Vogtland: Starker Erdbebenschwarm in der Nacht

Starkes Schwarmbeben erschüttert Vogtland – Mehr als 1500 Erschütterungen detektiert

Die deutsch-tschechische Grenzregion im Vogtland wurde in der Nacht von Freitag auf Samstag von einem starken Erdbebenschwarm erschüttert, wobei sich erste Beben bereits am 20. März manifestierten. Insgesamt wurden mehr als 1500 Erschütterungen detektiert. Die meisten von ihnen waren sehr schwach, doch heute Morgen gab es auch drei Beben mit Magnituden im Zweierbereich, wobei der stärkste Erdstoß die Magnitude 2,3 aufwies. Nach diesen Beben, die von den Anwohnern gespürt werden konnten, ließ die Intensität des Schwarmbebens schnell nach. Die meisten Hypozentren lagen in Tiefen von ca. 9 Kilometern. Die Epizentren konzentrierten sich auf ein schmales Areal gut 3,5 Kilometer östlich des Ortes Luby, der auf deutschen Karten auch Schönbach genannt wird.

In der Region kommt es immer wieder zu Erdbebenschwärmen, deren Ursache nicht zur Gänze geklärt ist. Eine der gängigsten Theorien zu den Schwarmbeben hier ist, dass sie im Zusammenhang mit Fluidbewegungen auftreten, wobei es sich um Fluide magmatischen Ursprungs handeln soll. In der Region gibt es zahlreiche Quellen mit Mineral- und Thermalwasser und auch Mofetten, aus denen Kohlendioxid austritt. In den Gasen sind auch unterschiedliche Helium-Isotope vorhanden, deren Verhältnis zueinander auf einen magmatischen Ursprung hindeutet.

In den letzten Jahrzehnten gab es immer wieder Phasen intensiver seismischer Aktivität. Am bekanntesten sind die Phasen von 1985/86 und den Nuller Jahren des neuen Jahrtausends. Damals lagen die Hypozentren fast doppelt so tief wie heute, was darauf hindeutet, dass sich die Fluide weiter Richtung Oberfläche verlagern. Außerdem migrierten auch die Epizentren.

Dieses Jahr scheint sich die Aktivität zu verstärken, denn es gab bereits zu Jahresanfang mehrere Schwarmbeben, nicht nur bei Luby, sondern auch im deutschen Klingenthal. Hier kam es zuletzt in der ersten Märzwoche zu einem Schwarmbeben.

Obwohl die Fluidtheorie als Ursache für die Schwarmbeben favorisiert wird, lässt sich auch eine tektonische Ursache für die Beben nicht ganz ausschließen, denn in der Region gibt es mehrere Störungszonen.

Island: Sundhnúkur-Eruption mit Krafla verglichen

IMO-Wissenschaftler ziehen Parallelen zwischen Sundhnúkur und Krafla – Eruption könnte weiter auf sich warten lassen

Unter dem Svartsengi-Gebiet auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel sammelt sich weiterhin Magma an, was heute ein paar Erdbeben mehr auslöste als in den vergangenen Tagen. In der Region wurden in den letzten 24 Stunden zehn schwache Erschütterungen registriert. Drei der Beben manifestierten sich nordwestlich von Grindavik. Diese leichte Zunahme der seismischen Aktivität lässt jedoch keine verlässlichen Rückschlüsse darauf zu, wann der nächste Ausbruch stattfinden wird.

In den letzten Wochen hat sich der Magmenaufstieg deutlich verlangsamt. Je langsamer sich Magma ansammelt, desto schwieriger wird es, den Zeitpunkt des nächsten Ausbruchs mit einer Genauigkeit von mehr als ein paar Monaten abzuschätzen – oder überhaupt sicherzustellen, dass es erneut zu einer Eruption kommt.

Allerdings gibt es bislang keine Hinweise in den verfügbaren Daten oder Modellberechnungen, die eine erneute Beschleunigung der Magmaansammlung unter Svartsengi in Zukunft ausschließen.

Noch vor wenigen Wochen war das IMO davon überzeugt, dass es im März zu einem Ausbruch kommen würde. Doch laut einer aktuellen Stellungnahme scheinen die Forscher mittlerweile weniger sicher. Sie ziehen Parallelen zur Krafla-Eruptionsserie im Norden Islands, die zwischen 1975 und 1984 andauerte. Ähnlich wie bei der aktuellen Situation kam es damals zu mehreren eruptiven Episoden mit immer längeren Pausen dazwischen. Vor der letzten Krafla-Eruption pausierte die Aktivität sogar über zwei Jahre. Ein Szenario, das nun auch für Sundhnúkur nicht mehr ausgeschlossen wird.

Nach dem Ende der Krafla-Eruption setzte sich die Bodenhebung über Jahre fort, ohne dass es zu weiteren Ausbrüchen kam. Erst 1990 endeten die Bodendeformationen endgültig.

Der Vergleich zwischen Sundhnúkur und Krafla ist nicht neu und wurde bereits vor über einem Jahr angestellt. Doch während frühere Eruptionen wertvolle Erkenntnisse liefern, lassen sie sich selten eins zu eins auf aktuelle Ereignisse übertragen. Somit bleibt es möglich, dass es bald zu einem weiteren Ausbruch in der Sundhnúkur-Kraterreihe kommt – ebenso wie eine Verlagerung der Aktivität in ein anderes Spaltensystem auf Reykjanes nicht ausgeschlossen werden kann. Natürlich könnte die Aktivität auch ohne einen weiteren Ausbruch enden.

Fuego: Möglicherweise Lavadom festgestellt

Fuego weiterhin ohne Explosionen- Drohnenaufnahmen legen Domwachstum nahe

Der guatemaltekische Vulkan Fuego erzeugte zuletzt am 10. März einen starken Paroxysmus, der nach einer allmählichen Aktivitätssteigerung am Vortag eintrat. Zuvor pausierte der Vulkan seit Mitte Januar, was ein ungewöhnliches Verhalten für den eigentlich daueraktiven Vulkan darstellt, der sonst mehrmals in der Stunde strombolianische Eruptionen erzeugte. Wer nun dachte, dass der Vulkan diese milde Form der eruptiven Tätigkeit nach dem Paroxysmus wieder aufnimmt, wurde bislang enttäuscht. Zwar gibt es gelegentliche VONA-Meldungen über Aschewolken, doch tatsächlich scheinen das eher schwache Dampfexhalationen zu sein, in denen etwas Vulkanasche beigemischt ist. Auf dem Livestream bei YouTube sieht man wenigstens keine Ausbrüche. Wer genau hinschaut, kann nachts gelegentlich rot illuminierten Dampf über dem Krater erspähen. Zudem registriert MIROVA schwache thermische Anomalien mit Leistungen im einstelligen Bereich.

Aber ist der Vulkan wirklich so still, wie es den Anschein hat? Mitnichten! Der Fotograf Diego Rizzo steuerte jüngst seine Kameradrohne über den Krater des Vulkans hinweg und fotografierte diesen. Was die Kamera entdeckte, ist überraschend, aber wohl wenig erbaulich für die Anrainer des Fuegos, denn anstelle des Kraters ist eine Struktur getreten, die stark an einen Lavadom erinnert. Ich formuliere hier so vorsichtig, weil es von Seiten der zuständigen INSIVUMEH-Vulkanologen hierzu noch kein Statement gibt. Vielleicht sind sie sich der potenziellen Gefahr aber auch nicht bewusst, denn die Struktur ist nur aus der Luft zu erkennen.

Es besteht auch die Möglichkeit, dass es sich nicht um einen noch wachsenden Lavadom handelt, sondern um eine Kraterfüllung, die der letzte Paroxysmus hinterlassen hat. Sie könnte durch überlaufende Lava und Tephra entstanden sein, die in der Endphase der Eruption in den Krater zurückfiel und sich dort verfestigte. In diesem Fall könnte die Kraterfüllung einen Pfropfen bilden, der den Förderschlot verstopft, der die strombolianische Tätigkeit blockiert. Dadurch steigt aber der Druck im Inneren des Vulkans und es drohen starke Explosionen.

Generell sieht es so aus, als hätte sich der Chemismus des Magmas verändert: Die Schmelze scheint kühler und zähflüssiger geworden zu sein, wodurch es zu den beschriebenen Effekten kommt. Das ist ein Indiz dafür, dass weniger frisches Magma als bisher aufsteigt und nun nach und nach eine hochviskose Restschmelze gefördert wird, die stark differenziert ist und somit zu den gefährlichen Magmasorten gehört.

Shiveluch eruptiert Vulkanasche bis auf 4300 m Höhe

Aschewolke am Shiveluch detektiert – Alarmstatus steht auf „Orange“

In den letzten Wochen war es auf der sibirischen Halbinsel Kamtschatka relativ ruhig, was den Vulkanismus betrifft – abgesehen von einigen Meldungen über den Bezymianny, der durch thermische Anomalien an seinem Lavadom aufgefallen ist. Letzte Nacht veröffentlichte das VAAC Tokio jedoch eine VONA-Warnung für den Shiveluch, nachdem eine Aschewolke in 4.300 m Höhe detektiert wurde. Diese driftete in Richtung Osten und stellte ein vergleichsweise geringes Risiko für den Flugverkehr dar. Dennoch wurde der VONA-Alarmstatus auf „Orange“ gesetzt.

Es besteht die Möglichkeit, dass es sich bei der Aschewolke um bereits abgelagerte Asche handelte, die von starken Winden remobilisiert wurde, doch obwohl das in den letzten Wochen öfters geschah, gibt es diesmal keinen entsprechenden Vermerk bei der VONA-Warnung.

Das Kamtschatka Volcano Eruption Response Team (KVERT) ergänzt, dass jederzeit mit starken Eruptionen zu rechnen ist, die Vulkanasche bis in Höhen von 10.000 m aufsteigen lassen könnten. Die beiden Lavadome im Shiveluch-Komplex sind weiterhin aktiv und wachsen stetig. Es werden starke Entgasungen mit Dampfausstoß beobachtet, zudem wurden in den letzten Tagen thermische Anomalien registriert, die allerdings schwächer ausgeprägt waren.

Ende Februar wurde ein aktuelles Foto veröffentlicht, das den Lavadom im „Jungen Shiveluch“ zeigt. Dieser hat erneut eine beachtliche Größe erreicht, wodurch das Risiko von Kollapsereignissen steigt. Solche Ereignisse können pyroklastische Ströme erzeugen, die in der Vergangenheit weite Gebiete betroffen haben. Während der letzten großen Eruption im April 2023 wurde der gesamte Dom zerstört. Die damaligen Eruptionen erzeugten nicht nur massive pyroklastische Ströme, sondern auch hoch aufsteigende Aschewolken, die über Hunderte Kilometer hinweg transportiert wurden und Ascheniederschlag in mehreren Siedlungen verursachten.

Neben dem Shiveluch werden auch am Karymsky thermische Anomalien detektiert, was auf mögliche Explosionen hindeutet. Somit sind derzeit mindestens drei Vulkane auf Kamtschatka aktiv. Der mächtigste Vulkan der Region, der Klyuchevskoy, bleibt hingegen weiterhin ruhig – obwohl er aufgrund seiner Eruptionsstatistik bald wieder aktiv werden könnte. Zusätzlich überwachen Vulkanologen auch den Bezymianny genau, da er für plötzliche explosive Ausbrüche bekannt ist.

Trotz der aktuell eher moderaten Aktivität bleibt Kamtschatka eine der vulkanisch aktivsten Regionen der Welt. Hier sind über 30 aktive Vulkane verzeichnet, von denen mehrere jederzeit ausbrechen könnten. Das macht die Halbinsel zu einem bedeutenden Forschungsgebiet für Vulkanologen.

Aleuten: Starkes Erdbeben erschüttert Andreanof-Islands

Erdbeben Mw 6,2 südlich der Aleuteninseln von Andreanof

Datum 21.03.2025 | Zeit: 14:53:44 UTC | Koordinaten: 51.290 ; -176.192 | Tiefe: 30 km | Mw 6,2

Ein starkes Erdbeben der Magnitude 6,2 erschütterte gestern um 14:53:44 UTC die zu Alaska gehörenden Andreanof-Inseln. Das Hypozentrum lag in einer Tiefe von 30 Kilometern. Das Epizentrum wurde 712 km südwestlich von Unalaska lokalisiert. Die Epizentren lagen etwa 100 Kilometer südlich der Inseln.

Dem starken Erdbeben folgten mehrere schwächere Nachbeben. Das stärkste dieser Nachbeben hatte eine Magnitude von 5,7 und ein Hypozentrum in 17 Kilometern Tiefe.

Tektonisch betrachtet verläuft südlich der Aleuten der Aleuten-Tiefseegraben. Bei diesem handelt es sich um eine Subduktionszone, an der die pazifische Platte unter jene von Nordamerika abtaucht. Dieser Prozess findet unter starker Reibung und hohem Druck statt, die nicht nur Hitze erzeugen, sondern auch Spannungen, die sich in den Erdbeben entladen. Die Hitze liefert einen Teil der Energie, die zum partiellen Schmelzen von Gesteinen in der Asthenosphäre sorgt. Mit den marinen Sedimenten auf der subduzierten Erdkruste gelangt auch Wasser ins Erdinnere, das dafür sorgt, dass die Schmelztemperatur der Gesteine herabgesetzt wird, was die Magmenentstehung begünstigt. So ist es nicht verwunderlich, dass es sich bei den Aleuten um einen vulkanischen Inselbogen handelt.

Das Archipel der Andreanof-Inseln liegt innerhalb der Aleuten und befindet sich zwischen den Rat Islands im Westen und den Islands of Four Mountains im Osten. Es beherbergt mehrere aktive Vulkane wie den Great Sitkin und Kananga. Die Aktivität der Vulkane könnte durch das starke Erdbeben beeinflusst werden, wobei es möglich ist, dass Vulkanausbrüche getriggert werden oder aber auch verhindert. Dabei ist es am wahrscheinlichsten, dass es zu einer Reaktion am Great Sitkin kommt (wenn es denn zu einer Reaktion kommt), denn bei diesem 1740 m hohen Vulkan handelt es sich um den derzeit aktivsten Feuerberg der Aleuten. Er ist effusiv tätig und fördert kleinere Lavastrome. Seine Warnstufe steht auf „Orange“.

Lewotobi Laki-Laki eruptiert Vulkanasche 16 km hoch

Eine der kleinen Nacheruptionen am Lewotobi. © VSI

Lewotobi generiert starken explosiven Vulkanausbruch – Asche in 16 Kilometern Höhe detektiert

Der Lewotobi Lakilaki liegt auf der indonesischen Insel Flores und eruptierte gestern Abend um 22:56 WITA eine Aschewolke, die bis auf 16 Kilometer Höhe aufgestiegen ist. In dieser Höhe befand sich allerdings nur vergleichsweise wenig Asche, die von den empfindlichen Sensoren der Satelliten erfasst wurde. Laut einem Statement vom zuständigen Dienst VSI stieg die massive Aschewolke bis zu 8000 m über den Krater auf. Rechnet man die Höhe des Vulkans hinzu, erreichte die Asche eine Höhe von 9584 m. Der Wind teilte die Aschewolken und verfrachtete sie in Richtung Süden und einen kleineren Teil gen Osten. Zudem gab es nach der Haupteruption mehrere kleinere Ausbrüche, die aber deutlich stärker waren als die alltäglichen Ascheeruptionen der letzten Wochen.

Die Aschewolken bewegten sich in der gleichen Höhe wie Flugzeuge und stellten eine Gefahr für den Flugverkehr dar. Es wurde nicht nur eine rote VONA-Warnung ausgegeben, sondern es wurden mehrere Flüge umgeleitet und erreichten ihr Ziel nur mit Verspätung. Hierzu zählten Flüge nach Thailand, Singapur und Australien.

Bis Freitagmorgen wurden sogar sieben internationale Flüge annulliert, die von Bali aus starten sollten. Darunter befanden sich sechs Jetstar-Flüge nach Australien und ein Air-Asia-Flug nach Kuala Lumpur.


Die Eruption blieb auch am Boden nicht ohne Folgen: In mehreren Ortschaften auf Flores kam es zu starkem Ascheniederschlag, der sich nicht nur auf Straßen ablagerte, sondern auch auf Hausdächern, die schnell gereinigt werden müssen, weil sie durch die Auflast einstürzen könnten, insbesondere wenn es anfangen sollte zu regnen. In diesem Fall verwandelt sich die Vulkanasche in ein zementartiges Gemisch mit erheblichem Gewicht. Im Falle von Regenfällen drohen auch Lahare. Die Behörden sprachen entsprechende Warnungen aus.

Da der Vulkan zum Zeitpunkt der Eruption in Wolken gehüllt war, gibt es nur wenige Fotos auf denen man was erkennen kann. Auf Bildern, die aus größerer Entfernung aufgenommen wurde, zeigen sich vulkanisch Blitze.

Der Lewotobi Laki-Laki brach im letzten November mehrfach aus. Damals kamen neun Menschen ums Leben, zahlreiche internationale Flüge nach Bali wurden gestrichen und Tausende mussten evakuiert werden.

Seit Ende Februar kam es vermehrt zu kleineren Eruptionen, die Aschewolken mehrere Hundert Meter hoch auswarfen. Die Seismizität bewegte sich dabei auf etwa dem gleichen Niveau wie vor der Aktivitätssteigerung. Gestern gab es dann kurz vor dem Ausbruch eine seismische Krise mit ca. 200 vulkanotektonischen Erdbeben.

Gestern schrieb ich bereits über den namensähnlichen Vulkan Lewotolok, der eine auffallend starke strombolianische Eruption erzeugt hatte. Auf diesem Vulkan steigerte sich seine Aktivität Ende Februar. Beide liegen in der gleichen Region Indonesiens auf benachbarten Inseln. Südlich der Insel hatte es am 17. März ein Erdbeben M 5,1 gegeben.

Update 19:30 Uhr: Die Eruption gestern verlief anscheinend doch nicht so glimpflich, wie es zunächst den Anschein hatte. Zwei männliche Bewohner des Dorfes erlitten schwere Verbrennungen, als sie mit heißer Asche in Kontakt kamen. Für mich sieht es so aus, als wäre doch ein pyroklastischer Strom abgegangen.

Island: Schwefelgeruch in Grindavik

Starker Schwefelgeruch in Grindavik beunruhigte Bürger – Feuerwehr alarmiert

Gestern nahmen Anwohner von Grindavik einen starken Schwefelgeruch wahr, der Sorgen weckte, dass in der Stadt oder in ihrer unmittelbaren Nähe Magma aufgestiegen sein könnte und kurz vor dem Ausbruch stand. Die Feuerwehr wurde alarmiert und rückte aus, um dem Phänomen auf die Schliche zu kommen, doch offenbar verlief die Suche nach der Quelle der Emissionen erfolglos. Es lässt sich nicht ausschließen, dass etwas Magma unter die Stadt migrierte oder dass sich vulkanische Gase entlang eines magmatischen Gangs ausbreiteten und in der Stadt diffus austraten. Zudem könnte natürlich der Wind Gase von der Sundhnúkur-Kratereihe nach Grindavik getragen haben. Im Gebiet der letzten Eruptionen kommt es immer noch zu starken Dampfentwicklungen.

Die Anwohner von Grindavik stehen mit der Wahrnehmung starken Schwefelgeruchs nicht alleine da, denn am anderen Ende Europas trägt sich Vergleichbares zu: Die Bewohner von Pozzuoli in Süditalien wohnen nicht nur am Rand eines Vulkans, sondern mitten drin. In der Caldera Campi Flegrei wurden in den letzten Wochen immer wieder erhöhte Schwefeldioxidwerte gemessen und auch der Geruch von faulen Eiern lag in der Luft. Dieser Gestank wird allerdings nicht von Schwefeldioxid verursacht, sondern von Schwefelwasserstoff. Ich kann mir gut vorstellen, dass man in Grindavik auch dieses Gas gerochen hat.

Gestern gab es nicht besonders viele Erdbeben auf Island, aber im Bereich der Sundhnúkur-Kratereihe gab es 5 schwache Erschütterungen. Die Seismizität bewegt sich seit Tagen auf ähnlichem Niveau, ohne signifikant anzusteigen. Die Bodenhebung hat sich zudem wieder etwas verlangsamt, wobei nicht differenziert werden kann, ob es sich um Messfehler handelt oder ob sich der Boden tatsächlich langsamer hebt. Generell hält die Bodendeformation aber weiter an und es kommt zu Magmaaufstieg. Trotz aller Bemühungen lässt sich nicht prognostizieren, wann es zum nächsten Ausbruch kommen wird, vorausgesetzt, es kommt tatsächlich einer. Doch davon gehen die meisten Wissenschaftler aus.

Rincón de la Vieja am 21.03.25: Phreatische Eruption

Phreatische Eruption am Rincón de la Vieja gemeldet – 200 m hohe Dampfwolke

Der Vulkan Rincón de la Vieja (Costa Rica) verzeichnete am Donnerstag um 6:15 Uhr einen kleinen phreatischen Ausbruch. Durch die Aktivität entstand eine Wolke aus Wasserdampf und vulkanischen Gasen, die eine Höhe von 200 Metern über dem Krater erreichte. Beobachtungen zufolge kam es zu einem geringen Ascheausstoß, der aber ohne Folgen für die Bevölkerung der Region blieb, da die Eruptionswolke durch einen starken Südwestwind zerstreut wurde.

Phreatische Eruptionen entstehen, wenn Grundwasser infolge großer Hitzeeinwirkung, aber ohne direkten Kontakt zum Magma, schlagartig verdampft. Da sich der Dampf um das 2500-Fache ausdehnt, kommt es zu einer Explosion. Diese kann neben Dampf Gesteinsfragmente aus dem Förderschlot schleudern, welche eine ernste Gefahr für Menschen in Vulkannähe darstellen. Solche Eruptionen kommen am Rincón de la Vieja häufiger vor und treten zudem in Phasen gehäuft auf. Phreatische Eruptionen sind ein typisches vulkanisches Phänomen an aktiven Vulkanen, die über einen Kratersee verfügen, wie es auch am Rincón de la Vieja der Fall ist.

Poás ebenfalls phreatisch aktiv

Ein weiterer aktiver Vulkan in Costa Rica, der über einen Kratersee verfügt und oft phreatische Eruptionen erzeugt, ist der Poás. Gestern erzeugte auch er eine kleine phreatische Eruption, bei der die Dampfwolke ca. 50 m hoch aufstieg. Sein Kratersee ist dabei zu verdampfen und ist in den letzten Wochen stark geschrumpft. Dadurch mischt sich in den Eruptionswolken ein immer größerer Ascheanteil und auch stark entgasende Fumarolen können feste Partikel ausstoßen. OVISCORI UNA meldete zudem, dass es gestern zu einer erhöhten seismischen Aktivität kam. Es kam zu mehrstündigem niederfrequentem Tremor, der auf starke Fluidbewegungen im Untergrund hindeutete. Seit Anfang des Jahres kommt es zu Bodenhebungen infolge einer Magmeninflation. Es besteht die Möglichkeit, dass sich eine stärkere Eruption zusammenbraut.

Sowohl der Poás als auch der Rincón de la Vieja sind Komplexvulkane mit mehreren Kratern, die in Nationalparks geschützt sind. Ihre Ausbrüche gefährden selten Ortschaften in ihrer Nähe. Doch hoch aufsteigende Aschewolken können ein Problem für die Luftfahrt darstellen. Außerdem geht von diesen Vulkanen ein erhöhtes Gefahrenpotenzial von Schlammströmen aus.

Kilauea gibt Gas am 20.03.25

Am Kilauea auf Hawaii ist die 14. eruptive Episode voll im Gang – hohe Lavafontäne wird gefördert

Die sehnsüchtig erwartete eruptive Episode Nr. 14 ist seit gut einer Stunde (06:50 HST) voll im Gange und erzeugt mehrere Hundert Meter hoch aufsteigende Lavafontänen aus dem Nordschlot am Rand des Halema’uma’u-Kraters. Die Anfangsphase der Lavafontäne war besonders spektakulär: Beide Schlote spien hohe Lavafontänen aus und es wurde so viel Lava gefördert, dass der Kraterboden regelrecht mit Lava überflutet wurde. Diese Phase endete gegen 07:45 HST. Seitdem ist nur noch ein Schlot aktiv, doch da bereits während des Vorspiels die Aktivität zwischen den beiden Schloten hin und her switchte, kann es sein, dass auch der zweite Schlot bald wieder mit einstimmt.

Das HVO stellt wieder einen Livestream bei YouTube zur Verfügung, auf dem man das Geschehen prima verfolgen kann. Wer die Anfangsphase verpasst hat, kann sich in den nächsten Stunden noch die Aufzeichnung angucken.

Einsetzende Deflation gemessen

Mit dem Einsetzen der Lavafontänen-Tätigkeit begann auch wieder eine Phase mit Deflation, die ein Absacken des Gipfels bewirkt. Die Hangneigung verringert sich im Sturzflug.

Vor der Hochphase der Episode gab es mehrere Erdbeben mit Magnituden im Zweierbereich. Sie manifestierten sich aber nicht im Gipfelbereich des Vulkans, sondern unter der Küstenebene. Ob es einen direkten Zusammenhang mit der Eruption gibt, ist ungewiss.

Während ich diese Zeilen hier schreibe, wird gerade auch wieder der zweite Förderschlot aktiv und beginnt, eine Lavafontäne zu fördern. Es bleibt also bei einer alternierenden Tätigkeit.

Warnung vor Vulkangefahren am Kilauea

Das HVO warnt vor den üblichen Gefahren, die von der Lavafontänen-Tätigkeit für die Anwohner des Kilauea ausgehen. In erster Linie kann der hohe Gasausstoß zu einem Problem werden. Während in ruhigeren Phasen ca. 1200 Tonnen des Gases pro Tag emittiert werden, klettert der Wert in Phasen wie wir sie gerade erleben bis auf 50.000 Tonnen am Tag. Dadurch kann eine Gesundheitsbelastung für Anrainer entstehen. Zudem kommt es zur Bildung von Peles-Haaren. Die feinen Lavafäden verteilen sich mit dem Wind und können Haut- und Augenreizungen hervorrufen.