Vulkan El Chichón: Kratersee verwandelte sich in Säuresee

Veränderungen im Kratersee des El Chichón und erhöhte Seismizität im vergangenen Jahr fordern Wachsamkeit

Der mexikanische Vulkan El Chichón beherbergt einen Kratersee, der nach der verheerenden Eruption von 1982 entstand. Jahrzehntelang war sein Wasser von Algen grün gefärbt, ein Indiz dafür, dass sich ein für Einzeller und andere Mikroorganismen akzeptables Milieu etabliert hatte, in dem Leben möglich ist. In den letzten Jahren zeigen sich allerdings deutliche Veränderungen, die sich in den vergangenen Monaten beschleunigten und von UNAM-Wissenschaftlern aufmerksam beobachtet werden. Sie könnten Anzeichen dafür sein, dass sich einer der gefährlichsten Vulkane des Landes auf eine neue Eruption vorbereitet.




Der im Fokus des Interesses stehende Kratersee ist ein Spiegel der magmatischen Aktivität, die sich im Untergrund des El Chichó abspielt. Nach einem der explosivsten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts, der mit einer gewaltigen Asche- und Gaswolke verbunden war und zahlreiche Menschenleben forderte, bildete sich ein zunächst türkisfarbener See mit einem Durchmesser von rund einem Kilometer und einer Tiefe von etwa 200 Metern. Im Laufe der Jahre kühlte das Wasser ab und es kam zu Algenwachstum. Der Kratersee verfärbte sich zu normalem Grün Inzwischen wandelt er sich wieder und die Wassertemperatur steigt, tötet die Algen ab und bewirkt eine Farbveränderung des Sees.

Fumarolen am Grund des Sees stoßen heiße Gase und fast kochend heißes Wasser aus, das viel Schwefeldioxid enthält und den See in eine säurehaltige Brühe verwandelt. Wissenschaftler der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) beobachten seit etwa 20 Jahren Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung des Wassers, die heute von Sulfaten und Kieselsäure geprägt ist. Zudem wurden hohle Schwefelkugeln an der Wasseroberfläche entdeckt, die auf einen flüssigen Schwefelsee am Grund hinweisen, der bis zu 118 Grad Celsius erreicht.

Parallel zu diesen Veränderungen wurde im Jahr 2025 eine Phase erhöhter seismischer Aktivität registriert. Zahlreiche kleinere Erdbeben – typisch für hydrothermale Systeme – wurden im Umfeld des Vulkans aufgezeichnet. Diese Erdbeben sind jedoch bisher nicht mit weiteren Anzeichen für Magmaintrusionen verbunden, was eine größere Eruption derzeit unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Die Veränderungen im Kratersee und die erhöhte Erdbebenaktivität zeigen jedoch, dass der Vulkan El Chichón weiterhin vulkanischen Prozessen unterliegt. Die für die Vulkanbeobachtung verantwortlichen UNAM-Mitarbeiter fordern eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Vulkanologen, Risikomanagement und lokalen Behörden, um die Entwicklungen genau zu beobachten und angemessene Schutzmaßnahmen zu gewährleisten.

Türkei: Erdbeben Mb 4,9 im Westen

Erdbebenserie im Westen der Türkei setzt sich fort – Bevölkerung in Alarmbereitschaft

Datum: 23.01.2026 | Zeit: 21:24:38 UTC | Koordinaten 39.191 ; 28.291 | Tiefe: 11 km | Mb 4,9

Im Westen der Türkei kam es bei Sindirgi erneut zu einem mittelstarken Erdbeben. Es hatte eine Magnitude von 4,9. Die Herdtiefe wird beim EMSC mit 11 Kilometern angegeben. Messungen türkischer Institute ergaben eine Lokalmagnitude von 5,1. Das Beben manifestierte sich gestern Nacht um 21:24:38 UTC und war Teil eines Schwarms aus Hunderten Erschütterungen. Mehrere der Beben hatten Magnituden über 3 und wurden von den Anwohnern der Gegend verspürt. Der stärkste Erdstoß war sogar in Izmir und Istanbul zu spüren gewesen. Dort fürchtet man sich seit langem vor einem Megabeben. Entsprechend besorgt reagierten die Menschen.



Westen
Türkei. © EMSC/Leaflet

Viele Bewohner berichteten in sozialen Netzwerken und beim EMSC von ihren Wahrnehmungen: Teilweise wurden Menschen aus dem Schlaf gerissen, als ein tiefes Grollen anrollte und die Häuser zu wackeln begannen, Gebälk knarzte und Geschirr und Fenster klirrten. Nahe des Epizentrums fielen Gegenstände aus den Regalen. Die über mehrere Stunden anhaltende Folge von leichten bis moderaten Erschütterungen hat in einigen Gemeinden zu einer latenten Angst vor größeren Beben geführt – viele Menschen verbrachten die Nacht im Freien.

Die Region gilt als hochgradig seismisch aktiv. Sie liegt in einem tektonisch komplexen Bereich der Anatolischen Platte, der von der Arabischen und Eurasischen Platte flankiert wird. Durch teils gegensätzliche Bewegungen und Drehungen der Platten und Krustenblöcke kommt es zu ausgedehnten Verwerfungs- und Dehnungszonen. Eine davon ist der Simav-Graben, an dessen Südrandstörung sich die Beben ereigneten.

Die jüngsten Erschütterungen reihen sich ein in eine anhaltende Erdbebenserie, die seit dem Frühsommer 2025 anhält. Bereits am 10. August und 27. Oktober 2025 waren starke Beben der Magnitude etwa 6,1 registriert worden, die über Wochen hinweg von tausenden Nachbeben begleitet wurden. Diese Serie hatte im vergangenen Jahr für Besorgnis gesorgt und Warnungen vor weiterer Aktivität ausgelöst.

Nicht nur in der Sindirgi-Region fürchtet man sich vor starken Erdbeben, sondern vor allem im Bereich der Nordanatolischen Verwerfung bei Istanbul. Hier rechnen Seismologen bereits seit Jahren mit einem Megabeben, das große Teile der Metropole verwüsten könnte. Man sitzt dort sprichwörtlich auf einer seismologischen Zeitbombe.

USA: Blizzard-Warnung für Washington DC

Blizzard-Warnung für Washington D.C. – vorsorglich Alarmstufe Rot und Notstand ausgerufen

In der Region um die US-amerikanische Hauptstadt Washington D.C. wird ein Blizzard erwartet, der neben großen Schneemengen eisige Temperaturen mit sich bringen soll. Die winterlichen Bedingungen könnten auch zu Glatteis führen, in dessen Folge massive Verkehrsbehinderungen erwartet werden. Vorsorglich wurde bereits gestern die Unwetterwarnstufe „Rot“ ausgerufen und der Notstand über die Hauptstadt verhängt. Doch am Samstagmorgen zeigt sich das Wetter überraschend ruhig – der erwartete Schneesturm lässt noch auf sich warten.

Dass er kommt, erscheint aber als gesichert, denn andere Landesteile sind bereits fest im Griff arktischer Luftmassen des Blizzards „Fern“ der einen Bogen schlägt und nicht direkt aus dem Norden auf Washington zuhält, sondern aus dem Südwesten kommt. Besonders betroffen sind bis jetzt die Northern Plains und Teile des Mittleren Westens, wo Windchill-Temperaturen von unter minus 40 Grad Celsius gemessen wurden. In der Hauptstadtregion werden hingegen bis zu -10 Grad erwartet,

Die meteorologischen Bedingungen für den angekündigten Blizzard sind komplex und typisch für einen schweren Wintersturm an der US-Ostküste. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet zieht aus dem Süden heran, nimmt dabei feuchte Luftmassen vom Atlantik auf und trifft auf kalte, arktische Luft, die aus dem Norden einfällt. Diese Mischung sorgt für intensiven Niederschlag in Form von Schnee, Schneeregen und gefrierendem Regen, was eine gefährliche Kombination darstellt und den Verkehr zu Wasser, zu Lande und in der Luft schnell lahmlegen kann. Besonders gefährlich ist dabei die Eisbildung auf Straßen und Stromleitungen. Letzteres kann zu großen Stromausfällen führen.

Der Sturm erinnert an das ähnliche Wetterereignis zum Jahreswechsel, als die Region bereits von heftigen Schneefällen und gefährlichen Straßenbedingungen getroffen wurde. Damals hatten die Behörden ebenfalls frühzeitig reagiert, um Verkehr und Versorgung aufrechtzuerhalten, was im Bereich der großen Metropolen auch gut gelang. Zwischen Weihnachten und Neujahr hielt ich mich selbst in New York und Washington auf: Während der damals anrollende Wintersturm New York in abgeschwächter Form traf, blieb das angekündigte Chaos in Washington aus.

Mayotte: Erdbeben beim submarinen Vulkan Fani Maoré

Zwei Erdbeben erschüttern die Region Mayotte und liefern Hinweise auf anhaltende magmatische Aktivität

Im Indischen Ozean ereigneten sich 2 schwache Erdbeben von besonderem Interesse: Sie hatten die Magnituden 3,5 und 3,3 und manifestierten sich in einer Tiefe von 41 und 37 Kilometern. Die Epizentren wurden 44 Kilometer östlich von Mamoudzou auf der Insel Mayotte registriert. Das französische Überseedepartment stand 2018/2019 aufgrund einer starken Bodendeformation in den Schlagzeilen und im Fokus der Wissenschaft: 50 Kilometer östlich der Küste war es zu einem starken submarinen Vulkanausbruch gekommen, der mehrere Kubikkilometer Magma hervorbrachte, was den Boden der Insel massiv absenkte. Genau dort, im Bereich des neu entstandenen Unterwasservulkans Fani Maoré, ist es nun zu den beiden Erdbeben gekommen.




Mayotte
Mayotte. © EMSC/Leaflet

Die Erdbeben im nördlichen Mosambik-Kanal wurden innerhalb weniger Stunden registriert. Das erste Beben ereignete sich am 23. Januar 2026 um 21:04 UTC und erreichte eine Magnitude von 3,3. Wenige Stunden später folgte am 24. Januar um 07:31 UTC ein weiteres Erdbeben der Magnitude 3,5 in nahezu identischer Lage. Beide Beben waren auch auf den Komoren, etwa 290 Kilometer ostsüdöstlich, messbar.

Auffällig ist nicht nur die räumliche Nähe der beiden Ereignisse, sondern auch ihre große Tiefe, die deutlich unter der üblicherweise tektonisch bedingten seismischen Aktivität liegt. Genau diese Tiefe gilt in einer vulkanisch aktiven Zone als Hinweis auf magmatisch beeinflusste Prozesse.

Mayotte befindet sich in einem Gebiet aktiver Krustendehnung zwischen der Afrikanischen und der Somalischen Platte, die als südlicher Ausläufer des Ostafrikanischen Riftsystems gilt. Im Jahr 2018 kam es östlich von Mayotte zu monatelangen Erdbebenschwärmen, ausgelöst durch den Aufstieg großer Magmamengen aus dem oberen Mantel. In der Folge entstand der submariner Vulkan Fani Maoré, der gewaltige Lavamengen am Meeresboden ablagerte.

Die aktuellen Beben sind deutlich schwächer als die Ereignisse von 2018, passen jedoch in dasselbe Muster. Geoforscher gehen davon aus, dass es sich um vulkanotektonische Erdbeben handelt. Hierunter versteht man Spannungsbrüche im Gestein, die durch fortgesetzte Magmenbewegungen in der Tiefe ausgelöst werden. Ob es indes zu einer neuen Eruption kommen wird, ist ungewiss. Im letzten IGPN-Bulletin zum Fani Maoré bestätigten die Forscher zwar eine gewisse Unruhe des Vulkans, doch sie fanden keine signifikanten Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.

Kilauea: Erste Prognosen zur eruptiven Episode 41

Fortgesetzter Ausbruch des Kilauea – Episode 41 binnen 2 Tage erwartet

Der Ausbruch des Kilauea im Halemaʻumaʻu-Krater, der am 23. Dezember 2024 begann, dauert weiter an. Bisher wurden 40 Lavafontänen-Episoden registriert. Der Beginn der 41. Episode wird gemäß Prognose der HVO-Vulkanologen für den Zeitraum 23.–25. Januar 2026 erwartet, vorausgesetzt, die Inflationsrate im Gipfelbereich bleibt konstant.

Kilauea
Kilauea. © HVO

In den letzten Tagen traten wiederholt kleine Lavaüberläufe auf, die als Vorzeichen der Lavafontänen-Episoden interpretiert werden. Auch zwischen den Lavaüberläufen ist der Vulkan nicht still, sondern entgast aus den beiden aktiven Schloten und illuminiert die Dampfwolken von unten – ein Zeichen dafür, dass die Lava konstant hoch im Fördersystem steht, wo sich Druck aufbaut.

Gestern führte die verstärkte Sprudeltätigkeit am nördlichen Krater gegen 22:40 Uhr HST zu einem kurzen Überlauf, der etwa fünf Minuten anhielt. Wenige Minuten später begann ein zweiter kleiner Überlauf um 23:13 Uhr HST, der innerhalb von zwei bis drei Minuten endete. Die Aktivität setzte sich auch heute Morgen fort. Weitere solcher Überläufe werden vor Beginn der bevorstehenden Fontänenepisode 41 erwartet.

Parallel dazu wurden unterhalb von Halemaʻumaʻu und der südlichen Caldera mehrere seismische Schwärme registriert. Am 19. Januar begann (wie berichtet) um 02:58 Uhr HST ein Schwarm mit rund 20 kleinen Beben, der 30–40 Minuten andauerte. Bis zum Folgetag gab es drei weitere Schwarmbeben mit einer Dauer von 20–30 Minuten. Diese Erdbeben verursachten nur geringe Neigungsänderungen des Gipfels (bis 1,5 Mikroradian) und hatten keine messbaren Auswirkungen auf die sich anbahnende Episode 41.

GPS-Daten und Druckmodelle des HVO zeigen, dass die flache Magmakammer unter Halemaʻumaʻu weiterhin an Volumen zunimmt, während die tiefere Magmakammer leicht an Druck verliert. Diese Dynamik unterstützt die fortgesetzte Lavaförderung, die derzeit etwa doppelt so hoch ist wie die langfristige Magmazufuhrrate des Kilauea. Das Magmafördersystem zwischen Magmakammer und Eruptionsspalten bleibt stabil, mit nur minimaler seismischer Aktivität.

Der Ausbruch könnte über mehrere weitere Episoden oder einen unbestimmten Zeitraum fortgesetzt werden, wobei Magma weiterhin aus den nördlichen und südlichen Schloten am Rand des Halemaʻumaʻu austritt.

Meiner Meinung nach könnte es noch einige Tage länger dauern, bis es zur nächsten Eruption kommt, da die Pausenintervalle zwischen denn Lavaüberläufen noch lang und die Lavaüberläufe selbst kurzweilig sind.

Russischer Vulkan Shiveluch eruptiert Vulkanasche 9 km hoch

Shiveluch eruptierte Aschewolke – rote VONA-Warnung ausgegeben

Shiveluch, ein Vulkan auf der entlegenen russischen Halbinsel Kamtschatka, eruptierte am Morgen des 23. Januar explosiv und förderte dabei eine Aschewolke, die bis auf etwa 9 Kilometer Höhe (FL300) aufstieg und mit dem Wind nach Norden driftete. Dabei breitete sich die Eruptionswolke mit einer Geschwindigkeit von 80 Knoten (rund 150 km/h) über ein großes Gebiet aus. Es war die zweite erwähnenswerte Eruption des Vulkans in diesem Jahr.

Shiveluch
Vona-Warnung

Auf den ersten Blick erstaunt die hohe Geschwindigkeit, mit der sich die Vulkanasche ausbreitete. Bedenkt man jedoch die große Höhe, in der sie sich bewegte, wird klar, dass sie vom Jetstream erfasst wurde. Da sich die Asche in Höhen ausbreitete, in denen auch Verkehrsflugzeuge unterwegs sind, wurde der Luftverkehrswarncode auf Rot angehoben.

Die Forscher von KVERT berichteten zunächst noch nicht über die aktuelle Aktivität des Vulkans. Dennoch ist bekannt, dass in der hufeisenförmigen Depression des Kraters am Jungen Shiveluch ein Lavadom wächst. Dieses Domwachstum wird von starken Entgasungen, Steinschlägen und gelegentlichen Schuttlawinen begleitet.

Wahrscheinlich kam es heute Morgen gegen 07:40 UTC zu einer Explosion, in deren Folge es auch zu einem partiellen Kollaps des Lavadoms und möglicherweise zur Generierung eines pyroklastischen Stroms gekommen ist. Pyroklastische Ströme zählen zu den gefährlichsten Phänomenen der Vulkanwelt: Die Wolken aus einem Gas-Asche-Gemisch können glühend heiß sein und sich mit sehr hohen Geschwindigkeiten hangabwärts bewegen. Dabei führen sie auch Geröll und größere Lavabrocken mit sich, die zusätzlich zur extremen Hitze ein hohes abrasives Zerstörungspotenzial besitzen. Personen, die direkt in einen pyroklastischen Strom geraten, haben praktisch keine Überlebungschancen.

Glücklicherweise ist das unmittelbare Umfeld des Shiveluch unbewohnt, sodass nur selten Menschen durch seine Eruptionen verletzt werden oder ums Leben kommen.

Der Shiveluch ist jedoch nicht der einzige aktive Vulkan Kamtschatkas. Aktuell ist auch der Krasheninnikov aktiv und fördert einen zweiarmigen Lavastrom, der sich in Richtung Osten bewegt. Die Lava emittiert zeitweise eine hohe thermische Strahlung. Der Vulkan wurde offenbar infolge des Megabebens Ende Juli aktiv, das sich vor der Südostküste Kamtschatkas ereignete.

Australien: Hitzewelle nach Überflutungen

Zwischen Hitze und Flut – Australien fest im Griff der Wetterextreme

Australien durchlebt einen schnellen Wechsel extremer Wetterereignisse: Während aktuell eine Hitzewelle das Land im Griff hat und neue Waldbrände drohen, kämpfte Queensland erst vor wenigen Tagen mit starken Überschwemmungen. Die Kombination aus Hitze und Starkregen scheint auf den ersten Blick widersprüchlich zu sein, doch Wissenschaftler warnen, dass beide Phänomene Symptome eines sich rasant verändernden Klimas sind.

Hitzewelle
Hitzewelle Australien

In den vergangenen Wochen stiegen die Temperaturen in weiten Teilen Australiens auf Rekordwerte von bis zu 49 Grad Celsius an. Städte wie Melbourne und Adelaide verzeichneten Hitzeextreme, die für Menschen und Infrastruktur eine große Belastung darstellen. Parallel dazu richteten die heftigen Regenfälle in Queensland vor wenigen Tagen massive Schäden an. Flüsse traten über die Ufer und ganze Gemeinden wurden überschwemmt. Obwohl das Hochwasser inzwischen zurückging, dauern die Aufräumarbeiten noch an.

Wie lassen sich diese scheinbaren Gegensätze erklären? Klimaforscher machen den menschengemachten Klimawandel als übergeordneten Auslöser für extreme Wetterereignisse verantwortlich. Durch die globale Erderwärmung kann die Atmosphäre deutlich mehr Feuchtigkeit speichern. Der Wert liegt bei rund sieben Prozent pro Grad Celsius Erwärmung. Das führt dazu, dass Starkregenereignisse intensiver werden und länger andauern können. Gleichzeitig sorgt der Temperaturanstieg für ein gehäuftes Auftreten von Hitzewellen. Aufgrund langanhaltender und weitestgehend ortsstabiler Hochdruckgebiete werden extreme Temperaturen generiert.

Die globale Verstärkung der Wetterextreme ist eng mit der Erwärmung der Meere verbunden, wodurch die Atmosphäre mit zusätzlicher Energie und Wasserdampf versorgt wird, ähnlich wie wir es in den letzten Tagen auch im Mittelmeerraum erlebten.

Die Folgen für Bevölkerung und Umwelt sind ernst zunehmen: Hitzeperioden erhöhen das Risiko für gesundheitliche Schädigungen, während Überschwemmungen Existenzen bedrohen. Ökosysteme geraten unter Druck und erleiden große Schäden.

Besonders gefährdet sind Menschen aus sozial schwächere Bevölkerungsgruppen, weil sie oft weniger Schutz vor den Folgen solcher Extremereignisse haben und finanzielle Rückschläge nur schwer überwinden können.

Politik und Gesellschaft stehen vor der Herausforderung, effektive Strategien zur Anpassung an die Klimaveränderungen und Risikominimierung im Fall von Extremwetterereignissen zu entwickeln. Neben Maßnahmen zum besseren Katastrophen- und Klimaschutz sind vor allem schnellere Schritte zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes notwendig, um die Erderwärmung einzudämmen. Dabei ist eine globale Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung: Der Kampf einzelner Staaten bringt wenig, wenn die globalen Player wie die USA und Russland nicht mitziehen. Auch das Mitwirken der bevölkerungsreichsten Länder, Indien und China, ist von großer Bedeutung.

Island: Erdbeben M 4,1 erschüttert Bardarbunga

Mittelstarkes Erdbeben M 4,1 unter Gletschervulkan Bardarbunga – zahlreiche Nachbeben registriert

Der isländische Gletschervulkan Bardarbunga wurde gestern Vormittag zum wiederholten Male von einem Erdbeben im 4er-Bereich erschüttert. Der Erdstoß der Magnitude 4,1 ereignete sich um 10:28:22 Uhr (UTC) in einer Tiefe von 5,2 Kilometern. Das Epizentrum wurde 7 Kilometer östlich des Calderazentrums lokalisiert. Zuletzt hatte es am 1. Januar 2026 ein vergleichbares Erdbeben in dieser Region gegeben.

Bardarbunga
Bardarbunga. © EMSC/Leaflet

Die Magnitude des Erdstoßes als auch die Tiefe des Hypozentrums waren derart, dass man das Beben hätte spüren können, doch da es sich in einer unbesiedelten Region Islands manifestierte, stehen Wahrnehmungsmeldungen aus. Das Beben wird auch beim EMSC gelistet, wo es eine Magnitude von 4,5 hat. Solche Diskrepanzen können u. a. durch die Verwendung unterschiedlicher Magnitudenskalen zustande kommen.

Der Erdstoß löste eine Serie schwächerer Erdbeben aus: Insgesamt wurden 11 Erschütterungen in der Bardarbunga-Caldera registriert. Zwei weitere ereigneten sich beim Grimsvötn, dem Nachbarvulkan des Bardarbunga.

Das Beben lag in einer Tiefe, in der sich ein wachsender Magmenkörper befindet, und könnte durch eine Druckzunahme im Speichersystem ausgelöst worden sein, wobei die Schmelze wahrscheinlich auf eine Störung im Randbereich des Magmenkörpers drückte. Der gewaltige Calderavulkan befindet sich also in einer Aufheizphase, doch es könnten Jahrzehnte vergehen, bis es wieder zu einer Eruption kommt.

Bardarbunga brach zuletzt im Jahr 2014 aus und flutete eine Ebene nördlich des Vatnajökulls mit Lava. Zuvor ruhte der Vulkan 114 Jahre lang, wobei es in dieser Zeit möglicherweise einige kleinere, unbestätigte Eruptionen gegeben haben könnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Island noch dünner besiedelt als heute und das Hochland und der Gletscher standen nicht unter ständiger Beobachtung, weshalb kleine Eruptionen unbemerkt geblieben sein könnten bzw. nicht eindeutig bestimmten Vulkanen zugeordnet werden konnten: Schließlich liegen unter dem größten Gletscher Europas noch weitere Vulkansysteme verborgen, denen man frühere Eruptionen zugeordnet haben könnte. Geologische Hinweise auf die Eruptionen sind oft unter Eis verborgen, so dass es auch hier schwerfällt, kleineren Ereignissen auf die Spur zu kommen.

Piton Fournaise: Bodenhebung und Erdbeben halten an

Anhaltende Seismizität und Bodenhebung am Piton Fournaise – Weiterer Vulkanausbruch könnte in Kürze folgen

Am Vulkan Piton de la Fournaise könnte sich innerhalb kurzer Zeit ein weiterer Vulkanausbruch entwickeln, wobei man dann diskutieren müsste, ob es sich – ähnlich wie auf Hawaii – um eine weitere Episode des selben Ausbruchs handelt. Grund für diese Annahme liefern die jüngst vom OVPF veröffentlichten geophysikalischen Daten: Sie zeigen, dass sich unter dem Vulkan im französischen Übersee-Departement La Réunion weiterhin Magma bewegt, das aufsteigt und dabei nicht nur Erdbeben verursacht, sondern auch eine Aufblähung des Vulkans.

Bodenversatz
Horizontale Bodendeformation. © OVPF

Die Zahl der vulkanotektonischen Erdbeben nahm in den letzten Tagen zwar kontinuierlich ab, liegt nun aber wieder auf dem Niveau wie vor Beginn der seismischen Krise, die am 18. Januar in der Eruption gipfelte. Konkret heißt das, dass sich die Zahl der Erdbeben am 22. Januar auf 30 reduzierte. Am 19. Januar wurden etwa 10 Mal so viele Beben registriert. Die Erdbebenherde liegen weiterhin in Tiefen zwischen etwa 1 und 2,5 Kilometern unter dem nördlichen Rand des Vulkans.

Neben diesen kurzperiodischen Erdbeben registrieren die Wissenschaftler seit dem Ausbruchsstopp auch wiederholt langperiodische Signale (LP-Erdbeben). Diese werden üblicherweise mit der Bewegung von Fluiden oder mit Druckschwankungen im magmatischen bzw. hydrothermalen System in Verbindung gebracht. Nach Einschätzung des OVPF deutet die Kombination aus beiden Signaltypen darauf hin, dass das oberflächennahe Fördersystem des Vulkans weiterhin unter Druck steht und erneut auflädt.

Auch die Bodenverformung liefert Hinweise auf anhaltende magmatische Prozesse im Untergrund. Messungen in der Gipfelregion deuten erneut auf eine leichte Inflation hin. Ob dieser Trend anhält, soll in den kommenden Tagen genauer überprüft werden.

Die Vulkanologen weisen darauf hin, dass während solcher Druckphasen starke Schwankungen der seismischen Aktivität möglich sind. Phasen mit nur wenigen Erdbeben können kurzfristig von Perioden deutlich erhöhter Aktivität abgelöst werden.

Der weitere Verlauf des Geschehens bleibt offen. Der Druckaufbau im oberflächennahen Magmareservoir kann sich über längere Zeiträume hinziehen. Ebenso ist es möglich, dass sich das System stabilisiert, ohne dass es in absehbarer Zeit zu einem neuen Ausbruch kommt. Ich halte eine weitere Eruption in den nächsten Tagen oder Wochen für durchaus möglich.