Ätna: Neue Analyse zu Bodenbewegungen am Südhang

Nach Erdbebenserie am Ätna-Südhang: Analyse bestätigt Hinweise auf eine aktive Verwerfung

Im Herbst 2025 sorgte eine Erdbebenserie zwischen Nicolosi und Tremestieri Etneo für Aufregung, die mit der Bildung von Bodenrissen einhergegangen ist. Dieses Phänomen war Anlass für eine neue INGV-Analyse (im Folgenden als Studie bezeichnet), die nun veröffentlicht wurde. Sie liefert neue Belege für oberflächennahe Bodendeformationen entlang der sogenannten Störung „Faglia di Tremestieri“ am Südhang des Ätna. Die Arbeit zeigt, dass der größte aktive Vulkan Europas nicht nur eruptiv, sondern auch tektonisch in Bewegung ist.




Bodenrisse

Im Fokus der Untersuchung stand die Störung „Faglia di Tremestieri“. Hierbei handelt es sich um eine mehrere Kilometer lange Störungszone zwischen Nicolosi und Tremestieri Etneo. Mithilfe von Geländeaufnahmen und strukturellen Bodenanalysen sowie der Auswertung seismischer Daten konnten die Forschenden nachweisen, dass sich der Untergrund entlang der Verwerfung kontinuierlich verformt.

Die Verformungen kommen weniger durch abrupte Verschiebungen infolge starker Erdbeben zustande, sondern durch eine schleichende Bewegung der Erdoberfläche, die die Studienautoren als „creep“ bezeichnen und die über längere Zeiträume hinweg abläuft. Solche Prozesse bleiben oft unbemerkt, bis Schäden an Straßen, Gebäuden und Versorgungsleitungen entstehen. Im untersuchten Fall öffneten sich Risse im Asphalt von Straßen und einem Parkplatz.

Zusätzliche Hinweise auf die Aktivität der Verwerfung liefern die oben erwähnten Erdbeben, die im Herbst 2025 am Südhang des Ätna registriert wurden. Ihre Ausbreitung passt gut zu der bekannten Geometrie der Störung. Dabei sind die Erdbeben Symptom und nicht Ursache der Bodenbewegung.

Welche Rolle spielt Magma?

Eine zentrale Frage der Studie lautet, ob magmatische Prozesse an der beobachteten Deformation beteiligt sein könnten. Tatsächlich ist bekannt, dass Magmenintrusionen im Inneren des Ätna das Spannungsfeld im Vulkangebäude verändern können. Steigendes oder seitlich migrierendes Magma wirkt dabei wie ein Keil, der vorhandene Schwächezonen belastet.

Die beobachteten Verschiebungen lassen sich jedoch nicht allein durch einzelne Magmenintrusionen erklären. Vielmehr sprechen die langsame Geschwindigkeit und das dauerhafte Anhalten der Bodenverformung für einen langfristigen Prozess. Er wird hauptsächlich durch die gravitative Verlagerung des Vulkans Richtung Küste gesteuert. Dabei ist nicht auszuschließen, dass Magmenintrusionen als Impulsgeber wirken können: Wenn Magma intrudiert, können die Druckänderungen des Systems auf die bereits vorgespannte Störung treffen, Bodendeformationen beschleunigen und Erdbeben auslösen.

Ähnliche Prozesse kommen am Ätna auch an anderen bekannten Störungszonen vor, wie etwa an der bekannten Pernicana-Verwerfung am Nordosthang.

Die Studie macht klar, dass die Gefahren am Ätna nicht nur eruptiver Natur sind. Langsame tektonische Deformationen in dicht besiedelten Gebieten stellen ein eigenständiges Risiko dar, das in der Raumplanung und im Katastrophenschutz berücksichtigt werden muss.

(Quelle: INGVvulcani, Raffaele Azzaro e Carla Musumeci)

Shiveluch bricht aus und eruptiert über 9 km hohe Aschewolke

Vulkanausbruch des Shiveluch auf Kamtschatka – Aschewolken bis in große Höhen aufgestiegen

Der Vulkan Shiveluch liegt auf der russischen Halbinsel Kamtschatka und ist erneut ausgebrochen. Seit gestern Abend sorgen seine Aschewolken für Beeinträchtigungen des Luftverkehrs. Anwohner sorgen sich vor noch stärkeren Eruptionen. Nach Angaben des Kamchatka Volcanic Eruption Response Teams (KVERT) gilt nach mehreren Explosionen weiterhin der Aviation Colour Code ORANGE.




Der bislang stärkste Ausbruch der Serie ereignete sich heute früh gegen 04:50 UTC. Dabei wurde eine Aschewolke bis in eine Höhe von FL310 (ca. 9,5 Kilometer) geschleudert. Satellitenbeobachtungen bestätigten eine rasche Ausbreitung der Vulkanasche, die sich mit starken Höhenwinden bis zu 340 Kilometer westlich des Vulkans verlagerte. Der Ausbruch dauerte gut 15 Minuten.

Darüber hinaus berichtet KVERT, dass das Lavadom-Wachstum im Krater des „Jungen Shiveluch“ weiterhin anhält. Dieser Prozess ist von kräftigen Gas- und Dampfausstoßungen begleitet. Zusätzlich wurde in Satellitendaten eine deutliche thermische Anomalie registriert, was auf anhaltende magmatische Aktivität im Fördersystem hinweist. Die aktuelle Gipfelhöhe des Lavadoms wird auf etwa 2500 Meter geschätzt, während der Vulkan am höchsten Rand seiner Caldera eine Gesamthöhe von 3283 Metern erreicht.

Seit Beginn der jüngsten Aktivitätsphase wurden sieben VONA-Warnungen (Volcano Observatory Notice for Aviation) herausgegeben. Das zuständige VAAC Tokio bestätigte wiederholt neue Aschewolken in unterschiedlichen Höhenlagen – von bodennahen Schichten bis in große Reiseflughöhen. Teile der Asche waren zeitweise durch meteorologische Wolken verdeckt, konnten jedoch mithilfe moderner Satellitensysteme wie Himawari-9 eindeutig nachgewiesen werden. KVERT warnte in diesem Zusammenhang vor Aschewolken, die bis zu 15 km hoch aufsteigen könnten.

Bei der Vulkanasche handelt es sich nicht etwa um das Verbrennungsprodukt eines Feuers, sondern um fragmentierte Lava, die man eigentlich als Sand bezeichnen müsste. Gerät sie in Flugzeugturbinen, könnten diese geschädigt werden.

Der Shiveluch zählt zu den aktivsten und gefährlichsten Vulkanen Kamtschatkas. Explosive Ausbrüche, gepaart mit Domkollapsen und pyroklastischen Strömen, treten hier regelmäßig auf. Für die lokale Bevölkerung besteht derzeit keine unmittelbare Bedrohung, da das Gebiet nur dünn besiedelt ist. Für den internationalen Flugverkehr im nördlichen Pazifikraum stellt die anhaltende Ascheemission jedoch ein ernstzunehmendes Risiko dar.

Philippinen: Starker Erdbebenschwarm im Süden

Starke Erdbebensequenz erschüttert Moro-Golf vor Mindanao auf den Philippinen

Datum: 28.01.2026 | Zeit: 06:47:01 UTC | Koordinaten 6.475 ; 123.795 | Tiefe: 10 km | Mw 5,9

Nach Daten des EMSC (European-Mediterranean Seismological Centre) ereignete sich am 28. Januar 2026 um 06:47 UTC im philippinischen Moro-Golf vor der Insel Mindanao ein Erdbeben der Magnitude 5,9. Das Hypozentrum lag in rund 10 Kilometern Tiefe bei den Koordinaten 6,475° Nord und 123,795° Ost. Das Epizentrum befand sich etwa 97 Kilometer süd-südwestlich von Cotabato sowie 30 Kilometer west-südwestlich von Kalamansig. Das Beben war der stärkste Stoß einer ungewöhnlich intensiven Serie weiterer Beben, darunter mehrere Ereignisse mit Magnituden zwischen 5,0 und 5,7. Der Schwarm begann bereits vor 10 Tagen, intensivierte sich in den letzten 24 Stunden aber signifikant. Insgesamt wurden bis jetzt 119 Beben registriert. An gleicher Stelle hatte es im November 2024 bereits ein sehr starkes Erdbeben Mw 7,1 in der ungewöhnlichen Tiefe von 620 Kilometern gegeben.

Philippinen. © EMSC/Leaflet

Die aktuellen Erschütterungen wurden in weiten Teilen des südwestlichen Mindanao deutlich wahrgenommen. Augenzeugen berichteten von schwankenden Möbeln, klirrenden Fenstern und grollenden Geräuschen sowie einem kurzzeitigen Stromausfall, von dem einzelne Gemeinden betroffen waren.

In Küstenorten wie Kalamansig und Palimbang verließen zahlreiche Menschen aus Angst vor möglichen Nachbeben oder einem Tsunami vorsichtshalber ihre Häuser und hielten sich im Freien auf oder flüchteten auf höher gelegenem Gelände. Offizielle Tsunamiwarnungen wurden nicht ausgegeben. Bestätigte Berichte über größere Sachschäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor, dennoch war die Verunsicherung in der Bevölkerung groß, da sich die Erdstöße über viele Stunden hinweg fortsetzten.

Seismologen ordnen das Ereignis als intensive Nachbebenserie mit schwarmähnlichem Charakter ein. Zwar hebt sich das Beben der Magnitude 5,9 als Hauptstoß ab, doch die Vielzahl vergleichsweise starker Folgebeben ist ungewöhnlich und deutet auf ein komplexes Muster hin. Tektonisch liegt der Moro-Golf in einer seismisch besonders aktiven Region, in der die Philippinische Seeplatte mit den Molukken- und Celebes-Mikroplatten – die der Sunda-Platte vorgelagert sind – aufeinandertreffen. Subduktionsprozesse entlang des Cotabato-Graben, bei dem eine Erdplatte in den Erdmantel abtaucht, dürften die treibende Kraft hinter der Erdbebensequenz sein.

In der Region gibt es zahlreiche aktive Vulkane, wie jene des Sangihe-Inselbogens und der Molukken. Besonders der Karangetang könnte durch die Erdbeben zu Eruptionen angeregt werden.

Die zuständigen Behörden beobachten die Lage weiterhin aufmerksam und rufen die Bevölkerung zur Vorsicht auf, insbesondere im Hinblick auf mögliche Nachbeben.

Island: Erdbebenschwarm im Hengill System

Erdbebenschwarm bei Lambafell erschüttert Region westlich von Þrengslin auf Island-  stärkstes Beben M 3,0

Das Erdbeben der Magnitude 3,0, welches heute Nacht um 02:01 Uhr die Region bei Lambafell im Hengill-System auf Reykjanes getroffen hat, war der bislang stärkste Stoß eines anhaltenden Erdbebenschwarms. Der Erdstoß war stark genug, um von Anwohnern am Rand der nahen Hauptstadtregion verspürt zu werden. Seit Beginn der Aktivität gegen 16:30 Uhr am 27. Januar wurden inzwischen mehr als 200 Erschütterungen registriert – Tendenz anhaltend.




Erdbebenschwarm Island

Erdbebenschwärme sind in diesem Gebiet kein ungewöhnliches Phänomen. Die betroffene Region liegt auf der Reykjanes-Halbinsel, einem der geologisch aktivsten Gebiete Islands. Hier verläuft ein Teil des Mittelatlantischen Rückens, an dem die Nordamerikanische und Eurasische Platte auseinanderdriften. Diese kontinuierliche Dehnung der Erdkruste führt regelmäßig zu Spannungsaufbau und -abbau in Form von Erdbeben entlang von Störungszonen.

Die Ursache hinter dem aktuellen Erdbebenschwarm ist nicht zur Gänze geklärt. Es könnte sich um rein tektonisch bedingte Erdbeben handeln und mit dem oben beschriebenen Spannungsabbau im Zusammenhang stehen. Darüber hinaus beherbergt die Reykjanes-Halbinsel mehrere aktive Vulkansysteme, und in den vergangenen Jahren kam es hier wiederholt zu magmatischen Intrusionen und Eruptionen. In Vulkanregionen stehen Schwarmbeben entlang von Störungen oft von magmatischen Fluiden ausgelöst. Es kann sich aber auch genauso gut um vulkanotektonische Beben handeln, die direkt von Fluidbewegungen ausgelöst werden, ohne dass Störungszonen involviert werden. Als Drittes ist auch die Einflussnahme des nahen Geothermalkraftwerks Hellisheiði eine mögliche Ursache, indem man mit hohem Druck Wasser in Bohrungen verpresst.

Nach aktuellem Stand besteht an dieser Stelle keine akute Gefahr und ein sich anbahnender Vulkanausbruch gilt als unwahrscheinliches Szenario. Anders sieht es an einem anderen Geothermalkraftwerk auf Reykjanes aus: Unter Svartsengi gibt es eine große Magmaansammlung bei anhaltendem Druckaufbau. Entsprechend groß ist das Eruptionsrisiko. Allerdings flachte die Kurve der Bodenhebungsgeschwindigkeit in den letzten Tagen merklich ab und es sieht beinahe so aus, als würde die Inflation stoppen, wodurch das Ausbruchsrisiko abnimmt. Der vermeintliche Rückgang der Hebegeschwindigkeit könnte aber auch auf Messungenauigkeiten zurückzuführen sein. Die nächsten Tage werden zeigen, ob sich der Trend bestätigt.

Kilauea: Erdbeben Mb 4,5 bei Pāhala

Erdbeben erschüttert Kilauea auf Hawaii – Magmatische Prozesse tief unter Pāhala

Am späten Montagabend wurde die Insel Hawaii von einem deutlich spürbaren Erdbeben der Magnitude 4,5 erschüttert. Laut Angaben vom HVO registrierten die Seismometer um 23:37 Uhr Ortszeit einen Erdstoß, dessen Epizentrum rund drei Kilometer nordwestlich der Ortschaft Pāhala lag. Der Ort liegt auf der Küstenebene im Süden der Insel, am überseeischen Fuß des Vulkans. Der Erdbebenherd befand sich in etwa 33 Kilometern Tiefe. Erschütterungen waren auf der gesamten Insel zu spüren gewesen, teils bis in den Norden nach North Kohala. Schäden an Gebäuden oder Infrastruktur wurden nicht gemeldet, auch eine Tsunami-Gefahr bestand nicht.

Erdbeben
Kilauea.© EMSC/ Leaflet

Trotz der moderaten Stärke erregte das Beben nicht nur bei den Anwohnern der Region Aufmerksamkeit, sondern auch bei Wissenschaftlern: Der Erdstoß gehört zu einem seit Jahren andauernden Schwarm tiefer Erdbeben unter der Region Pāhala, einer der seismisch aktivsten Regionen der Vulkaninsel. Nach Angaben des HVO begann diese ungewöhnliche Aktivität im Jahr 2015 und umfasst inzwischen zehntausende einzelne Erschütterungen. In den letzten 2 Jahren war die Aktivität allerdings rückläufig.

Die Ursache dieser tiefen Beben hängt nicht direkt mit den Eruptionen des Kilauea zusammen, steht aber dennoch in einem vulkanischen bzw. magmatischen Kontext: Die Erschütterungen reihen sich im Bereich der oberen Asthenosphäre und werden von aufsteigendem Magma verursacht, das ein tiefes Verteilerreservoir füllt, aus dem sowohl der Kilauea als auch der größere Mauna Loa gespeist werden.

Eine weitere Rolle bei der Entstehung moderater Erdbeben spielt vermutlich auch die enorme Last der hawaiischen Vulkane, die die Erdkruste nach unten biegt und Spannungen in großer Tiefe erzeugt. Dadurch können Gesteinsbrüche erfolgen, die sich in mittelstarken Erdbeben entladen.

Das HVO betont, dass das aktuelle Erdbeben keine erkennbaren Auswirkungen auf den derzeit pausierten Ausbruch im Halemaʻumaʻu-Krater des Kilauea oder auf den Mauna Loa hatte. Dennoch liefern die Ereignisse unter Pāhala wichtige Hinweise darauf, wie das vulkanische System Hawaiis in der Tiefe funktioniert – und warum selbst ruhige Phasen von mächtigen Kräften begleitet werden.

Lewotolok: verstärkte strombolianische Aktivität

Serie strombolianischer Eruptionen am Vulkan Ili Lewotolok auf Lembata – typische Glutspuren fotografiert

Der indonesische Vulkan Ili Lewotolok liegt auf der Insel Lembata und ist am Dienstag, dem 27. Januar 2026, erneut aktiv gewesen. Innerhalb eines Tages registrierten die Behörden mehrere strombolianische Ausbrüche, die glühende Tephra und Vulkanasche hervorbrachten. Außerdem wurde eine deutlich erhöhte seismische Aktivität registriert. Die Eruptionen verdeutlichen, dass der Vulkan weiterhin unruhig ist und aufmerksam überwacht werden muss.




Der erste Ausbruch des Tages ereignete sich heute Nacht um 1:01 Uhr WITA. Dabei stieg eine Eruptionssäule rund 200 Meter über den Gipfel des Vulkans auf, der sich auf etwa 1.423 Meter über dem Meeresspiegel erhebt. Die Wolke driftete ostwärts und brachte nicht nur Asche hervor, sondern auch rotglühende Tephra, die auf lange belichteten Aufnahmen die typischen Glutspuren strombolianischer Eruptionen zeigte. Seismographen zeichneten ein starkes Signal mit einer maximalen Amplitude von 23 Millimetern und einer Dauer von 36 Sekunden auf.

Tagsüber gab es mehrere vergleichbare Eruptionen, die allerdings keine expliziten Meldungen beim VSI/Magma auslösten. Wahrscheinlich, weil der Vulkan entweder in den Wolken hing oder weil die Eruptionen tagsüber unspektakulär ausschauten. Doch von den Eruptionen zeugten seismische Ausbruchssignale, von denen im Tagesverlauf 103 registriert wurden. Dazu gesellten sich 422 Signale starker Entgasungen sowie ein flaches und ein tiefes vulkanotektonisches Erdbeben sowie zwei weiter entfernte tektonische Beben. Diese Daten deuten auf anhaltende Bewegungen von Magma und Gasen im Untergrund hin, ohne Hinweise auf eine evtl. Eskalation der Situation zu liefern.

Am Abend folgten zwei weitere Ereignisse. Um 20:46 Uhr wurde ein Ausbruch ausschließlich seismisch registriert, ohne sichtbare Ascheemission. Nur wenige Minuten später, um 20:53 Uhr, kam es erneut zu einer Eruption mit einer etwa 200 Meter hohen, grauen Aschesäule mittlerer bis hoher Intensität, die ebenfalls nach Osten zog.

Der Ili Lewotolok ist ein aktiver Schichtvulkan, der seit Jahren immer wieder durch explosive Eruptionen und Lavaausflüsse auffällt. Die Behörden halten daher an der Empfehlung fest, einen Sperrradius von drei Kilometern um den Krater einzuhalten. Besonders in mehreren Sektoren besteht Gefahr durch Lawinen, pyroklastische Ströme und Ascheregen.

Sangay: Aschewolke auf 6100 m Höhe detektiert

Anhaltende Aktivität am Sangay: Aschewolke bis auf 6100 m Höhe eruptiert

Der ecuadorianische Vulkan Sangay zeigt weiterhin eine anhaltend hohe Aktivität und eruptierte heute mehrere Aschewolken. Die höchste erreichte heute Nacht eine Höhe von 6100 m über dem Meeresspiegel und driftete mit einer Geschwindigkeit von 28 km/h in südwestlicher Richtung. Das VAAC Washington gab um 03:09 UTC eine VONA-Warnung heraus. Weitere folgten im Tagesverlauf, allerdings blieben die Aschewolken niedriger.

Berichte des ecuadorianischen Instituto Geofísico (IG-EPN) bestätigen die anhaltenden Ascheemissionen und verweisen zudem auf thermische Anomalien und seismische Aktivität. Zwar konnten aufgrund starker Bewölkung auf den jüngsten Satellitenbildern die Aschewolken nicht beobachtet werden, dennoch gehen die Vulkanologen davon aus, dass die eruptive Aktivität auf Basis vorheriger Muster anhält.

Satellitengestützte Messsysteme wie MIROVA und FIRMS registrieren derzeit Wärmestrahlung im Gipfelbereich, ein klares Indiz für sehr heißes Material im Fördersystem des Vulkans. Diese thermischen Signale werden häufig mit glühendem Material im Krater, heißen Gasen oder frischer Tephra in Verbindung gebracht. Hinweise auf einen ausgedehnten Lavastrom oder einen aktiven Lavadom gibt es derzeit nicht. Die Aktivität bleibt damit überwiegend explosiv und auf den Kraterbereich beschränkt.

Parallel dazu wird eine kontinuierlich erhöhte Erdbebentätigkeit gemessen. In der letzten Woche wurden an einigen Tagen bis zu 165 seismische Signale registriert. Die Mehrzahl der aufgefangenen Signale steht in direktem Zusammenhang mit Explosionen, sowie explosionsartigen Gasfreisetzungen und Fluidbewegungen im Fördersystem. Größere tektonische Erdbeben, die auf eine zusätzliche Destabilisierung des Systems hindeuten würden, wurden in der unmittelbaren Umgebung des Vulkans zuletzt nicht gemeldet. Die letzten stärkeren Erdbeben fanden im Mai letzten Jahres statt.

Der Sangay gilt als einer der aktivsten Vulkane Südamerikas und liegt im Randbereich der Anden, dort, wo der Gebirgszug Richtung Amazonasbecken abfällt. Seine derzeitige Phase ist geprägt von einem nahezu dauerhaften Wechselspiel aus Explosionen, Ascheemissionen und thermischer Aktivität. Für die Luftfahrt bleibt er deshalb ein relevanter Faktor, insbesondere bei Aschewolken in niedrigen bis mittleren Flughöhen.

Popocatépetl: Vulkanausbruch fördert Aschewolke

Vulkanausbruch am Popocatépetl – Aschewolke bis auf 6400 m Höhe gefördert

Obwohl der Popocatépetl in den letzten Wochen ungewöhnlich ruhig war, kam es heute Nacht um 01:54 UTC zu einer VONA-Meldung, nach der eine Aschewolke bis auf 6400 m aufstieg und mit einer Geschwindigkeit von 45 km/h Richtung Osten zog. Dabei breitete sich die Aschewolke über ein großes Gebiet aus. Zuletzt wurde eine kleinere Aschewolke vor 2 Tagen gemeldet, was für den mächtigsten Vulkan Mexikos ein vergleichsweise langes – aber nicht das längste – Pausenintervall darstellt.

Vona-Warnung

In den letzten Wochen ist ein signifikanter Aktivitätsrückgang am Popocatépetl zu verzeichnen. So meldete CENAPRED gestern nur 14 Ascheexhalationen und ein vulkanotektonisches Erdbeben. Tremor wurde zuletzt am 24. Januar registriert und dieser brachte es nur auf eine Gesamtdauer von 15 Minuten. Noch vor einem Jahr gab es Tremorphasen, die sich zeitweise fast über den ganzen Tag erstreckten.

Trotz der geringeren Explosivität und dem ausbleibenden Tremor emittiert der Mexikaner kontinuierlich eine als moderat eingestufte Wärmestrahlung mit Spitzenleistung um 30 MW. Das spricht dafür, dass im Krater ein Dom wachsen könnte, wobei gleichzeitig zumindest ein Förderschlot frei sein müsste, durch den der Gasdruck entweicht. Bei einem verstopften Fördersystem würde man eine erhöhte Seismizität bzw. einen Tremor erwarten.

Die aktuelle Aktivitätsphase des Popocatépetl dauert nun mehr als zwei Jahrzehnte. Nach rund 70 Jahren relativer Ruhe begann im Dezember 1994 eine neue Eruptionsperiode, die den Vulkan dauerhaft reaktivierte. Innerhalb dieser Entwicklung wird die aktuelle, nahezu kontinuierliche Eruptionsphase meist auf den Januar 2005 datiert. Seitdem zeigt der Popocatépetl fast ununterbrochen Gas- und Ascheemissionen, kombiniert mit explosiven Ausbrüchen und wiederholtem Domwachstum im Krater.

Der stärkste Ausbruch dieser langfristigen Aktivitätsphase ereignete sich im Dezember 2000. Damals kam es zu sehr starken Explosionen mit großen Aschewolken und pyroklastischen Dichteströmen, die zu umfangreichen Evakuierungen der Anwohner führten.

Es bleibt abzuwarten, ob die aktuell ruhigere Phase letztendlich zum Erlöschen der Aktivität führt oder ob es nur ein ruhigeres Intermezzo ist.

Ätna: Weitere Erdbeben unter der Westflanke

Etna
Erdbeben unter der Ätna-Westflanke. Sehr schön zu sehen sind die Parasitärkrater, der Gipfel und rechts das Valle del Bove. © Copernicus

Mehrere Erdbeben unter Ätna-Westflanke – stärkste Erschütterung Mb 2,5

Unter der Westflanke des sizilianischen Vulkans Ätna bebte erneut die Erde. Gestern manifestierten sich drei Beben mit Magnituden zwischen 2,1 und 2,4 bei Herdtiefen um 13 Kilometer. Die Epizentren wurden vom EMSC rund 5 km nordwestlich von Adrano lokalisiert. Bereits am 25. Januar meldete das INGV einen Erdstoß der Magnitude Mb 2,5 in 11 Kilometern Tiefe, der sich im gleichen Areal zwischen Adrano und Bronte zutrug und gut 3 Kilometer westlich des Monte Mindaro verortet wurde.




Die Erdbeben passen in das Muster, das wir bereits seit Ende letzten Jahres kennen. Die Beben hängen aller Wahrscheinlichkeit nach mit Magmenaufstieg zusammen, der Spannungen verursacht und Störungszonen aktiviert beziehungsweise Gesteinsbruch auslöst. Durch die fortgesetzte Intrusion erhöht sich der Druck im Magmaspeichersystem, wodurch in Kürze wahrscheinlich weitere Beben und mittelfristig ein neuer Vulkanausbruch ausgelöst werden.

Der Tremor stieg leicht vom grünen in den unteren gelben Bereich, ist aber noch als unauffällig zu bezeichnen. Aus dem letzten Wochenbulletin des INGV geht hervor, dass die Tremorquellen entlang eines schmalen Bandes angeordnet waren, das in Nordwest-Südost-Richtung verläuft und dabei den Süden des Nordostkraters streift. Die Längserstreckung ist außergewöhnlich groß und erinnert an einen magmatischen Gang. Es handelt sich um den gleichen Magmenkörper, der für die Eruption zum Jahreswechsel verantwortlich war. Heute oder morgen sollte das neue Bulletin erscheinen, und die neuen Daten könnten Aufschluss darüber geben, ob dieser Magmenkörper aktiv bleibt.

Seit Wochen gab es vom Ätna kein wolkenfreies Satellitenfoto mehr. Das letzte stammt vom 13. Januar und zeigte nicht nur einen schneebedeckten Vulkan, sondern auch kalte Förderschlote, ohne auch nur die winzigste Spur einer thermischen Anomalie im Bereich der Hauptkrater.

Gestern ereignete sich zudem ein sehr tiefes Beben nordöstlich der liparischen Vulkaninsel Stromboli. Dieses Beben hatte eine Magnitude von 2,9 und eine Herdtiefe von 253 Kilometern. Es ist innerhalb weniger Tage bereits das zweite Beben in diesem Areal und könnte mit Prozessen in Verbindung stehen, die für die Magmenentstehung verantwortlich sind. Stromboli setzt seine normale strombolianische Tätigkeit fort. Auffällig sind hohe CO₂-Emissionen, die auf eine größere Menge Schmelze in der Tiefe schließen lassen. Lavaüberläufe sind dort innerhalb weniger Wochen vorprogrammiert.