Laacher-See-Vulkan: 4 Erdbeben auf Wochensicht

Aktuelle Luftaufnahme vom Laacher-See-Vulkan. © Ulrich Bauch

Schwache Erdbeben unter der Osteifel: Fluidgesteuerte Spannungen im Einflussbereich des Laacher-See-Vulkans

Datum: 02.02.2026 | Zeit: 11:17:57 UTC | Koordinaten 50.323 ; 7.434 | Tiefe: 13 km | Mb 0,8




Heute Vormittag manifestierte sich südöstlich des Laacher-See-Vulkans in der Osteifel ein schwacher Erdstoß der Magnitude 0,8. Das Mikrobeben wurde um 11:17:57 UTC in 13 Kilometern Tiefe detektiert und vom EMSC 11 km west-südwestlich von Koblenz verortet. Tatsächlich lag es im Bereich von Ochtendung, der uns nicht nur wegen seiner Nähe zum Laacher See bekannt ist, sondern auch wegen der Ochtendunger Störung. Im Wochenverlauf gab es in dem Areal des Vulkanfelds der Osteifel 4 Mikrobeben mit den Magnituden zwischen 0,5 und 1,2, wobei sich letztgenanntes Beben am 29. Januar in einer Tiefe von 13 km bei Plaidt ereignete. Die Beben passen in das Muster fluidinduzierter Erschütterungen an Störungszonen im Randbereich des Laacher-See-Vulkans.

Laacher-See-Vulkan. ©: EMSC/Leaflet

Die Beben lagen innerhalb jenes Tiefenbereichs, der in der Osteifel als Übergangszone zwischen spröder Erdkruste und tieferliegenden magmatischen Systemen gilt. Solche Erdbeben sind in der Region nicht ungewöhnlich und werden seit Jahren immer wieder detektiert, wobei es in den letzten Monaten zu einer Häufung der Erdbeben gekommen ist.

Der Laacher-See-Vulkan ist kein erloschener, sondern ein ruhender Vulkan. Geophysikalische Untersuchungen zeigen, dass sich unter der Osteifel in Tiefen von etwa 15 bis 45 Kilometern ein teilweise aufgeschmolzener Mantelbereich befindet. Von dort steigen immer wieder magmatische Fluide auf, die die Erdkruste schwächen und tektonische Spannungen umlagern. Neue Studien belegen sogar einen Magmenkörper mit einem Schmelzanteil direkt unter dem Laacher-See-Vulkan. Er fällt von Nordwesten in Richtung Südosten schräg ein und dringt in der Tiefe relativ weit in Richtung Ochtendung vor. Vermutlich steigen vom unteren Ende des Magmenkörpers Fluide entlang der Störung auf und verursachen die Beben.

Geowissenschaftler gehen davon aus, dass Einzelereignisse geringer Magnituden kein Hinweis auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch sind. Sie liefern jedoch wichtige Daten, um die dynamischen Prozesse im Untergrund besser zu verstehen. Der Laacher-See-Vulkan bleibt damit ein geologisch aktives System im Ruhezustand, dessen Entwicklung weiterhin überwacht wird.

Ätna: Schneemassen werden gefährlich

Schneechaos. © Etna Sci

Sizilianischer Vulkan Ätna versinkt im Schnee – Nachlese zu den Erdbeben im Westen

In den sizilianischen Höhenlagen schneit es unablässig und der Vulkan Ätna wird aktuell unter Schneemassen regelrecht begraben. Zumindest die Regionen oberhalb von 1500 m versinken metertief im Schnee. Dabei kam es heute im Bereich des Skigebiets Etna Nord auf der Piano Provenzana zu langen Staus mit regelrechten Straßenblockaden. Besorgte Bergführer posteten in den sozialen Medien, dass es im Falle eines Notfalls zu Panik kommen könnte und Retter nicht bis zu den Opfern vordringen könnten. Und an einem aktiven Vulkan, der zudem ein Skigebiet ist, kann es schnell zu Notfällen kommen, zumal es Anzeichen gibt, dass Ätna nicht lange ruhig bleiben wird.



Erdbebensituation vom 26. Januar. © INGV

Diese Anzeichen manifestieren sich in Erdbeben, von denen es in den letzten Tagen reichlich gab. Wie berichtet gab es am 25. Januar einige Erdbeben mit Magnituden über 2,0, die sich unter der Westflanke ereigneten. Mit der verspäteten Veröffentlichung der INGV-Daten auf der Shakemap des Instituts ist im Nachhinein deutlich geworden, dass es eine größere Anzahl an schwächeren Beben gab, als aus den EMSC-Daten ersichtlich war. Möglich, dass wir am Ätna früher einen neuen Ausbruch sehen werden als bislang gedacht, obwohl die restlichen Geodaten darauf keinen Hinweis liefern.

In diesem Sinne kritisieren die erwähnten Bergführer auch, dass die Behörden im Falle des Lavastroms Anfang des Monats mit Sperrungen und Sicherheitsvorkehrungen überreagiert hätten, jetzt im Falle des Schneechaos aber absolut unvorbereitet sind und keinen Plan haben, wie sie vorgehen sollen! Etwas, was mir auch immer wieder durch den Kopf geht: wirkliche Experten fehlen in den Kommunen und Regierungen und planlose Chaoten haben das sagen.

Geodaten unauffällig – Ätna scheint stabil

Den Daten des Bulletins für den Beobachtungszeitraum vom 19. bis 25. Januar 2026 sind allerdings darauf keine weiteren Hinweise zu entnehmen, doch das ist es in den seltensten Fällen.

Im Gipfelbereich des Vulkans wurde an allen Kratern eine teils intensive Gasemission beobachtet. Diese Degassierung stellt momentan die dominierende Aktivitätsform dar. Explosive oder effusive Eruptionen traten im Berichtszeitraum nicht auf.

Auch der vulkanische Tremor bewegte sich überwiegend auf einem mittel-niedrigen Niveau. Infraschallmessungen zeigten eine mäßige Aktivität, die hauptsächlich dem Nordostkrater zugeordnet wird. Die höchste Anzahl an Infraschallereignissen wurde am 23. Januar gemessen. Diese standen mit explosionsartigen Entgasungen oder tief im Schlot stattfindenden Eruptionen im Zusammenhang.

Sowohl GNSS-Daten als auch Neigungsmessungen weisen auf stabile Verhältnisse hin. Geochemische Analysen ergaben einen SO₂-Ausstoß auf mittlerem Niveau sowie einen niedrigen CO₂-Fluss aus dem Boden. Satellitendaten bestätigten eine insgesamt geringe thermische Aktivität.

Zusammenfassend befindet sich der Ätna derzeit in einer stabilen Phase mit geringem Gefährdungspotenzial. Dennoch signalisiert die Infraschalltätigkeit im Nordostkrater, dass es Aktivität gibt, die sich schnell steigern könnte Ein ähnliches Muster gab es vor der Eruption zum Jahreswechsel.

Island: Spürbare Erdbeben unter 2 gefährlichen Vulkanen

Erdbeben unter zwei der gefährlichsten Vulkanen Islands: Bardarbunga (M 5,3) und Katla (M 3,0)

Datum: 31.01.2026 | Zeit: 11:54:53 UTC | Koordinaten 64.671 ; -17.426 | Tiefe: 1,1 km | Mb 5,3

Auf Island bebte heute die Erde unter zwei der gefährlichsten Vulkane der Insel. Das stärkste Beben ereignete sich um 11:54 Uhr unter Bardarbunga und hatte eine Magnitude von 5,3 bei einer Herdentiefe von nur 1100 m unter dem Meeresspiegel. Das Epizentrum lag rund fünf Kilometer nordöstlich des Zentrums des Calderavulkans, tief unter dem Vatnajökull-Gletscher. Der zweite Erdstoß hatte eine Magnitude von 3,0 und traf die Katla nur rund 2 Minuten nach dem Beben unter Bardarbunga. Das Hypozentrum hatte eine Tiefe von 5,2 Kilometern. Unter beiden Vulkanen folgten weitere Nachbeben.




Erdbeben unter Island. © EMC

Beide Vulkane sind von Gletschern bedeckt und ihre Eruptionen bergen aufgrund von potenziellem Schmelzwassereinfluss ein hohes Gefahrenpotenzial. Zum einen können Schmelzwasser Explosionen dramatisch verstärken, zum anderen können unter dem Gletscher hervorbrechende Schmelzwasserströme ganze Landstriche überfluten und dabei Straßen, Brücken und Ortschaften zerstören. Letztere sind vor allem im Bereich der Katla gefährdet, da die Gegend in Südisland dichter besiedelt ist als im Osten der Insel, wo Bardarbunga relativ weit von der nächsten Siedlung entfernt liegt. Daher war auch der deutlich schwächere Erdstoß bei der Katla von Bewohnern Südislands deutlich zu spüren gewesen, während das Beben unter Bardarbunga zwar im spürbaren Bereich lag, aber tatsächlich keine Wahrnehmungsmeldungen eingegangen sind. Darüber hinaus gibt es sehr unterschiedliche Angaben zur Magnitude des Bebens: Während das EMSC auf die hier genannte Magnitude M 5,3 kommt, meldete das INGV eine Magnitude von 5,8. Beim zuständigen IMO kursieren 2 Zahlen: einmal 4,1 und dann 5,3.

Bardarbunga gilt als eines der mächtigsten Vulkansysteme Europas. Sein letzter Ausbruch 2014/2015 führte zu monatelangen Lavaergüssen und erheblichen Gasemissionen. Der letzte Ausbruch der Katla liegt schon länger zurück und datiert auf das Jahr 1918. Damals richteten Gletscherfluten große Zerstörungen an.

Die beiden Ereignisse deuten nicht unmittelbar auf einen bevorstehenden Vulkanausbruch hin, obwohl sie Teil der anhaltenden Aufladungsprozesse der Vulkane sind.

Island bleibt ein Land in ständiger Bewegung – obwohl die Erddynamik rund um die Uhr überwacht wird, gehören die Manifestationen der Naturgewalten zum Leben der Menschen und treten häufig überraschend auf.

Campi Flegrei: Sinkloch auf Straße in Bagnoli

Sinkloch auf Via Bagnoli sorgt für Aufregung in den Campi Flegrei

Nachdem die Caldera Campi Flegrei in den letzten Wochen aus den Schlagzeilen der Nachrichtenseiten verschwunden ist und es im Ganzen etwas ruhiger wurde, sorgen heute Schlagzeilen aus Bagnoli für erneute Unruhen: Mitten auf der Via Bagnoli, einer viel befahrenen Straße am Stadtrand, öffnete sich ein mehrere Meter großes Sinkloch. Die Straße liegt am Rand der Haupthebungszone des süditalienischen Calderavulkans, ca. 2500 m von deren Zentrum bei Rione Terra und der Solfatara entfernt. Ob das Sinkloch eine Folge der Bodenhebung ist oder durch eine Unterspülung der Straße infolge starker Regenfälle oder eines Rohrbruchs verursacht wurde, ist bis jetzt unklar. Anwohner verweisen auf die hohe Belastung der Straße, da sie momentan von zahllosen Baustellen-LKW befahren wird, die den Hafen für die Regatta des America’s Cup im nächsten Jahr fit machen sollen.



Erdfall

Auch wenn die Ursache des Erdfalls noch nicht geklärt ist, ist hingegen klar, dass das Sinkloch den Abtransport von Erdaushub stört und die sich aufreihenden LKW den Verkehr weiträumig beeinträchtigen.

Erdfälle und Sinklöcher sind keine Seltenheit in der Umgebung von Bagnoli und Pozzuoli. Als ich letztes Jahr nach dem vergleichsweise starken Erdbeben im Mai dort unterwegs war, wurde ich ebenfalls Zeuge eines Erdfalls: Ein durch die Bodenbewegung ausgelöster Rohrbruch hatte damals die Straße unterspült.

Die Erdbebenaktivität der Campi Flegrei bewegt sich aktuell auf moderatem Niveau. Aus dem vorgestern veröffentlichten INGV-Bericht für den Beobachtungszeitraum 19.–25. Januar 2026 geht hervor, dass sich in dieser Woche 24 Erdbeben ereignet hatten. In der Vorwoche waren es 44. Seit Montag dieser Woche wurden gut 30 Erschütterungen detektiert. Der Boden hebt sich mit einer Geschwindigkeit von 15 mm pro Monat. Der Kohlendioxid-Ausstoß bewegt sich genauso wie die Temperatur der BG-Fumarole in der Solfatara auf hohem Niveau, was auf eine anhaltende Druckbeaufschlagung des Systems hindeutet.

Ob das Sinkloch nun eine direkte Folge der Bodendeformationen ist oder auf außergewöhnliche Belastungen infolge des LKW-Verkehrs zurückzuführen ist, ändert nichts an meiner Bewertung, dass der Rückgang der Seismizität und die Verlangsamung der Bodenhebung kein Grund dafür sind, anzunehmen, die wachsende Gefahr eines stärkeren Erdbebens oder Vulkanausbruchs sei gebannt.

Philippinen: Starker Erdbebenschwarm im Süden

Starke Erdbebensequenz erschüttert Moro-Golf vor Mindanao auf den Philippinen

Datum: 28.01.2026 | Zeit: 06:47:01 UTC | Koordinaten 6.475 ; 123.795 | Tiefe: 10 km | Mw 5,9

Nach Daten des EMSC (European-Mediterranean Seismological Centre) ereignete sich am 28. Januar 2026 um 06:47 UTC im philippinischen Moro-Golf vor der Insel Mindanao ein Erdbeben der Magnitude 5,9. Das Hypozentrum lag in rund 10 Kilometern Tiefe bei den Koordinaten 6,475° Nord und 123,795° Ost. Das Epizentrum befand sich etwa 97 Kilometer süd-südwestlich von Cotabato sowie 30 Kilometer west-südwestlich von Kalamansig. Das Beben war der stärkste Stoß einer ungewöhnlich intensiven Serie weiterer Beben, darunter mehrere Ereignisse mit Magnituden zwischen 5,0 und 5,7. Der Schwarm begann bereits vor 10 Tagen, intensivierte sich in den letzten 24 Stunden aber signifikant. Insgesamt wurden bis jetzt 119 Beben registriert. An gleicher Stelle hatte es im November 2024 bereits ein sehr starkes Erdbeben Mw 7,1 in der ungewöhnlichen Tiefe von 620 Kilometern gegeben.

Philippinen. © EMSC/Leaflet

Die aktuellen Erschütterungen wurden in weiten Teilen des südwestlichen Mindanao deutlich wahrgenommen. Augenzeugen berichteten von schwankenden Möbeln, klirrenden Fenstern und grollenden Geräuschen sowie einem kurzzeitigen Stromausfall, von dem einzelne Gemeinden betroffen waren.

In Küstenorten wie Kalamansig und Palimbang verließen zahlreiche Menschen aus Angst vor möglichen Nachbeben oder einem Tsunami vorsichtshalber ihre Häuser und hielten sich im Freien auf oder flüchteten auf höher gelegenem Gelände. Offizielle Tsunamiwarnungen wurden nicht ausgegeben. Bestätigte Berichte über größere Sachschäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor, dennoch war die Verunsicherung in der Bevölkerung groß, da sich die Erdstöße über viele Stunden hinweg fortsetzten.

Seismologen ordnen das Ereignis als intensive Nachbebenserie mit schwarmähnlichem Charakter ein. Zwar hebt sich das Beben der Magnitude 5,9 als Hauptstoß ab, doch die Vielzahl vergleichsweise starker Folgebeben ist ungewöhnlich und deutet auf ein komplexes Muster hin. Tektonisch liegt der Moro-Golf in einer seismisch besonders aktiven Region, in der die Philippinische Seeplatte mit den Molukken- und Celebes-Mikroplatten – die der Sunda-Platte vorgelagert sind – aufeinandertreffen. Subduktionsprozesse entlang des Cotabato-Graben, bei dem eine Erdplatte in den Erdmantel abtaucht, dürften die treibende Kraft hinter der Erdbebensequenz sein.

In der Region gibt es zahlreiche aktive Vulkane, wie jene des Sangihe-Inselbogens und der Molukken. Besonders der Karangetang könnte durch die Erdbeben zu Eruptionen angeregt werden.

Die zuständigen Behörden beobachten die Lage weiterhin aufmerksam und rufen die Bevölkerung zur Vorsicht auf, insbesondere im Hinblick auf mögliche Nachbeben.

Island: Erdbebenschwarm im Hengill System

Erdbebenschwarm bei Lambafell erschüttert Region westlich von Þrengslin auf Island-  stärkstes Beben M 3,0

Das Erdbeben der Magnitude 3,0, welches heute Nacht um 02:01 Uhr die Region bei Lambafell im Hengill-System auf Reykjanes getroffen hat, war der bislang stärkste Stoß eines anhaltenden Erdbebenschwarms. Der Erdstoß war stark genug, um von Anwohnern am Rand der nahen Hauptstadtregion verspürt zu werden. Seit Beginn der Aktivität gegen 16:30 Uhr am 27. Januar wurden inzwischen mehr als 200 Erschütterungen registriert – Tendenz anhaltend.

Erdbebenschwarm Island

Erdbebenschwärme sind in diesem Gebiet kein ungewöhnliches Phänomen. Die betroffene Region liegt auf der Reykjanes-Halbinsel, einem der geologisch aktivsten Gebiete Islands. Hier verläuft ein Teil des Mittelatlantischen Rückens, an dem die Nordamerikanische und Eurasische Platte auseinanderdriften. Diese kontinuierliche Dehnung der Erdkruste führt regelmäßig zu Spannungsaufbau und -abbau in Form von Erdbeben entlang von Störungszonen.

Die Ursache hinter dem aktuellen Erdbebenschwarm ist nicht zur Gänze geklärt. Es könnte sich um rein tektonisch bedingte Erdbeben handeln und mit dem oben beschriebenen Spannungsabbau im Zusammenhang stehen. Darüber hinaus beherbergt die Reykjanes-Halbinsel mehrere aktive Vulkansysteme, und in den vergangenen Jahren kam es hier wiederholt zu magmatischen Intrusionen und Eruptionen. In Vulkanregionen stehen Schwarmbeben entlang von Störungen oft von magmatischen Fluiden ausgelöst. Es kann sich aber auch genauso gut um vulkanotektonische Beben handeln, die direkt von Fluidbewegungen ausgelöst werden, ohne dass Störungszonen involviert werden. Als Drittes ist auch die Einflussnahme des nahen Geothermalkraftwerks Hellisheiði eine mögliche Ursache, indem man mit hohem Druck Wasser in Bohrungen verpresst.

Nach aktuellem Stand besteht an dieser Stelle keine akute Gefahr und ein sich anbahnender Vulkanausbruch gilt als unwahrscheinliches Szenario. Anders sieht es an einem anderen Geothermalkraftwerk auf Reykjanes aus: Unter Svartsengi gibt es eine große Magmaansammlung bei anhaltendem Druckaufbau. Entsprechend groß ist das Eruptionsrisiko. Allerdings flachte die Kurve der Bodenhebungsgeschwindigkeit in den letzten Tagen merklich ab und es sieht beinahe so aus, als würde die Inflation stoppen, wodurch das Ausbruchsrisiko abnimmt. Der vermeintliche Rückgang der Hebegeschwindigkeit könnte aber auch auf Messungenauigkeiten zurückzuführen sein. Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich der Trend bestätigt.

Kilauea: Erdbeben Mb 4,5 bei Pāhala

Erdbeben erschüttert Kilauea auf Hawaii – Magmatische Prozesse tief unter Pāhala

Am späten Montagabend wurde die Insel Hawaii von einem deutlich spürbaren Erdbeben der Magnitude 4,5 erschüttert. Laut Angaben vom HVO registrierten die Seismometer um 23:37 Uhr Ortszeit einen Erdstoß, dessen Epizentrum rund drei Kilometer nordwestlich der Ortschaft Pāhala lag. Der Ort liegt auf der Küstenebene im Süden der Insel, am überseeischen Fuß des Vulkans. Der Erdbebenherd befand sich in etwa 33 Kilometern Tiefe. Erschütterungen waren auf der gesamten Insel zu spüren gewesen, teils bis in den Norden nach North Kohala. Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur wurden nicht gemeldet, auch eine Tsunami-Gefahr bestand nicht.

Erdbeben
Kilauea.© EMSC/ Leaflet

Trotz der moderaten Stärke erregte das Beben nicht nur bei den Anwohnern der Region Aufmerksamkeit, sondern auch bei Wissenschaftlern: Der Erdstoß gehört zu einem seit Jahren andauernden Schwarm tiefer Erdbeben unter der Region Pāhala, einer der seismisch aktivsten Regionen der Vulkaninsel. Nach Angaben des HVO begann diese ungewöhnliche Aktivität im Jahr 2015 und umfasst inzwischen zehntausende einzelne Erschütterungen. In den letzten 2 Jahren war die Aktivität allerdings rückläufig.

Die Ursache dieser tiefen Beben hängt nicht direkt mit den Eruptionen des Kilauea zusammen, steht aber dennoch in einem vulkanischen bzw. magmatischen Kontext: Die Erschütterungen reihen sich im Bereich der oberen Asthenosphäre und werden von aufsteigendem Magma verursacht, das ein tiefes Verteilerreservoir füllt, aus dem sowohl der Kilauea als auch der größere Mauna Loa gespeist werden.

Eine weitere Rolle bei der Entstehung moderater Erdbeben spielt vermutlich auch die enorme Last der hawaiischen Vulkane, die die Erdkruste nach unten biegt und Spannungen in großer Tiefe erzeugt. Dadurch können Gesteinsbrüche erfolgen, die sich in mittelstarken Erdbeben entladen.

Das HVO betont, dass das aktuelle Erdbeben keine erkennbaren Auswirkungen auf den derzeit pausierten Ausbruch im Halemaʻumaʻu-Krater des Kilauea oder auf den Mauna Loa hatte. Dennoch liefern die Ereignisse unter Pāhala wichtige Hinweise darauf, wie das vulkanische System Hawaiis in der Tiefe funktioniert – und warum selbst ruhige Phasen von mächtigen Kräften begleitet werden.

Teneriffa: Mehrere Erdbeben mit niedrigen Frequenzen detektiert

Niederfrequente Beben unter dem Teide auf Teneriffa: Routine oder Signale eines bevorstehenden Vulkanausbruchs?

Heute Nacht registrierten die seismischen Stationen auf Teneriffa eine Serie auffälliger Erdbebensignale, die sich bei genauerer Analyse als hybride Niederfrequenz-Erdbeben entpuppten. Die Beben manifestierten sich im westlichen Bereich der Caldera von Las Cañadas, die zum Massiv des Vulkans Teide gehört. Die Ereignisse traten in Phasen um 01:11, 03:44 und 07:52 UTC auf und umfassten mehrere schwache Signale Acht der Beben konnten eindeutig lokalisiert werden; ihre Herdtiefen lagen gebündelt zwischen 10 und 15 Kilometern – ein Bereich, der dem tiefen magmatischen System des Teide zugeordnet wird.

Teneriffa
Teneriffa. © IGN

Solche Hybrid- und Niedrigfrequenzsignale gelten als typisch für aktive Vulkansysteme. Sie entstehen meist durch das Zusammenspiel von Fluidbewegungen, Gasdruck und brüchigem Gestein in der Tiefe. Diese Art von Aktivität wird am Teide seit Jahren immer wieder beobachtet und vom Instituto Geográfico Nacional (IGN) eng überwacht. Nach aktuellem Kenntnisstand deuten die heutigen Beben nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption, sondern auf fortlaufende innere Prozesse eines aktiven, aber stabilen Vulkansystems hin.

Ein Blick auf die vergangene Woche ordnet die heutigen Ereignisse ein. Zwischen dem 16. und 23. Januar 2026 wurden im gesamten Archipel 24 schwache Erdbeben registriert. Das stärkste erreichte eine Magnitude von 2,9 und ereignete sich am 20. Januar auf El Hierro. Die insgesamt freigesetzte seismische Energie betrug 0,20 Gigajoule. Die Beben verteilten sich vor allem auf Teneriffa, Gran Canaria, El Hierro und La Palma.

Die vulkanischen Ampeln stehen für Teneriffa, El Hierro, Lanzarote und Gran Canaria weiterhin auf „Grün“. La Palma verbleibt aufgrund noch nicht vollständig normalisierter geophysikalischer und geochemischer Parameter nach dem Ausbruch von 2021 auf „Gelb“. Bodenverformungen wurden zuletzt nicht festgestellt. Gleichzeitig zeigen Messungen auf Teneriffa weiterhin erhöhte diffuse CO₂-Emissionen. Sie sind Ausdruck eines seit 2016 bekannten Druckprozesses im vulkanisch-hydrothermalen System. Dieser Druckaufbau gilt zwar als „normal“ für einen aktiven Vulkan, könnte letztendlich aber in einer Eruption gipfeln.

Erdbeben Mb 2,0 in Deutschland bei Darmstadt

Schwaches Erdbeben Mb 2,0 bei Darmstadt: Folgenloses Ereignis im aktiven Oberrheingraben

Datum: 26.01.2026 | Zeit: 19:43:40 UTC | Koordinaten 49.729 ; 8.626 | Tiefe: 5 km | Mb 2,0

Gestern Abend registrierten die seismologische Netzwerk Hessens ein schwaches Erdbeben der Magnitude 2,0. Das Epizentrum lag 16 Kilometer südlich von Darmstadt und 5 Kilometer nördlich von Bensheim. Die Herdtiefe betrug 5 Kilometer, was für eine tektonische Ursache des Bebens spricht. Es gab weder Schäden noch Wahrnehmungsmeldungen durch Anwohner der Region. Dennoch ist die Erschütterung von wissenschaftlichem Interesse.

Erdbeben Deutschland
Deutschland. © EMSC/Leaflet

Ein Erdbeben dieser Magnitude gilt als schwach, liegt aber deutlich über dem Definitionsbereich der Mikroseismizität, in dem sich die meisten Erschütterungen in Deutschland bewegen. In der Regel werden solche Ereignisse nur von empfindlichen Seismometern in ruhiger Umgebung erfasst. Vereinzelt können Menschen in unmittelbarer Nähe ein kurzes Vibrieren oder ein dumpfes Grollen wahrnehmen, meistens wird so ein schwaches Ereignis gar nicht bemerkt. Entsprechend ist das Ausbleiben von Wahrnehmungsberichten kein ungewöhnlicher Befund.

Tektonisch liegt das Epizentrum am Ostrand des Oberrheingrabens, einer der seismisch aktivsten Zonen Deutschlands. Der Oberrheingraben entstand vor etwa 35 bis 45 Millionen Jahren durch eine Dehnung der Erdkruste. Dabei bildeten sich zahlreiche Störungszonen, die bis heute aktiv sind. Obwohl Deutschland weit entfernt von Plattengrenzen liegt, wirken sich großräumige Spannungen aus der fortdauernden Kollision der Afrikanischen mit der Europäischen Platte bis in diese Region aus und führen immer wieder zu kleineren Erdbeben.

Südhessen zählt deshalb zu den Gebieten, in denen regelmäßig schwache Erdbeben auftreten. Die meisten Beben bleiben unter Magnitude 3 und sind harmlos. Historisch zeigt sich jedoch, dass der Oberrheingraben grundsätzlich auch stärkere Beben erzeugen kann. Das bekannteste Beispiel ist das Basler Erdbeben von 1356 mit einer geschätzten Magnitude von über 6, das schwere Zerstörungen verursachte. Solche Ereignisse sind jedoch äußerst selten.

Das aktuelle Beben bei Darmstadt ordnet sich somit in die normale seismische Aktivität der Region ein. Es zeigt, dass Erdbeben auch in Deutschland zum natürlichen Geschehen eines dynamischen Planeten gehören – meist jedoch in einer Stärke auftreten, die keine Gefahr für Menschen oder Infrastruktur darstellt.