Nachrichten über Vulkanausbrüche, Erdbeben und Naturkatastrophen
Erdbeben: aktuelle Nachrichten
Aktuelle Nachrichten über Erdbeben und weiterführende Berichte zur Seismologie gibt es in dieser Kategorie von vulkane.net. Ihr findet regelmäßige Updates über wichtige Erdbeben auf der ganzen Welt. Ein Schwerpunkt liegt bei Erdbeben in der Nähe von Vulkanen.
Die Nachrichten werden redaktionell bearbeitet und nicht automatisch generiert, so dass die News eine gewisse Relevanz haben. Weiterhin findet ihr hier einen aktuellen Erdbebenmonitor mit Live-Daten.
Erdbeben M 3,2 erschüttert auf Island Gegend beim Keilir
Heute Mittag ereignete sich in Island um 15:02 UTC ein Erdbeben der Magnitude 3,2. Die IMO verortete das Beben 3,5 km östlich der vulkanischen Erhebung Keilir. Das Hypozentrum lag in 5 Kilometern Tiefe. Darüber hinaus gab es weitere Erdbeben im nahen Spaltensystem von Krýsuvík.
Wer schon länger die Nachrichten über Island verfolgt, erinnert sich vielleicht daran, dass in diesem Areal der erste magmatische Gang endete, der sich zu Beginn der Tätigkeitsphase auf der Reykjanes-Halbinsel manifestiert hatte. Damals rechnete man bereits mit einem Ausbruch, doch dieser ließ noch einige Wochen auf sich warten und ereignete sich schließlich erst im März 2021.
Die Erdbebentätigkeit im Svartsengi-Gebiet hat in den letzten Stunden nachgelassen. Dafür gab es, nach mehreren Tagen, in denen die Bodenhebung stagnierte, wieder ein Hebungssignal. Die IMO-Wissenschaftler werten dies als Zeichen dafür, dass sich weiterhin ein Vulkanausbruch zusammenbraut und der Druck im Fördersystem steigt.
Die Forscher berichten, dass sich die größte Menge Magma seit Beginn der aktuellen Ausbruchsserie im Untergrund angesammelt hat. Nach wie vor ist es jedoch nicht möglich, vorherzusagen, wann es zu einer Eruption kommt – falls es überhaupt noch dazu kommt. Zunächst rechnete man relativ sicher damit, dass eine Eruption bereits Mitte Februar einsetzen würde, als die Bodenhebung das gleiche Niveau wie vor dem vorherigen Ausbruch erreicht hatte.
Die Warnungen vor einer möglichen Eruption bleiben bestehen, ebenso wie die Gefahreneinstufung und die Gefahrenkarte, die im Vergleich zur Vorwoche unverändert sind. Als wahrscheinlichster Ausbruchsort gilt das bekannte Eruptionsgebiet im Bereich von Sundhnúkur und Stóra-Skógfell.
Während es auf Reykjanes in den letzten 48 Stunden genauso viele Erdbeben gab wie zuvor, wurden unter ganz Island 155 Beben registriert. 79 davon ereigneten sich im Bereich der Tjörnes-Fracture-Zone, wo die seismische Aktivität jedoch ebenfalls nachgelassen hat.
Methode zur Vorhersage von Erdbeben entdeckt – Bodenhebung verlangsamt sich leicht
Die Wissenschaftler des INGV arbeiten an einer neuen Methode zur Vorhersage starker Erdbebenphasen. Erste Erfolge wurden heute in einer Pressemitteilung verkündet. Demnach stellten die Geowissenschaftler fest, dass es einige Wochen bis Tage vor einer Erdbebenphase zu einem Temperaturanstieg verschiedener Fumarolen kommt, der mithilfe von Thermalbildern detektiert werden kann. Auf dieser Grundlage wird nun eine Methode entwickelt, um stärkere Erdbeben vorherzusagen. Allerdings kann damit lediglich ein Gefahrenzeitraum eingegrenzt werden – der genaue Zeitpunkt eines stärkeren Erdbebens bleibt weiterhin unvorhersehbar. Für die Bevölkerung ist das zwar nur bedingt hilfreich, aber Einsatzkräfte und der Zivilschutz könnten sich so besser auf einen möglichen Einsatz vorbereiten.
Zudem gibt es weiterhin Diskussionen über den Ursprung des Bradyseismos. Tiziana Vanorio, eine Geophysikerin aus Pozzuoli, die an der Universität Stanford forscht, griff eine ältere These auf. Sie vermutet, dass der Bradyseismos durch meteorologisches Wasser verursacht wird, das durch einen tiefsitzenden Magmenkörper erwärmt wird und sich in den Poren des Hydrothermalsystems ausdehnt. Eine oberflächennahe Deckschicht dichte das System ab, sodass die Fluide nicht entweichen können. Dadurch werde der Boden so lange angehoben, bis er Risse bekommt und Erdbeben ausgelöst werden. Ich sehe jedoch ein Problem bei dieser These: Wenn das System an der Oberfläche abgedichtet ist, wie soll dann Regenwasser überhaupt bis ins Hydrothermalsystem gelangen?
Eine alternative These verfolgt einen ähnlichen Ansatz, geht jedoch davon aus, dass die Fluide magmatischen Ursprungs sind. In diesem Modell baut sich im Hydrothermalsystem so lange Druck auf, bis sich der Boden hebt, Risse entstehen und Gase entweichen. Die in den Fluiden enthaltenen Mineralien zementieren die Risse jedoch schnell wieder, sodass der Zyklus von Neuem beginnt.
Die aktuellen Beobachtungen aus den wöchentlichen INGV-Berichten sprechen eher für diese zweite Theorie. Nach den beiden Erdbeben der Magnituden 4,6 und 3,9, die mit einer beschleunigten Bodenhebung von bis zu 3 cm pro Monat einhergingen, deuten die jüngsten Daten darauf hin, dass sich die Hebegeschwindigkeit wieder verlangsamt.
Spaziergang durch Pozzuoli
Heute war ich selbst in Pozzuoli unterwegs, um mir ein Bild von der aktuellen Lage zu machen. Zwar wurde der Schutt aus den Straßen geräumt, doch überall sind große Löcher im Putz der Häuser zu sehen, und viele Balkone wirken schief. Zahlreiche Einsatzkräfte sind im Stadtgebiet unterwegs, ansonsten ist es aber recht ruhig – die Menschen gehen ihrem gewohnten Alltag nach. Die anhaltende Bodenhebung ist am kleinen Fischerhafen besonders gut sichtbar, der mittlerweile fast trockengefallen ist.
Laut dem aktuellen INGV-Bericht betrug die Gastemperatur der Pisciarelli-Fumarole in der vergangenen Woche 97 °C. Ich war ebenfalls dort und muss sagen: Der Geruch nach faulen Eiern ist wirklich heftig. So stark habe ich den Schwefelwasserstoff-Geruch hier noch nie wahrgenommen.
Schwarmbeben im Vogtland klingt langsam ab – dennoch weiteres Beben M 2,2 detektiert
Der Erdbebenschwarm im Vogtland an der Grenze zwischen Deutschland und der Tschechei hat bereits gestern angefangen nachzulassen, doch heute Morgen hat es wieder eine Serie von Erdbeben gegeben, die zum Teil von den Anwohnern gespürt worden sein sollen. Dabei hatte das stärkste Beben eine Magnitude von 2,2 und lag damit deutlich unter der eigentlichen Wahrnehmbarkeitsgrenze von M 3,0. Werden schwächere Erschütterungen wahrgenommen, dann liegen die Erdbebenherde besonders flach, was hier aber auch nicht der Fall war, denn die Tiefe des Hypozentrums wird vom Thüringer Erdbebendienst mit 10600 m angegeben. Das Epizentrum wurde westlich von Luby lokalisiert. Dieses Erdbeben ereignete sich um 06:18:13 UTC. Zudem gab es drei weitere Erschütterungen mit Magnituden zwischen 1,3 und 1,6.
Die Anzahl manuell ausgewerteter Erdbeben, die sich innerhalb von 3 Tagen manifestierten, betrug 79. Diese Zahl steht in einem krassen Kontrast zu 13218 automatisch erfassten Erdbeben, die vom Portal Erdbebennews veröffentlicht wurden. Hierbei handelt es sich um Beben der beiden Erdbebenschwärme bei Luby und Klingental. Sollte diese Zahl stimmen, wären das in Bezug auf die Anzahl der Beben zwei sehr starke Schwarmbeben gewesen, die ihresgleichen suchen. Die automatisch detektierten Beben wurden auch auf der Erdbebenwebsite der Tschechischen Akademie der Wissenschaften angezeigt, die aber inzwischen offline genommen wurde. Zu finden ist nur noch eine Seite, die eine Handvoll manuell überprüfter Beben anzeigt. Da stellt man sich natürlich die Frage, ob die übermittelten bzw. automatisch übernommenen Daten korrekt sind. Auf den Seismogrammen sind jedenfalls sehr viele kleine Zipper zu sehen, die auf Mikrobeben hindeuten.
Im Vogtland kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu Erdbebenschwärmen, die nach Auffassung vieler Geowissenschaftler mit der Bewegung magmatischer Fluide zusammenhängen. In den letzten Jahren wanderten die Epizentren nordwärts und die Hypozentren in Richtung Oberfläche.
Schwarmbeben in an der Tjörnes-Fracture-Zone auf Island
Heute Morgen begann im Norden von Island ein Erdbebenschwarm, der sich aus mehr als 7 Erschütterungen zusammensetzt. Die Epizentren manifestierten sich etwa 10 km westlich der Stadt Kópasker in der Bucht von Öxarfjörður. Das stärkste Ereignis der Magnitude 2,4 wurde um 14:39 Uhr registriert. Kurz danach ließ die Intensität des Schwarms stark nach. Bereits um 11:11 Uhr gab es ein Erdbeben der Magnitude 2,3. Es liegen keine Meldungen über spürbare Erdbeben vor.
Die Bucht von Öxarfjörður gehört zur Erdbebenzone Tjörnes, und Erdbeben sind in der Region relativ häufig.
Bei der Tjörnes-Fracture-Zone (TFZ) handelt es sich um eine seismisch aktive Transformstörung vor der Nordküste Islands. Sie verbindet das nordöstliche Ende des Mittelatlantischen Rückens (Reykjanes-Laugarnes-Riftzone) mit dem Kolbeinsey-Rücken weiter nördlich. Die TFZ besteht aus mehreren Strike-Slip-Störungen (Blattverschiebungen) und Verwerfungen, die durch die westwärts gerichtete Verschiebung der nördlichen Riftzone entstehen. Die Tjörnes-Fracture-Zone ist eine der aktivsten seismischen Regionen Islands. In den Jahren 2012 und 2013 gab es eine Schwarmbebenserie mit mehreren Erdbeben über M 5,0.
Deutliche Steigerung der Seismizität bei Sundhnúhur Heute bebte es aber nicht nur an der TFZ, sondern auch in anderen Regionen von Island, so dass in den letzten 48 Stunden 215 Beben detektiert wurden. 27 Beben ereigneten sich in der Vatnajökull-Region und 26 waren es im Süden von Island, wobei es auch ein Beben an der Hekla gab. Auf der Reykjanes-Halbinsel wurden 71 Beben festgestellt, die sich an mehreren Spaltensystemen ereigneten. Auffallend ist, dass es im Svartsengi-Gebiet und hier speziell entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe eine deutliche Zunahme der Aktivität gab: In den letzten 24 Stunden manifestierten sich fast 2 Dutzend Beben, als praktisch jede Stunde eine Erschütterung. Doch da die Natur nicht viel von Statistik hält, kamen die Beben gehäuft vor und die meisten manifestierten sich gestern Abend und heute Morgen. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass sie durch das aufsteigende Magma entstanden ist und der Druck im Fördersystem steigt. Die Bodenhebung hat in den letzten Tagen stark nachgelassen, so wie es vor der letzten Eruptionen der Fall gewesen war. Durchaus möglich, dass der erwartete Ausbruch doch bald beginnt.
Erdbeben Mw 6,2 südlich der Aleuteninseln von Andreanof
Datum 21.03.2025 | Zeit: 14:53:44 UTC | Koordinaten: 51.290 ; -176.192 | Tiefe: 30 km | Mw 6,2
Ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,2 erschütterte gestern um 14:53:44 UTC die zu Alaska gehörenden Andreanof-Inseln. Das Hypozentrum lag in einer Tiefe von 30 Kilometern. Das Epizentrum wurde 712 km südwestlich von Unalaska lokalisiert. Die Epizentren lagen etwa 100 Kilometer südlich der Inseln.
Dem starken Erdbeben folgten mehrere schwächere Nachbeben. Das stärkste dieser Nachbeben hatte eine Magnitude von 5,7 und ein Hypozentrum in 17 Kilometern Tiefe.
Tektonisch betrachtet verläuft südlich der Aleuten der Aleuten-Tiefseegraben. Bei diesem handelt es sich um eine Subduktionszone, an der die pazifische Platte unter jene von Nordamerika abtaucht. Dieser Prozess findet unter starker Reibung und hohem Druck statt, die nicht nur Hitze erzeugen, sondern auch Spannungen, die sich in den Erdbeben entladen. Die Hitze liefert einen Teil der Energie, die zum partiellen Schmelzen von Gesteinen in der Asthenosphäre sorgt. Mit den marinen Sedimenten auf der subduzierten Erdkruste gelangt auch Wasser ins Erdinnere, das dafür sorgt, dass die Schmelztemperatur der Gesteine herabgesetzt wird, was die Magmenentstehung begünstigt. So ist es nicht verwunderlich, dass es sich bei den Aleuten um einen vulkanischen Inselbogen handelt.
Das Archipel der Andreanof-Inseln liegt innerhalb der Aleuten und befindet sich zwischen den Rat Islands im Westen und den Islands of Four Mountains im Osten. Es beherbergt mehrere aktive Vulkane wie den Great Sitkin und Kananga. Die Aktivität der Vulkane könnte durch das starke Erdbeben beeinflusst werden, wobei es möglich ist, dass Vulkanausbrüche getriggert werden oder aber auch verhindert. Dabei ist es am wahrscheinlichsten, dass es zu einer Reaktion am Great Sitkin kommt (wenn es denn zu einer Reaktion kommt), denn bei diesem 1740 m hohen Vulkan handelt es sich um den derzeit aktivsten Feuerberg der Aleuten. Er ist effusiv tätig und fördert kleinere Lavastrome. Seine Warnstufe steht auf „Orange“.
Erdbeben M 4,2 erschüttert Bardarbunga auf Island – Erdbebenserie reißt nicht ab
Datum 19.03.2025 | Zeit: 08:21:02 UTC | Koordinaten: 64.622 ; -17.434 | Tiefe: 4,7 km | M 4,2
Der isländische Gletschervulkan Bardarbunga wurde heute Morgen um 08:21:02 UTC von einem Erdbeben der Magnitude 4,2 erschüttert. Das Hypozentrum befand sich in 4,7 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum lag 4,9 Kilometer östlich des Calderazentrums. Kurz zuvor ereignete sich zwei Kilometer entfernt ein Erdbeben der Magnitude 2,9. Es folgten weitere, schwächere Beben.
Erdbeben mit Magnituden im Viererbereich sind unter dem Bardarbunga bekannt und treten in den letzten Monaten immer häufiger auf. Die Beben sind häufig tektonischen Ursprungs und manifestieren sich entlang der Brüche am Boden der Caldera. Forscher vermuten, dass ein magmatisch bedingter Druckanstieg im Speichersystem des Vulkans Spannungen erzeugt, die letztendlich die Erdbeben auslösen. Die Beben sind somit Ausdruck eines Aufheizens des magmatischen Systems, was mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Vulkanausbruch führen wird. Wann dieser jedoch kommt, lässt sich nicht prognostizieren. Die erneute Aufheizphase nach der großen Eruption im Jahr 2014 dürfte ein langer Prozess sein, der mehrere Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte dauert. Manchmal überraschen Vulkane jedoch und bereiten sich schneller auf die nächste Eruption vor, als man annimmt.
Generell gibt es unter mehreren Vulkansystemen auf Island Anzeichen für ein Aufladen der magmatischen Systeme – Prozesse, die mit Erdbeben einhergehen. So wurden bereits im Januar rund 2.100 Erdbeben registriert, was einem leichten Anstieg im Vergleich zu den letzten drei Monaten entspricht. Die höchste Aktivität wurde auf der Halbinsel Reykjanes beobachtet, gefolgt von Grjótárvatn und Bardarbunga. Das stärkste Erdbeben des Monats wurde am 14. Januar mit einer Magnitude von 4,9 in Bardarbunga gemessen. Insgesamt überstiegen 30 Erdbeben die Stärke 3,0, davon 21 in Bardarbunga.
In den letzten 48 Stunden wurden im Kartenabschnitt des Vatnajökull 44 Beben registriert, die meisten davon tatsächlich im Bereich des Bardarbunga. Unter ganz Island waren es im gleichen Zeitraum 132 Beben. Einige davon manifestierten sich auch wieder im Areal von Grjótárvatn, das ebenfalls Anzeichen eines Aufheizungsprozesses zeigt.
Auf der Reykjanes-Halbinsel und insbesondere im Bereich von Svartsengi war es in den letzten Stunden relativ ruhig und der Ausbruch lässt weiter auf sich warten.
Mehrere Forschergruppen arbeiten auf Santorin – Weitere Erdbeben detektiert
Es ist nun gut einen Monat her, dass die außergewöhnlich starke Erdbebenserie nordöstlich der griechischen Insel Santorin für Unruhe sorgte und eine Katastrophenstimmung hervorrief. Zwar hat die Hochphase der seismischen Aktivität nachgelassen, doch der Untergrund bei Santorin ist noch immer nicht völlig zur Ruhe gekommen: Täglich werden weitere Erschütterungen registriert. Das stärkste Beben von gestern erreichte eine Magnitude von 3,2. Heute gab es Mittag gab es erneut einen kleinen Erdbebenschub, so dass man auf der EMSC-Shakemap 11 Markierungen sieht. Die stärkste Erschütterung hatte eine Magnitude von 3,3.
Inzwischen sind mehrere internationale Forscherteams in der Erdbebenregion eingetroffen. Sie messen u.a. die seismische Aktivität, um die Ursache der starken Beben zu ergründen. Eine zentrale Hypothese ist, dass aufsteigendes Magma zumindest teilweise für die Erdbeben verantwortlich war. Unklar ist jedoch, ob das Magma der treibende Faktor der Aktivität war oder lediglich einen sekundären Effekt darstellte – etwa durch das Auffüllen von Rissstrukturen eines Rifting-Prozesses.
Präzise Erfassung kleinster Erdbeben mit neuen Messgeräten des GFZ
Fest steht, dass die unbewohnte Insel Anydros im Zentrum der seismischen Aktivität lag und sich derzeit weiter hebt. Entlang dort verlaufender Bruchzonen kann Magma aufsteigen. Es gibt Hinweise darauf, dass sich in einigen Kilometern Tiefe ein Magmakörper bildet. Während die stärkeren Beben allmählich nachlassen, treten weiterhin schwächere Erschütterungen auf, die mit herkömmlichen Messstationen nur unzureichend erfasst werden. Um diese besser zu detektieren, hat ein Team des GFZ Potsdam kürzlich ein Seismometer-Array und Deformations-Sensoren auf Anydros installiert.
Neben vulkanotektonischen Erdbeben sollen auch sogenannte Slow-Slip-Events erfasst werden: diese extrem langsam ablaufenden Erdbeben lassen die Wegbahnung von Magma erkennen. Zusätzlich wurde in Zusammenarbeit mit dem griechischen Institut NOA eine GPS-Station eingerichtet, um geodynamische Veränderungen der Insel zu überwachen.
Projektleiter Prof. Dr. Marco Bohnhoff erklärt in einer Pressemeldung:
„Dank mehrerer hochfrequenter Seismometer können wir Mikrobeben lokalisieren und verfolgen, ob das Magma weiter zur Oberfläche aufsteigt oder sich stabilisiert. Auch eine Bewegung in Richtung Santorin wurde beobachtet.“
Diese Daten helfen den griechischen Behörden, Gefährdungsszenarien zu bewerten und gegebenenfalls Warnungen auszugeben. Ozeanografische Mission HYDROMOX untersucht hydrothermale Aktivität
Das Forschungsteam des Santorini Submarine Observatory (SANTORY) gab am Samstag in einer Presseerklärung bekannt, dass es an der ozeanografischen Expedition HYDROMOX (Hydrothermale Modulation der Caldera-Explosivität) teilnimmt. Die Mission wird mit dem britischen Forschungsschiff DISCOVERY in der Santorin-Caldera durchgeführt.
Ein zentrales Ziel ist die Untersuchung des hydrothermalen Feldes am Unterwasservulkan Kolumbos, das seit dem Erdbeben im Februar 2025 erstmals wieder mit dem autonomen Unterwasserfahrzeug IRIS erforscht wird. Dabei werden Flüssigkeiten und Gase aus hydrothermalen Schloten entnommen sowie die Temperaturen der hydrothermalen Austritte und des Vulkankraters gemessen. Natürlich werden auch Wasserproben für chemische Analysen gesammelt.
Das SANTORY-Team hatte das submarine Hydrothermalfeld von Kolumbos bereits im Herbst 2023 untersucht und festgestellt, dass sich sowohl die chemische Zusammensetzung der Fluide als auch ihre Temperatur bereits damals verändert hatten. Diese Beobachtungen deuteten auf einen aktiven Magmakörper unter dem Vulkan hin, von dem im Februar möglicherweise eine Intrusion ausging.
Die Arbeit der Forscher konzentriert sich als im Wesentlichen darauf Magmaansammlungen im Untergrund aufzuspüren und zu lokalisieren. Auch wenn bislang keine Daten veröffentlicht wurden, die direkt bestätigen, dass die Beben durch magmatische Aktivität ausgelöst wurden, scheint man das in der Fachwelt doch stark anzunehmen.
Folgen der Erdbeben in Campi Flegrei: 340 Menschen vertrieben, Bahnhof gesperrt, Feuerwehr im Dauereinsatz
Nach der jüngsten Erdbebenserie, die den süditalienischen Calderavulkan Campi Flegrei in der vergangenen Woche erschütterte, werden weiterhin Häuser inspiziert und Schäden erfasst. Bisher wurden 670 Gebäude begutachtet, während noch 330 auf der „To-Do-Liste“ stehen. Mehrere Gebäude wurden als unbewohnbar erklärt, sodass insgesamt 340 Personen aus 142 Familien evakuiert werden mussten. Während 55 Betroffene vorläufig in Hotels untergebracht sind, fanden die übrigen in unabhängigen Unterkünften Zuflucht.
Gut tausend Feuerwehrleute sind im Einsatz oder in Bereitschaft. Der Bahnhof Gerolomini in Pozzuoli bleibt aufgrund von Erdbebenschäden geschlossen, weshalb dort keine Züge der Cumana mehr halten. Die meisten Schulen sollen in den nächsten Tagen wieder öffnen, sodass die Schüler zum regulären Unterricht zurückkehren können.
Die Erdbebenserie erreichte am 13. März eine Magnitude von 4,4 – eines der stärksten jemals in den Campi Flegrei gemessenen Beben, zusammen mit einem gleichstarken Ereignis im letzten Jahr. Die jüngsten Erschütterungen schüren Sorgen vor noch stärkeren Beben oder gar einem Vulkanausbruch – ein Szenario, das auch viele Wissenschaftler zunehmend für möglich halten. Zwar gibt es derzeit keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Ausbruch, doch aktuelle Studien deuten auf einen zunehmenden magmatischen Einfluss auf Bodenhebung, Seismizität und Gasausstoß hin.
Theoretisch könnte sich die Lage innerhalb weniger Tage zuspitzen, da Daten auf eine größere Magmenansammlung in etwa acht Kilometern Tiefe hindeuten. Kleinere Mengen Schmelze sind bereits in Tiefen von vier bis fünf Kilometern aufgestiegen. Vor dem letzten Ausbruch in den Campi Flegrei, der 1538 den Monte Nuovo schuf, hob sich der Boden um mehrere Meter – manche Quellen sprechen sogar von bis zu 19 Metern Hebung.
Tatsächlich hoffen immer mehr Anwohner der Caldera, dass sich ein ähnliches Szenario eher früher als später wiederholt. Was paradox klingt, liegt daran, dass der italienische Staat vorsorgliche Evakuierungen nur bei einer sich anbahnenden Eruption finanziert. In diesem Fall würden die Evakuierten staatliche Unterstützung erhalten, einschließlich neuer Wohnungen in anderen Regionen. Viele Menschen, die stärkere Erdbeben fürchten, müssen jedoch in Pozzuoli ausharren – es sei denn, sie können sich eine Umsiedlung aus eigener Tasche leisten. In den vom Bradyseismus betroffenen Gebieten nehmen daher Proteste und hitzige Debatten zu.
Update 19:00 Uhr: Das INGV gab bekannt, dass die Magnitude des Bebens von 4,4 auf 4,6 hochgestuft wurde.
Erdbeben M 5,3 bei Awash in Äthiopien – Erdstoß war in der Hauptstadt zu spüren gewesen
Datum 16.03.2025 | Zeit: 18:53:10 UTC | Koordinaten: 9.425 ; 40.218 | Tiefe: 10 km | M 5,3
Nach ein paar Wochen der Ruhe kam es gestern Abend zu zwei weiteren mittelstarken Erdstößen in der äthiopischen Awash-Region, die bereits Anfang des Jahres Schauplatz eines starken Schwarmbebens war, das mit einem Riftingprozess unter magmatischem Einfluss in Verbindung stand. Das stärkere Beben hatte eine Magnitude von 5,3 und ein Hypozentrum, das in 10 Kilometern Tiefe fixiert wurde. Diese Angaben stammen vom GFZ. Das EMSC meldete eine Magnitude von 5,1. Der Erdstoß manifestierte sich um 18:53:10 UTC und hatte ein Epizentrum, das 49 km nördlich von Awash lokalisiert wurde. Ein zweites Beben ereignete sich um 21:20:16 UTC und brachte es auf eine Magnitude von 4,3. Wahrscheinlich gab es auch schwächere Beben, die aufgrund des faktisch nicht vorhandenen seismischen Netzwerkes in der Region nicht registriert wurden. Aus dem Mangel an Seismografen resultiert auch das Problem, dass weder die Epizentren noch die Hypozentren genau lokalisiert werden können.
Die Beben manifestieren sich am beginnenden Afar-Dreieck im Norden des Ostafrikansichen Riftvalleys. Hierbei handelt es sich um eine über 6000 Kilometer lange plattentektonische Naht, an der sich ein Teil Ostafrikas vom Rest des afrikanischen Kontinents abtrennt, wodurch im Laufe der nächsten Jahrmillionen eine neue Mikroplatte entstehen könnte. Entlang des Riftbodens öffnet sich ein neuer Ozean, dessen Verlauf bereits jetzt durch eine Kette von Sodaseen markiert wird. Durch das Rifting entstehen tief reichende Risse in der Erdkruste, die durch Magma aus der Tiefe verfüllt werden. Der Prozess wird durch einen großen Mantelplume gesteuert, der in 2 Arme aufgeteilt ist. Ein Arm des Magmaschlauches wird unter Kenia vermutet, der andere unter der von den Erdbeben geplagten Awash-Region. Ähnliche Prozesse kennt man von Island. Ob es in Äthiopien kurzfristig zu einem Vulkanausbruch kommen wird, ist ungewiss, aber durchaus möglich. Wirklich vorbereitet ist man auf ein Katastrophenszenario vor Ort nicht.