Nachrichten über Vulkanausbrüche, Erdbeben und Naturkatastrophen
Marc Szeglat
Marc Szeglat ist der Schöpfer dieser Website. Sie ging im Oktober 2000 online. Seit 1996 arbeitet Marc als Vulkanfilmer und Geonaut und berichtet von der Lavafront. Vorher war er bei der Bundeswehr und studierte anschließend Geologie. Seinen ersten Vulkan erklomm Marc im September 1990. Bei diesem Feuerberg handelte es sich um den Stromboli. Seitdem bereiste er mehr als 50 Länder und berichtete von zahlreichen Vulkanausbrüchen und Naturkatastrophen.
Ein Observierungsflug enthüllte Spuren einer stärkeren Eruption auf White Island
Der neuseeländische Vulkan Whakaari bildet die Insel White Island, die in der Bay of Plenty liegt. Wie GeoNet berichtet, emittiert der Vulkan seit Wochen große Mengen Dampf, in dem immer wieder Vulkanasche beigemischt ist.
Auf einem jüngst durchgeführten Überwachungsflug, der in erster Linie der Gasmessung diente, entdeckten die Forscher zudem neue Impaktkrater, die durch die Eruption von vulkanischen Bomben und Blöcken entstanden sein müssen. Die Einschlagkrater fanden sich in einer Entfernung von 600 Metern zum Förderschlot, der sich in letzter Zeit deutlich vergrößert hat.
Möglicherweise gab es auch eine Serie stärkerer Explosionen, die jedoch offenbar im Verborgenen abliefen. Daher sind sowohl der genaue Zeitpunkt als auch die Häufigkeit dieser Ereignisse unbekannt. Die Auswirkungen beschränkten sich bisher auf den Boden des Kraters.
Kurzfristig könnten weitere explosive Ereignisse den Kraterboden und die unmittelbare Umgebung der Insel beeinflussen, die Küste bleibt jedoch unberührt.
Temperaturmessungen des aktiven Schlots ergaben einen Anstieg von 22 °C im Januar auf 36 °C am Freitag. Dieser Wert bleibt jedoch unter den 58 °C, die im August gemessen wurden.
Webcams in Whakatāne und Te Kaha haben wiederholt Dampfwolken und Gasfahnen aufgezeichnet, die eine schwankende, aber geringe Menge an Vulkanasche enthalten. Zudem wurden auf Satellitenbildern gelegentlich geringe Aschekonzentrationen in der Fahne entdeckt. Von der Küste aus ist diese manchmal als dunstige Spur sichtbar, die mit dem Wind vom Vulkan wegzieht.
Bei Nordwind können Anwohner an der Küste der Bay of Plenty gelegentlich Vulkanasche oder Schwefelgeruch wahrnehmen.
Die Vulkanwarnstufe liegt weiterhin bei Stufe 2, während der Flugwarnungscode auf Orange bleibt.
Whakaari ist ein aktiver Vulkan, der sich 48 Kilometer vor der Küste von Whakatāne befindet. Bei einem Ausbruch im Jahr 2019 kamen 22 Menschen ums Leben.
Übrigens manifestierte sich gestern vor der Südküste der neuseeländischen Südinsel ein starken Erdbeben Mw 6,6. Das Hypozentrum wurde vom GFZ in einer Tiefe von 24 Kilometern verortet. Einen direkten Zusammenhang zum Vulkan im Norden gibt es nicht.
Verglastes Gehirn im Schädel eines Opfers der Vesuv-Katastrophe in Herculaneum: Einzigartiger Fund enträtselt
Im Jahr 79 n. Chr. brach der Vesuv aus und zerstörte die römischen Siedlungen Pompeji, Herculaneum, Oplontis und Stabiae. Der Ausbruch schleuderte eine gigantische Aschewolke bis zu 33 Kilometer hoch in die Atmosphäre. Innerhalb weniger Stunden begruben glühende Gesteinsbrocken, Asche und giftige Gase die Region. Während Pompeji überwiegend infolge von herabregnender Bimssteinen und Vulkanasche langsam unter einer bis zu zwölf Meter dicken Schicht vulkanischer Ablagerungen verschwand, wurde Herculaneum, das näher am Vesuv liegt als Pompeji vor allem von extrem heißen pyroklastischen Strömen die bis zu 500 km/h schnell waren überrollt und verschüttet. Hier erreichten die Ignimbrit-Ablagerungen eine Mächtigkeit von bis zu 20 m
Bei einem pyroklastischer Strom handelt es sich um eine Art Lawine aus heißer Asche, Gasen und Gestein, die sich mit enormer Geschwindigkeit den Hang eines Vulkans hinabbewegt. Die Temperaturen können 800 Grad Celsius erreichen, wodurch alles Leben in Sekunden ausgelöscht wird.
In den 1960er-Jahren entdeckten Forschende in den Ausgrabungen von Herculaneum die Überreste eines Mannes im Collegium Augustalium. Bei dem Mann handelte es sich vermutlich um den Wächter des Versammlungsorts. Zum Zeitpunkt des Todes lag er auf seinem Bett. Im Jahr 2020 wurde sein Schädel erneut untersucht – mit einer spektakulären Entdeckung: Anstelle seines Gehirns fand man eine schwarze, glasartige Masse. Sein Gehirn war verglast und sieht auf Fotos aus wie Obsidian.
Glas bildet sich, wenn eine Flüssigkeit so schnell abgekühlt wird, dass sich keine Kristalle ausbilden. Dieser Prozess, der Glasübergang oder Vitrifikation genannt wird, ist in der Regel reversibel.
Aus welchen Flüssigkeiten Glas entstehen kann
Bei der Verglasung handelt es sich um Flüssigkeiten, die beim schnellen Abkühlen nicht kristallisieren, sondern in einen amorphen (glasartigen) Zustand übergehen. Dazu gehören:
Silikatschmelzen – Hauptbestandteil von natürlichem Glas, wie vulkanischem Obsidian oder künstlichem Fensterglas.
Organische Flüssigkeiten – Bestimmte Polymere, Zucker oder biologische Lösungen können verglasen, wenn sie schnell abgekühlt werden.
Wasser in biologischem Gewebe – In der Kryokonservierung gefriert Wasser nicht kristallin, sondern bildet bei extrem niedrigen Temperaturen eine glasartige Struktur.
Metallschmelzen – Einige Metalle und Legierungen können durch sehr schnelles Abkühlen als metallisches Glas erstarren.
Im Fall des verglasten Gehirns von Herculaneum bestand die Flüssigkeit wahrscheinlich aus einer Mischung aus Zellflüssigkeit, Lipiden und Proteinen, die durch extreme Hitze geschmolzen und dann abrupt abgekühlt wurden.
Ein italienisch-deutsches Forschungsteam unter Guido Giordano von der Universität Rom wollte dem Rätsel um das verglaste Gehirn auf die Spur kommen und fand in Experimenten heraus, dass eine über 510 Grad heiße Gaswolke, die vermutlich nur wenig Tephra enthielt und einem pyroklastischen Strom voranging, das Hirngewebe in Glas verwandelt haben musste. Anschließend kühlte das Gehirn im Schädel rasch ab und verhinderte eine Kristallisation.
Wie genau es zu der schnellen Abkühlung gekommen ist, bleibt unklar. Vermutlich kühlte der Leichnam an der normalen Luft schnell ab, nachdem die Gaswolke vorübergezogen war und noch bevor es zu den ersten pyroklastischen Strömen kam, die Herculaneum bedeckten. Möglicherweise wurde die Leiche des Mannes mit dem Glashirn zunächst in einem vergleichsweise kühlen vulkanischen Material eingeschlossen, das ihn vor weiteren Hitzeeinwirkungen isolierte. Im Collegium Augustalium müssen einzigartige Bedingungen geherrscht haben, denn ansonsten hätte es auch in den Schädeln anderer Opfer verglastes Hirn geben müssen.
Dieser Fund eines verglasten Gehirns ist einzigartig, da sich kein weiteres verglastes Gehirn in Herculaneum oder Pompeji nachweisen ließ. Auch andernorts auf der Welt wurde bislang nichts Vergleichbares entdeckt. Die Erkenntnisse helfen nicht nur bei der Rekonstruktion des Vesuv-Ausbruchs, sondern auch beim modernen Katastrophenschutz, da sie die tödlichen Auswirkungen heißer Gaswolken verdeutlichen. Es stellt sich natürlich die Frage, wie diese Gaswolke entstand, die vor den eigentlichen pyroklastischen Strömen abgegangen sein muss. Und natürlich, warum der Mann auf dem Bett lag und womöglich schlief. Wurde die Gaswolke während eines Initialereignisses freigesetzt und war nur lokal begrenzt? Die Menschen, die sich am anderen Ende Herculaneums in den Bootschuppen schutzsuchend zusammengefunden hatten, zeigen, dass sie alarmiert waren und nicht von de Eruption überrascht wurden. (Quelle: Nature.com)
Aktivität am Poás weiter gestiegen – Besucherterrasse geschlossen
In Costa Rica hat die Aktivität des Vulkans Poás weiter zugenommen: Heute Morgen ereignete sich um 7:47 Uhr ein stärkerer phreatischer Ausbruch, bei dem eine gut 150 m hohe Schlammfontäne Sedimente vom Grund des Kratersees aufwirbelte und Gesteinsfragmente aus dem Krater geschleudert wurden.
Zudem berichten die Vulkanologen von OVISCORI-UNA, dass es häufige kleine phreatische Eruptionen und Dampfexhalationen gibt. Ein kontinuierlicher seismischer Tremor mit Frequenzen zwischen 0,6 und 11 Hz ist messbar. Zudem nimmt die Intensität eines akustischen Tremors im Hintergrund zu. Ohrenzeugen beschreiben laute Geräusche, die aus Richtung des Kraters kommen.
Der Vulkan setzt konstant große Mengen an Gasen frei, insbesondere an den Mündungen A und C. Dort steigen die Verhältnisse von H₂S/SO₂ und CO₂/SO₂ weiter an, besonders in Mündung A.
Aufgrund der hohen Gaskonzentrationen und der verstärkten phreatischen Eruptionen wurde der Nationalpark geschlossen. Die Besucherterrasse am Kraterrand ist vorerst nicht mehr zugänglich. Die Schließung gilt zunächst für 24 Stunden, danach wird die Situation neu bewertet – eine schlechte Nachricht für Vulkanspotter.
Der 2.687 m hohe Poás befindet sich in der Provinz Alajuela, etwa 37 Kilometer nördlich der gleichnamigen Stadt Alajuela. Die Hauptstadt San José liegt ebenfalls in der Nähe. Der letzte größere Ausbruch ereignete sich im April 2017 und führte damals zur vorübergehenden Schließung des Nationalparks. Während der Trockenzeit trocknet der Kratersee immer häufiger aus, was eine erhöhte Aktivität begünstigt. Diese wird zusätzlich durch frisch aufsteigendes Magma verstärkt.
In Costa Rica sind auch noch die Vulkane Rincon de la Vieja und Turrialba seismisch aktiv. Am Turrialba wurden auch Tornillos registriert. Diese schraubenförmigen Erdbebensignale wurden erstmalig vor der bekannten Galeras-Eruption von 1993 detektiert.
Methode zur Vorhersage von Erdbeben entdeckt – Bodenhebung verlangsamt sich leicht
Die Wissenschaftler des INGV arbeiten an einer neuen Methode zur Vorhersage starker Erdbebenphasen. Erste Erfolge wurden heute in einer Pressemitteilung verkündet. Demnach stellten die Geowissenschaftler fest, dass es einige Wochen bis Tage vor einer Erdbebenphase zu einem Temperaturanstieg verschiedener Fumarolen kommt, der mithilfe von Thermalbildern detektiert werden kann. Auf dieser Grundlage wird nun eine Methode entwickelt, um stärkere Erdbeben vorherzusagen. Allerdings kann damit lediglich ein Gefahrenzeitraum eingegrenzt werden – der genaue Zeitpunkt eines stärkeren Erdbebens bleibt weiterhin unvorhersehbar. Für die Bevölkerung ist das zwar nur bedingt hilfreich, aber Einsatzkräfte und der Zivilschutz könnten sich so besser auf einen möglichen Einsatz vorbereiten.
Zudem gibt es weiterhin Diskussionen über den Ursprung des Bradyseismos. Tiziana Vanorio, eine Geophysikerin aus Pozzuoli, die an der Universität Stanford forscht, griff eine ältere These auf. Sie vermutet, dass der Bradyseismos durch meteorologisches Wasser verursacht wird, das durch einen tiefsitzenden Magmenkörper erwärmt wird und sich in den Poren des Hydrothermalsystems ausdehnt. Eine oberflächennahe Deckschicht dichte das System ab, sodass die Fluide nicht entweichen können. Dadurch werde der Boden so lange angehoben, bis er Risse bekommt und Erdbeben ausgelöst werden. Ich sehe jedoch ein Problem bei dieser These: Wenn das System an der Oberfläche abgedichtet ist, wie soll dann Regenwasser überhaupt bis ins Hydrothermalsystem gelangen?
Eine alternative These verfolgt einen ähnlichen Ansatz, geht jedoch davon aus, dass die Fluide magmatischen Ursprungs sind. In diesem Modell baut sich im Hydrothermalsystem so lange Druck auf, bis sich der Boden hebt, Risse entstehen und Gase entweichen. Die in den Fluiden enthaltenen Mineralien zementieren die Risse jedoch schnell wieder, sodass der Zyklus von Neuem beginnt.
Die aktuellen Beobachtungen aus den wöchentlichen INGV-Berichten sprechen eher für diese zweite Theorie. Nach den beiden Erdbeben der Magnituden 4,6 und 3,9, die mit einer beschleunigten Bodenhebung von bis zu 3 cm pro Monat einhergingen, deuten die jüngsten Daten darauf hin, dass sich die Hebegeschwindigkeit wieder verlangsamt.
Spaziergang durch Pozzuoli
Heute war ich selbst in Pozzuoli unterwegs, um mir ein Bild von der aktuellen Lage zu machen. Zwar wurde der Schutt aus den Straßen geräumt, doch überall sind große Löcher im Putz der Häuser zu sehen, und viele Balkone wirken schief. Zahlreiche Einsatzkräfte sind im Stadtgebiet unterwegs, ansonsten ist es aber recht ruhig – die Menschen gehen ihrem gewohnten Alltag nach. Die anhaltende Bodenhebung ist am kleinen Fischerhafen besonders gut sichtbar, der mittlerweile fast trockengefallen ist.
Laut dem aktuellen INGV-Bericht betrug die Gastemperatur der Pisciarelli-Fumarole in der vergangenen Woche 97 °C. Ich war ebenfalls dort und muss sagen: Der Geruch nach faulen Eiern ist wirklich heftig. So stark habe ich den Schwefelwasserstoff-Geruch hier noch nie wahrgenommen.
Von Eishöhlen, Nordlichtern und ein viel zu teures Butterbrot – Reportage zur Island-Kurzreise im März 2025
Island, die magische Insel im Nordostatlantik, hat weitaus mehr zu bieten als die mannigfaltigen Erscheinungen des Vulkanismus. Nicht umsonst nennt man die Insel international Iceland und assoziiert sie mit dem Bild von „Feuer und Eis“. Obgleich Leroy und ich auf unserem Kurzurlaub über Karneval hofften, dass der lang erwartete Vulkanausbruch auf Reykjanes beginnen würde, war es doch das Eis, das uns letztendlich lockte und den entscheidenden Anstoß zu unserer Reise gab: Auf der Agenda stand ein Besuch der Crystal Ice Cave am Vatnajökull, und falls genug Zeit sein sollte, auch ein Abstecher zur Katla-Eishöhle. Tatsächlich hofften wir auch, ein paar Nordlichter zu Gesicht zu bekommen, und wir wollten auch unser Bad in der Blauen Lagune nachholen, das uns der Vulkanausbruch im letzten März vermasselt hatte. Wer weiß, vielleicht eine der letzten Chancen, dort im warmen Wasser zu dümpeln, bevor der nächste Ausbruch die Lagune verschlingt und mit Lava verfüllt.
Gesagt, getan – wir machten uns am letzten Februartag auf nach Island, natürlich mit einer Beurlaubung für Leroy in der Tasche, denn die zwei freien Tage um Karneval reichten für unser Vorhaben nicht ganz aus. Im Vorfeld unseres Fluges drehte sich mir beim Checken der Wetternachrichten ein wenig der Magen um, denn es war fast kontinuierlich schlechtes Wetter vorausgesagt.
Da wir wieder von Amsterdam aus flogen (die Flugpreise von deutschen Flughäfen aus sind inzwischen nur noch als unverschämt zu bezeichnen), ging der erste Tag doch fast ganz für die Anreise drauf. Erst am späten Nachmittag konnten wir auf Island unseren Minicamper in Empfang nehmen und uns auf den Weg machen, um etwas zu essen zu fassen.
Essen gehen ist auf Island so eine Sache, denn wenn man nicht unbedingt über 100 € für ein Abendessen bezahlen möchte, geht man am besten in einen American Diner, um Burger zu essen, oder zu KFC. Wir wählten Letzteres, das man in Keflavik findet. Von dort aus fuhren wir dann zu den Gunnuhver Hot Springs nahe am Reykjanestá-Leuchtturm. Zum einen gibt es hier einen abseits der Straße gelegenen Parkplatz, auf dem man ganz gut nächtigen kann, zum anderen finde ich das Rauschen und Zischen der Hochdruckgasaustritte dort beruhigend. Natürlich hoffte ich insgeheim auch auf ein spürbares Erdbeben, die hier vor der Küste immer ganz gerne in Schwärmen auftreten. Tatsächlich gab es nachts auch einen scharfen Ruck im Auto, der durch ein Erdbeben ausgelöst worden sein könnte. Oder war es doch nur eine der brutalen Windböen, die uns nachts erfassten und am Wagen rüttelten?
Grindavik und das Bad in der Blauen Lagune – 15 € für ein Butterbrot
Morgens drehten wir im eiskalten Wind eine Runde um das Thermalgebiet und besichtigten dann Grindavík, bevor wir zu unserem Termin in der Blauen Lagune fuhren, den wir bereits zu Hause online (obligatorisch) gebucht hatten. Nur durch das Glück einer Stornierung eines anderen Gastes des Resorts hatten wir eine Woche vor Reiseantritt einen freien Platz für Samstag um 13 Uhr ergattert – für den schlappen Preis von 104 €, wobei der 12-jährige Leroy noch kostenlos durchkam. Im letzten Jahr hatte ich noch 77 € für das Ticket bezahlt, das ich dann ja aufgrund des Ausbruchs und der Schließung der Lagune nicht wahrnehmen konnte – und das natürlich trotz anderslautender Versicherungen vonseiten der Blauen Lagune nicht zurückerstattet wurde. Naja, irgendwie muss man die von Vulkankatastrophen heimgesuchten Isländer ja unterstützen, wobei ich denke, dass der Vulkanausbruch und das unter der Blauen Lagune aufsteigende Magma den Besucheransturm gefördert, anstatt ausgebremst haben. Aber immerhin schafften wir es diesmal.
Da wir vor unserem Termin noch etwas Zeit hatten und noch nicht gefrühstückt hatten, wagten wir einen Besuch im Self-Service-Restaurant der Lagune. Mich lachte ein eingepacktes Sandwich an, doch in dem Moment, in dem meine Hand sich ihm näherte, erspähte ich den Preis von umgerechnet ca. 15 €! Wie von einem Elektroschocker getroffen, zuckte meine Hand zurück, und ich schlenderte kopfschüttelnd zur Kaffeebar, um dort den teuersten Kaffee zu bestellen, den ich wohl jemals in einer mäßig gemütlichen Atmosphäre zu mir genommen hatte. Irgendwie fühlte ich mich an deutsche Flughäfen erinnert, wobei ein Butterbrot dort etwa die Hälfte kostet. Vielleicht war ich in der Apotheke eines Flughafens gelandet? Leroy und ich schlenderten zu unserem Camper zurück und bereiteten erst einmal eine Brotzeit zu, bevor wir dann endlich schwimmen gehen konnten.
Nun ja, was soll ich sagen – Umkleide und Dusche des Spas haben sicherlich schon bessere Zeiten erlebt und sind zudem viel zu klein dimensioniert für die Besuchermassen, weshalb wohl auch immer nur eine begrenzte Anzahl an Terminen ausgegeben wird. Außerdem gab es nicht einmal Umkleidekabinen, sondern man musste sich vor den Spinden umziehen. Im Eintrittspreis inbegriffen sind aber Handtücher und ein Freigetränk, das man an der Bar im kieselgurgefärbten blauen Wasser zu sich nehmen kann. Das Wasser selbst war deutlich wärmer, als ich es von meinem letzten Besuch hier vor gut 20 Jahren in Erinnerung hatte. Vielleicht kommt das ja durch die zusätzliche Erdwärme des unter einem aufsteigenden Magmas. Baden in einem gigantischen Kochtopf – und man selbst ist die Fleischeinlage. Ein pikanter Gedanke.
Durch das warme Wasser und die kalte Luft dampfte es gewaltig, sodass man hier nicht nur im Wasser, sondern auch im Nebel saß und von der bizarren Landschaft drumherum kaum etwas sah. Apropos Kieselgur: Dieser lagerte sich früher als Schlamm am Boden der Lagune ab, und wer mochte, konnte ihn vom Boden aufnehmen und sich damit einschmieren. Jetzt war der Boden blitzblank, und den Schlamm gab es an einer Ausgabestelle. Im Eintritt inbegriffen war ein Löffel voll Schlamm, um ihn sich als Gesichtsmaske ins Gesicht zu schmieren. Wer mehr wollte, musste dafür nun halb so viel wie für ein Butterbrot bezahlen. Sagt mir mal einer, die Isländer seien nicht geschäftstüchtig!
Nach gut drei Stunden beendeten wir unser Bad und machten uns auf den Weg Richtung Vík, denn für den nächsten Tag stand der Besuch der Eishöhle auf dem Programm. Sie liegt in der Nähe der Gletscherlagune Jökulsárlón am Fuße des mächtigen Vatnajökull – eine ca. sechsstündige Fahrt von Grindavík aus. Wenigstens die Hälfte der Strecke wollte ich noch schaffen. Unser Nachtquartier bezogen wir am Skógafoss unweit der Katla, ein Ort, an dem ich immer wieder gerne bin. Nachts regnete es in Strömen, doch am nächsten Morgen überraschte uns Sonnenschein. Gut gelaunt brachen wir in Richtung Vatnajökull auf, aber nicht, ohne im Einkaufszentrum von Vík zu frühstücken.
Natürlich muss man heutzutage den Besuch einer Eishöhle im Voraus online buchen. Ich erledigte das jedoch erst am Vortag und hatte Glück noch zwei Plätze zu bekommen. Ein nicht ganz billiges Vergnügen, das mit 150 € pro Person zu Buche schlug. Ebenso selbstverständlich war es, dass wir zu einer bestimmten Zeit am Treffpunkt erscheinen mussten, was uns ein wenig unter Zeitdruck setzte. Die Tour-Veranstalter werben damit, dass die Kristall-Eishöhlen auf dem Breiðamerkurjökull liegen und man Helm und Steigeisen braucht, was aber von den Veranstaltern zur Verfügung gestellt werden kann. Nur entsprechend stabile Wanderstiefel und wasserdichte, warme Kleidung sollte man mitbringen.
Schock an der Gletscherlagune Jökulsárlón: Wo sind all die Eisberge geblieben?
Um 12 Uhr – eine Stunde vor Tourbeginn – erreichten wir die Gletscherlagune Jökulsárlón, auf deren Parkplatz der Treffpunkt lag. Als ich auf den Parkplatz einbog, traf mich der Schlag! Es kam einer Nahtoderfahrung gleich, bei der vor dem inneren Auge der Film des Lebens abläuft. Ich erinnerte mich, wie ich hier vor 20 Jahren nur einer Handvoll Autos begegnet war. Tagelang campierte ich damals auf einem Feldweg am Ufer der Gletscherlagune und beobachtete den Tanz der Eisberge. Nun waren die Eisberge bis auf einige kümmerliche Reste verschwunden, stattdessen war der große Schotterparkplatz randvoll mit Autos. So voll, dass ich 15 Minuten lang kreiste, ohne einen Stellplatz zu ergattern. Vollkommen entnervt steuerte ich die Küste auf der anderen Seite der Ringstraße an, wo es noch einen Parkplatz gab, von dem aus man etwa zehn Minuten zur Lagune lief. Da der Tourbeginn näher rückte, packten wir hastig unsere sieben Sachen und kramten Steigeisen und Helme hervor – schließlich sollte es auf den Breiðamerkurjökull gehen. Diese gewaltige Gletscherzunge des Vatnajökulls prägte wie kaum eine andere Eismasse das Schicksal der Isländer.
Von der bewegten Geschichte des Breiðamerkurjökull erzähle ich an anderer Stelle mehr. Hier nur so viel: Die ersten Siedler Islands fanden an seiner Stelle ein bewaldetes Tal vor, das erst durch einen Kälteeinbruch und eine Vulkankatastrophe entwaldet und für Jahrhunderte unbewohnbar wurde. In dieser Phase drang die Gletscherzunge bis zur Küste vor. Heute zieht sich der Gletscher dank des menschengemachten Klimawandels im Rekordtempo zurück – so weit, dass kaum noch Eisberge in die vom Gletscher geschaffene Schmelzwasserlagune Jökulsárlón kalben, oder besser gesagt kalbten, denn ich habe die Gletscherlagune noch nie so Eisbergfrei gesehen wir jetzt.
Aufgerödelt und overdressed erreichten Leroy und ich den Parkplatz und fanden den Superjeep, der uns auf das Eis bringen sollte – oder zumindest dachten wir das. Mit uns versammelten sich 13 weitere Reisende, von denen die wenigsten für eine Gletschertour gewappnet schienen. Doch der Jeep war es: mit einem Meter durchmessenden Reifen, deren Luftdruck sich vom Fahrersitz aus regulieren ließ. Vom Parkplatz aus fuhren wir gut drei Kilometer über die Ringstraße, bevor wir auf eine Piste abbogen. Mit großem Brimborium ließ der Fahrer Luft aus den Reifen ab – schließlich könne man nur mit einem Superjeep diese Strecke bewältigen. Ich beobachtete etwas zweifelnd einen normalen SUV, der uns entgegenkam.
Das Geheimnis der Kristall-Eishöhle – Sie liegt nicht auf dem Breiðamerkurjökull
Während der Fahrt erzählte der Guide, dass sich die Eishöhlen ständig verändern und sie immer wieder neue entdeckten. Nach gut sechs Kilometern Pistenfahrt stoppten wir auf einer Schotterfläche, etwa einen Kilometer vom Rand der Gletscherzunge entfernt. „Nanu, schon Pinkelpause?“, dachte ich. Doch nichts da – im Eiltempo marschierten wir auf einen nahegelegenen Bergrücken zu. Dessen Rand war noch vor wenigen Jahren vom zurückweichenden Gletscher geschliffen worden, und auf ihm hatten sich Massen von Schotter aus den Seitenmoränen abgelagert. Genau auf diese Moräne steuerte unser Guide zielsicher zu. Nach fünf Minuten standen wir vor einem unscheinbaren Loch im Schotter, unter dem sich offenbar noch Resteis befand. Einer nach dem anderen verschwand in dieser Öffnung. Eine der Mitreisenden hielt kurz vor der Schwärze inne und fragte den Guide ernsthaft, ob es in der Höhle dunkel und eng sein könnte, denn sie und ihr Mann litten ein wenig unter Klaustrophobie. Meine Steigeisen hatte ich übrigens im Jeep gelassen.
Die ganze Tour erinnerte mich immer mehr an den Besuch des Antelope Canyons, den ich im Sommer nach 30 Jahren ein zweites Mal besucht hatte, was ich hätte besser sein lassen sollen! In der Resteishöhle war es ähnlich voll, sodass sich bei mir kein richtiges Abenteuergefühl einstellen wollte. Das Eis war jedoch stellenweise von einem beeindruckend klaren Blau, wie man es in der Natur nur selten sieht. Ich kam mir vor wie im Inneren eines riesigen Wick-Blau-Hustenbonbons und wartete darauf, jeden Moment ausgespuckt oder runtergeschluckt zu werden.
Wie immer auf Gruppenführungen blieb zu wenig Zeit, um in Ruhe vom Stativ zu fotografieren und Leute anzumotzen, die einem durchs Bild rennen, also begnügte ich mich damit, mit dem Smartphone einige Bilder zu knipsen. Jetzt, wo ich wusste, dass man die Höhle bequem mit einem SUV erreichen konnte und sie außerhalb der Tourenzeiten wohl menschenleer wäre, nahm ich mir vor, bei meiner nächsten Islandreise hierher zurückzukehren, um ungestört Bilder zu schießen.
Als wir die Höhle nach gut 30 Minuten verließen, schien es, als träten wir in eine andere Zeit: Der Sonnenschein war einem beginnenden Schneesturm gewichen, die Sicht war eingeschränkt. Zurück an der Gletscherlagune peitschte uns auf dem Weg zum Auto Hagel ins Gesicht – und Leroy erfuhr, was echtes Wetter ist. Auf der Rückfahrt zum Skógafoss wurde es immer heftiger, und im Nu verwandelte sich die Ringstraße in einen Eiskanal. Da hatte ich ihn, den Abenteueraspekt, den ich in der Eishöhle vermisst hatte. Aus der eigentlich dreistündigen Fahrt wurden fünf Stunden mit Sichtweiten von teilweise unter 50 Metern. Als wir – ohne Schneeketten dabei zu haben – den steilen Straßenabschnitt hinter Vík passiert hatten und uns dem Campingplatz bei Skógafoss näherten, war ich verdammt froh.
Der Schneefall ging erst in den Morgenstunden in Regen über, und da das Wetter nicht besser wurde, verwarfen wir die Idee, die Katla-Eishöhle zu besuchen, und entschieden uns stattdessen für das Eyjafjallajökull-Vulkanmuseum mit seiner Lava-Show. Angesichts des horrenden Eintrittspreises begnügten wir uns aber damit, einen Kaffee aus dem Automaten zu trinken und den 20-minütigen Vulkanfilm zu gucken, was bereits mehr kostete, als ein Kinoabend in Deutschland.
Mittags machten wir uns auf den Weg zum Haukadalur und dem Geysir Strokkur. Doch auch hier war es bewölkt, sodass das Fotografieren des Geysirs wenig Sinn machte – zumal er trotz des schlechten Wetters von unzähligen Touristen umringt war. Beeindruckt hat mich jedoch die wild sprudelnde Quelle Blesi, die im vergangenen Sommer plötzlich einen Hitzeschub bekam und anfing zu kochen.
Einmal Sky-Lagoon bitte sehr
Am Nachmittag fuhren wir zurück nach Reykjavik und bezogen in einem kleinen Ort vor der Stadt Quartier. Da keine Wetterbesserung in Sicht war, beschlossen wir, unseren letzten Tag noch einmal dem Baden zu widmen und testeten die Sky Lagoon. Einmal baden gehen für ca. 150 € ist zwar verrückt, aber man gönnt sich ja sonst nichts. Natürlich musste man auch hier online reservieren und eine feste Eintrittszeit einhalten. Im Gegensatz zur Blauen Lagune war das Spa jedoch modern ausgestattet, und der in einem Lavastrom an der Küste angelegte Poolbereich war ansprechend gestaltet – wäre da nicht der unablässige Wind gewesen, der einem das Gehirn gefror und Hagel ins Gesicht peitschte. Das siebenstufige Saunaritual, das hier zelebriert wird, sollte man sich aber nicht entgehen lassen.
Am Abend fuhren wir zurück nach Keflavik, wo unser Flieger am frühen Morgen startete. Unser Quartier war ein beschrankter Campingplatz, dessen Schranke sich nur nach Online-Zahlung öffnete. Wie ich es hasse! Doch nachts hatten wir dann doch noch Glück: Gegen Mitternacht rissen die Wolken auf, und wir konnten über der Reykjanes-Halbinsel und dem wilden Nordatlantik eine spektakuläre Nordlicht-Show erleben, womit Leroys größter Wunsch für diese Reise in Erfüllung ging!
Schwarmbeben im Vogtland klingt langsam ab – dennoch weiteres Beben M 2,2 detektiert
Der Erdbebenschwarm im Vogtland an der Grenze zwischen Deutschland und der Tschechei hat bereits gestern angefangen nachzulassen, doch heute Morgen hat es wieder eine Serie von Erdbeben gegeben, die zum Teil von den Anwohnern gespürt worden sein sollen. Dabei hatte das stärkste Beben eine Magnitude von 2,2 und lag damit deutlich unter der eigentlichen Wahrnehmbarkeitsgrenze von M 3,0. Werden schwächere Erschütterungen wahrgenommen, dann liegen die Erdbebenherde besonders flach, was hier aber auch nicht der Fall war, denn die Tiefe des Hypozentrums wird vom Thüringer Erdbebendienst mit 10600 m angegeben. Das Epizentrum wurde westlich von Luby lokalisiert. Dieses Erdbeben ereignete sich um 06:18:13 UTC. Zudem gab es drei weitere Erschütterungen mit Magnituden zwischen 1,3 und 1,6.
Die Anzahl manuell ausgewerteter Erdbeben, die sich innerhalb von 3 Tagen manifestierten, betrug 79. Diese Zahl steht in einem krassen Kontrast zu 13218 automatisch erfassten Erdbeben, die vom Portal Erdbebennews veröffentlicht wurden. Hierbei handelt es sich um Beben der beiden Erdbebenschwärme bei Luby und Klingental. Sollte diese Zahl stimmen, wären das in Bezug auf die Anzahl der Beben zwei sehr starke Schwarmbeben gewesen, die ihresgleichen suchen. Die automatisch detektierten Beben wurden auch auf der Erdbebenwebsite der Tschechischen Akademie der Wissenschaften angezeigt, die aber inzwischen offline genommen wurde. Zu finden ist nur noch eine Seite, die eine Handvoll manuell überprüfter Beben anzeigt. Da stellt man sich natürlich die Frage, ob die übermittelten bzw. automatisch übernommenen Daten korrekt sind. Auf den Seismogrammen sind jedenfalls sehr viele kleine Zipper zu sehen, die auf Mikrobeben hindeuten.
Im Vogtland kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu Erdbebenschwärmen, die nach Auffassung vieler Geowissenschaftler mit der Bewegung magmatischer Fluide zusammenhängen. In den letzten Jahren wanderten die Epizentren nordwärts und die Hypozentren in Richtung Oberfläche.
Tremor am Ätna ist im roten Bereich – strombolianische Eruptionen vermutet
Am Ätna auf Sizilien könnte die nächste Eruption im Gang sein, denn der Tremor ist über Nacht schnell in den roten Bereich gestiegen und hat inzwischen ähnliche Werte wie während der kurzen, aber intensiven Phase strombolianischer Eruptionen eingenommen, die sich am 19. März manifestierte. Anders als in der letzten Woche ist das Wetter aktuell schlecht, so dass es keine visuellen Observierungen gibt und die Form der Aktivität unklar ist.
Das INGV brachte eine kurze Notiz heraus, in der beschrieben wird, dass der Tremor gegen 04:00 UTC zu steigen begann. Der Schwerpunkt der Tremorquellen liegt im Bereich des Südostkraters auf einer Höhe von etwa 2900 m über dem Meeresspiegel. Das deutet an, dass sich das unter dem Südostkrater akkumulierte Magma in Bewegung gesetzt hat. Es wurde aber keine Infraschalltätigkeit festgestellt, die auf Explosionen hingedeutet hätte. Man wies darauf hin, dass das aber auch dem schlechten Wetter am Gipfel des Ätnas geschuldet sein könnte. Dennoch wurden vorsorglich Prognosemodelle zur Ausbreitung einer potenziellen Aschewolke erstellt, die zeigten, dass sich eine Aschewolke in Richtung Nordosten ausbreiten würde und den Flugrouten nahekommen würde. Eine VONA-Warnung vom VAAC Toulouse gibt es aber noch nicht, offenbar wurde noch keine Vulkanasche detektiert.
Daten aus den klinometrischen und GNSS-Bodendeformationsüberwachungsnetzwerken des Ätna zeigten bei keinem der gemessenen Parameter signifikante Abweichungen.
Alles in allem ist die Datenlage recht dünn und einzig der Tremor liefert einen Hinweis darauf, dass eine Eruption im Gang sein könnte. Die Schnelligkeit des Tremoranstiegs entspricht dem, was wir von Paroxysmen her kennen, doch in diesem Fall hätte es wahrscheinlich eine messbare Bodendeformation gegeben und es wären Berichte zu Ascheniederschlag eingegangen. So ist es am wahrscheinlichsten, dass es strombolianische Eruptionen gibt und vielleicht auch ein Lavastrom zu fließen anfängt, obgleich in solchen Fällen der Tremor meistens langsamer ansteigt.
Update 12:30 Uhr: Das INGV bestätigte inzwischen, dass nach einer Wetterbesserung Explosionen am Südostkrater beobachtet werden konnten. Zudem wurde inzwischen auch Infraschalltätigkeit detektiert. Der Tremor hat seinen Höhepunkt offenbar erreicht und evtl. auch schon überschritten.
Lang anhaltender Tremor und Asche-Dampf Exhalationen am Popocatepetl
Der mexikanische Vulkan Popocatepetl steigert nach der recht ruhigen Phase der letzten Monate seine Aktivität: Das VAAC Washington brachte heute eine VONA-Warnung heraus, nach der eine Eruptionswolke bis auf 6700 m Höhe aufgestiegen ist. Auf der Aufzeichnung der Livecam kann man noch eine mehrere Stunden dauernde Exhalationsphase sehen, die bei wenig Wind eine Dampfwolke erzeugte, die sehr hoch aufgestiegen ist und wahrscheinlich auch einen geringen Ascheanteil hatte. Aktuell steigt weniger Dampf auf, doch dieser ist rot illuminiert, woraus man schließen kann, dass glühendes Magma oben im Schlot steht.
Die Vulkanologen von CENAPRED berichten in ihrem täglichen Update, dass es gestern zu 31 Exhalationen gekommen ist. Zudem wurden 461 Minuten Tremor aufgezeichnet. Das ist fast eine Verdopplung der Tremordauer gegenüber dem Vortag. Eine solche war bereits am Freitag zu beobachten gewesen. Die Beobachtungen deuten darauf hin, dass ein Magmenkörper aufsteigt und somit die Wahrscheinlichkeit für stärkere Eruptionen zunimmt.
Während der Popocatepetl in diesem Jahr vergleichsweise ruhig blieb, sah es letztes Jahr anders aus: Im Frühjahr gab es eine Phase deutlich erhöhter Aktivität und man stand kurz davor, die Alarmstufe zu erhöhen, bevor sich der Vulkan wieder beruhigte. Im Dezember gab es dann erneut eine Phase mit intensivem Tremor, dem dann wieder stärkere Ascheeruptionen folgten. Bei diesen starken Ausbrüchen kommt es gelegentlich vor, dass Vulkanasche bis nach Mexiko-Stadt geweht wird und dort den internationalen Flughafen lahmlegt.
Theoretisch wären auch so starke Eruptionen möglich, dass das öffentliche Leben eines der größten Ballungsräume der Erde zum Erliegen kommt. Darüber hinaus wird die Metropolregion von Erdbeben bedroht. In den Jahren 1985 und 2017 richteten starke Erdbeben Schäden an, Tausende starben. Während das Erdbeben von 2017 eine Magnitude 7,1 hatte, war jenes von 1985 noch schlimmer: Es hatte sogar eine Magnitude von 8,1. .
Schwarmbeben in an der Tjörnes-Fracture-Zone auf Island
Heute Morgen begann im Norden von Island ein Erdbebenschwarm, der sich aus mehr als 7 Erschütterungen zusammensetzt. Die Epizentren manifestierten sich etwa 10 km westlich der Stadt Kópasker in der Bucht von Öxarfjörður. Das stärkste Ereignis der Magnitude 2,4 wurde um 14:39 Uhr registriert. Kurz danach ließ die Intensität des Schwarms stark nach. Bereits um 11:11 Uhr gab es ein Erdbeben der Magnitude 2,3. Es liegen keine Meldungen über spürbare Erdbeben vor.
Die Bucht von Öxarfjörður gehört zur Erdbebenzone Tjörnes, und Erdbeben sind in der Region relativ häufig.
Bei der Tjörnes-Fracture-Zone (TFZ) handelt es sich um eine seismisch aktive Transformstörung vor der Nordküste Islands. Sie verbindet das nordöstliche Ende des Mittelatlantischen Rückens (Reykjanes-Laugarnes-Riftzone) mit dem Kolbeinsey-Rücken weiter nördlich. Die TFZ besteht aus mehreren Strike-Slip-Störungen (Blattverschiebungen) und Verwerfungen, die durch die westwärts gerichtete Verschiebung der nördlichen Riftzone entstehen. Die Tjörnes-Fracture-Zone ist eine der aktivsten seismischen Regionen Islands. In den Jahren 2012 und 2013 gab es eine Schwarmbebenserie mit mehreren Erdbeben über M 5,0.
Deutliche Steigerung der Seismizität bei Sundhnúhur Heute bebte es aber nicht nur an der TFZ, sondern auch in anderen Regionen von Island, so dass in den letzten 48 Stunden 215 Beben detektiert wurden. 27 Beben ereigneten sich in der Vatnajökull-Region und 26 waren es im Süden von Island, wobei es auch ein Beben an der Hekla gab. Auf der Reykjanes-Halbinsel wurden 71 Beben festgestellt, die sich an mehreren Spaltensystemen ereigneten. Auffallend ist, dass es im Svartsengi-Gebiet und hier speziell entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe eine deutliche Zunahme der Aktivität gab: In den letzten 24 Stunden manifestierten sich fast 2 Dutzend Beben, als praktisch jede Stunde eine Erschütterung. Doch da die Natur nicht viel von Statistik hält, kamen die Beben gehäuft vor und die meisten manifestierten sich gestern Abend und heute Morgen. Natürlich liegt die Vermutung nahe, dass sie durch das aufsteigende Magma entstanden ist und der Druck im Fördersystem steigt. Die Bodenhebung hat in den letzten Tagen stark nachgelassen, so wie es vor der letzten Eruptionen der Fall gewesen war. Durchaus möglich, dass der erwartete Ausbruch doch bald beginnt.