Lavaströme im Valle del Bove weiterhin aktiv – Lavafront am Ätna bei 1900 Höhenmeter
Der Ätna auf Sizilien ist weiterhin aktiv und eruptiert Lava, die sich im Bereich des Monte Simone im Valle del Bove bewegt. Die vorderste Lavafront ist indes dabei, abzukühlen, und stagniert seit 3 Tagen. Die neuen Lavafronten bewegen sich in einem Höhenbereich von ca. 1900 m und liegen scheinbar außer Sicht der Thermal-LiveCam des INGV. Dafür beobachteten INGV-Forscher die Aktivität bei ihrer Feldarbeit. Die Gipfelkrater blieben währenddessen still, entgasten aber stark.

In einem heute Mittag veröffentlichten INGV-Bericht heißt es, dass entlang der am 1. Januar entstandenen Eruptionsspalten im Valle del Bove weiterhin mäßig viel Lava gefördert wird. Mehrere aktive Lavaströme sind im Bereich des Monte Simone zu beobachten. Die am weitesten vorgedrungenen Lavafronten liegen knapp unterhalb von 1900 bzw. 2000 m Höhe, während die weiter talabwärts gelegenen Bereiche des Lavafeldes inzwischen zum Stillstand gekommen sind und abkühlen. Nächtliche Kamerabeobachtungen zeigen anhaltende Leuchterscheinungen entlang der Spalten, was auf eine kontinuierliche Förderung hinweist.
Die Amplitude des vulkanischen Tremors schwankt seit dem 8. Januar zwischen niedrigen und mittleren Werten, wobei die Tremorquelle im Bereich des Nordostkraters lokalisiert ist.
Besondere Bedeutung kommt den gemessenen Strain-Änderungen zu. Das Dehnungsmessgerät DRUV registrierte ab dem 7. Januar eine Phase rascher Kompression von rund 20 Nanodehnungen, gefolgt von einer langsamen Dekompression und einem derzeit oszillierenden Verhalten. Diese Kompression wird als Ausdruck einer Druckentlastung des magmatischen Speichersystems interpretiert. Durch den anhaltenden Abfluss von Magma über die Eruptionsspalten verliert das Reservoir Volumen, wodurch das umgebende Gestein leicht nach innen reagiert. Die fehlenden Veränderungen im GNSS-Netz unterstreichen, dass es sich um eine moderate, lokal begrenzte Deflation handelt. Insgesamt deuten die Daten auf eine stabile effusive Phase hin, ohne Hinweise auf eine bevorstehende Intensivierung der Aktivität.
Auf dem Sentinel-Satellitenfoto vom 8. Januar ist im Thermalspektrum keine Anomalie feststellbar, wobei der Monte Simone von Wolken verdeckt war. MIROVA registrierte heute Mittag eine moderate Wärmestrahlung, die auch von der sich abkühlenden Lava stammen kann. Meiner Einschätzung nach kann es sich nur noch um eine geringe Menge Lava handeln, die eruptiert wird bzw. heute Morgen eruptiert wurde.
Streik der Vulkan- und Naturführer
Aufgrund der zu streng erscheinenden Sicherheitsmaßnahmen, in deren Zuge auch die Hauptstraße Richtung Refugio Citelli kurz hinter Milo gesperrt wurde, protestierten die Vulkan- und Naturführer des Ätnas und streikten gestern. Der uns gut bekannte, deutschstämmige INGV-Vulkanologe, dessen Namen ich diesmal nicht nennen möchte, solidarisierte sich in einem privaten Facebookpost mit den Bergführern (und indirekt auch mit uns Vulkanspottern), indem er die strengen Maßnahmen kritisierte. Das rief den leitenden Direktor des INGV auf den Plan, der sich seinerseits von dem Post des Vulkanologen distanzierte und auf die Seite der Bürgermeister der betroffenen Kommunen stellte. Meiner bescheidenen Meinung nach arbeiten beim INGV hervorragende Geowissenschaftler und Techniker, doch die politische Leitung des Vereins kann man getrost in der Pfeife rauchen!
Ich kritisiere insbesondere nicht nur die überzogenen Sicherheitsmaßnahmen, sondern das Fehlen jedweder Prognosen im Vorfeld einer Eruption. Sollte man tatsächlich keine Ahnung haben, was als Nächstes kommt? Warum werden wöchentliche Bulletins eingestellt, sobald der Vulkan 3 Monate nicht ausgebrochen ist? Und noch dringender die Frage: Warum werden sie nicht wieder aufgenommen, wenn selbst Vulkanspotter erkennen, dass sich eine Eruption zusammenbraut? Hat man Sorge, die Bevölkerung zu beunruhigen? Wenn man auf der Flanke eines aktiven Vulkans lebt, sollte man sich der potenziellen Gefahr, in der man sich befindet, permanent bewusst sein!
Die aktuellen Sicherheitsmaßnahmen wären nur im Falle einer großen Flankeneruption gerechtfertigt, wie es sie Anfang des Jahrtausends zweimal gegeben hat. Vielleicht noch im Anfangsstadium des Ausbruchs, als nicht klar war, wie groß die Eruption sein wird. Aber kurz vor deren deutlichen Abschwächung Straßensperren zu errichten und den Zugang zum Eruptionsgebiet signifikant einzuschränken, zeugt schlichtweg von eins: massiver Inkompetenz! Oder sollte man davon ausgehen, dass sich ein weitaus stärkerer Ausbruch zusammenbraut? Daten hierzu wurden jedenfalls nicht offengelegt.









