Popocatépetl stößt während Vulkanausbruchs Asche aus

Verstärkte eruptive Aktivität am Popocatépetl – Aschewolke driftet in 6100 m Höhe nach Südwesten

Der Popocatépetl verstärkte nach einer relativ ruhigen Phase mit nur wenigen Eruptionen und keinem Tremor seine Aktivität deutlich: Laut einer VONA-Meldung vom VAAC Washington stieß der Vulkan heute Morgen um 07:08 UTC eine Wolke aus Vulkanasche und Gasen aus, die bei starkem Wind mit Geschwindigkeiten von bis zu 48 km/h bis auf eine Höhe von 6100 m aufstieg und nach Südwesten verfrachtet wurde. Auf dem Foto der Livecam ist zu sehen, wie schnell die Wolke niedergedrückt wurde. Bei Windstille wäre sie deutlich höher aufgestiegen.




Doch nicht nur der erneute Ascheausstoß bis auf FL 210 gibt Grund zur Annahme, dass der mexikanische Vulkan wieder aktiver wird, sondern auch der auflebende Tremor: Aus CENAPRED-Daten geht hervor, dass dieser gestern 62 Minuten lang aufgezeichnet wurde. Außerdem registrierten die Sensoren der Vulkanologen 51 Asche-Dampf Exhalationen.

Satelliten stellten in den letzten Tagen wiederholt Thermalstrahlung fest die es heute auf einen moderate Leistung von 16 MW schaffte. Ob sie von einem neuen Lavadom im Krater stammt oder von offener Lava im Förderschlot ist ungeklärt.

Auch wenn die Aktivität des Popocatépetl in den letzten Wochen niedriger als im vergangenen Jahr war, heißt das nicht zwingend, dass der Vulkan dabei ist, abzukühlen. Gewisse Fluktuationen in der Intensität eruptiver Tätigkeit sind bei einem daueraktiven Vulkan durchaus normal. Die Vulkanologen von CEAPRED sehen es genauso und lassen den Alarmstauts auf „Gelb Phase2“. Es gilt weiterhin ein Besteigungsverbot. Wer es ignoriert und bei der Besteigung es Vulkans erwischt wird, riskiert nicht nur eine Geldstrafe, sondern auch öffentliche Bloßstellung, die einen Vulkanspotter natürlich adelt. Allerdings ist es in der Tat gefährlich, die Verbote zu ignorieren: Schon während des Aufstieges drohen Schuttlawinen und Steinschläge, die schon so mache einen Bergsteiger das Leben kosteten.

Campi Flegrei: Sinkloch auf Straße in Bagnoli

Sinkloch auf Via Bagnoli sorgt für Aufregung in den Campi Flegrei

Nachdem die Caldera Campi Flegrei in den letzten Wochen aus den Schlagzeilen der Nachrichtenseiten verschwunden ist und es im Ganzen etwas ruhiger wurde, sorgen heute Schlagzeilen aus Bagnoli für erneute Unruhen: Mitten auf der Via Bagnoli, einer viel befahrenen Straße am Stadtrand, öffnete sich ein mehrere Meter großes Sinkloch. Die Straße liegt am Rand der Haupthebungszone des süditalienischen Calderavulkans, ca. 2500 m von deren Zentrum bei Rione Terra und der Solfatara entfernt. Ob das Sinkloch eine Folge der Bodenhebung ist oder durch eine Unterspülung der Straße infolge starker Regenfälle oder eines Rohrbruchs verursacht wurde, ist bis jetzt unklar. Anwohner verweisen auf die hohe Belastung der Straße, da sie momentan von zahllosen Baustellen-LKW befahren wird, die den Hafen für die Regatta des America’s Cup im nächsten Jahr fit machen sollen.



Erdfall

Auch wenn die Ursache des Erdfalls noch nicht geklärt ist, ist hingegen klar, dass das Sinkloch den Abtransport von Erdaushub stört und die sich aufreihenden LKW den Verkehr weiträumig beeinträchtigen.

Erdfälle und Sinklöcher sind keine Seltenheit in der Umgebung von Bagnoli und Pozzuoli. Als ich letztes Jahr nach dem vergleichsweise starken Erdbeben im Mai dort unterwegs war, wurde ich ebenfalls Zeuge eines Erdfalls: Ein durch die Bodenbewegung ausgelöster Rohrbruch hatte damals die Straße unterspült.

Die Erdbebenaktivität der Campi Flegrei bewegt sich aktuell auf moderatem Niveau. Aus dem vorgestern veröffentlichten INGV-Bericht für den Beobachtungszeitraum 19.–25. Januar 2026 geht hervor, dass sich in dieser Woche 24 Erdbeben ereignet hatten. In der Vorwoche waren es 44. Seit Montag dieser Woche wurden gut 30 Erschütterungen detektiert. Der Boden hebt sich mit einer Geschwindigkeit von 15 mm pro Monat. Der Kohlendioxid-Ausstoß bewegt sich genauso wie die Temperatur der BG-Fumarole in der Solfatara auf hohem Niveau, was auf eine anhaltende Druckbeaufschlagung des Systems hindeutet.

Ob das Sinkloch nun eine direkte Folge der Bodendeformationen ist oder auf außergewöhnliche Belastungen infolge des LKW-Verkehrs zurückzuführen ist, ändert nichts an meiner Bewertung, dass der Rückgang der Seismizität und die Verlangsamung der Bodenhebung kein Grund dafür sind, anzunehmen, die wachsende Gefahr eines stärkeren Erdbebens oder Vulkanausbruchs sei gebannt.

Portugal: 5 Todesopfer durch katastrophalen Wintersturm

Wintersturm „Kristin“ verwüstet Teile Portugals – 5 Tote und massive Schäden infolge einer globale Wetterdynamik

Gestern traf der schwere Wintersturm „Kristin“ mit voller Wucht auf die Atlantikküste von Portugal, richtete schwere Verwüstungen an und tötete mindestens 5 Menschen. Dutzende wurden verletzt. Windböen erreichten in der Spitze Geschwindigkeiten von bis zu 177 km/h. Diese Windgeschwindigkeiten werden besonders starken Orkanen zugeordnet. Für viele Betroffene kam der Sturm über Nacht und mit zerstörerischer Kraft.




In zahlreichen Regionen stürzten Bäume um und Dächer wurden abgedeckt. Bäume und Dächer landeten nicht selten auf Fahrzeuge und beschädigten diese und blockierten Straßen. Dabei wurden mindestens 5 Personen getötet. Vier der Opfer stammen aus der Stadt Leiria, die besonders hart getroffen wurde. Der Zivilschutz meldete tausende Einsätze innerhalb weniger Stunden. Besonders dramatisch waren Stromausfälle infolge zerstörter Strommasten: Zeitweise waren mehr als 800.000 Menschen von der Stromversorgung abgeschnitten, vielerorts fielen auch Mobilfunknetze aus. Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und technischen Hilfswerken des Zivilschutzes waren im Dauereinsatz. Krankenhäuser arbeiteten im Notbetrieb. Schulen und Behörden blieben geschlossen.

In vielen Orten kamen Verkehr und öffentliches Leben nahezu zum Erliegen. Bahnverbindungen wurden unterbrochen und Straßen gesperrt. Mehrere Küstenabschnitte mussten aus Sicherheitsgründen evakuiert werden. Fischer und Anwohner an der Küste berichten von meterhohen Wellen, die Hafenanlagen beschädigten und Boote zerstörten. Es entstanden Schäden in dreistelliger Millionenhöhe.

In den sozialen Medien geteilte Fotos dokumentierten das vom Sturm ausgelöste Chaos. Besonders eindrücklich ist ein Foto, dass umgeknickte Baumreihen zeigt und oft geteilt wurde. Meiner Meinung nach stammt es aber nicht aus Portugal, sondern vom Sturm Kyrill, der im Jahr 2007 Deutschland traf.

Nach dem Durchzug über Portugal verlagerte sich das Unwetter ostwärts und sorgte in Spanien für ungewöhnlich starken Schneefall, insbesondere im Raum Madrid, wo es zu Verkehrschaos und stundenlangen Staus kam.

Meteorologisch betrachtet ist Sturm „Kristin“ ein atlantisches Tiefdrucksystem. Eine direkte Verbindung zu dem vor wenigen Tagen wütenden Blizzard in den USA besteht nicht. Dennoch gibt es eine indirekte Verknüpfung über den Jetstream: Der stark mäandrierende Höhenwind kann großräumige Wetterextreme auf beiden Seiten des Atlantiks begünstigen. Solche Lagen führen dazu, dass Kaltluft in Nordamerika weit nach Süden ausbricht, während Europa gleichzeitig von energiereichen Sturmtiefs getroffen wird.

Australien: Extreme Bodentemperaturen gemessen

Neue Satellitendaten bestätigen extreme Bodentemperaturen während Hitzewelle in Australien

Australien erlebte Anfang Januar eine außergewöhnliche Hitzewelle, die nicht nur neue Lufttemperatur-Rekorde hervorbrachte, sondern auch extrem hohe Bodentemperaturen, die von Satelliten aus gemessen wurden. Heute veröffentlichte Daten des europäischen Copernicus-Programms dokumentieren Landoberflächentemperaturen von bis zu 60 Grad Celsius, die in Teilen des trockenen Binnenlands von New South Wales und South Australia auftraten. In Orten wie Willcania und Broken Hill heizte sich der Boden auf Werte auf, die selbst für australische Verhältnisse extrem sind und die Intensität der Hitzewelle hervorheben. Barfußlaufen ist da weniger empfehlenswert.

australien
Australien. © Copernicus

Die Hitzewelle ist nicht nur von akademischem Interesse, sondern wirkte sich auch auf die Gesundheit der Bevölkerung aus und ließ kreislaufbedingte Notfälle in die Höhe schnellen. Vorläufige Zahlen gehen von bis zu 50 Hitzetoten aus, weswegen man die Hitzewelle als Naturkatastrophe betrachten kann. Zudem kam es zu lokal begrenzten Stromausfällen, da die Stromnetze durch Klimaanlagen auf Volllast überfordert wurden.

Die Extremtemperaturen betreffen nicht nur die Luft, sondern auch die Oberfläche von Böden und versiegelten Flächen. Dennoch stehen sie in enger Beziehung zu den gemessenen Lufttemperaturen. Während des Höhepunkts der Hitzewelle kletterten diese vielerorts auf knapp 50 Grad Celsius. Eine über Tage hinweg ortsstabile Hochdruckwetterlage mit starker Sonneneinstrahlung führten dazu, dass sich die Erdoberfläche deutlich stärker aufheizt als die darüberliegende Luft. Die extremen Bodentemperaturen bewirken dabei eine verstärkende Rückkopplung: Sie geben besonders nachts Wärme an die Atmosphäre ab, erschweren dadurch die Abkühlung und treiben die Temperaturen auf Extremwerte. Die Hitzewelle erhöht die gesundheitliche Belastung ebenso wie das Risiko von Buschbränden.

Weitere Copernicus-Daten korrelieren mit den Extrembedingungen in Australien und stellen einen globalen Kontext her: Gemeint sind die Temperaturen der Ozeane, die auch 2025 deutlich über dem langjährigen Mittel lagen. Auswertungen des Copernicus Marine Service und von Mercator Ocean International zeigen weit verbreitete marine Hitzewellen und eine unterdurchschnittliche Meereisausdehnung, die sogar trotz eher kühlend wirkenden La-Niña-Bedingungen auftraten. Tatsächlich war 2025 das wärmste La-Niña-Jahr seit Beginn moderner Ozeanmessungen.

Diese warmen Ozeane spielen eine zentrale Rolle für das Geschehen über Land. Sie speichern den Großteil der überschüssigen Wärme im Klimasystem und beeinflussen großräumige Zirkulationsmuster der Atmosphäre. Im australischen Raum begünstigen sie stabile Hochdrucklagen mit geringer Bewölkung und eine anhaltende Trockenheit. Die extreme Erwärmung der australischen Landoberfläche ist damit Ausdruck eines Klimasystems, das insgesamt mehr Energie enthält – mit spürbaren Folgen für Mensch, Umwelt und Infrastruktur.

Pico del Teide: Droht ein Vulkanausbruch?

Erdbebenaktivität am Teide schürt Angst vor Vulkanausbruch

Der Vulkan Teide auf Teneriffa beansprucht zusammen mit dem Ätna, der größte Vulkan Europas zu sein. Betrachtet man den Teide vom Meeresboden aus, ist er in Bezug auf Höhe und Volumen tatsächlich deutlich größer als der Ätna. Dieser ist – zumindest in den letzten Jahrhunderten – aber wesentlich aktiver gewesen und daher für mich der mächtigste Vulkan Europas. Hinzu kommt, dass der Teide zwar politisch zu Europa gehört, geologisch gesehen aber zu Afrika. Abseits dieser Betrachtungen mehren sich die Sorgen, dass der seit 1909 ruhende Teide bald wieder ausbrechen könnte. Die Befürchtungen werden von einer hohen Anzahl an Erdbeben unter dem Teide befeuert: Alleine im letzten Jahr wurden laut INVOLCAN 2320 Erdbeben auf Teneriffa registriert, die meisten davon unter dem Bereich der Caldera Las Cañadas, in der sich der bekannte Pico del Teide erhebt.




Erdbeben Teneriffa

Die hohe Erdbebenaktivität unter dem Teide scheint sich auch dieses Jahr fortzusetzen: Am 26. Januar wurde ein seismischer Schwamm aus 59 schwachen Erschütterungen registriert. Am Folgetag waren es 33 Erschütterungen, von denen einige Beben das Muster von Hybriderdbeben aufwiesen und sich im Südwesten der Caldera konzentrierten. Hybriderdbeben stehen mit Fluidbewegungen im Zusammenhang. Die Herdtiefen der aktuellen Schwärme liegen bei 12 Kilometern und könnten direkt von aufsteigendem Magma verursacht worden sein.

Die Vulkanologen von INVOLCAN veröffentlichten aufgrund der wachsenden Besorgnis nun ein Memorandum, in dem sie eine Einordnung der Beben vornehmen, offenbar in dem Bestreben, die wachsenden Wogen der Besorgnis zu dämpfen, was in meinen Augen nur sehr bedingt gelingt. Die Vulkanologen verweisen auf die seit 2016 erhöhte Erdbebenaktivität, die mit erhöhten CO₂-Emissionen einhergeht. Zudem wurde eine leichte Bodenhebung registriert. Die Vulkanologen argumentieren, dass die Erdbebenaktivität aktuell nur leicht über dem Durchschnitt liegt: Statistisch gesehen gibt es auf Teneriffa 6,35 Beben pro Tag. Seit 2016 wurden 130 Erdbebenschwärme registriert, also ordnet sich die aktuelle Aktivität in dieses Schema ein und es würde weder kurz noch mittelfristig ein Vulkanausbruch drohen. Langfristig betrachtet sieht es allerdings anders aus: Auch wenn der Teide in den nächsten Tagen und Wochen wahrscheinlich nicht eruptieren wird, kann sich die Situation innerhalb von Monaten und Jahren schnell ändern und eine Eruption kann sogar als wahrscheinlich betrachtet werden.

Die Beschwichtigungsversuche der Vulkanologen und Behörden sind mal wieder typisch für Menschen, die in Amtszeiten und Legislaturperioden denken. Zwar besteht aktuell kein Grund, Panik zu schüren, doch meiner Meinung nach sollte man die Gefahr eines Vulkanausbruchs am Pico del Teide nicht herabspielen, sondern die Menschen darauf vorbereiten. Ansonsten ist die Überraschung groß, sollte es zu einer ähnlichen Katastrophe wie 2021 auf La Palma kommen!

Home-Reef-Vulkan: Vulkanologen halten Warnung aufrecht

Home-Reef in Tonga: Inselvulkan gefährlich für die Schifffahrt

Der submarine Vulkan Home Reef ist auch Ende des Monats weiterhin aktiv und emittiert eine deutlich messbare Thermalstrahlung. Darüber hinaus stößt der kleine Inselvulkan im Südpazifik – der offiziell noch als submariner Vulkan geführt wird – Dampfwolken aus, die zudem feine Aschen enthalten. Vulkanologen des TGS (Tonga Geological Services) beobachteten auch Schlammfontänen, die marine Sedimente enthielten, was auf phreatische Eruptionen hindeutet. Damit zeigt Home-Reef, wie dynamisch die Erde unter den Ozeanen ist.

Home Reef
Thermische Anomalie

Die Aktivität hält seit Mitte Dezember 2025 an und das TGS veröffentlichte heute eine weitere Warnung, nach der die Eruption eine Gefahr für den Schiffsverkehr darstellt. Für Kapitäne gilt eine Sperrzone von 2 Seemeilen (fast 4 km) um den Inselvulkan und auch Flugkapitäne sollen die Gegend meiden: Aufgrund der Möglichkeit stärkerer Ascheeruptionen wurde der Farbcode für den Flugverkehr auf „Orange“ erhöht. Eine größere Gefahr für die Bewohner umliegender Inseln des Archipels von Tonga besteht derzeit nicht, hier steht der Alarmstatus auf „Grün“. Dieser Status bedeutet nicht, dass es überhaupt keine Gefahr gibt, denn sobald die Warnampel an einem Vulkan anspringt, gilt er als aktiv und steht unter besonderer Beobachtung.

Home Reef gehört zum Tofua-Vulkankomplex, zu dem auch eine große Caldera gehört. Die Vulkane Tongas reihen sich entlang einer der aktivsten Subduktionszonen der Erde auf, die für ihre große Anzahl submariner Vulkane bekannt ist, darunter dem Hunga-Tonga-Hunga-Ha’apai, der vor 4 Jahren die größte je von Menschen beobachtete Eruptionswolke hervorbrachte.  Die aktuelle Vulkaninsel liegt nur wenige Meter über dem Meeresspiegel und erhob sich infolge intensiver Eruptionen im Jahr 2022 über der Wasserlinie. Seitdem wuchs der Krater des Vulkans auf einen Durchmesser von 100 × 130 Metern an. Ob die kleine Vulkaninsel von Dauer sein wird, hängt von der weiteren eruptiven Aktivität ab. An dieser Stelle hatte sich schon in früheren Jahren eine Insel gebildet, die immer wieder von der Kraft des Wassers erodiert wurde.

In eruptiven Zeiten, in denen der Förderschlot unter Wasser liegt, bietet Home-Reef das besondere Naturspektakel surtseyanischer Eruptionen. Bei diesen Ausbrüchen kommt es zum Kontakt zwischen Lava und Meerwasser, was die Explosivität verstärkt und spektakuläre Eruptionswolken hervorbringt, die nicht nur aus Dampf und Vulkanasche bestehen, sondern mit dem Ausstoß von Wasser- und Schlammfontänen einhergehen.

Ätna: Neue Analyse zu Bodenbewegungen am Südhang

Nach Erdbebenserie am Ätna-Südhang: Analyse bestätigt Hinweise auf eine aktive Verwerfung

Im Herbst 2025 sorgte eine Erdbebenserie zwischen Nicolosi und Tremestieri Etneo für Aufregung, die mit der Bildung von Bodenrissen einhergegangen ist. Dieses Phänomen war Anlass für eine neue INGV-Analyse (im Folgenden als Studie bezeichnet), die nun veröffentlicht wurde. Sie liefert neue Belege für oberflächennahe Bodendeformationen entlang der sogenannten Störung „Faglia di Tremestieri“ am Südhang des Ätna. Die Arbeit zeigt, dass der größte aktive Vulkan Europas nicht nur eruptiv, sondern auch tektonisch in Bewegung ist.

Bodenrisse

Im Fokus der Untersuchung stand die Störung „Faglia di Tremestieri“. Hierbei handelt es sich um eine mehrere Kilometer lange Störungszone zwischen Nicolosi und Tremestieri Etneo. Mithilfe von Geländeaufnahmen und strukturellen Bodenanalysen sowie der Auswertung seismischer Daten konnten die Forschenden nachweisen, dass sich der Untergrund entlang der Verwerfung kontinuierlich verformt.

Die Verformungen kommen weniger durch abrupte Verschiebungen infolge starker Erdbeben zustande, sondern durch eine schleichende Bewegung der Erdoberfläche, die die Studienautoren als „creep“ bezeichnen und die über längere Zeiträume hinweg abläuft. Solche Prozesse bleiben oft unbemerkt, bis Schäden an Straßen, Gebäuden und Versorgungsleitungen entstehen. Im untersuchten Fall öffneten sich Risse im Asphalt von Straßen und einem Parkplatz.

Zusätzliche Hinweise auf die Aktivität der Verwerfung liefern die oben erwähnten Erdbeben, die im Herbst 2025 am Südhang des Ätna registriert wurden. Ihre Ausbreitung passt gut zu der bekannten Geometrie der Störung. Dabei sind die Erdbeben Symptom und nicht Ursache der Bodenbewegung.

Welche Rolle spielt Magma?

Eine zentrale Frage der Studie lautet, ob magmatische Prozesse an der beobachteten Deformation beteiligt sein könnten. Tatsächlich ist bekannt, dass Magmenintrusionen im Inneren des Ätna das Spannungsfeld im Vulkangebäude verändern können. Steigendes oder seitlich migrierendes Magma wirkt dabei wie ein Keil, der vorhandene Schwächezonen belastet.

Die beobachteten Verschiebungen lassen sich jedoch nicht allein durch einzelne Magmenintrusionen erklären. Vielmehr sprechen die langsame Geschwindigkeit und das dauerhafte Anhalten der Bodenverformung für einen langfristigen Prozess. Er wird hauptsächlich durch die gravitative Verlagerung des Vulkans Richtung Küste gesteuert. Dabei ist nicht auszuschließen, dass Magmenintrusionen als Impulsgeber wirken können: Wenn Magma intrudiert, können die Druckänderungen des Systems auf die bereits vorgespannte Störung treffen, Bodendeformationen beschleunigen und Erdbeben auslösen.

Ähnliche Prozesse kommen am Ätna auch an anderen bekannten Störungszonen vor, wie etwa an der bekannten Pernicana-Verwerfung am Nordosthang.

Die Studie macht klar, dass die Gefahren am Ätna nicht nur eruptiver Natur sind. Langsame tektonische Deformationen in dicht besiedelten Gebieten stellen ein eigenständiges Risiko dar, das in der Raumplanung und im Katastrophenschutz berücksichtigt werden muss.

(Quelle: INGVvulcani, Raffaele Azzaro e Carla Musumeci)

Shiveluch bricht aus und eruptiert über 9 km hohe Aschewolke

Vulkanausbruch des Shiveluch auf Kamtschatka – Aschewolken bis in große Höhen aufgestiegen

Der Vulkan Shiveluch liegt auf der russischen Halbinsel Kamtschatka und ist erneut ausgebrochen. Seit gestern Abend sorgen seine Aschewolken für Beeinträchtigungen des Luftverkehrs. Anwohner sorgen sich vor noch stärkeren Eruptionen. Nach Angaben des Kamchatka Volcanic Eruption Response Teams (KVERT) gilt nach mehreren Explosionen weiterhin der Aviation Colour Code ORANGE.




Der bislang stärkste Ausbruch der Serie ereignete sich heute früh gegen 04:50 UTC. Dabei wurde eine Aschewolke bis in eine Höhe von FL310 (ca. 9,5 Kilometer) geschleudert. Satellitenbeobachtungen bestätigten eine rasche Ausbreitung der Vulkanasche, die sich mit starken Höhenwinden bis zu 340 Kilometer westlich des Vulkans verlagerte. Der Ausbruch dauerte gut 15 Minuten.

Darüber hinaus berichtet KVERT, dass das Lavadom-Wachstum im Krater des „Jungen Shiveluch“ weiterhin anhält. Dieser Prozess ist von kräftigen Gas- und Dampfausstoßungen begleitet. Zusätzlich wurde in Satellitendaten eine deutliche thermische Anomalie registriert, was auf anhaltende magmatische Aktivität im Fördersystem hinweist. Die aktuelle Gipfelhöhe des Lavadoms wird auf etwa 2500 Meter geschätzt, während der Vulkan am höchsten Rand seiner Caldera eine Gesamthöhe von 3283 Metern erreicht.

Seit Beginn der jüngsten Aktivitätsphase wurden sieben VONA-Warnungen (Volcano Observatory Notice for Aviation) herausgegeben. Das zuständige VAAC Tokio bestätigte wiederholt neue Aschewolken in unterschiedlichen Höhenlagen – von bodennahen Schichten bis in große Reiseflughöhen. Teile der Asche waren zeitweise durch meteorologische Wolken verdeckt, konnten jedoch mithilfe moderner Satellitensysteme wie Himawari-9 eindeutig nachgewiesen werden. KVERT warnte in diesem Zusammenhang vor Aschewolken, die bis zu 15 km hoch aufsteigen könnten.

Bei der Vulkanasche handelt es sich nicht etwa um das Verbrennungsprodukt eines Feuers, sondern um fragmentierte Lava, die man eigentlich als Sand bezeichnen müsste. Gerät sie in Flugzeugturbinen, könnten diese geschädigt werden.

Der Shiveluch zählt zu den aktivsten und gefährlichsten Vulkanen Kamtschatkas. Explosive Ausbrüche, gepaart mit Domkollapsen und pyroklastischen Strömen, treten hier regelmäßig auf. Für die lokale Bevölkerung besteht derzeit keine unmittelbare Bedrohung, da das Gebiet nur dünn besiedelt ist. Für den internationalen Flugverkehr im nördlichen Pazifikraum stellt die anhaltende Ascheemission jedoch ein ernstzunehmendes Risiko dar.

Philippinen: Starker Erdbebenschwarm im Süden

Starke Erdbebensequenz erschüttert Moro-Golf vor Mindanao auf den Philippinen

Datum: 28.01.2026 | Zeit: 06:47:01 UTC | Koordinaten 6.475 ; 123.795 | Tiefe: 10 km | Mw 5,9

Nach Daten des EMSC (European-Mediterranean Seismological Centre) ereignete sich am 28. Januar 2026 um 06:47 UTC im philippinischen Moro-Golf vor der Insel Mindanao ein Erdbeben der Magnitude 5,9. Das Hypozentrum lag in rund 10 Kilometern Tiefe bei den Koordinaten 6,475° Nord und 123,795° Ost. Das Epizentrum befand sich etwa 97 Kilometer süd-südwestlich von Cotabato sowie 30 Kilometer west-südwestlich von Kalamansig. Das Beben war der stärkste Stoß einer ungewöhnlich intensiven Serie weiterer Beben, darunter mehrere Ereignisse mit Magnituden zwischen 5,0 und 5,7. Der Schwarm begann bereits vor 10 Tagen, intensivierte sich in den letzten 24 Stunden aber signifikant. Insgesamt wurden bis jetzt 119 Beben registriert. An gleicher Stelle hatte es im November 2024 bereits ein sehr starkes Erdbeben Mw 7,1 in der ungewöhnlichen Tiefe von 620 Kilometern gegeben.

Philippinen. © EMSC/Leaflet

Die aktuellen Erschütterungen wurden in weiten Teilen des südwestlichen Mindanao deutlich wahrgenommen. Augenzeugen berichteten von schwankenden Möbeln, klirrenden Fenstern und grollenden Geräuschen sowie einem kurzzeitigen Stromausfall, von dem einzelne Gemeinden betroffen waren.

In Küstenorten wie Kalamansig und Palimbang verließen zahlreiche Menschen aus Angst vor möglichen Nachbeben oder einem Tsunami vorsichtshalber ihre Häuser und hielten sich im Freien auf oder flüchteten auf höher gelegenem Gelände. Offizielle Tsunamiwarnungen wurden nicht ausgegeben. Bestätigte Berichte über größere Sachschäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor, dennoch war die Verunsicherung in der Bevölkerung groß, da sich die Erdstöße über viele Stunden hinweg fortsetzten.

Seismologen ordnen das Ereignis als intensive Nachbebenserie mit schwarmähnlichem Charakter ein. Zwar hebt sich das Beben der Magnitude 5,9 als Hauptstoß ab, doch die Vielzahl vergleichsweise starker Folgebeben ist ungewöhnlich und deutet auf ein komplexes Muster hin. Tektonisch liegt der Moro-Golf in einer seismisch besonders aktiven Region, in der die Philippinische Seeplatte mit den Molukken- und Celebes-Mikroplatten – die der Sunda-Platte vorgelagert sind – aufeinandertreffen. Subduktionsprozesse entlang des Cotabato-Graben, bei dem eine Erdplatte in den Erdmantel abtaucht, dürften die treibende Kraft hinter der Erdbebensequenz sein.

In der Region gibt es zahlreiche aktive Vulkane, wie jene des Sangihe-Inselbogens und der Molukken. Besonders der Karangetang könnte durch die Erdbeben zu Eruptionen angeregt werden.

Die zuständigen Behörden beobachten die Lage weiterhin aufmerksam und rufen die Bevölkerung zur Vorsicht auf, insbesondere im Hinblick auf mögliche Nachbeben.