Island: Bildung eines Grabenbruchs

Datum: 03.04.2025 | Zeit: 14:09:32 UTC | Koordinaten: 52.594 ; -32.097 | Tiefe: 20 km | Mw 6,9

Grabenbruchbildung bei Litla Skógfell – starkes Erdbeben am Reykjanes-Ridge

Am Reykjanes-Ridge ereignete sich heute Nachmittag ein sehr starkes Erdbeben der Magnitude 6,9. Das Hypozentrum lag in 20 Kilometern Tiefe und das Epizentrum wurde 1411 km südlich von Reykjavík verortet. Der Erdstoß war für ein Beben an einer divergenten Plattengrenze nicht nur ungewöhnlich stark, sondern verfügte auch über einen vergleichsweise tief sitzenden Erdbebenherd. Außer, dass sich die Verlängerung des Reykjanes-Ridge durch Island zieht, hat der Erdstoß nicht direkt etwas mit der Insel im Nordatlantik zu tun, es sei denn, man postuliert einen übergeordneten Zusammenhang starker tektonischer Aktivität entlang des Mittelatlantischen Rückens und den Ereignissen, die wir in den letzten 2 Tagen auf Island gesehen haben. Wissenschaftlich bewiesen ist sowas nicht, darum kein Postulat.




Neues InSAR-Bild

Die Wissenschaftler arbeiten aber unter Hochdruck daran, die Vorgänge auf Island zu untersuchen, und nehmen sich aktuell neue InSAR-Satellitenbilder vor. In einem RUV-Artikel berichtet IMO-Deformationsspezialist Benedikt Ófeigsson davon, dass sich bei Litla Skógfell der Boden stark verformt hat. Diese Verformung wird durch die Bildung eines Grabenbruchs hervorgerufen, was darauf hindeutet, dass das Magma in dieser Region etwas flacher liegt. Diese Entwicklung findet jedoch deutlich südlicher als die Hauptbebenaktivität statt und in einem Gebiet, das weiter von der Hauptstraße Reykjanesbraut entfernt ist als die bisher registrierten Erdbeben. (Update: Das InSAR-Bild liegt mir jetzt vor ich werde morgen mehr dazu schreiben. Jetzt nur eine kleine vorab Veröffentlichung)

Obwohl nicht ausgeschlossen werden kann, dass Lava in diesem Bereich an die Oberfläche gelangt, gilt ein solcher Ausbruch als äußerst unwahrscheinlich. Die Aufnahmen belegen jedoch eine beträchtliche Bodenverformung, die eindeutig auf die Entstehung des Grabenbruchs hinweist. Ähnliches geschah bei der ersten starken Intrusion mit Gangbildung im November 2023, in deren Folge in Grindavik große Schäden entstanden. Das aktuelle Ereignis gleicht damit der Initialphase der Eruptionsphase und ich denke, es ist durchaus möglich, dass wir am Anfang eines weiteren Eruptionszyklus stehen. Dafür spricht auch, dass die Bodenabsenkung bereits wieder in eine Bodenhebung gewechselt hat. Somit scheint die Gangbildung abgeschlossen zu sein. Die ersten Messdaten deuten darauf hin, dass die Hebung deutlich schneller ist als in den Wochen vor der Eruption. Es bleibt spannend auf Island!

Indonesien: Erdbeben Mw 6,0 bei den Molukken

Datum: 02.04.2025 | Zeit: 21:03:41 UTC | Koordinaten: 2.09 ; 126.73 | Tiefe: 50 km | Mw 6,0

Starkes Erdbeben erschüttert nördliche Molukkensee – Dukono eruptiert stärker

Der Norden der indonesischen Molukkensee wurde gestern Abend um 21:03 UTC von einem starken Erdbeben der Magnitude 6,0 erschüttert. Das Epizentrum lag 147 km westlich von Tobelo auf Halmahera. Dort liegt auch der Vulkan Dukono, der in den letzten Tagen besonders aktiv ist und Eruptionen erzeugt, deren Aschewolken laut VSI bis zu 1500 m über Kraterhöhe aufgestiegen sind. Laut den Beobachtungen des VAAC Darwin stieg die Vulkanasche vom Dukono bis in 3000 m Höhe auf und damit nochmal 400 m höher, als es die VSI-Beobachter festgestellt haben.

Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen den Eruptionen und dem starken Erdbeben gibt, ist wissenschaftlich nicht bewiesen, doch ich habe in den 25 Jahren meiner Berichterstattung auf Vnet bereits öfters festgestellt, dass es offenbar einen Zusammenhang zu geben scheint, denn der Vulkan steigert seine Aktivität öfters, wenn es zu Erdbeben kommt, wobei die Aktivitätssteigerung auch bereits vor den Erdbeben eintreten kann.

Die Molukkenseeplatte wird im Westen vom Halmahera-Graben und im Osten vom Sanghie-Graben begrenzt. An beiden Gräben kommt es zur Subduktion. Von daher ist die Molukkenplatte eines jener seltenen Beispiele, an denen beide Plattengrenzen als Subduktionszone angelegt sind, ohne dass es eine Divergenzzone gibt.

Das aktuelle Erdbeben manifestierte sich aber nicht an einer der Subduktionszonen, sondern in der Plattenmitte, wo man normalerweise die besagte Divergenzzone vermuten würde, die für die Molukkenseeplatte bislang aber nicht nachgewiesen wurde.

Der Dukono ist nicht der einzige Vulkan im Wirkungskreis des Erdbebens. Auf Halmahera gibt es noch den Ibu, der aber seine normale Aktivität fortsetzt. Auf der benachbarten Insel Sulawesi gibt es z. B. den Vulkan Lokon und im Norden des Sanghie-Archipels liegt der Karangetang. Beide Vulkane eruptieren aktuell nicht und zeigen nur eine durchschnittliche Seismizität.

Update: Die Magnitude wurde auf 5,9 korrigiert.

Japan: Starkes Beben Mw 6,2 vor Kyushu

Datum: 02.04.2025 | Zeit: 14:03:56 UTC | Koordinaten:  31.119 ; 131.420 | Tiefe: 14 km | Mw 6,2

Vor der Südostküste von Kyushu gab es ein Beben Mw 6,2 – Mehrere Vulkane in der Nähe

Die Küste der japanischen Insel Kyushu wurde heute Mittag von einem starken Erdbeben der Magnitude 6,2 heimgesucht. Das Epizentrum wurde vom EMSC 54 km südsüdöstlich von Nichinan verortet. Das Hypozentrum befand sich in einer Tiefe von 14 Kilometern.

Tektonisch betrachtet stand es mit der Subduktion am Ryukyu-Graben in Verbindung, an dem die Philippinische Platte unter zwei Mikroplatten abtaucht, die dem Eurasischen Kontinent vorgelagert sind. Bei den Platten handelt es sich um die Okinawa-Platte und die Amur-Platte. Dem nicht genug, manifestierte sich der Erdstoß auch noch in dem Bereich, an dem eine Transformstörung zwischen den beiden Mikroplatten verläuft und eine Triple-Junktion mit dem Ryukyu-Graben bildet. Die Störungen gehören zu dem komplexen tektonischen Setting entlang des Pazifischen Feuerrings, an dem sich die meisten Vulkane der Welt aufreihen.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass es im Wirkungskreis des Erdbebens mehrere Vulkane gibt, die entweder in Eruption begriffen sind oder die sich auf einen Ausbruch vorbereiten. Zu den letzteren Vulkanen gehört der Kirishima auf Kyushu, dessen Alarmstatus erst am Wochenende hochgestuft wurde.

Ein weiterer Vulkan ist der Sakurajima, der bereits gestern wieder seine Taktzahl an Eruptionen erhöhte und seitdem 9 VONA-Warnungen beim VAAC Tokio auslöste. Die stärkste Eruption förderte Vulkanasche bis auf 3400 m Höhe.

Dann ist da noch der Suwanose-jima, der in den letzten Tagen ebenfalls Vulkanasche emittierte. In diesem Jahr legte er eine vergleichsweise bescheidene Performance hin und löste auf Jahressicht 50 VONA-Warnungen aus.

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe anderer Vulkane in der Nähe des Epizentrums und es ist möglich, dass der Erdstoß Vulkanausbrüche triggert oder abwürgt. So ein Erdbeben kann mehrere Monate lang nachwirken.

Tatsächlich kam es in den letzten Tagen zu einer Häufung stärkerer Erdbeben, nachdem es in den letzten Wochen vergleichsweise ruhig gewesen war.

Tonga: Sehr Starkes Erdbeben Mw 7,1

Datum: 30.03.2025 | Zeit: 12:18:47 UTC | Koordinaten: 20.448 ; -174.082 | Tiefe: 16 km | Mw 7,1

Starkes Erdbeben Mw 7,1 erschütterte Tonga – mehrere starke Nachbeben registriert

Heute Mittag wurde das Südsee-Archipel Tonga von einem sehr starken Erdbeben der Magnitude 7,1 erschüttert. Das Epizentrum lag östlich des Archipels. Der nächstgelegene Ort war Pangai, 76 Kilometer vom Epizentrum entfernt. Laut Angaben des GFZ befand sich das Erdbebenhypozentrum in 16 Kilometern Tiefe. Dennoch gab das Pacific Tsunami Warning Center in Hawaii einen Tsunamialarm aus, und auf den Inseln heulten die Sirenen. Die Anwohner wurden aufgefordert, sofort höher gelegene Areale aufzusuchen. Eine große Flutwelle blieb jedoch aus, ebenso offenbar größere Schäden an der Infrastruktur der Inseln.

Dem ersten Erdstoß folgten sechs weitere Nachbeben, von denen die beiden stärksten Magnituden von 6,1 und 5,8 erreichten.

Tektonisch betrachtet ereignete sich das Beben westlich der Subduktionszone des Tonga-Kermadec-Grabens, entlang derer die Indo-Australische Platte mit der Pazifischen Platte kollidiert. Die schwerere Pazifische Platte taucht dabei unter den ozeanischen Teil der Australischen Platte ab und wird in der Asthenosphäre teilweise aufgeschmolzen. Dieser Prozess erzeugt Magma, das für die Entstehung der zahlreichen Vulkane entlang des Grabens verantwortlich ist. Viele dieser Vulkane befinden sich unter Wasser. Die aufgetauchten Vulkane bilden den vulkanischen Inselbogen von Tonga-Kermadec. Zu ihnen zählen Hunga-Tonga-Hunga Ha‘apai, Tofua und Home Reef, der derzeit aktiv ist. Die Erdbeben könnten sich auf die Aktivität der Vulkane auswirken – sie sowohl verstärken als auch dämpfen.

Betrachtet man das tektonische Setting genauer, zeigt sich, dass zwischen den beiden großen Erdkrustenplatten zwei Mikroplatten eingespannt sind: die Kermadec-Platte und die Tonga-Platte. Der Kollisionsdruck auf diese Mikroplatten ist enorm, weshalb sie sich extrem schnell bewegen und sich zusätzlich drehen. Die Pazifische Platte taucht hier mit einer Rate von bis zu 24 cm pro Jahr unter die Mikroplatten ab – eine der schnellsten Subduktionsraten weltweit. Darüber hinaus gibt es weitere Mikroplatten in diesem komplexen System, an deren Grenzen sich auch Spreizungszonen befinden.

Myanmar: Zehntausende Todesopfer nach Erdbeben befürchtet

Enorme Schäden nach Erdbeben Mw 7,7 in Myanmar – Zehntausende Todesopfer befürchtet

Tag 1 nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe: Das Ausmaß der Schäden wird immer deutlicher, auch wenn noch keine genauen Zahlen zu zerstörten oder stark beschädigten Gebäuden vorliegen. Während in manchen Straßen der am stärksten betroffenen Region Mandalay nur einzelne Häuser eingestürzt sind, gibt es ganze Straßenzüge, in denen kein einziges Gebäude mehr steht.

Die Zahl der Todesopfer wird stetig nach oben korrigiert: Bis zum Samstagmorgen waren mehr als 1.000 Tote bestätigt, zudem wurden rund 2.400 Verletzte registriert. Experten des US Geological Survey (USGS) gehen jedoch von Zehntausenden Todesopfern aus, die sich vermutlich noch unter den Trümmern befinden.

Der Fokus der Rettungskräfte liegt zunächst nicht auf der Bergung der Toten, sondern auf der Suche nach eingeschlossenen Überlebenden – die es mit Sicherheit noch gibt. Eine der größten Herausforderungen ist die fehlende Katastrophenhilfe: Myanmar gehört nicht nur zu den ärmsten Ländern der Welt, sondern wird seit 2021 von einer Militärjunta regiert. Normalerweise sind solche Regime zu stolz, um internationale Hilfe zu erbitten, und sie scheuen sich, ausländische Behörden ins Land zu lassen. Doch in diesem Fall ist es anders: Junta-Chef Min Aung Hlaing bat ausländische Regierungen um Unterstützung. Bereits zuvor hatten Indien und China Hilfe angeboten. Auch dort war das Erdbeben der Magnitude 7,7 zu spüren, richtete jedoch nur leichte Schäden an. Anders verhielt es sich in Thailand, wo es in einigen Regionen zu größeren Zerstörungen kam.

Dramatisch ist die Lage in der thailändischen Hauptstadt Bangkok, rund 1.000 Kilometer vom Epizentrum bei Mandalay in Myanmar entfernt. Dort schwankten die Gebäude mehrere Minuten lang, was sich besonders in den oberen Stockwerken der Wolkenkratzer bemerkbar machte. Auf den Dächern der Hochhäuser schwappten die Pools über. Insgesamt wurden an mehr als 2000 Gebäuden Schäden wie Risse oder abgefallene Fassadenteile registriert. Am schlimmsten traf es eine Baustelle: Ein über 30 Stockwerke hohes Hochhaus im Rohbau stürzte innerhalb von Sekunden wie ein Kartenhaus in sich zusammen und begrub mehr als 100 Arbeiter unter den Trümmern. Zehn Tote wurden bereits geborgen, doch es gibt Kontakt zu einer größeren Gruppe Verschütteter. Ihre Rettung hat oberste Priorität.




Das Erdbeben ereignete sich entlang der großen Sagaing-Blattverwerfung, die Ähnlichkeiten mit der San-Andreas-Störung in Kalifornien aufweist. Ein Beben dieser Magnitude setzte etwa 2,24 × 10¹⁶ Joule Energie frei, was der Sprengkraft von rund 250 Hiroshima-Atombomben entspricht. Eine Geologin des USGS schätzte die freigesetzte Energie sogar auf das Äquivalent von über 340 Hiroshima-Bomben. Die enormen Kräfte verschoben den Boden um mehrere Meter und führten in der Stadt Myittha zu Bodenverflüssigung.

Obgleich sich das Beben verheerend auswirkte, hätte es noch schlimmer kommen können, denn das Hypozentrum lag in einer Tiefe von 24 Kilometern und damit deutlich tiefer als zunächst angegeben.

Es gab mehrere Nachbeben, die auch weiterhin auftreten und die Trümmer weiter verdichten können, so dass Überlebende doch noch getötet werden. Auf der Shakemap des EMSC erkennt man, dass es auch an anderen Regionen entlang der 1200 Kilometer langen Störungszone zu Beben kam. darüber hinaus gab es auch entlang der Kollisionszone von Eurasien und dem indischen Subkontinent zu mehreren Beben.

Zwei weitere starke Erdbeben der Magnitude 6,6 und 6,0 manifestierte sich gestern am Zentralen Mittelatlantischen Rücken auf der Breite von Brasilien. Ach ja, und heute gibt es eine partielle Sonnenfinsternis.

Myanmar: Sehr starkes Erdbeben Mw 7,7

Datum: 28.03.2025 | Zeit: 06:20:55 UTC | Koordinaten: 22.008 ; 95.918 | Tiefe: 10 km | Mw 7,7

Sehr starkes Erdbeben der Magnitude Mw 7,7 erschüttert Myanmar  – Katastrophe zu befürchten

Myanmar, das frühere Burma, wurde heute Morgen um 06:20:55 UTC von einem sehr starken Erdbeben der Magnitude 7,7 erschüttert. Das Hypozentrum lag vorläufigen Angaben zufolge in einer Tiefe von 10 Kilometern. Das Epizentrum wurde 17 km nordwestlich von Mandalay verortet. Hierbei handelt es sich um eine Großstadt mit mehr als 1.208.000 Einwohnern.

Dem Erdbeben folgte 12 Minuten später ein zweiter starker Erdstoß mit einer Magnitude von Mw 6,4. Der Erdbebenherd lag in etwa 12 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum befand sich 28 Kilometer südlich der Metropole. Näher lag die kleinere Stadt Sagaing mit fast 79.000 Einwohnern.




Die Daten zu den Erdbeben sind vorläufig und könnten noch korrigiert werden. Auf jeden Fall handelte es sich um zwei sehr starke Erschütterungen in einem dicht besiedelten Gebiet, die das Potenzial haben, große Schäden zu verursachen. Es ist zu befürchten, dass es sich um die schlimmste Erdbebenkatastrophe seit der Türkei im Jahr 2023 handeln könnte. Dort war es am 6. Februar zu zwei Beben der Magnituden 7,8 und 7,6 gekommen, die mindestens 60.000 Menschen das Leben kosteten.

Erste Berichte zu Schäden des Erdbebens bei Mandalay

Die beiden Erdstöße heute verursachten starke Schäden an der Infrastruktur. Erste Aufnahmen, die in den sozialen Medien geteilt werden, zeigen zahlreiche eingestürzte Gebäude und auch eine kollabierte Brücke. Hierbei handelt es sich um die 1934 errichtete Ava-Brücke über den Fluss Irrawaddy.

In den Gebäudetrümmern sind zahlreiche Menschen eingeschlossen. Die Bergungsarbeiten laufen auf Hochtouren. Da schweres Gerät fehlt, wird vielerorts per Hand gegraben.

Selbst in der gut 1000 Kilometer entfernten thailändischen Hauptstadt Bangkok stürzte ein im Bau befindliches Hochhaus ein, obgleich die Beben hier von vergleichbar geringer Intensität waren. Hier kann man Pfusch am Bau vermuten.

Die Erdstöße waren in einem Umkreis von fast 2000 Kilometern zu spüren gewesen.

Tektonischer Hintergrund des Erdbebengebiets in Myanmar

Myanmar liegt in einer seismisch sehr aktiven Zone, deren tektonische Prozesse in erster Linie mit der Kollision der Kontinentalplatten von Indien und Eurasien zusammenhängen, in deren Folge sich auch der Himalaya auffaltet. Während sich diese beiden großen Platten in Nord-Süd-Richtung bewegen, gibt es in ihrem östlichen Randbereich zwei kleinere Platten, die in diesen Bewegungen wie in einem Schraubstock eingespannt sind: Hierbei handelt es sich um die Burma-Platte und die Sunda-Platte. Diese beiden Platten sind durch die Sagaing-Störung voneinander getrennt. Bei der Sagaing-Störung handelt es sich um eine rechtssinnige (dextral) Transformstörung, die die Bewegung der Indischen Platte relativ zur Eurasischen Platte aufnimmt. Der Himalaya-Kollisionsprozess zwischen der Indischen und der Eurasischen Platte erzeugt eine seitliche Spannungsentlastung, die über die Sagaing-Störung in Form von Rechtsverschiebungen abgebaut wird. Die Verschiebungsrate beträgt etwa 18–20 mm/Jahr, was die Störung zu einer der aktivsten kontinentalen Störungen der Welt macht. Unglücklicherweise liegen Mandalay und der Ort Sagaing direkt an der gleichnamigen Störung, die für die beiden aktuellen Erdbeben verantwortlich war. Es ist zu befürchten, dass sich entlang der 1200 Kilometer langen Störung auch an anderen Stellen Spannungen aufgebaut haben, die sich in der nächsten Zeit in starken Erdbeben entladen könnten.

In der Vergangenheit gab es bereits starke Erdbeben entlang der Sagaing-Störung: So verursachte ein Beben der Magnitude 7,3 bei Bago große Schäden. Das war im Jahr 1930. In der Nähe von Mandalay gab es bereits 2012 ein Beben 6,8, das ebenfalls Zerstörungen und Todesopfer verursachte. Die Region gleicht also einem seismischen Pulverfass und ist mit der Gegend entlang der San-Andreas-Fault vergleichbar.

Island: Erdbeben M 3,2 nahe Keilir

Erdbeben M 3,2 erschüttert auf Island Gegend beim Keilir

Heute Mittag ereignete sich in Island um 15:02 UTC ein Erdbeben der Magnitude 3,2. Die IMO verortete das Beben 3,5 km östlich der vulkanischen Erhebung Keilir. Das Hypozentrum lag in 5 Kilometern Tiefe. Darüber hinaus gab es weitere Erdbeben im nahen Spaltensystem von Krýsuvík.

Wer schon länger die Nachrichten über Island verfolgt, erinnert sich vielleicht daran, dass in diesem Areal der erste magmatische Gang endete, der sich zu Beginn der Tätigkeitsphase auf der Reykjanes-Halbinsel manifestiert hatte. Damals rechnete man bereits mit einem Ausbruch, doch dieser ließ noch einige Wochen auf sich warten und ereignete sich schließlich erst im März 2021.

Die Erdbebentätigkeit im Svartsengi-Gebiet hat in den letzten Stunden nachgelassen. Dafür gab es, nach mehreren Tagen, in denen die Bodenhebung stagnierte, wieder ein Hebungssignal. Die IMO-Wissenschaftler werten dies als Zeichen dafür, dass sich weiterhin ein Vulkanausbruch zusammenbraut und der Druck im Fördersystem steigt.

Die Forscher berichten, dass sich die größte Menge Magma seit Beginn der aktuellen Ausbruchsserie im Untergrund angesammelt hat. Nach wie vor ist es jedoch nicht möglich, vorherzusagen, wann es zu einer Eruption kommt – falls es überhaupt noch dazu kommt. Zunächst rechnete man relativ sicher damit, dass eine Eruption bereits Mitte Februar einsetzen würde, als die Bodenhebung das gleiche Niveau wie vor dem vorherigen Ausbruch erreicht hatte.

Die Warnungen vor einer möglichen Eruption bleiben bestehen, ebenso wie die Gefahreneinstufung und die Gefahrenkarte, die im Vergleich zur Vorwoche unverändert sind. Als wahrscheinlichster Ausbruchsort gilt das bekannte Eruptionsgebiet im Bereich von Sundhnúkur und Stóra-Skógfell.

Während es auf Reykjanes in den letzten 48 Stunden genauso viele Erdbeben gab wie zuvor, wurden unter ganz Island 155 Beben registriert. 79 davon ereigneten sich im Bereich der Tjörnes-Fracture-Zone, wo die seismische Aktivität jedoch ebenfalls nachgelassen hat.

Campi Flegrei: Vorhersage von Erdbeben

Fischereihafen von Pozzuoli aufgrund der Bodenhebung weitgehend trocken gefallen. © Marc Szeglat

Methode zur Vorhersage von Erdbeben entdeckt – Bodenhebung verlangsamt sich leicht

Die Wissenschaftler des INGV arbeiten an einer neuen Methode zur Vorhersage starker Erdbebenphasen. Erste Erfolge wurden heute in einer Pressemitteilung verkündet. Demnach stellten die Geowissenschaftler fest, dass es einige Wochen bis Tage vor einer Erdbebenphase zu einem Temperaturanstieg verschiedener Fumarolen kommt, der mithilfe von Thermalbildern detektiert werden kann. Auf dieser Grundlage wird nun eine Methode entwickelt, um stärkere Erdbeben vorherzusagen. Allerdings kann damit lediglich ein Gefahrenzeitraum eingegrenzt werden – der genaue Zeitpunkt eines stärkeren Erdbebens bleibt weiterhin unvorhersehbar. Für die Bevölkerung ist das zwar nur bedingt hilfreich, aber Einsatzkräfte und der Zivilschutz könnten sich so besser auf einen möglichen Einsatz vorbereiten.
Zudem gibt es weiterhin Diskussionen über den Ursprung des Bradyseismos. Tiziana Vanorio, eine Geophysikerin aus Pozzuoli, die an der Universität Stanford forscht, griff eine ältere These auf. Sie vermutet, dass der Bradyseismos durch meteorologisches Wasser verursacht wird, das durch einen tiefsitzenden Magmenkörper erwärmt wird und sich in den Poren des Hydrothermalsystems ausdehnt. Eine oberflächennahe Deckschicht dichte das System ab, sodass die Fluide nicht entweichen können. Dadurch werde der Boden so lange angehoben, bis er Risse bekommt und Erdbeben ausgelöst werden. Ich sehe jedoch ein Problem bei dieser These: Wenn das System an der Oberfläche abgedichtet ist, wie soll dann Regenwasser überhaupt bis ins Hydrothermalsystem gelangen?

Eine alternative These verfolgt einen ähnlichen Ansatz, geht jedoch davon aus, dass die Fluide magmatischen Ursprungs sind. In diesem Modell baut sich im Hydrothermalsystem so lange Druck auf, bis sich der Boden hebt, Risse entstehen und Gase entweichen. Die in den Fluiden enthaltenen Mineralien zementieren die Risse jedoch schnell wieder, sodass der Zyklus von Neuem beginnt.

Die aktuellen Beobachtungen aus den wöchentlichen INGV-Berichten sprechen eher für diese zweite Theorie. Nach den beiden Erdbeben der Magnituden 4,6 und 3,9, die mit einer beschleunigten Bodenhebung von bis zu 3 cm pro Monat einhergingen, deuten die jüngsten Daten darauf hin, dass sich die Hebegeschwindigkeit wieder verlangsamt.

Spaziergang durch Pozzuoli

Heute war ich selbst in Pozzuoli unterwegs, um mir ein Bild von der aktuellen Lage zu machen. Zwar wurde der Schutt aus den Straßen geräumt, doch überall sind große Löcher im Putz der Häuser zu sehen, und viele Balkone wirken schief. Zahlreiche Einsatzkräfte sind im Stadtgebiet unterwegs, ansonsten ist es aber recht ruhig – die Menschen gehen ihrem gewohnten Alltag nach. Die anhaltende Bodenhebung ist am kleinen Fischerhafen besonders gut sichtbar, der mittlerweile fast trockengefallen ist.

Laut dem aktuellen INGV-Bericht betrug die Gastemperatur der Pisciarelli-Fumarole in der vergangenen Woche 97 °C. Ich war ebenfalls dort und muss sagen: Der Geruch nach faulen Eiern ist wirklich heftig. So stark habe ich den Schwefelwasserstoff-Geruch hier noch nie wahrgenommen.

Vogtland: Weiteres Erdbeben M 2,2 am Morgen

Schwarmbeben im Vogtland klingt langsam ab – dennoch weiteres Beben M 2,2 detektiert

Der Erdbebenschwarm im Vogtland an der Grenze zwischen Deutschland und der Tschechei hat bereits gestern angefangen nachzulassen, doch heute Morgen hat es wieder eine Serie von Erdbeben gegeben, die zum Teil von den Anwohnern gespürt worden sein sollen. Dabei hatte das stärkste Beben eine Magnitude von 2,2 und lag damit deutlich unter der eigentlichen Wahrnehmbarkeitsgrenze von M 3,0. Werden schwächere Erschütterungen wahrgenommen, dann liegen die Erdbebenherde besonders flach, was hier aber auch nicht der Fall war, denn die Tiefe des Hypozentrums wird vom Thüringer Erdbebendienst mit 10600 m angegeben. Das Epizentrum wurde westlich von Luby lokalisiert. Dieses Erdbeben ereignete sich um 06:18:13 UTC. Zudem gab es drei weitere Erschütterungen mit Magnituden zwischen 1,3 und 1,6.




Die Anzahl manuell ausgewerteter Erdbeben, die sich innerhalb von 3 Tagen manifestierten, betrug 79. Diese Zahl steht in einem krassen Kontrast zu 13218 automatisch erfassten Erdbeben, die vom Portal Erdbebennews veröffentlicht wurden. Hierbei handelt es sich um Beben der beiden Erdbebenschwärme bei Luby und Klingental. Sollte diese Zahl stimmen, wären das in Bezug auf die Anzahl der Beben zwei sehr starke Schwarmbeben gewesen, die ihresgleichen suchen.

Die automatisch detektierten Beben wurden auch auf der Erdbebenwebsite der Tschechischen Akademie der Wissenschaften angezeigt, die aber inzwischen offline genommen wurde. Zu finden ist nur noch eine Seite, die eine Handvoll manuell überprüfter Beben anzeigt. Da stellt man sich natürlich die Frage, ob die übermittelten bzw. automatisch übernommenen Daten korrekt sind. Auf den Seismogrammen sind jedenfalls sehr viele kleine Zipper zu sehen, die auf Mikrobeben hindeuten.

Im Vogtland kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu Erdbebenschwärmen, die nach Auffassung vieler Geowissenschaftler mit der Bewegung magmatischer Fluide zusammenhängen. In den letzten Jahren wanderten die Epizentren nordwärts und die Hypozentren in Richtung Oberfläche.