Marc Szeglat ist der Schöpfer dieser Website, die im Oktober 2000 online ging. Seit 1996 arbeitet er als Journalist, Vulkanfilmer und Geonaut und berichtet direkt von der Lavafront. Zuvor war er bei der Bundeswehr und studierte anschließend Geologie. Seinen ersten Vulkan bestieg Marc im September 1990 – es handelte sich um den Stromboli. Seitdem hat er über 50 Länder bereist und von zahlreichen Vulkanausbrüchen sowie Naturkatastrophen berichtet.
Mehrere Erdbeben im Bereich der Ätna-Westfalnke ‐ stärkstes Beben Mb 3,3
Im Bereich von Sizilien haben sich in den letzten 24 Stunden mehrere interessante Erdbeben ereignet. Zunächst gab es im Westen des Ätnas mehrere Erdstöße. Der stärkste hatte eine Magnitude von 3,3 und einen Erdbebenherd in 9,5 Kilometern Tiefe. Das Epizentrum wurde vom INGV 2,1 km westlich vom Monte Minardo verortet. Vor der Küste Siziliens bzw. dem Stiefelabsatz von Kalabrien manifestierte sich ein mittelstarkes Beben der Magnitude 5,1. Die Herdtiefe wurde in 53 Kilometern Tiefe festgestellt. Dieses Beben war im großen Umkreis von fast 500 km zu spüren gewesen. Es folgten mehrere Nachbeben.
Auf den ersten Blick mögen die Ereignisse nichts miteinander zu tun haben, doch sie sind durch die Subduktion der Ionischen Platte unter den Kalabrischen Block miteinander verlinkt. Das stärkere Erdbeben manifestierte sich vermutlich an einem Teil der subduzierten Erdkruste Ioniens. Durch die Subduktion entsteht ein tektonischer Rückrolleffekt, durch den sich das Tyrrhenische Meer öffnet, in dem die Liparischen Vulkaninseln liegen. Dabei kommt es zur Dehnung und Ausdünnung der Erdkruste im Nordosten Siziliens. Auch wenn der Ätna kein klassischer Subduktionszonen-Vulkan ist, liegt er im Grenzbereich der Ionischen Platte und wird durch diese Back-Arc-Extension beeinflusst. Die Erdbeben im Westen des Ätnas liegen auf einer Linie, die sich über die Vulkanflanken hinaus fortsetzt, und deuten somit an, dass sie sich entlang einer tektonischen Störung ereigneten. Ob aufsteigendes Magma seine Finger im Spiel hat, ist ungewiss, aber durchaus möglich.
Bereits in den vergangenen Tagen hatte es wieder einige Erdbeben unter der westlichen Ätnaflanke gegeben. Die Tiefen lagen bei 10 Kilometern Hier bildete sich der klassische Cluster eines kleinen Schwarmbebens heraus, der sehr wahrscheinlich mit Fluidbewegungen im Zusammenhang stand. Auch unter dem Gipfelbereich und im oberen Valle del Bove gab es weitere schwache Erschütterungen. Trotz der Eruption findet also weiterhin Magmenaufstieg statt und der nächste Vulkanausbruch wird vorbereitet. Nicht auszuschließen, dass der Ätna wieder lebhafter wird, als er es in den vergangenen Monaten war.
Taal erzeugte heute 2 kleine phreatische Eruptionen – Gasausstoß vergleichsweise niedrig
Auf den Philippinen sind nicht nur Mayon und Kanlaon aktiv, sondern auch der Taal: Heute manifestierten sich dort zwischen 07:11 und 07:15 Uhr Lokalzeit zwei kleine phreatische Eruptionen im Kratersee von Volcano Island. Die Explosionen erzeugten schlammige Fontänen und ließen Dampf aufsteigen. Eine VONA-Warnung gab es nicht, was darauf hindeutet, dass kein frisches Magma an der Eruption beteiligt gewesen war.
Direkte Warnzeichen in Form von Tremor gab es diesmal nicht, allerdings war der Schwefeldioxidausstoß in den letzten Tagen sehr niedrig. Er erhöhte sich allerdings bereits vor den Explosionen wieder. So wurden gestern 160 Tonnen des vulkanischen Gases emittiert. Zudem registriert das seismische Netzwerk 3 vulkanotektonische Erschütterungen. Das Vulkangebäude des Inselvulkans innerhalb der Taal-Caldera zeigt weiterhin Anzeichen der Inflation: Auch wenn aktuell kein Magma an der Eruption beteiligt war, befindet sich im flachen Magmenspeicher unter dem Vulkan Schmelze. Sie ist für die Erdwärme verantwortlich, die Grundwasser explosionsartig verdampfen lässt, wodurch die phreatischen Eruptionen entstehen.
Seit einem Jahr sind die geophysikalischen und geochemischen Messgrößen am Taal generell rückläufig. Phreatische Eruptionen können auch verstärkt während Abkühlungsphasen auftreten und müssen nicht zwingend an ein Aufheizen eines Vulkansystems gekoppelt sein. Daher bleibt unklar, ob der Taal aktuell zu einer größeren Eruption befähigt ist, die über phreatomagmatische Explosionen hinausgeht.
Mit der Alarmstufe „1“ hält PHILVOLCS den Alarmstatus des Vulkans niedrig. Es gilt eine 2-Kilometer-Sperrzone um den Krater auf Volcano Island und die Insel darf nicht betreten werden. Es gilt auch ein Überflugverbot in geringer Höhe. Passagiermaschinen sind hiervon aber nicht betroffen.
Der Mayon hingegen steigerte in den letzten Tagen seine Aktivität signifikant. Hier könnte sich ein lohnendes Ziel für Vulkanspotter entwickeln, besonders falls es wie bei den beiden vorangegangenen Eruptionsserien zu Paroxysmen kommen sollte. Stay tuned!
Lavaströme im Valle del Bove weiterhin aktiv – Lavafront am Ätna bei 1900 Höhenmeter
Der Ätna auf Sizilien ist weiterhin aktiv und eruptiert Lava, die sich im Bereich des Monte Simone im Valle del Bove bewegt. Die vorderste Lavafront ist indes dabei, abzukühlen, und stagniert seit 3 Tagen. Die neuen Lavafronten bewegen sich in einem Höhenbereich von ca. 1900 m und liegen scheinbar außer Sicht der Thermal-LiveCam des INGV. Dafür beobachteten INGV-Forscher die Aktivität bei ihrer Feldarbeit. Die Gipfelkrater blieben währenddessen still, entgasten aber stark.
Ein recht kalter Ätna
In einem heute Mittag veröffentlichten INGV-Bericht heißt es, dass entlang der am 1. Januar entstandenen Eruptionsspalten im Valle del Bove weiterhin mäßig viel Lava gefördert wird. Mehrere aktive Lavaströme sind im Bereich des Monte Simone zu beobachten. Die am weitesten vorgedrungenen Lavafronten liegen knapp unterhalb von 1900 bzw. 2000 m Höhe, während die weiter talabwärts gelegenen Bereiche des Lavafeldes inzwischen zum Stillstand gekommen sind und abkühlen. Nächtliche Kamerabeobachtungen zeigen anhaltende Leuchterscheinungen entlang der Spalten, was auf eine kontinuierliche Förderung hinweist.
Die Amplitude des vulkanischen Tremors schwankt seit dem 8. Januar zwischen niedrigen und mittleren Werten, wobei die Tremorquelle im Bereich des Nordostkraters lokalisiert ist.
Besondere Bedeutung kommt den gemessenen Strain-Änderungen zu. Das Dehnungsmessgerät DRUV registrierte ab dem 7. Januar eine Phase rascher Kompression von rund 20 Nanodehnungen, gefolgt von einer langsamen Dekompression und einem derzeit oszillierenden Verhalten. Diese Kompression wird als Ausdruck einer Druckentlastung des magmatischen Speichersystems interpretiert. Durch den anhaltenden Abfluss von Magma über die Eruptionsspalten verliert das Reservoir Volumen, wodurch das umgebende Gestein leicht nach innen reagiert. Die fehlenden Veränderungen im GNSS-Netz unterstreichen, dass es sich um eine moderate, lokal begrenzte Deflation handelt. Insgesamt deuten die Daten auf eine stabile effusive Phase hin, ohne Hinweise auf eine bevorstehende Intensivierung der Aktivität.
Auf dem Sentinel-Satellitenfoto vom 8. Januar ist im Thermalspektrum keine Anomalie feststellbar, wobei der Monte Simone von Wolken verdeckt war. MIROVA registrierte heute Mittag eine moderate Wärmestrahlung, die auch von der sich abkühlenden Lava stammen kann. Meiner Einschätzung nach kann es sich nur noch um eine geringe Menge Lava handeln, die eruptiert wird bzw. heute Morgen eruptiert wurde.
Streik der Vulkan- und Naturführer
Aufgrund der zu streng erscheinenden Sicherheitsmaßnahmen, in deren Zuge auch die Hauptstraße Richtung Refugio Citelli kurz hinter Milo gesperrt wurde, protestierten die Vulkan- und Naturführer des Ätnas und streikten gestern. Der uns gut bekannte, deutschstämmige INGV-Vulkanologe, dessen Namen ich diesmal nicht nennen möchte, solidarisierte sich in einem privaten Facebookpost mit den Bergführern (und indirekt auch mit uns Vulkanspottern), indem er die strengen Maßnahmen kritisierte. Das rief den leitenden Direktor des INGV auf den Plan, der sich seinerseits von dem Post des Vulkanologen distanzierte und auf die Seite der Bürgermeister der betroffenen Kommunen stellte. Meiner bescheidenen Meinung nach arbeiten beim INGV hervorragende Geowissenschaftler und Techniker, doch die politische Leitung des Vereins kann man getrost in der Pfeife rauchen!
Ich kritisiere insbesondere nicht nur die überzogenen Sicherheitsmaßnahmen, sondern das Fehlen jedweder Prognosen im Vorfeld einer Eruption. Sollte man tatsächlich keine Ahnung haben, was als Nächstes kommt? Warum werden wöchentliche Bulletins eingestellt, sobald der Vulkan 3 Monate nicht ausgebrochen ist? Und noch dringender die Frage: Warum werden sie nicht wieder aufgenommen, wenn selbst Vulkanspotter erkennen, dass sich eine Eruption zusammenbraut? Hat man Sorge, die Bevölkerung zu beunruhigen? Wenn man auf der Flanke eines aktiven Vulkans lebt, sollte man sich der potenziellen Gefahr, in der man sich befindet, permanent bewusst sein!
Die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen wären nur im Falle einer großen Flankeneruption gerechtfertigt, wie es sie Anfang des Jahrtausends zweimal gegeben hat. Vielleicht noch im Anfangsstadium des Ausbruchs, als nicht klar war, wie groß die Eruption sein wird. Aber kurz vor deren deutlichen Abschwächung Straßensperren zu errichten und den Zugang zum Eruptionsgebiet signifikant einzuschränken, zeugt schlichtweg von eins: massiver Inkompetenz! Oder sollte man davon ausgehen, dass sich ein weitaus stärkerer Ausbruch zusammenbraut? Daten hierzu wurden jedenfalls nicht offengelegt.
Bodendeformation bei Svartsengi auf Island beschleunigte sich – weiterhin geringe Seismizität
Auf der isländischen Reykjanes-Halbinsel hat sich die Bodenhebung bei Svartsengi in diesem Jahr wieder etwas beschleunigt. Ende Dezember zeigten die GNNS-Messwerte kurzzeitig eine Subsidenz an, wobei es sich wahrscheinlich ein weiteres Mal um Messungenauigkeiten gehandelt haben dürfte. Zeitgleich beschleunigte sich die Ostkomponente des horizontalen Versatzes, die auch jetzt noch erhöht ist. Das alles, bei weiterhin geringer Seismizität, was etwaige Prognosen zu einem möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruch erschwert.
Wir wissen, dass sich im flachen Untergrund weiterhin magmatische Fluide ansammeln, die den Druck im Speichersystem erhöhen, womit die Wahrscheinlichkeit für eine Eruption oder Gangintrusion ansteigt. Seit dem Ende der letzten Eruption im August haben sich fast 20 Millionen Kubikmeter neue Schmelze unter Svartsengi akkumuliert. Bei der Eruption entleerte sich aber nicht die gesamte Schmelze i flachen Speichersystem, so dass die tatsächlich vorhandene Magmamenge deutlich höher sein durfte und meinen Schätzungen nach bei 25 Millionen Kubikmetern liegen dürfte – eine der größten Magmaakkumulationen des Eruptionszyklus, der im November 2023 mit der Gangintrusion unter Grindavik begann.
Eigentlich sollte man erwarten, dass die Eruption bald beginnt, doch da bei den meisten vorangegangenen Ausbrüchen ein immer höherer Druck im Speichersystem vorhanden sein musste, als es zuvor der Fall war, damit eine Eruption startet und sich der Druckaufbau insgesamt verlangsamt zu habe scheint, lässt sich der Zeitraum des erwarteten Eruptionsbeginn nicht mehr eingrenzen.
Die IMO-Vulkanologen veröffentlichten am 6. Januar eine neue Gefahreneinschätzung, die sich gegenüber der vorherigen aber nicht geändert hat. Die größte Gefahr besteht entlang der Sundhnukur-Kraterreihe und es gilt die Empfehlung sich von diesem Gebiet Gebiet fern zu halten. Für das Kraftwerk Svartsengi, die Blaue Lagune und Grindavik gilt nur ein mittelstarkes Gefahrenpotenzial.
Erweitert man die Betrachtungen zu Svarstengi weiter aus und schaut auf die benachbarten Spaltensysteme, stellt man fest, dass es auch im Krysuvik-System eine deutliche Veränderung in der Ostkomponente der horizontalen Bodendeformation gibt. Während des Sommers war hier eine deutliche Subsidenz aufgetreten, die zu zahlreichen Erdbeben geführt hat. In der letzten Woche zeigen die Messwerte eine deutliche Inflation, wobei noch unklar ist, ob die Messungen korrekt sind.
Wintersturm beeinträchtigt in Teilen Deutschlands das öffentliche Leben – Schulschließungen und Unfälle
Sturmtief Elli sorgt in weiten Teilen Deutschlands für winterliche Extrembedingungen und bringt Schnee, Eisregen und kräftigen Wind. Der Deutsche Wetterdienst rechnet regional mit starken Verkehrsbehinderungen, glatten Straßen und Schneeverwehungen. Besonders betroffen sind der Norden sowie die östliche Mitte des Landes, während im Süden verbreitet gefrierender Regen fällt und Blitzeis entstehen könnte. In Küstennähe treten teils schwere Sturmböen auf, die auf den Nordseeinseln Orkanstärke erreichen könnten. In 25 Landkreisen wurde die zweithöchste Wetterwarnstufe „Rot“ ausgerufen: Es besteht Gefahr für Leib und Leben.
Winter in Deutschland
In der Nacht kam es bereits zu ersten Glätteunfällen, unter anderem rutschte in Baden-Württemberg ein Bus einen Hang hinunter, mehrere Menschen wurden leicht verletzt. Insgesamt meldeten die Lagezentren der Bundesländer zunächst einen vergleichsweise ruhigen Verlauf. Dennoch wurde der Verkehr vorsorglich eingeschränkt. Zahlreiche Bahnverbindungen fallen aus oder sind verspätet. Im Regional- und S-Bahn-Verkehr Norddeutschlands wurde der Betrieb teilweise ganz eingestellt. Auch viele Buslinien fahren nicht mehr, insbesondere in Niedersachsen und angrenzenden Regionen.
Der Wintereinbruch wirkt sich zudem auf den Alltag aus. In mehreren Bundesländern fällt der Präsenzunterricht aus, Schulen wechseln auf Distanzunterricht oder bieten Notbetreuung an. Kommunen warnen vor Problemen bei der Müllabfuhr und bitten Bürger, Wege freizuhalten und Tonnen zugänglich zu platzieren. Krankenhäuser bereiten sich auf eine erhöhte Zahl an Unfallverletzten vor und verschieben planbare Eingriffe. Gleichzeitig wird in einigen Städten die Winternothilfe für Obdachlose ausgeweitet, da die Kälte ein erhebliches Gesundheitsrisiko darstellt.
Flughäfen wie der in Frankfurt haben sich gut auf den Schnee vorbereitet und haben zahlreiche Spezialfahrzeuge im Einsatz um den Flugbetrieb aufrecht zu halten. Probleme gab es bis jetzt in erster Linie bei der Anfahrt zum Flughafen mit der Bahn.
Parallel zur Wetterlage sorgt die öffentliche Bewertung des Sturmtiefs für Diskussionen. Während einige Meteorologen die Warnungen angesichts der komplexen Wetterkonstellation für notwendig halten, warnen andere vor einer Überdramatisierung, die langfristig die Akzeptanz ernsthafter Unwetterwarnungen schwächen könnte. Unstrittig ist jedoch, dass Elli vielerorts zu signifikanten Einschränkungen führt und erhöhte Vorsicht erforderlich macht.
Das Problem liegt meiner Meinung nach auch darin begründet, dass einige Medienvertreter aus Gründen des Clickbaits frühe Wettermodelle aufschnappen und von diesen die „Worst-Case-Szenarien“ als offizielle Prognosen verbreiten. In einigen Berichten wurde so überdramatisiert, dass sogar von Temperaturen jenseits der -20 Grad die Rede war. Tatsächlich waren es heute Nacht in den betroffenen Gebieten -7 Grad. Bei mir in Oberhausen blieb die letzte Nacht frostfrei und der Schnee vergangener Tage ist geschmolzen.
Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten meiner Jugend, als so ein Winterwetter typisch war und wegen Blitzeis und Schnee oft die Schule ausfiel. Damals sprach man noch von einer bevorstehenden kleinen Eiszeit, das war, bevor der Klimawandel die Erde verbrennen ließ. Nun ist zu lesen, dass sogar Geheimdienste einen Zusammenbruch des Atlantischen Golfstroms propagandieren: In der Folge befürchtet man, dass die Durchschnittstemperaturen in Mitteleuropa um 10 Grad fallen könnten. Na dann, viel Spaß mit der Wärmepumpe!
Piton de la Fournaise unter Druck: Magma bleibt in Bewegung und bereitet Vulkanausbruch vor
Der Piton de la Fournaise zeigt weiterhin klare Anzeichen innerer Unruhe, die von aufsteigendem Magma verursacht wird. Nach mehreren magmatischen Intrusionen in den letzten Wochen hält die erhöhte Aktivität unter dem Gipfel an. Seismische Messungen und Deformationsdaten deuten darauf hin, dass das oberflächennahe Magmareservoir weiter unter Druck gerät: ein Zustand, der in einem Ausbruch gipfeln kann.
Bereits im Dezember 2025 hatte sich eine entsprechende Entwicklung abgezeichnet. Am 14. Dezember 2025 endete eine mehrjährige Phase relativer Ruhe und der Piton Fournaise begann, sich aufzublähen. Die Inflation gilt als Zeichen dafür, dass Magma in flache Speicherzonen aufsteigt und dort Druck aufbaut. Der Prozess kulminierte schließlich in mehrere Intrusionen, eine erst zu Jahresbeginn, bei der Magma in das Fördersystem eindrang, ohne jedoch die Oberfläche zu erreichen.
Seitdem registrieren die Überwachungsstationen eine anhaltende seismische Aktivität. Im Durchschnitt werden rund dreißig flache vulkanotektonische Erdbeben pro Tag registriert. Sie liegen in Tiefen zwischen 1,5 und 2,2 Kilometern und konzentrieren sich unter dem nördlichen und südlichen Rand des Dolomieu-Kraters. Diese Beben spiegeln Spannungsbrüche im Gestein wider, verursacht durch das Eindringen und Umlagern von Magma.
Parallel dazu bleibt auch eine tiefere, wenn auch schwache Seismizität bestehen. Ein einzelnes vulkanotektonisches Erdbeben konnte in rund neun Kilometern Tiefe unter dem nordwestlichen Gipfelbereich lokalisiert werden. Solche Signale gelten als Hinweis darauf, dass weiterhin Magma aus tieferen Zonen in das flache System nachgeliefert wird.
Die anhaltende Aufblähung des Gipfelbereichs bestätigt dieses Bild: Der Druck im oberflächennahen Reservoir nimmt nicht ab. Erfahrungsgemäß kann eine solche Phase Tage, Wochen oder sogar Monate dauern. Ob es letztlich zu einem Ausbruch kommt, hängt davon ab, ob das „Dach“ des Reservoirs nachgibt – oder ob der Druck wieder abgebaut wird, ohne dass Magma austritt.
Derzeit gilt weiterhin die Warnstufe „Wachsamkeit“ Die Situation bleibt dynamisch, und Schwankungen der seismischen Aktivität sind typisch für diese Phase.
Campi Flegrei mit weiter steigendem CO₂-zu-H₂O Verhältnis – wahrscheinliche Magma-Akkumulation in der Tiefe
Der Calderavulkan Campi Flegrei südwestlich von Neapel zeigt weiterhin deutliche Anzeichen anhaltender Unruhe. Das jüngst veröffentlichte INGV-Monatsbulletin für Dezember beschreibt eine Situation erhöhter, aber stabiler Aktivität, wie sie das Gebiet seit mehreren Jahren prägt. Die meisten Werte sind stabil, bis auf ein auffallend hohes CO₂-zu-H₂O-Verhältnis.
Im Dezember wurden 348 Erdbeben lokalisiert, überwiegend mit geringer Magnitude. Die Beben konzentrieren sich auf den zentralen Teil der Caldera und stehen im Zusammenhang mit dem anhaltenden Bradyseismus – der langsamen Hebung des Bodens. Geodätische Messungen bestätigen, dass sich der Untergrund weiter hebt, wenn auch ohne abrupte Beschleunigung. Die Hebegeschwindigkeit lag weiterhin bei 25 mm pro Monat. Diese Hebung gilt als Ausdruck eines unterirdischen Druckaufbaus, verursacht durch Fluide und Gase im flachen Untergrund. Seit Beginn der Krise im Jahr 2005 hob sich der Boden um 160 Zentimeter.
Besondere Aufmerksamkeit widmet das Bulletin der Geochemie der Fumarolen, insbesondere im Gebiet Solfatara–Pisciarelli. Hier werden hohe Gasemissionen gemessen, vor allem von Kohlendioxid (CO₂) und Wasserdampf (H₂O). Ein zentraler Parameter ist das Verhältnis von CO₂ zu H₂O. Dieses Verhältnis ist deutlich erhöht und nahm im Dezember weiter zu.
Das CO₂/H₂O-Verhältnis liefert Hinweise auf Prozesse in der Tiefe. Kohlendioxid entgast bereits bei hohem Druck und großer Tiefe, während Wasserdampf erst näher an der Oberfläche freigesetzt wird. Ein vergleichsweise hoher CO₂-Anteil kann daher auf einen stärkeren magmatischen Einfluss oder auf einen Zustrom tiefer Fluide hindeuten. Das Bulletin betont jedoch, dass diese Interpretation nicht eindeutig ist: Auch hydrothermale Prozesse, etwa die Kondensation von Wasserdampf im Untergrund, können das Verhältnis erhöhen, ohne dass frisches Magma aufsteigt.
Die Geoforscher des INGV ziehen daher keine alarmistische Schlussfolgerung. Das erhöhte CO₂/H₂O-Verhältnis wird als Teil eines komplexen, langfristigen Trends verstanden, der mit der allgemeinen Aufheizung und Druckbeaufschlagung des hydrothermalen Systems zusammenhängt. Entscheidend sei die gemeinsame Betrachtung aller Überwachungsdaten – Seismik, Deformation, Gaschemie und Temperatur. Die meisten Parameter haben sich im Dezember nicht mehr erhöht und zeigten teils eine leicht rückläufige Tendenz, was aber auch jahreszeitlich bedingt sein kann, da der Eintrag von viel Regenwasser ins Hydrothermalsystem dieses beeinflussen kann. Die Parameter sind in der Regel weit jenseits der Norm und meiner Meinung nach deutet das seit Monaten steigende CO₂/H₂O-Verhältnis auf eine beschleunigte Magmenakkumulation in Tiefen von mehr als 5 km hin.
Zusammengefasst bleibt die Lage an den Campi Flegrei angespannt. Die Messwerte bestätigen eine anhaltende Unruhe des Systems, liefern jedoch keinen Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.
Shiveluch eruptiert Vulkanasche auf 6000 m Höhe – VONA-Warnung ausgegeben
Der Vulkan Shiveluch liegt auf der abgelegenen Kamtschatka-Halbinsel und sorgt erneut für Aufmerksamkeit in der globalen Vulkanbeobachtung. Eine Eruption ließ heute eine Aschewolke aufsteigen, die eine Höhe von 6000 m (FL200) erreichte und mit einer Geschwindigkeit von etwa 9 km/h in östlicher Richtung driftete.
Shiveluch-Archivbild
Nach Angaben des VAAC wurde die Aschewolke um 04:58 UTC auf Satellitenfotos gesichtet. Später, um 06:00 UTC konnten die aktuellen Satellitendaten jedoch keine eindeutige Aschewolke mehr nachweisen, weshalb keine Prognosen für die nächsten Stunden erstellt werden konnten und vorerst kein Folgebericht geplant ist. Sollte sich erneut Asche in den Satellitenbildern zeigen, wollen die Behörden jedoch wieder warnen.
Shiveluch gehört zu den aktivsten Vulkanen Kamtschatkas, einer Region, in der Erdbeben und vulkanische Eruptionen regelmäßig häufig auftreten. In den vergangenen Monaten und Jahren haben wiederholte Ausbrüche immer wieder Aschewolken, Lava-Dom-Wachstum und heftige Explosionen produziert.
In den letzten 3 Monaten haben Observatorien mehrfach explosive Aktivität und Warnungen vor aufsteigenden Aschewolken gemeldet – teils mehrere Kilometer hoch und mit Aschefahnen, die Hunderte Kilometer weit drifteten. Trotz dieser Aktivität war es zuletzt aber vergleichsweise ruhig um den Vulkan bestellt gewesen. KVERT bestätigt aber in seinen täglichen Meldungen, dass das Domwachstum im Jungen Shiveluch anhält und von starken Gasemissionen begleitet wird. Der zweite Dom in der älteren-Karan-Gruppe hat seine Aktivität offenbar eingestellt, zumindest taucht er seit einigen Wochen nicht mehr in den Berichten auf. Der larmstatus des Shiveluch steht auf „Orange“.
Der Shiveluch liegt nördlich der zentralen Vulkangruppe Kamtschatkas, zu der die aktiven Vulkane Klyuchevskoy und Bezymianny zählen. Letzterer Vulkan macht durch langsames Domwachstum auf sich aufmerksam Der Klyuchevskoy zeigt aktuell keine Eruptionen.
Anders sieht es am Krasheninninkov aus, der seit dem starkbeben Ende Juli 2025 aktiv ist. Er ist überwiegend effusiv tätig und förderte einen zweiarmigen Lavastrom, der über die Ostflanke des Vulkans fließt. Gelegentlich kommt es zu Ascheemissionen aus dem Gipfelkrater.
Unklarer Status der Eruption am Ätna – Kontroverse Diskussionen über Sicherheitsmaßnahmen
Der Status der Eruption am Ätna ist aufgrund schlechten Wetters unklar. Bereits gestern hüllten sich der Gipfel und die Ostseite des Vulkans den ganzen Tag in Wolken, sodass visuelle Observierungen via Livecam erfolglos blieben. Am Nachmittag berichtete das INGV allerdings, dass die tiefere Lavafront ihre Aktivität stoppte und abkühlte. Zugleich war es relativ still am Gipfel. Zumindest konnten keine Explosionen gehört werden und auch die Infraschallsensoren registrierten nur Wind. Der Tremor bewegte sich auf mittelhohem bis niedrigem Niveau. Also sprach alles für ein Ende der Eruption. Doch heute Morgen stieg der Tremor wieder bis in den unteren roten Bereich, was ein Indiz dafür ist, dass sich die Gipfelaktivität fortsetzt bzw. wieder einsetzt.
In den sozialen Medien werden die Sicherheitsmaßnahmen, die von den Verantwortlichen der Kommune Milo in Bezug auf den Zugang zum Eruptionsgebiet im Valle del Bove erlassen wurden, als unverhältnismäßig bis vollkommen übertrieben bezeichnet. Diese Äußerungen stammen sowohl von Vulkanführern als auch von einem uns bekannten Vulkanologen, der sich aber privat äußerte. Zuletzt durften nur noch von zertifizierten Führern geführte Gruppen in das Valle del Bove steigen und sich bis maximal 200 m der Lava nähern. Um 18 Uhr hatten sie sich wieder an der Kontrollstation einzufinden, was bedeutete, dass man schon vor der Dunkelheit das Gebiet des Lavastroms verlassen musste – also bevor es so richtig interessant wird, da die Lava im Dunklen bzw. Dämmerlicht am fotogensten ist.
Langsam dämmert es wohl nicht nur mir, dass wir in einer überkontrollierten Gesellschaft leben, in der es verboten ist, persönliche Risiken einzugehen, aus Angst, dass Behörden und Kommunen auf Entschädigung verklagt werden, sollte was passieren. Diese durchaus begründete Angst ist der aus den USA zu uns übergeschwappten Klagewut zu verdanken, in der jeder hofft, selbst aus Unglücken noch Kapital zu schlagen. Leider ersticken die überbordenden Restriktionen jeden Forscherdrang, eigentlich ein Teil der Persönlichkeit vieler Menschen. Hinzu kommen natürlich noch die Reisepreise, die seit der Pandemie unverhältnismäßig in die Höhe geschossen sind.
Angst und überzogenes Sicherheitsbedürfnis auf der einen Seite, Habgier und Skrupellosigkeit auf der anderen, spiegeln sich leider auch immer mehr in der Politik wider. Das schreibe ich jetzt unbedingt in Bezug auf Italien und den Ätna, sondern auf die große Bühne, wo uns Machthaber voller Psychosen und nahe der Geisteskrankheit langsam aber sicher auf einen dritten Weltkrieg zusteuern!