkeren Erdbeben der seismischen Krise. In dem Areal scheint die Gefahr für eine phreatische Eruption auch am größten zu sein.




Die Schwereanomalie vom Monte Olibano liegt zwischen Fumarole und Solfatara. Die Anomalie befindet sich in 3,8 Kilometern Tiefe und ist meiner Meinung nach ein Magmenkörper. An seinem Randbereich im Osten und Westen befinden sich die Entgasungsschote von Pisciarelli und der Grand Fumarole in der Solfatara. Ob es Lobbyisten passt oder nicht, dass sich in einem vulkanisch aktiven Gebiet komplexe tektonische Strukturen oder schwammartige Gesteine, deren Poren mit Fluiden gefüllt sind, bilden, ist zwar nicht unmöglich, doch weitaus weniger wahrscheinlich als eine Magmaintrusion.

Sorgen um stärkeres Erdbeben

In Pozzuoli macht man sich allerdings ehr Sorgen um ein Erdbeben M größer 5,0 als um einen Vulkanausbruch oder phreatische Eruptionen. Kurzfristig betrachtet mag das sogar richtig sein. In den Medien wurde darüber diskutiert, wie viele Gebäude bei einem stärkeren Erdbeben ab 5 einstürzen könnten. Im gefährdeten Bereich stehen 12.700 Gebäude. Bei 9000 davon handelt es sich um Wohnhäuser. Erdbebensicher sind die wohl alle nicht gebaut. 10 % der Gebäude gelten als Hochrisikogebäude, die bei einem Erdbeben im Fünferbereich entweder einstürzen oder schwer beschädigt werden würden. Nur für 50 % der Gebäude besteht kein Risiko größerer Schäden durch einen Erdstoß M 5,0. Also schon bei einem als mittelstark einzustufenden Beben könnten im Extremfall hunderte Gebäude einstürzen, was zahlreiche Todesopfer bedingen würde, wenn sich die Bewohner während des Bebens in ihren Häusern befinden. Tatsächlich kann so ein Erdbeben in der aktuellen Hebungsphase jederzeit und ohne Vorwarnung stattfinden. Eine Naturkatastrophe mit Ansage, in die man sehenden Auges hineinschliddert. Wenn diese Gebäude in den nächsten Wochen nicht geräumt werden, können sich die Gerichte schon einmal warmlaufen.