Mayon: 19. Tag des Vulkanausbruchs

Vulkanausbruch am Mayon dauert seit 19 Tagen an – Lavadom wächst weiter

Der philippinische Vulkan Mayon ist seit 19 Tagen ununterbrochen aktiv und hält die Vulkanbeobachter von PHILVOLCS-DOST in Atem. Heute fotografierten sie im Morgengrauen eine rot illuminierte Wolkenkappe, die den Lavadom einhüllte. Sein Wachstum hält zwar schon länger als 19 Tage an, doch der eigentliche Vulkanausbruch begann für die Mitarbeiter der Behörde offenbar mit den Abgängen von glühenden Schuttlawinen und pyroklastischen Strömen. Von diesen geht eine besondere Gefahr aus: Im Falle größerer Abbrüche vom Lavadom oder dem kurzen Lavastrom, der vom Dom ausgeht, können große pyroklastische Ströme entstehen, die bewohntes Gebiet erreichen.




Mayon. © PHILVOLDS-DOST

Eine Entspannung der Situation ist nicht in Sicht. Der Mayon ist weiterhin aufgebläht, der Magmanachschub aus der Tiefe dauert an, was sich in gelegentlichen vulkanotektonischen Erdbeben zeigt. Der Ausstoß an Schwefeldioxid steigerte sich im Eruptionsverlauf und betrug in den letzten 24 Stunden mehr als 2200 Tonnen. Dem täglichen Datenblatt von PHILVOLCS ist außerdem zu entnehmen, dass es zwischen dem 24. und 25.01.2026 jeweils um 12:00 Uhr zu 44 Abgängen pyroklastischer Ströme und 253 Steinschlägen gekommen ist, die seismische Signale erzeugten. Es steigt Vulkanasche auf, die beim VAAC Tokio häufig VONA-Warnungen auslöst, ohne dass die Höhe der Aschewolken genau bestimmt werden kann.

Die Alarmstufe „3“ wird aufrechterhalten. Es gilt eine permanente 6-Kilometer-Sperrzone um den Vulkangipfel mit seinem Lavadom sowie ein Überflugverbot. Die Bevölkerung wird aufgefordert, im Freien Staubschutzmasken zu tragen und Schluchten und Flussläufe in Vulkannähe zu meiden.

Neben dem Mayon stehen auf den Philippinen noch die Vulkane Bulusan, Kanlaon und Taal unter besonderer Beobachtung. Der Kanlaon erzeugte innerhalb von 24 Stunden 19 vulkanisch bedingte Erdbeben und kann jederzeit weitere Eruptionen hervorbringen. Das Gleiche gilt für den Taal, an dem 11 Beben festgestellt wurden. Der Bulusan ist momentan der unauffälligste der beobachteten Vulkane, gilt aber ebenfalls als aufgebläht und eruptionsbereit.

Island: Erdbeben bei Snaefellsnes und Vatnajökull

Erdbeben am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel-Halbinsel und unter dem Vantajökull auf Island

Am Wochenende gab es wieder eine erhöhte Erdbebenaktivität an 2 Lokationen auf Island: Während es im Bereich von Svartsengi und der Reykjanes-Halbinsel relativ ruhig blieb, bebte es verstärkt am Grjótavatn am Rand der Snæfellsnes-Halbinsel und unter dem Gletscher Vatnajökull Dort gab es Freitagabend unter dem Bardarbunga auch den stärksten Erdstoß mit einer Magnitude von 3,0. Weitere Beben wurden am Grimsvötn registriert. Insgesamt manifestierten sich an diesen beiden subglazialen Vulkanen 37 Erschütterungen. Im Bereich von Snæfellsnes kamen 23 Beben zusammen.

grjotarvatn
Erdbeben am Grjotarvatn

Die Beben der Snæfellsnes-Halbinsel hatten Epizentren, die 30 Kilometer nördlich von Borgarnes verortet wurden, und lagen nahe des Grjótavatn am Rand des Ljósufjöll-Vulkansystems. Dieses steht aufgrund erhöhter Seismizität seit fast 2 Jahren immer wieder in den Schlagzeilen. Die Beben ereignen sich überwiegend in Tiefen von mehr als 15 Kilometern und werden mit magmatischen Prozessen in Verbindung gebracht. Wahrscheinlich akkumuliert sich Magma, das dabei ist, in die Erdkruste einzudringen und aufzusteigen. Es wurden bereits leichte Bodenhebungen registriert. Der aktuelle Schwarm verlagerte sich gegenüber vergleichbaren Erdbeben letztes Jahr etwas weiter in den Norden der Region. Ein Vulkanausbruch lässt sich bis jetzt nicht vorhersagen, dennoch könnte es langfristig auf einen solchen hinauslaufen. Der bekannteste Vulkan der Halbinsel – der Snaefellsjökull – bleibt indes ruhig.

Ähnlich verhält es sich mit den beiden Schwarmbeben am Vatnajökull: Sie ereigneten sich unter den beiden bedeutenden subglazialen Vulkanen Bardarbunga und Grimsvötn und stehen ebenfalls mit magmatischen Prozessen in Verbindung, die früher oder später in neuen Eruptionen gipfeln werden. Dabei ist es am wahrscheinlichsten, dass der Grimsvötn als Erster ausbricht. Statistisch betrachtet ist hier eine Eruption überfällig. Im langjährigen Mittel der letzten 100 Jahre kam es alle 4–5 Jahre zu einer Eruption. Die letzte fand 2011 statt, also vor gut 15 Jahren! So langsam wird es Zeit …

Es scheint ein wenig paradox, dass ausgerechnet unter dem größten Gletscher Europas zwei der mächtigsten Vulkane liegen, die sich direkt über dem Island-Hot-Spot befinden. Der Hotspot ist maßgeblich für die Entstehung Islands mitverantwortlich, da er nicht nur Lava zur Erdoberfläche pumpt, sondern die Erdkruste aufwölbt und nach oben schiebt. So begegnen sich auf einem vulkanischen Plateau Feuer und Eis.

USA: Blizzard legt Teile des Landes lahm

stopp
Stoppt nicht nur den Blizzard, sondern auch Trump!

Blizzard legt die USA lahm – Ausnahmezustand von den Plains bis nach Washington

Der gestern angekündigte Wintersturm hat weite Teile der Vereinigten Staaten lahmgelegt und in einen Ausnahmezustand versetzt. Heftige Schneefälle, gepaart mit Eisregen und extremer Kälte, führten zu katastrophalen Zuständen, von denen besonders der Osten des Landes betroffen ist. Auch die Hauptstadtregion Washington D.C. wurde schwer getroffen: Die Straßen sind teilweise unpassierbar, der öffentliche Nahverkehr wurde eingeschränkt oder eingestellt. Tausende Flüge fielen landesweit aus.




In mehreren Bundesstaaten meldeten Energieversorger großflächige Stromausfälle, von denen hunderttausende Haushalte betroffen sind. Behörden berichten zudem von zahlreichen Verkehrsunfällen, Versorgungsengpässen und mehreren Todesfällen, die in direktem Zusammenhang mit Kälte, Glätte oder medizinischen Notlagen stehen. Insgesamt sind mehr als 160 Millionen Menschen von den Auswirkungen des Blizzard betroffen. Zahlreiche Bundesstaaten riefen den Notstand aus.

Besonders problematisch war die Kombination aus starkem Schneefall und gefrierendem Regen. Während in manchen Regionen mehr als 30 Zentimeter Schnee fielen, bildete sich andernorts eine dicke Eisschicht auf den Straßen, was zu unzähligen Unfällen führte. Auch Bäume und Stromleitungen wurden mit einem dicken Eispanzer überzogen. Das zusätzliche Gewicht ließ Äste brechen und Masten umstürzen.

Meteorologisch betrachtet handelt es sich um ein außergewöhnlich intensives Ereignis, das sich aber durchaus erklären lässt: Auslöser des Blizzards ist eine stark mäandrierende Strömung des Jetstreams, die sehr kalte arktische Luft weit nach Süden lenkte. Gleichzeitig wurde feuchte und vergleichsweise milde Luft aus dem Golf von Mexiko nach Norden geführt. Dort, wo diese Luftmassen aufeinandertreffen, entwickelte sich ein sehr großes Energiepotenzial und schuf die idealen Voraussetzungen für einen großräumigen Wintersturm mit Schnee, Eis und starken Winden. Verstärkt wurde das System durch eine gestörte Zirkulation des Polarwirbels, die Kaltluft länger über Nordamerika festhielt und den Sturm verlangsamte.

Medien berichten, dass es sich möglicherweise um den stärksten Blizzard der letzten 40 Jahre handelt. Ob dem so ist, wird unter Meteorologen kontrovers diskutiert. Seine Stärke ist jedenfalls historisch bemerkenswert und könnte im Kontext mit dem Klimawandel stehen, der immer stärkere Störungen von Jetstream und Polarwirbel bewirkt. Was im Winter zu extremen Kälteperioden führen kann, löst im Sommer häufig Omega-Wetterlagen mit Hitzewellen aus und sind zwei Seiten der gleichen Münze.

Klimawandelleugner Trump spottet über globale Erwärmung

Klimawandelleugner und Wissenschaftsfeind Donald Trump – der auch sonst ein Freund von Desinformation, Unwissenheit und historischem Eigenlob ist – bezeichnete die Auswirkungen des Blizzards als katastrophal und spottete zugleich über den Klimawandel und fragte, wo denn die „globale Erwärmung“ geblieben sei. Zusammenhänge wollen verstanden werden. Stoppt die Dummheit!

Der Wintersturm zeigt nicht nur die Verwundbarkeit moderner Gesellschaften gegenüber Naturereignissen, sondern auch, wie eng Wetter, Wissenschaft und politische Deutung miteinander verwoben sind.

Kilauea: Eruption No 41 verursachte Evakuierungen im Park

Eruptive Episode No 41: Kilauea-Nationalpark aufgrund unerwartet heftiger Eruption kurzzeitig evakuiert

Der Kilauea auf Hawaii brach heute Nacht – wie von den HVO-Vulkanologen prognostiziert – aus und generierte die 41. Lavafontänen-Episode des fortlaufenden Vulkanausbruchs, der am 23. Dezember 2024 begann. Wie es für die Stop-and-Go-Eruption typisch ist, steigerte sich die Tätigkeit nach einer mehrtägigen Phase mit Lavaüberläufen schnell und es wurden Lavafontänen generiert. Diese waren diesmal aber außergewöhnlich hoch und starker Wind verteilte Tephra nicht nur im Gebiet des Hawaii-Volcano-Nationalparks, sondern bis zu den Küstenorten. Im Nationalpark gingen Schlacken von der Größe einer Pampelmuse nieder, so dass die Besucher evakuiert wurden. Die Aschewolke erreichte eine Höhe von fast 12 Kilometern und bewegte sich mit 55 km/h Richtung Osten. Es wurde eine VONA-Warnung für den Flugverkehr ausgegeben.




Wie die Vorgänger-Eruptionen spielte sich auch die 41. Episode im Halemaʻumaʻu-Krater ab. Sie begann am 24. Januar 2026 gegen 11:10 Uhr HST und entwickelte sich schnell zu einem der energiereichsten Ereignisse des gesamten Ausbruchs. Bereits am frühen Nachmittag schossen Lavafontänen aus beiden Förderschloten am Südwestrand des Kraters hunderte Meter in die Höhe.

Kurz nach 12:30 Uhr erreichten die Fontänen ihre maximale Höhe von schätzungsweise 460 bis 480 Metern. Im weiteren Verlauf des Nachmittags pendelten sich die Fontänen bei etwa 150 bis 200 Metern Höhe ein. Die eruptive Aktivität ging mit starkem Tephra-Ausstoß einher, der Schlacken und Gesteinsbrocken im Gebiet des Nationalparks niedergehen ließ, während der Wind feine Asche bis nach Hilo und in Küstenorte der Puna-Region trug, wo sie in 40 Kilometern Entfernung vom Vulkan abregnete.

Lapilli auf Auto

Besonders betroffen waren neben dem Hawaii-Volcano-Nationalpark die Ortschaften nördlich und östlich des Vulkans, darunter Volcano Village, Fern Acres, Kurtistown und Hawaiian Paradise Park. Entlang des Highway 11 kam es zeitweise zu gefährlichen Bedingungen, da zentimetergroße Tephra-Brocken auf die Fahrbahn einschlugen und zersplitterten. Solche bombenartigen Brocken sind durchaus in der Lage, Autoscheiben zu durchschlagen und unter Umständen auch durch das dünne Blech eines Autodaches zu dringen. Das Bombardement mit Tephra veranlasste die Katastrophenschutzbehörde zur Schließung des Nationalparks und der Evakuierung seiner Besucher und zur Sperrung des Highways 11.

Da sich die Eruption am Spätnachmittag abschwächte und gegen 19:30 HST endete, verkündete der Katastrophenschutz am frühen Abend die Wiederöffnung der Straße. Der Tephra-Niederschlag kann jedoch noch mehrere Stunden anhalten, während sich Asche und vulkanische Partikel aus der Atmosphäre absetzen. Die Warnstufe für den Luftverkehr bleibt auf „Orange“.

Neben der für Schlagzeilen sorgenden Tephra wurde auch eine große Menge Lava ausgestoßen, die den Boden des Halemaʻumaʻu-Kraters überflutete. Von den Lavaströmen ging eine sehr hohe Thermalstrahlung mit einer Leistung von 5640 MW aus.

Messinstrumente registrierten während der Eruption eine deutliche Deflation des Gipfelbereichs. Der Neigungsmesser am Standort Uēkahuna zeichnete eine Abschwächung von mehr als 20 Mikroradian auf: ein typisches Muster der Lavafontänen-Episoden, die in kurzer Zeit viel Lava ausstoßen und so das Magmaspeichersystem entleeren, was den Boden absinken lässt.

Die 41. Lavafontänen-Episode des Kilauea zeigte einmal mehr, wie dynamisch eine Eruption verlaufen kann: Bereits vergleichsweise kleine Änderungen der Fördersystemstruktur bewirken eine Verstärkung der sichtbaren Auswirkungen eines Vulkanausbruchs: Während es im Sommer 2025 eine Phase gab, während der die Lavafontänen schräg ausgestoßen wurden und in einem Bogen durch den Krater – der eigentlich eine Caldera ist – schossen, bündelte die Architektur des Schlotes die Lavafontänen nun und ließ sie durch einen verengten Förderschlot nahezu einen halben Kilometer senkrecht in den Himmel steigen. Aufgrund der großen Höhe der Fontäne und dem Wind verteilte sich die Tephra großräumig.

Vulkan El Chichón: Kratersee verwandelte sich in Säuresee

Veränderungen im Kratersee des El Chichón und erhöhte Seismizität im vergangenen Jahr fordern Wachsamkeit

Der mexikanische Vulkan El Chichón beherbergt einen Kratersee, der nach der verheerenden Eruption von 1982 entstand. Jahrzehntelang war sein Wasser von Algen grün gefärbt, ein Indiz dafür, dass sich ein für Einzeller und andere Mikroorganismen akzeptables Milieu etabliert hatte, in dem Leben möglich ist. In den letzten Jahren zeigen sich allerdings deutliche Veränderungen, die sich in den vergangenen Monaten beschleunigten und von UNAM-Wissenschaftlern aufmerksam beobachtet werden. Sie könnten Anzeichen dafür sein, dass sich einer der gefährlichsten Vulkane des Landes auf eine neue Eruption vorbereitet.




Der im Fokus des Interesses stehende Kratersee ist ein Spiegel der magmatischen Aktivität, die sich im Untergrund des El Chichó abspielt. Nach einem der explosivsten Vulkanausbrüche des 20. Jahrhunderts, der mit einer gewaltigen Asche- und Gaswolke verbunden war und zahlreiche Menschenleben forderte, bildete sich ein zunächst türkisfarbener See mit einem Durchmesser von rund einem Kilometer und einer Tiefe von etwa 200 Metern. Im Laufe der Jahre kühlte das Wasser ab und es kam zu Algenwachstum. Der Kratersee verfärbte sich zu normalem Grün Inzwischen wandelt er sich wieder und die Wassertemperatur steigt, tötet die Algen ab und bewirkt eine Farbveränderung des Sees.

Fumarolen am Grund des Sees stoßen heiße Gase und fast kochend heißes Wasser aus, das viel Schwefeldioxid enthält und den See in eine säurehaltige Brühe verwandelt. Wissenschaftler der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) beobachten seit etwa 20 Jahren Veränderungen in der chemischen Zusammensetzung des Wassers, die heute von Sulfaten und Kieselsäure geprägt ist. Zudem wurden hohle Schwefelkugeln an der Wasseroberfläche entdeckt, die auf einen flüssigen Schwefelsee am Grund hinweisen, der bis zu 118 Grad Celsius erreicht.

Parallel zu diesen Veränderungen wurde im Jahr 2025 eine Phase erhöhter seismischer Aktivität registriert. Zahlreiche kleinere Erdbeben – typisch für hydrothermale Systeme – wurden im Umfeld des Vulkans aufgezeichnet. Diese Erdbeben sind jedoch bisher nicht mit weiteren Anzeichen für Magmaintrusionen verbunden, was eine größere Eruption derzeit unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Die Veränderungen im Kratersee und die erhöhte Erdbebenaktivität zeigen jedoch, dass der Vulkan El Chichón weiterhin vulkanischen Prozessen unterliegt. Die für die Vulkanbeobachtung verantwortlichen UNAM-Mitarbeiter fordern eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen Vulkanologen, Risikomanagement und lokalen Behörden, um die Entwicklungen genau zu beobachten und angemessene Schutzmaßnahmen zu gewährleisten.

Türkei: Erdbeben Mb 4,9 im Westen

Erdbebenserie im Westen der Türkei setzt sich fort – Bevölkerung in Alarmbereitschaft

Datum: 23.01.2026 | Zeit: 21:24:38 UTC | Koordinaten 39.191 ; 28.291 | Tiefe: 11 km | Mb 4,9

Im Westen der Türkei kam es bei Sindirgi erneut zu einem mittelstarken Erdbeben. Es hatte eine Magnitude von 4,9. Die Herdtiefe wird beim EMSC mit 11 Kilometern angegeben. Messungen türkischer Institute ergaben eine Lokalmagnitude von 5,1. Das Beben manifestierte sich gestern Nacht um 21:24:38 UTC und war Teil eines Schwarms aus Hunderten Erschütterungen. Mehrere der Beben hatten Magnituden über 3 und wurden von den Anwohnern der Gegend verspürt. Der stärkste Erdstoß war sogar in Izmir und Istanbul zu spüren gewesen. Dort fürchtet man sich seit langem vor einem Megabeben. Entsprechend besorgt reagierten die Menschen.



Westen
Türkei. © EMSC/Leaflet

Viele Bewohner berichteten in sozialen Netzwerken und beim EMSC von ihren Wahrnehmungen: Teilweise wurden Menschen aus dem Schlaf gerissen, als ein tiefes Grollen anrollte und die Häuser zu wackeln begannen, Gebälk knarzte und Geschirr und Fenster klirrten. Nahe des Epizentrums fielen Gegenstände aus den Regalen. Die über mehrere Stunden anhaltende Folge von leichten bis moderaten Erschütterungen hat in einigen Gemeinden zu einer latenten Angst vor größeren Beben geführt – viele Menschen verbrachten die Nacht im Freien.

Die Region gilt als hochgradig seismisch aktiv. Sie liegt in einem tektonisch komplexen Bereich der Anatolischen Platte, der von der Arabischen und Eurasischen Platte flankiert wird. Durch teils gegensätzliche Bewegungen und Drehungen der Platten und Krustenblöcke kommt es zu ausgedehnten Verwerfungs- und Dehnungszonen. Eine davon ist der Simav-Graben, an dessen Südrandstörung sich die Beben ereigneten.

Die jüngsten Erschütterungen reihen sich ein in eine anhaltende Erdbebenserie, die seit dem Frühsommer 2025 anhält. Bereits am 10. August und 27. Oktober 2025 waren starke Beben der Magnitude etwa 6,1 registriert worden, die über Wochen hinweg von tausenden Nachbeben begleitet wurden. Diese Serie hatte im vergangenen Jahr für Besorgnis gesorgt und Warnungen vor weiterer Aktivität ausgelöst.

Nicht nur in der Sindirgi-Region fürchtet man sich vor starken Erdbeben, sondern vor allem im Bereich der Nordanatolischen Verwerfung bei Istanbul. Hier rechnen Seismologen bereits seit Jahren mit einem Megabeben, das große Teile der Metropole verwüsten könnte. Man sitzt dort sprichwörtlich auf einer seismologischen Zeitbombe.

USA: Blizzard-Warnung für Washington DC

Blizzard-Warnung für Washington D.C. – vorsorglich Alarmstufe Rot und Notstand ausgerufen

In der Region um die US-amerikanische Hauptstadt Washington D.C. wird ein Blizzard erwartet, der neben großen Schneemengen eisige Temperaturen mit sich bringen soll. Die winterlichen Bedingungen könnten auch zu Glatteis führen, in dessen Folge massive Verkehrsbehinderungen erwartet werden. Vorsorglich wurde bereits gestern die Unwetterwarnstufe „Rot“ ausgerufen und der Notstand über die Hauptstadt verhängt. Doch am Samstagmorgen zeigt sich das Wetter überraschend ruhig – der erwartete Schneesturm lässt noch auf sich warten.

Dass er kommt, erscheint aber als gesichert, denn andere Landesteile sind bereits fest im Griff arktischer Luftmassen des Blizzards „Fern“ der einen Bogen schlägt und nicht direkt aus dem Norden auf Washington zuhält, sondern aus dem Südwesten kommt. Besonders betroffen sind bis jetzt die Northern Plains und Teile des Mittleren Westens, wo Windchill-Temperaturen von unter minus 40 Grad Celsius gemessen wurden. In der Hauptstadtregion werden hingegen bis zu -10 Grad erwartet,

Die meteorologischen Bedingungen für den angekündigten Blizzard sind komplex und typisch für einen schweren Wintersturm an der US-Ostküste. Ein kräftiges Tiefdruckgebiet zieht aus dem Süden heran, nimmt dabei feuchte Luftmassen vom Atlantik auf und trifft auf kalte, arktische Luft, die aus dem Norden einfällt. Diese Mischung sorgt für intensiven Niederschlag in Form von Schnee, Schneeregen und gefrierendem Regen, was eine gefährliche Kombination darstellt und den Verkehr zu Wasser, zu Lande und in der Luft schnell lahmlegen kann. Besonders gefährlich ist dabei die Eisbildung auf Straßen und Stromleitungen. Letzteres kann zu großen Stromausfällen führen.

Der Sturm erinnert an das ähnliche Wetterereignis zum Jahreswechsel, als die Region bereits von heftigen Schneefällen und gefährlichen Straßenbedingungen getroffen wurde. Damals hatten die Behörden ebenfalls frühzeitig reagiert, um Verkehr und Versorgung aufrechtzuerhalten, was im Bereich der großen Metropolen auch gut gelang. Zwischen Weihnachten und Neujahr hielt ich mich selbst in New York und Washington auf: Während der damals anrollende Wintersturm New York in abgeschwächter Form traf, blieb das angekündigte Chaos in Washington aus.

Mayotte: Erdbeben beim submarinen Vulkan Fani Maoré

Zwei Erdbeben erschüttern die Region Mayotte und liefern Hinweise auf anhaltende magmatische Aktivität

Im Indischen Ozean ereigneten sich 2 schwache Erdbeben von besonderem Interesse: Sie hatten die Magnituden 3,5 und 3,3 und manifestierten sich in einer Tiefe von 41 und 37 Kilometern. Die Epizentren wurden 44 Kilometer östlich von Mamoudzou auf der Insel Mayotte registriert. Das französische Überseedepartment stand 2018/2019 aufgrund einer starken Bodendeformation in den Schlagzeilen und im Fokus der Wissenschaft: 50 Kilometer östlich der Küste war es zu einem starken submarinen Vulkanausbruch gekommen, der mehrere Kubikkilometer Magma hervorbrachte, was den Boden der Insel massiv absenkte. Genau dort, im Bereich des neu entstandenen Unterwasservulkans Fani Maoré, ist es nun zu den beiden Erdbeben gekommen.

Mayotte
Mayotte. © EMSC/Leaflet

Die Erdbeben im nördlichen Mosambik-Kanal wurden innerhalb weniger Stunden registriert. Das erste Beben ereignete sich am 23. Januar 2026 um 21:04 UTC und erreichte eine Magnitude von 3,3. Wenige Stunden später folgte am 24. Januar um 07:31 UTC ein weiteres Erdbeben der Magnitude 3,5 in nahezu identischer Lage. Beide Beben waren auch auf den Komoren, etwa 290 Kilometer ostsüdöstlich, messbar.

Auffällig ist nicht nur die räumliche Nähe der beiden Ereignisse, sondern auch ihre große Tiefe, die deutlich unter der üblicherweise tektonisch bedingten seismischen Aktivität liegt. Genau diese Tiefe gilt in einer vulkanisch aktiven Zone als Hinweis auf magmatisch beeinflusste Prozesse.

Mayotte befindet sich in einem Gebiet aktiver Krustendehnung zwischen der Afrikanischen und der Somalischen Platte, die als südlicher Ausläufer des Ostafrikanischen Riftsystems gilt. Im Jahr 2018 kam es östlich von Mayotte zu monatelangen Erdbebenschwärmen, ausgelöst durch den Aufstieg großer Magmamengen aus dem oberen Mantel. In der Folge entstand der submariner Vulkan Fani Maoré, der gewaltige Lavamengen am Meeresboden ablagerte.

Die aktuellen Beben sind deutlich schwächer als die Ereignisse von 2018, passen jedoch in dasselbe Muster. Geoforscher gehen davon aus, dass es sich um vulkanotektonische Erdbeben handelt. Hierunter versteht man Spannungsbrüche im Gestein, die durch fortgesetzte Magmenbewegungen in der Tiefe ausgelöst werden. Ob es indes zu einer neuen Eruption kommen wird, ist ungewiss. Im letzten IGPN-Bulletin zum Fani Maoré bestätigten die Forscher zwar eine gewisse Unruhe des Vulkans, doch sie fanden keine signifikanten Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.

Kilauea: Erste Prognosen zur eruptiven Episode 41

Fortgesetzter Ausbruch des Kilauea – Episode 41 binnen 2 Tage erwartet

Der Ausbruch des Kilauea im Halemaʻumaʻu-Krater, der am 23. Dezember 2024 begann, dauert weiter an. Bisher wurden 40 Lavafontänen-Episoden registriert. Der Beginn der 41. Episode wird gemäß Prognose der HVO-Vulkanologen für den Zeitraum 23.–25. Januar 2026 erwartet, vorausgesetzt, die Inflationsrate im Gipfelbereich bleibt konstant.

Kilauea
Kilauea. © HVO

In den letzten Tagen traten wiederholt kleine Lavaüberläufe auf, die als Vorzeichen der Lavafontänen-Episoden interpretiert werden. Auch zwischen den Lavaüberläufen ist der Vulkan nicht still, sondern entgast aus den beiden aktiven Schloten und illuminiert die Dampfwolken von unten – ein Zeichen dafür, dass die Lava konstant hoch im Fördersystem steht, wo sich Druck aufbaut.

Gestern führte die verstärkte Sprudeltätigkeit am nördlichen Krater gegen 22:40 Uhr HST zu einem kurzen Überlauf, der etwa fünf Minuten anhielt. Wenige Minuten später begann ein zweiter kleiner Überlauf um 23:13 Uhr HST, der innerhalb von zwei bis drei Minuten endete. Die Aktivität setzte sich auch heute Morgen fort. Weitere solcher Überläufe werden vor Beginn der bevorstehenden Fontänenepisode 41 erwartet.

Parallel dazu wurden unterhalb von Halemaʻumaʻu und der südlichen Caldera mehrere seismische Schwärme registriert. Am 19. Januar begann (wie berichtet) um 02:58 Uhr HST ein Schwarm mit rund 20 kleinen Beben, der 30–40 Minuten andauerte. Bis zum Folgetag gab es drei weitere Schwarmbeben mit einer Dauer von 20–30 Minuten. Diese Erdbeben verursachten nur geringe Neigungsänderungen des Gipfels (bis 1,5 Mikroradian) und hatten keine messbaren Auswirkungen auf die sich anbahnende Episode 41.

GPS-Daten und Druckmodelle des HVO zeigen, dass die flache Magmakammer unter Halemaʻumaʻu weiterhin an Volumen zunimmt, während die tiefere Magmakammer leicht an Druck verliert. Diese Dynamik unterstützt die fortgesetzte Lavaförderung, die derzeit etwa doppelt so hoch ist wie die langfristige Magmazufuhrrate des Kilauea. Das Magmafördersystem zwischen Magmakammer und Eruptionsspalten bleibt stabil, mit nur minimaler seismischer Aktivität.

Der Ausbruch könnte über mehrere weitere Episoden oder einen unbestimmten Zeitraum fortgesetzt werden, wobei Magma weiterhin aus den nördlichen und südlichen Schloten am Rand des Halemaʻumaʻu austritt.

Meiner Meinung nach könnte es noch einige Tage länger dauern, bis es zur nächsten Eruption kommt, da die Pausenintervalle zwischen denn Lavaüberläufen noch lang und die Lavaüberläufe selbst kurzweilig sind.