Äthiopien: Erdbeben Mb 4,8 im Afar-Dreieck

Erdbeben in Ost-Äthiopien: Ein weiteres Signal aus dem aufreißenden Afar-Dreieck

Ein Erdbeben der Magnitude 4,8 hat am Morgen des 7. Januar 2026 die Afar-Region im Osten Äthiopiens erschüttert. Das Epizentrum lag rund 13 Kilometer westnordwestlich des Ortes Gelemso. Die Herdtiefe wurde vom EMSC mit 10 Kilometern angegeben. Schäden wurden bislang nicht gemeldet, doch das Beben reiht sich ein in eine Serie dynamischer Ereignisse, die zeigen: Der Untergrund der Region ist alles andere als stabil.

Äthiopien. © EMSC/Leaflet

Das betroffene Gebiet liegt am östlichen Rand des Main Ethiopian Rift, der wiederum – nicht ganz so untrennbar, wie es scheint – mit dem Afar-Dreieck verbunden ist. Hierbei handelt es sich um eine der geologisch aktivsten Regionen der Erde. Hier treffen drei große Riftzonen aufeinander: der Ostafrikanische Graben, der Rote-Meer-Graben und der Golf-von-Aden-Graben. Afrika wird in diesem Bereich buchstäblich auseinandergezogen. Die Erdkruste ist stark ausgedünnt, heiß und von Störungszonen durchzogen.

Besonders ist, dass diese Dehnung nicht nur durch tektonische Brüche erfolgt, sondern zu einem großen Teil mit magmatischen Prozessen gekoppelt ist: Magma steigt aus dem oberen Mantel auf und dringt als sogenannte Gänge (Dykes) seitlich in die Kruste ein. Dieses Zusammenspiel aus Magmenbewegung und tektonischer Spannung bezeichnet man als vulkanotektonisches Rifting.

Wie aktiv dieses System ist, zeigte sich bereits vor etwa einem Jahr. Damals berichtete Vnet mehrfach über Gangintrusionen im Afar-Dreieck, insbesondere im Bereich des Awash-Beckens zwischen den Vulkanen Fentale und Dofen. Satellitendaten belegten deutliche Bodenhebungen, begleitet von intensiven Erdbebenschwärmen und Rissbildungen. Teilweise erreichten die Beben Magnituden über 5. Zudem kam es zu hydrothermalen Explosionen.

Das aktuelle Erdbeben unterscheidet sich insofern, als es keinen unmittelbaren Hinweis auf eine neue Magmaintrusion gibt. Dennoch steht es im gleichen geodynamischen Kontext. Nach Phasen magmatischer Aktivität folgen häufig Zeiträume, in denen sich verbliebene Spannungen tektonisch entladen. Sollten an gleicher Stelle weitere Beben auftreten, könnte auch Magma wieder seine Finger im Spiel haben.

Für die Bevölkerung sind solche Erdbeben meist wenig erfreulich, für Geowissenschaftler jedoch wertvolle Indikatoren. Sie zeigen, dass der Prozess der kontinentalen Aufspaltung unvermindert anhält. Langfristig betrachtet könnte hier ein neuer Ozean entstehen. Kurzfristig bleibt das Afar- und Rift-System jedoch eine Region, in der Erde, Magma und Spannung immer wieder spürbar in Bewegung geraten.

Philippinen: Starkes Erdbeben Mw 6,4 vor Mindanao

Philippinen von starkem Erdbeben Mw 6,4 erschüttert – Epizentrum vor der Ostküste von Mindanao

Datum: 07.01.2026 | Zeit: 03:02:58 UTC | Koordinaten 7.379 ; 126.805 | Tiefe: 53 km | Mw 6,4

Am 7. Januar 2026 wurde der Süden der Philippinen von einem starken Erdbeben der Magnitude 6,4 erschüttert. Das Beben ereignete sich um 03:02:58 UTC (11:02 Uhr Ortszeit) und hatte sein Epizentrum vor der Ostküste Mindanaos, rund 80 Kilometer nordöstlich der Stadt Mati und 34 Kilometer nordöstlich von Manay in der Provinz Davao Oriental. Der Erdbebenherd lag in etwa 53 Kilometern Tiefe, was auf ein sogenanntes Subduktionsbeben in mittlerer Tiefe hinweist.

Philippinen. © EMSC/Leaflet

Das Erdbeben wurde in weiten Teilen östlichen und zentralen Mindanaos deutlich gespürt. Bebenzeugen berichteten von schwankenden Gebäuden und kurzzeitigem Stillstand des öffentlichen Lebens. Zahlreiche Menschen verließen panikartig die Gebäude aus Angst vor einstürzenden Bauten. Trotz der vergleichsweise hohen Magnitude blieben größere Schäden bislang aus. Die zuständigen Behörden meldeten keine Todesopfer und keine schwer beschädigte Infrastruktur. Aufgrund der Tiefe des Hypozentrums gab es keine Tsunami-Warnung.

Geowissenschaftler erklären die Ursache des Bebens mit der Subduktion der Philippinischen Seeplatte, die entlang des Philippinengrabens unter Mindanao abtaucht. Dabei kam es zu Spannungen im abtauchenden Teil der Platte, die sich in dem Beben lösten.

Die Philippinen liegen im Pazifischen Feuerring, einer der weltweit aktivsten tektonischen Zonen. Erdbeben dieser Stärke sind in der Region nicht ungewöhnlich, können jedoch aufgrund der Bevölkerungsdichte erhebliche Risiken bergen. Die größere Herdtiefe des aktuellen Bebens trug dazu bei, dass die Erschütterungen zwar weitreichend, an der Oberfläche jedoch weniger zerstörerisch waren.

Nach dem Hauptbeben warnten Experten vor möglichen Nachbeben, die in den folgenden Tagen auftreten könnten. Die Bevölkerung wurde aufgerufen, beschädigte Gebäude zu meiden und Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Tatsächlich wurden bereits mehrere Nachbeben registriert.

In der Umgebung befinden sich mehrere potenziell aktive Vulkane, darunter Mount Apo, Mount Parker und Mount Matutum. Kanlaon, Mayon und Taal liegen weiter weg, aber nicht im theoretischen Wirkungskreis des Erdbebens. Auch wenn es als unwahrscheinlich angesehen wird, dass das Erdbeben unmittelbare Auswirkungen auf deren Aktivität hat, ist es nicht völlig auszuschließen.

Das Ereignis erinnert dennoch eindrücklich an die anhaltende seismische Gefährdung der Philippinen – und an die Bedeutung funktionierender Frühwarnsysteme und erdbebensicherer Bauweise in einer der dynamischsten Regionen der Erde.

Island: 115 Erdbeben innerhalb von 2 Tagen

Zahlreiche Beben auf Island und speziell Reykjanes registriert – stärkstes Beben Mb 3,0

Auf Island hat es innerhalb von 48 Stunden 115 Erschütterungen gegeben. Die meisten davon auf der Reykjaneshalbinsel, wo 72 Erschütterungen registriert wurden – nur 2 der Beben trafen das Svartsengigebiet, wo die Bodenhebung mit ca. 1 mm pro Tag weitergeht und nach wie vor ein Vulkanausbruch jederzeit einsetzen könnte. Das stärkste Beben mit einer Magnitude von 3,0 (EMSC) manifestierte sich vor der Südwestspitze von Reykjanes, nahe der kleinen Insel Eldey.

Island. © EMSC/Leaflet

Viele der Erdbeben gab es bei Krysuvik und anderen Spaltensystemen auf Reykjanes. In den letzten Tagen wurde auch vermehrt die Gegend um Selfoss im Süden der Hauptinsel erschüttert. Obwohl die Hekla nicht fern ist, werden diese Beben tektonischen Ursprungs gewesen sein, denn in der Region gibt es markante Störungszonen.

Einige Erschütterungen wurden im Bereich der Askja detektiert, wo die Bodenhebung wahrscheinlich ebenfalls anhält, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als zu Beginn der Hebungsphase in 2021. Auch hier könnte es ohne langes Vorspiel zu einer Eruption kommen.

Ein wenig aus dem Fokus geraten ist die Seismizität im Bereich des Grjotarvatn bei Borganes am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel Hier ereigneten sich binnen 2 Tagen 13 Erschütterungen. Seit einiger Zeit vermuten Geoforscher, dass hier das Ljósufjöll-Vulkansystem zu neuem Leben erwachen könnte, da hier neben den Erdbeben auch eine leichte Bodenhebung festgestellt wurde.

Weitere Kandidaten potenzieller Eruptionen auf Island sind Grimsvötn und Bardarbunga – beide liegen unter dem Vatnajökull – sowie Katla unter dem Myrdalsjökull und die westlich davon gelegene Hekla. Doch bei keinem der genannten Vulkane sind die Anzeichen eines bevorstehenden Ausbruchs so ausgeprägt wie bei Svartsengi und der Sundhnukur-Kraterreihe, wo man das 10. Ereignis seit 2023 erwartet. Bis zum Herbst war ich mir sicher, dass zeitnah ein Ausbruch erfolgen wird, doch mit der Abnahme der Bodenhebegeschwindigkeit ist diesbezüglich eine gewisse Unsicherheit eingekehrt. Wenn der Druck im Speichersystem zu langsam ansteigt, besteht die Möglichkeit, dass die nötige Schwelle zum Einsetzen einer Eruption nicht erreicht wird.

Japan: Erdbeben Mw 5,7 im Westen von Honshu

Starkes Erdbeben erschüttert West-Honshu in Japan – keine Tsunami-Warnung, aber erhöhte Wachsamkeit empfohlen

Datum: 06.01.2026 | Zeit: 01:18:48 UTC | Koordinaten  35.321 ; 133.124 | Tiefe: 10 km | Mw 5,7

Der Westen der japanischen Hauptinsel Honshu wurde am Dienstagmorgen von einem starken Erdbeben der Magnitude 5,7 erschüttert. Der Erdstoß ereignete sich um 10:18 Uhr Ortszeit (01:18 UTC) in einer Region 19 km westlich von Matsue, nahe der Küste des Japanischen Meeres. Das Epizentrum lag bei  den Dezimal-Koordinaten 35.321 ; 133.124, die Herdtiefe betrug zehn Kilometer.  Der Erdstoß wurde nicht nur deutlich gespürt, sondern ließ Gebäude stark schwanken. Größere Schäden wurden bis jetzt nicht gemeldet.

Japan. © EMSC/Leaflet

Das Beben war in weiten Teilen der Präfektur Shimane sowie in angrenzenden Regionen spürbar. In Matsue, rund 19 Kilometer nordnordwestlich des Epizentrums, berichteten Anwohner von deutlich schwankenden Gebäuden und herabfallenden Gegenständen. Auch in Fukuyama, knapp 100 Kilometer entfernt, wurde das Erdbeben noch wahrgenommen. Eine Tsunami-Warnung wurde nicht ausgegeben, da das Hypozentrum an Land lag.

Tektonisch liegt das betroffene Gebiet in einer komplexen Übergangszone. Während große Teile Japans durch die Subduktion der Pazifischen Platte und der Philippinischen Meeresplatte geprägt sind, dominieren im Westen Honshus vor allem intraplattennahe Störungszonen innerhalb der Eurasischen (bzw. Amur-)Platte. Das relativ junge Japanische Meer öffnete sich, und alte Krustenbrüche werden bis heute reaktiviert. Erdbeben in dieser Region entstehen daher häufig durch seitliche Verschiebungen entlang solcher Störungen und nicht ausschließlich durch klassische Subduktionsprozesse.

Historisch ist West-Honshu zwar weniger bekannt für Mega-Beben als der pazifische Küstenraum, blieb jedoch keineswegs verschont. Besonders in Erinnerung ist das Erdbeben von 1872 in der Region Hamada (ebenfalls Präfektur Shimane), das schwere Zerstörungen verursachte und tausende Opfer forderte. Auch im 20. und 21. Jahrhundert kam es wiederholt zu moderaten, aber lokal schadensträchtigen Beben. Das aktuelle Ereignis reiht sich somit in eine lange seismische Geschichte ein und unterstreicht, dass selbst abseits der großen Subduktionszonen Japans ein erhebliches Erdbebenrisiko besteht.

Auffällig ist, dass es in den letzten 24 Stunden entlang des Kamtschatka-Kurilengrabens und entlang des Japangrabens mehrere mittelstarke Erdbeben gab.

Vesuv: Ungewöhnlich starker Erdbebenschwarm am 05. Januar

Vesuv startet mit Schwarmbeben ins neue Jahr – fast 90 Beben innerhalb weniger Stunden

Der italienische Vulkan Vesuv startete mit einer ungewöhnlich starken Schwarmbebensequenz ins neue Jahr und generierte innerhalb weniger Stunden fast 90 schwache Erdbeben in geringen Tiefen unter seinem Gipfelbereich. Die stärkste Erschütterung hatte eine Magnitude von 1,6 und ein Hypozentrum in nur 400 m Tiefe unter Normalnull. Die meisten der stärkeren Erdbeben mit Magnituden über 1,0 manifestierten sich im nördlichen Kraterbereich bzw. unter der Nordflanke des Gran Cono.



Vesuv. © INGV

Die bis dato fast jungfräuliche Shakemap des INGV für 2026 – auf der bis zum Beginn des Erdbebenschwarms am Abend des 4. Januars um 23:12:18 nur 6 Beben eingetragen waren – präsentiert sich inzwischen mit einem respektablen Cluster, der aus 93 Beben besteht. 87 der Beben entfallen auf das aktuelle Schwarmbeben, das bis heute Vormittag anhielt.

Für gewöhnlich sagen die INGV-Vulkanologen des Observatoriums Neapel, dass es sich bei den Erdbeben am Vesuv um Setzungserdbeben handelt, die infolge gravitativer Kräfte und einer weiteren Schrumpfung infolge von Abkühlung der Schlotfüllung des Vesuvs entstehen. In den letzten Wochen gab es aber auch Hybridbeben, die auf die Zirkulation magmatischer Fluide schließen lassen. Von daher ist es durchaus möglich, dass der aktuelle Erdbebenschwarm vulkanotektonischen Ursprungs ist und durch Mikrofragmentierung der Gesteine infolge von Fluidaufstieg entstanden ist. Eine genaue Analyse der Daten von Seiten der zuständigen Vulkanologen und Seismologen steht allerdings noch aus. Spätestens im Monatsbulletin für Januar sollte darüber zu lesen sein. Vielleicht schaffen es einige Infos noch in die Dezember-Ausgabe, die in den nächsten Tagen erscheinen sollte.


In meinen Augen zeichnet sich eine langsame Umkehr des Trends ab, der mit Subsidenz und Schrumpfung des Vesuvs einhergeht. Ein Indiz hierfür ist, dass vor gut einem Jahr die Bodenabsenkung am unteren Flankenbereich des Vulkans aufhörte Mich würde es nicht wundern, wenn dieser subsidiäre Trend in den nächsten Monaten auch für den Bereich des Gran Cono zum Erliegen käme und es dann zu einer langsamen Aufblähung/Erwärmung des magmatischen Systems käme.

Italien: Schwarmbeben am Rand des Apennin

Erdbebenschwarm erschüttert zentrales Italien – stärkstes Beben mit Magnitude 3,8

Heute Nacht ist es in Zentralitalien zu einem Erdbebenschwarm gekommen, der sich aus mehr als 20 Erschütterungen zusammensetzt. Das stärkste Beben ereignete sich um 02:31 Uhr Ortszeit (01:31 UTC) mit einer Magnitude von 3,8. Das Epizentrum lag rund 14 Kilometer süd-südwestlich von Mogliano in der Region Marche, östlich des Hauptkamms der Apenninen. Die restlichen Erschütterungen hatten Magnituden zwischen 2,0 und 3,3. Die Tätigkeit erstreckte sich über mehrere Stunden. Die Hypozentren lagen dabei auffallend konstant in 21 bis 26 Kilometern Tiefe, was auf die Aktivierung einer tiefer liegenden Störungszone hindeutet.

Italien: © EMSC/Leaflet

Das stärkste Beben wurde in weiten Teilen der Provinzen Macerata und Fermo deutlich gespürt. Berichte über größere Schäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor. Die vergleichsweise große Tiefe der Erdbeben wirkte dämpfend auf die Bodenerschütterungen, auch wenn einzelne Stöße von der Bevölkerung als deutlich wahrgenommen wurden.

Seismologen sprechen von einem klassischen Erdbebenschwarm, da kein einzelnes Vor- oder Nachbeben klar dominiert, sondern viele ähnlich starke Ereignisse in engem Raum und kurzer Zeit auftreten. Die Epizentren konzentrieren sich in einem nur wenige Kilometer großen Gebiet bei etwa 43,08° nördlicher Breite und 13,40° östlicher Länge.

Solche Schwärme sind im zentralen Apennin nicht ungewöhnlich und stehen in Zusammenhang mit der anhaltenden Dehnung der Erdkruste in dieser Region.

Tektonischer Hintergrund: Das Gebirge wird auseinandergezogen

Zentralitalien liegt im Spannungsfeld zwischen der Adria-Mikroplatte und der Eurasischen Platte. Während die Apenninen ursprünglich durch Zusammenstöße und Subduktion entstanden, dominiert heute ein gegenteiliger Prozess: Extension.

Die Erdkruste wird hier gedehnt, weil sich die ehemals subduzierte Lithosphäre unter Italien nach Osten zurückzieht. In der Folge entstehen Abschiebungen, entlang derer sich die Erdkruste ruckartig bewegt – der typische Mechanismus für Erdbeben in dieser Region.

Auch der aktuelle Schwarm wird sehr wahrscheinlich durch eine solche Normalstörung verursacht, die tief in der kontinentalen Kruste aktiv ist.

Das betroffene Gebiet gehört zu den seismisch aktivsten Zonen Italiens. In den vergangenen Jahrzehnten kam es hier wiederholt zu starken Erdbeben, darunter die Ereignisse von 1997 (Umbrien–Marche) sowie die Erdbebenserie 2016–2017 in Mittelitalien.

Ob der aktuelle Schwarm bereits abgeschlossen ist oder weitere Erschütterungen folgen, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Erfahrungsgemäß können solche Serien stunden- bis tagelang andauern, ohne zwangsläufig in ein größeres Beben überzugehen.

Die Behörden riefen die Bevölkerung zur Ruhe auf, empfehlen jedoch – wie in seismisch aktiven Gebieten üblich – Aufmerksamkeit und die Einhaltung grundlegender Vorsichtsmaßnahmen.

Äthiopien: Erdbeben Mb 4,5 am Afar-Dreieck

Mittelstarkes Erdbeben Mb 4,5 erschüttert Randstörung im äthiopischen Afar-Dreieck

Datum: 04.01.2026 | Zeit: 20:05:35 UTC | Koordinaten 13.588 ; 39.782 | Tiefe: 10 km | Mb 4,5

Nachdem es aus seismischer Sicht in den letzten Wochen recht ruhig um das äthiopische Afar-Dreieck bestellt war, manifestierte sich gestern ein mittelstarkes Erdbeben der Magnitude 4,5 am Westrand des Afar-Dreiecks. Die Herdtiefe wird vom EMSC mit 10 Kilometern angegeben, was darauf hindeutet, dass das Hypozentrum nicht genau lokalisiert werden konnte. Das Epizentrum befand sich 35 km ost-nordöstlich von Mekele, das früher als Tor zum Vulkan Erta Alé galt, aufgrund von bürgerkriegsähnlichen Unruhen vor einigen Jahren aber seine Bedeutung verlor.

Afar-Dreieck. © EMSC/Leaflet

Der Erdstoß gestern mag an die Ereignisse von vor einem Jahr erinnern, als es in der Awash-Region des Afar-Dreiecks zu massiven Gangintrusionen zwischen den Vulkanen Fentale und Dofen gekommen war, doch einen direkten Zusammenhang zwischen den Ereignissen damals und dem Beben gestern gibt es nicht. Das aktuelle Beben ereignete sich an der westlichen Schulterstörung des Ostafrikanischen Grabenbruchs, der sich kurz vor der Kreuzung mit den Störungen des Roten Meeres zum Afar-Dreieck weitet. Dennoch deutet das Beben auf weiterhin vorhandene Spannungen im Untergrund hin, die mit der Öffnung des Riftvalleys und der Geburt eines neuen Ozeans zusammenhängen, ein Prozess, der letztendlich auch für die Gangintrusionen verantwortlich ist, denn die Extension der Region bedingt, dass die entstandenen Lücken entlang der Spalten mit Magma verfüllt werden, ähnlich wie es entlang der Mittelozeanischen Rücken geschieht.

In diesem Sinne kann man sagen: Wo Magma ist, ist ein Vulkanausbruch nicht fern. Nach der Explosion am Hayli Gubbi Ende November, die mutmaßlich von Lava verursacht wurde, die ausgehend vom Erta Alé unterirdisch abfloss, ist in der Region keine Schmelze oberflächlich ausgetreten. Dennoch verzeichnet MIROVA immer wieder schwache bis moderate thermische Anomalien am Dofen und gelegentlich auch am Fentale. Hier könnten heiße Gase für die Wärmeabstrahlungen verantwortlich sein, die von den Gangintrusionen ausgehen.

Montagne Pelée: Schwarmbeben mit 110 Erschütterungen

Erdbebenschwarm am Montagne Pelée – Starkes tektonisches Beben vor der Küste sorgt für Aufmerksamkeit

Der Montagne Pelée verstärkte in den letzten Tagen die seismische Aktivität signifikant. Messungen des Observatoire Volcanologique et Sismologique de la Martinique (OVSM) zufolge wurden innerhalb einer Woche 119 vulkanotektonische Erdbeben registriert – mehr als doppelt so viele wie in der Vorwoche. Die Entwicklung wird von Geoforschern als Teil der seit mehreren Jahren anhaltenden Reaktivierungsphase des Vulkans eingeordnet.

Der Montagne-Pelée

Der überwiegende Teil der Ereignisse bestand aus flachen vulkanotektonischen Erdbeben, die in Tiefen zwischen 1,0 und 1,4 Kilometern unterhalb des Gipfels lokalisiert wurden. Diese Beben entstehen durch Mikrorissbildung im Gestein, ausgelöst durch Spannungsänderungen im Vulkangebäude. Das stärkste Ereignis des Schwarms erreichte eine Magnitude von 1,1. Zusätzlich registrierte das OVSM mehrere hybride Erdbeben, die auf die Zirkulation von Gasen und hydrothermalen Fluiden im Inneren des Vulkans hinweisen.

Die Erschütterungen blieben schwach und wurden von der Bevölkerung nicht wahrgenommen. Dennoch beobachten die Wissenschaftler die Entwicklung aufmerksam: In den vergangenen vier Wochen wurden insgesamt 252 vulkanische Erdbeben gezählt, was ein typisch während Aufheizungsphasen ist.

Starkes Erdbeben vor der Küste – kein direkter Zusammenhang

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt die Region durch ein deutlich stärkeres Erdbeben der Magnitude 5,7, das sich am Freitagabend, dem 2. Januar 2026, ereignete. Das Epizentrum lag rund 59 Kilometer nordöstlich von Trinity, vor der Küste der Insel, in einer Tiefe von 32 Kilometern. Das Beben war tektonischen Ursprungs und steht im Zusammenhang mit der aktiven Plattengrenze der Kleinen Antillen, an der die Atlantische Platte unter die Karibische Platte abtaucht.

In den betroffenen Gebieten wurde eine starke Erschütterung (Intensität V) gemessen, lokal könnten – abhängig von den Bodenverhältnissen – sogar Intensitäten bis VI oder VII erreicht worden sein. Schäden wurden bislang nicht gemeldet.

Nach Einschätzung von Seismologen besteht kein direkter Zusammenhang zwischen diesem tektonischen Erdbeben und dem vulkanischen Erdbebenschwarm am Montagne Pelée. Während der Schwarm sehr flach im Vulkangebäude entstand, lag das stärkere Beben deutlich tiefer in der Erdkruste und folgt einem anderen geologischen Mechanismus.

Warnstufe bleibt unverändert

Die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Eruption des Montagne Pelée wird weiterhin als gering eingeschätzt. Dennoch schließen die Experten angesichts der langfristigen Entwicklung eine Veränderung der Situation im mittelfristigen Zeitraum – über Wochen oder Monate – nicht aus. Die vulkanische Warnstufe bleibt auf GELB (Wachsamkeit).

Behörden und Wissenschaftler betonen, dass sowohl tektonische Erdbeben als auch vulkanische Unruhe charakteristische Begleiterscheinungen dieser geodynamisch aktiven Region sind. Die Lage wird kontinuierlich überwacht, weitere Einschätzungen veröffentlicht das OVSM in seinen monatlichen Bulletins.

Teneriffa: Erdbeben Mb 2,4 in geringer Tiefe

Erdbeben Mb 2,4 erschütterte den Teide auf Teneriffa – 50 Erdbeben auf Wochensicht

Am Vulkan Pico del Teide auf Teneriffa ereignete sich gestern Abend um 18:15:59 Uhr ein Erdbeben der Magnitude 2,4. Die Herdtiefe lag auf Niveau des Meeresspiegels unter dem Vulkan. Das Epizentrum befand sich südwestlich des Pico del Teide innerhalb der Caldera las Cañadas, im Bereich des Pico Viejo, wo es zuletzt 1790 zu einer Eruption gekommen war. Auch im Verlauf der letzten Woche war die Erdbebenaktivität auf Teneriffa und den Kanarischen Inseln hoch.

Teneriffa. © EMSC/Leaflet

Den jüngsten Berichten von INVOLCAN/Guayota ist zu entnehmen, dass es in der letzten Woche des Jahres 2025 und in den ersten beiden Tagen des neuen Jahrs (Beobachtungszeitraum 26.12.2025–02.01.2026) zu 50 Erschütterungen auf und um Teneriffa gekommen ist. Das stärkste Beben war das oben aufgeführte der Magnitude 2,4. Das Beben stand vermutlich mit dem langsamen Aufheizungsprozess des Pico del Teide in Verbindung, denn auf Teneriffa zeigten sich weiterhin vulkanische Entgasungen und Bodenaufblähungen, die auf ein aktives vulkanisch-hydrothermales System unter der Caldera des Teide hinweisen. Besonders die erhöhten Kohlendioxidemissionen (CO₂) lassen auf einen anhaltenden Druckprozess schließen, der seit 2016 beobachtet wird. Bodenverformungen blieben zwar auf einem moderaten Niveau ohne signifikante Abweichungen, dennoch wird die Situation weiterhin genau überwacht.

Das stärkste Erdbeben der Woche ereignete sich am Montag, den 29. Dezember 2025, auf der Insel El Hierro. Mit einer Magnitude von 3,5 war dieses Beben spürbar und Teil einer Reihe kleinerer Erdstöße, die auf eine magmatische Bewegung unter der Insel hindeuten. Insgesamt registrierte das kanarische seismische Netzwerk in den letzten sieben Tagen 69 Erdbeben geringer Stärke, verteilt auf die Inseln Teneriffa, Gran Canaria, El Hierro und La Palma.

Auf La Palma sind die vulkanischen und geophysikalischen Parameter weiterhin nicht vollständig zur Normalität zurückgekehrt, weshalb die Warnstufe auf Gelb verbleibt. Die Seismizität auf der Insel ist zwar gering und deutlich niedriger als während des Ausbruchs 2021, doch werden die Entwicklungen von den Behörden genau beobachtet.

Die übrigen Inseln Lanzarote, Gran Canaria, Teneriffa und El Hierro zeigen derzeit grüne Warnstufen, sodass für Bewohner und Besucher keine Einschränkungen bestehen. Die moderate tektonische Aktivität, beispielsweise entlang der Störungszonen zwischen Teneriffa und Gran Canaria, ist weiterhin charakteristisch für den Archipel.