Mayotte: Erdbeben beim submarinen Vulkan Fani Maoré

Zwei Erdbeben erschüttern die Region Mayotte und liefern Hinweise auf anhaltende magmatische Aktivität

Im Indischen Ozean ereigneten sich 2 schwache Erdbeben von besonderem Interesse: Sie hatten die Magnituden 3,5 und 3,3 und manifestierten sich in einer Tiefe von 41 und 37 Kilometern. Die Epizentren wurden 44 Kilometer östlich von Mamoudzou auf der Insel Mayotte registriert. Das französische Überseedepartment stand 2018/2019 aufgrund einer starken Bodendeformation in den Schlagzeilen und im Fokus der Wissenschaft: 50 Kilometer östlich der Küste war es zu einem starken submarinen Vulkanausbruch gekommen, der mehrere Kubikkilometer Magma hervorbrachte, was den Boden der Insel massiv absenkte. Genau dort, im Bereich des neu entstandenen Unterwasservulkans Fani Maoré, ist es nun zu den beiden Erdbeben gekommen.




Mayotte
Mayotte. © EMSC/Leaflet

Die Erdbeben im nördlichen Mosambik-Kanal wurden innerhalb weniger Stunden registriert. Das erste Beben ereignete sich am 23. Januar 2026 um 21:04 UTC und erreichte eine Magnitude von 3,3. Wenige Stunden später folgte am 24. Januar um 07:31 UTC ein weiteres Erdbeben der Magnitude 3,5 in nahezu identischer Lage. Beide Beben waren auch auf den Komoren, etwa 290 Kilometer ostsüdöstlich, messbar.

Auffällig ist nicht nur die räumliche Nähe der beiden Ereignisse, sondern auch ihre große Tiefe, die deutlich unter der üblicherweise tektonisch bedingten seismischen Aktivität liegt. Genau diese Tiefe gilt in einer vulkanisch aktiven Zone als Hinweis auf magmatisch beeinflusste Prozesse.

Mayotte befindet sich in einem Gebiet aktiver Krustendehnung zwischen der Afrikanischen und der Somalischen Platte, die als südlicher Ausläufer des Ostafrikanischen Riftsystems gilt. Im Jahr 2018 kam es östlich von Mayotte zu monatelangen Erdbebenschwärmen, ausgelöst durch den Aufstieg großer Magmamengen aus dem oberen Mantel. In der Folge entstand der submariner Vulkan Fani Maoré, der gewaltige Lavamengen am Meeresboden ablagerte.

Die aktuellen Beben sind deutlich schwächer als die Ereignisse von 2018, passen jedoch in dasselbe Muster. Geoforscher gehen davon aus, dass es sich um vulkanotektonische Erdbeben handelt. Hierunter versteht man Spannungsbrüche im Gestein, die durch fortgesetzte Magmenbewegungen in der Tiefe ausgelöst werden. Ob es indes zu einer neuen Eruption kommen wird, ist ungewiss. Im letzten IGPN-Bulletin zum Fani Maoré bestätigten die Forscher zwar eine gewisse Unruhe des Vulkans, doch sie fanden keine signifikanten Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption.

Kilauea: Erste Prognosen zur eruptiven Episode 41

Fortgesetzter Ausbruch des Kilauea – Episode 41 binnen 2 Tage erwartet

Der Ausbruch des Kilauea im Halemaʻumaʻu-Krater, der am 23. Dezember 2024 begann, dauert weiter an. Bisher wurden 40 Lavafontänen-Episoden registriert. Der Beginn der 41. Episode wird gemäß Prognose der HVO-Vulkanologen für den Zeitraum 23.–25. Januar 2026 erwartet, vorausgesetzt, die Inflationsrate im Gipfelbereich bleibt konstant.




Kilauea
Kilauea. © HVO

In den letzten Tagen traten wiederholt kleine Lavaüberläufe auf, die als Vorzeichen der Lavafontänen-Episoden interpretiert werden. Auch zwischen den Lavaüberläufen ist der Vulkan nicht still, sondern entgast aus den beiden aktiven Schloten und illuminiert die Dampfwolken von unten – ein Zeichen dafür, dass die Lava konstant hoch im Fördersystem steht, wo sich Druck aufbaut.

Gestern führte die verstärkte Sprudeltätigkeit am nördlichen Krater gegen 22:40 Uhr HST zu einem kurzen Überlauf, der etwa fünf Minuten anhielt. Wenige Minuten später begann ein zweiter kleiner Überlauf um 23:13 Uhr HST, der innerhalb von zwei bis drei Minuten endete. Die Aktivität setzte sich auch heute Morgen fort. Weitere solcher Überläufe werden vor Beginn der bevorstehenden Fontänenepisode 41 erwartet.

Parallel dazu wurden unterhalb von Halemaʻumaʻu und der südlichen Caldera mehrere seismische Schwärme registriert. Am 19. Januar begann (wie berichtet) um 02:58 Uhr HST ein Schwarm mit rund 20 kleinen Beben, der 30–40 Minuten andauerte. Bis zum Folgetag gab es drei weitere Schwarmbeben mit einer Dauer von 20–30 Minuten. Diese Erdbeben verursachten nur geringe Neigungsänderungen des Gipfels (bis 1,5 Mikroradian) und hatten keine messbaren Auswirkungen auf die sich anbahnende Episode 41.

GPS-Daten und Druckmodelle des HVO zeigen, dass die flache Magmakammer unter Halemaʻumaʻu weiterhin an Volumen zunimmt, während die tiefere Magmakammer leicht an Druck verliert. Diese Dynamik unterstützt die fortgesetzte Lavaförderung, die derzeit etwa doppelt so hoch ist wie die langfristige Magmazufuhrrate des Kilauea. Das Magmafördersystem zwischen Magmakammer und Eruptionsspalten bleibt stabil, mit nur minimaler seismischer Aktivität.

Der Ausbruch könnte über mehrere weitere Episoden oder einen unbestimmten Zeitraum fortgesetzt werden, wobei Magma weiterhin aus den nördlichen und südlichen Schloten am Rand des Halemaʻumaʻu austritt.

Meiner Meinung nach könnte es noch einige Tage länger dauern, bis es zur nächsten Eruption kommt, da die Pausenintervalle zwischen denn Lavaüberläufen noch lang und die Lavaüberläufe selbst kurzweilig sind.

Russischer Vulkan Shiveluch eruptiert Vulkanasche 9 km hoch

Shiveluch eruptierte Aschewolke – rote VONA-Warnung ausgegeben

Shiveluch, ein Vulkan auf der entlegenen russischen Halbinsel Kamtschatka, eruptierte am Morgen des 23. Januar explosiv und förderte dabei eine Aschewolke, die bis auf etwa 9 Kilometer Höhe (FL300) aufstieg und mit dem Wind nach Norden driftete. Dabei breitete sich die Eruptionswolke mit einer Geschwindigkeit von 80 Knoten (rund 150 km/h) über ein großes Gebiet aus. Es war die zweite erwähnenswerte Eruption des Vulkans in diesem Jahr.

Shiveluch
Vona-Warnung

Auf den ersten Blick erstaunt die hohe Geschwindigkeit, mit der sich die Vulkanasche ausbreitete. Bedenkt man jedoch die große Höhe, in der sie sich bewegte, wird klar, dass sie vom Jetstream erfasst wurde. Da sich die Asche in Höhen ausbreitete, in denen auch Verkehrsflugzeuge unterwegs sind, wurde der Luftverkehrswarncode auf Rot angehoben.

Die Forscher von KVERT berichteten zunächst noch nicht über die aktuelle Aktivität des Vulkans. Dennoch ist bekannt, dass in der hufeisenförmigen Depression des Kraters am Jungen Shiveluch ein Lavadom wächst. Dieses Domwachstum wird von starken Entgasungen, Steinschlägen und gelegentlichen Schuttlawinen begleitet.

Wahrscheinlich kam es heute Morgen gegen 07:40 UTC zu einer Explosion, in deren Folge es auch zu einem partiellen Kollaps des Lavadoms und möglicherweise zur Generierung eines pyroklastischen Stroms gekommen ist. Pyroklastische Ströme zählen zu den gefährlichsten Phänomenen der Vulkanwelt: Die Wolken aus einem Gas-Asche-Gemisch können glühend heiß sein und sich mit sehr hohen Geschwindigkeiten hangabwärts bewegen. Dabei führen sie auch Geröll und größere Lavabrocken mit sich, die zusätzlich zur extremen Hitze ein hohes abrasives Zerstörungspotenzial besitzen. Personen, die direkt in einen pyroklastischen Strom geraten, haben praktisch keine Überlebungschancen.

Glücklicherweise ist das unmittelbare Umfeld des Shiveluch unbewohnt, sodass nur selten Menschen durch seine Eruptionen verletzt werden oder ums Leben kommen.

Der Shiveluch ist jedoch nicht der einzige aktive Vulkan Kamtschatkas. Aktuell ist auch der Krasheninnikov aktiv und fördert einen zweiarmigen Lavastrom, der sich in Richtung Osten bewegt. Die Lava emittiert zeitweise eine hohe thermische Strahlung. Der Vulkan wurde offenbar infolge des Megabebens Ende Juli aktiv, das sich vor der Südostküste Kamtschatkas ereignete.

Australien: Hitzewelle nach Überflutungen

Zwischen Hitze und Flut – Australien fest im Griff der Wetterextreme

Australien durchlebt einen schnellen Wechsel extremer Wetterereignisse: Während aktuell eine Hitzewelle das Land im Griff hat und neue Waldbrände drohen, kämpfte Queensland erst vor wenigen Tagen mit starken Überschwemmungen. Die Kombination aus Hitze und Starkregen scheint auf den ersten Blick widersprüchlich zu sein, doch Wissenschaftler warnen, dass beide Phänomene Symptome eines sich rasant verändernden Klimas sind.




Hitzewelle
Hitzewelle Australien

In den vergangenen Wochen stiegen die Temperaturen in weiten Teilen Australiens auf Rekordwerte von bis zu 49 Grad Celsius an. Städte wie Melbourne und Adelaide verzeichneten Hitzeextreme, die für Menschen und Infrastruktur eine große Belastung darstellen. Parallel dazu richteten die heftigen Regenfälle in Queensland vor wenigen Tagen massive Schäden an. Flüsse traten über die Ufer und ganze Gemeinden wurden überschwemmt. Obwohl das Hochwasser inzwischen zurückging, dauern die Aufräumarbeiten noch an.

Wie lassen sich diese scheinbaren Gegensätze erklären? Klimaforscher machen den menschengemachten Klimawandel als übergeordneten Auslöser für extreme Wetterereignisse verantwortlich. Durch die globale Erderwärmung kann die Atmosphäre deutlich mehr Feuchtigkeit speichern. Der Wert liegt bei rund sieben Prozent pro Grad Celsius Erwärmung. Das führt dazu, dass Starkregenereignisse intensiver werden und länger andauern können. Gleichzeitig sorgt der Temperaturanstieg für ein gehäuftes Auftreten von Hitzewellen. Aufgrund langanhaltender und weitestgehend ortsstabiler Hochdruckgebiete werden extreme Temperaturen generiert.

Die globale Verstärkung der Wetterextreme ist eng mit der Erwärmung der Meere verbunden, wodurch die Atmosphäre mit zusätzlicher Energie und Wasserdampf versorgt wird, ähnlich wie wir es in den letzten Tagen auch im Mittelmeerraum erlebten.

Die Folgen für Bevölkerung und Umwelt sind ernst zunehmen: Hitzeperioden erhöhen das Risiko für gesundheitliche Schädigungen, während Überschwemmungen Existenzen bedrohen. Ökosysteme geraten unter Druck und erleiden große Schäden.

Besonders gefährdet sind Menschen aus sozial schwächere Bevölkerungsgruppen, weil sie oft weniger Schutz vor den Folgen solcher Extremereignisse haben und finanzielle Rückschläge nur schwer überwinden können.

Politik und Gesellschaft stehen vor der Herausforderung, effektive Strategien zur Anpassung an die Klimaveränderungen und Risikominimierung im Fall von Extremwetterereignissen zu entwickeln. Neben Maßnahmen zum besseren Katastrophen- und Klimaschutz sind vor allem schnellere Schritte zur Reduktion des Treibhausgasausstoßes notwendig, um die Erderwärmung einzudämmen. Dabei ist eine globale Zusammenarbeit von entscheidender Bedeutung: Der Kampf einzelner Staaten bringt wenig, wenn die globalen Player wie die USA und Russland nicht mitziehen. Auch das Mitwirken der bevölkerungsreichsten Länder, Indien und China, ist von großer Bedeutung.

Island: Erdbeben M 4,1 erschüttert Bardarbunga

Mittelstarkes Erdbeben M 4,1 unter Gletschervulkan Bardarbunga – zahlreiche Nachbeben registriert

Der isländische Gletschervulkan Bardarbunga wurde gestern Vormittag zum wiederholten Male von einem Erdbeben im 4er-Bereich erschüttert. Der Erdstoß der Magnitude 4,1 ereignete sich um 10:28:22 Uhr (UTC) in einer Tiefe von 5,2 Kilometern. Das Epizentrum wurde 7 Kilometer östlich des Calderazentrums lokalisiert. Zuletzt hatte es am 1. Januar 2026 ein vergleichbares Erdbeben in dieser Region gegeben.

Bardarbunga
Bardarbunga. © EMSC/Leaflet

Die Magnitude des Erdstoßes als auch die Tiefe des Hypozentrums waren derart, dass man das Beben hätte spüren können, doch da es sich in einer unbesiedelten Region Islands manifestierte, stehen Wahrnehmungsmeldungen aus. Das Beben wird auch beim EMSC gelistet, wo es eine Magnitude von 4,5 hat. Solche Diskrepanzen können u. a. durch die Verwendung unterschiedlicher Magnitudenskalen zustande kommen.

Der Erdstoß löste eine Serie schwächerer Erdbeben aus: Insgesamt wurden 11 Erschütterungen in der Bardarbunga-Caldera registriert. Zwei weitere ereigneten sich beim Grimsvötn, dem Nachbarvulkan des Bardarbunga.

Das Beben lag in einer Tiefe, in der sich ein wachsender Magmenkörper befindet, und könnte durch eine Druckzunahme im Speichersystem ausgelöst worden sein, wobei die Schmelze wahrscheinlich auf eine Störung im Randbereich des Magmenkörpers drückte. Der gewaltige Calderavulkan befindet sich also in einer Aufheizphase, doch es könnten Jahrzehnte vergehen, bis es wieder zu einer Eruption kommt.

Bardarbunga brach zuletzt im Jahr 2014 aus und flutete eine Ebene nördlich des Vatnajökulls mit Lava. Zuvor ruhte der Vulkan 114 Jahre lang, wobei es in dieser Zeit möglicherweise einige kleinere, unbestätigte Eruptionen gegeben haben könnte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Island noch dünner besiedelt als heute und das Hochland und der Gletscher standen nicht unter ständiger Beobachtung, weshalb kleine Eruptionen unbemerkt geblieben sein könnten bzw. nicht eindeutig bestimmten Vulkanen zugeordnet werden konnten: Schließlich liegen unter dem größten Gletscher Europas noch weitere Vulkansysteme verborgen, denen man frühere Eruptionen zugeordnet haben könnte. Geologische Hinweise auf die Eruptionen sind oft unter Eis verborgen, so dass es auch hier schwerfällt, kleineren Ereignissen auf die Spur zu kommen.

Piton Fournaise: Bodenhebung und Erdbeben halten an

Anhaltende Seismizität und Bodenhebung am Piton Fournaise – Weiterer Vulkanausbruch könnte in Kürze folgen

Am Vulkan Piton de la Fournaise könnte sich innerhalb kurzer Zeit ein weiterer Vulkanausbruch entwickeln, wobei man dann diskutieren müsste, ob es sich – ähnlich wie auf Hawaii – um eine weitere Episode des selben Ausbruchs handelt. Grund für diese Annahme liefern die jüngst vom OVPF veröffentlichten geophysikalischen Daten: Sie zeigen, dass sich unter dem Vulkan im französischen Übersee-Departement La Réunion weiterhin Magma bewegt, das aufsteigt und dabei nicht nur Erdbeben verursacht, sondern auch eine Aufblähung des Vulkans.

Bodenversatz
Horizontale Bodendeformation. © OVPF

Die Zahl der vulkanotektonischen Erdbeben nahm in den letzten Tagen zwar kontinuierlich ab, liegt nun aber wieder auf dem Niveau wie vor Beginn der seismischen Krise, die am 18. Januar in der Eruption gipfelte. Konkret heißt das, dass sich die Zahl der Erdbeben am 22. Januar auf 30 reduzierte. Am 19. Januar wurden etwa 10 Mal so viele Beben registriert. Die Erdbebenherde liegen weiterhin in Tiefen zwischen etwa 1 und 2,5 Kilometern unter dem nördlichen Rand des Vulkans.

Neben diesen kurzperiodischen Erdbeben registrieren die Wissenschaftler seit dem Ausbruchsstopp auch wiederholt langperiodische Signale (LP-Erdbeben). Diese werden üblicherweise mit der Bewegung von Fluiden oder mit Druckschwankungen im magmatischen bzw. hydrothermalen System in Verbindung gebracht. Nach Einschätzung des OVPF deutet die Kombination aus beiden Signaltypen darauf hin, dass das oberflächennahe Fördersystem des Vulkans weiterhin unter Druck steht und erneut auflädt.

Auch die Bodenverformung liefert Hinweise auf anhaltende magmatische Prozesse im Untergrund. Messungen in der Gipfelregion deuten erneut auf eine leichte Inflation hin. Ob dieser Trend anhält, soll in den kommenden Tagen genauer überprüft werden.

Die Vulkanologen weisen darauf hin, dass während solcher Druckphasen starke Schwankungen der seismischen Aktivität möglich sind. Phasen mit nur wenigen Erdbeben können kurzfristig von Perioden deutlich erhöhter Aktivität abgelöst werden.

Der weitere Verlauf des Geschehens bleibt offen. Der Druckaufbau im oberflächennahen Magmareservoir kann sich über längere Zeiträume hinziehen. Ebenso ist es möglich, dass sich das System stabilisiert, ohne dass es in absehbarer Zeit zu einem neuen Ausbruch kommt. Ich halte eine weitere Eruption in den nächsten Tagen oder Wochen für durchaus möglich.

Stromboli: Erdbeben in großer Tiefe und Sturmschäden

Erdbeben Mb 3,3 vor der Nordküste – Hafen aufgrund von Sturmschäden bis auf Weiteres geschlossen

Wenige Kilometer vor der Nordküste der Liparischen Insel Stromboli manifestierte sich gestern Abend um 20:34:37 UTC ein Erdbeben der Magnitude 3,3. Aufgrund der großen Tiefe des Hypozentrums von 271 Kilometern wurde es auf der Insel nicht verspürt. Dahingegen wurde die gefährliche Brandung, die in den letzten Tagen infolge des Zyklons „Harry“ aufkam, sehr wohl verspürt. Zudem verursachte sie Schäden am Hafen des kleinen Inselvulkans.

Stromboli
Stromboli. © EMSC/Leaflet

Obwohl der Fährverkehr zu den Liparischen Inseln heute wieder anlief, war der Hafen von Stromboli davon ausgenommen: Die Schäden am Anleger sind so groß, dass er bis auf Weiteres gesperrt wurde. Erst nach einer sorgfältigen Inspektion soll entschieden werden, ob hier demnächst wieder Tragflächenboote und Fähren anlegen dürfen. In Notfällen kann eine Abreise von Stromboli über den kleinen Hafen von Ginostra organisiert werden. Ob es im Zuge des Sturms auch wieder zu Murenabgängen kam, wurde nicht kommuniziert. Vermutlich waren die Regenfälle hier nicht so stark wie zuletzt im Frühsommer, als die Lahare und Muren abgingen.

Das eingangs erwähnte Erdbeben fand in ungewöhnlich großer Tiefe statt und könnte sich an einem Stück subduzierter Ionischer Platte zugetragen haben. Das Erdbeben kam nicht allein, sondern reiht sich in eine Bebenserie ein, die in den letzten 2 Wochen Süditalien heimsuchte. Neben dem ionischen Meer wurde auch die Nordküste von Sizilien von mittelstarken Erdbeben erschüttert.

Die Beben wirkten sich bis jetzt nicht auf die Aktivität des Vulkans Stromboli aus. Der Tremor bewegt sich im gelben Bereich und ist seit Tagen unauffällig. Die meisten geophysikalischen Messwerte bewegen sich auf mittlerem Niveau, sofern welche vorliegen. Viele Daten wurden zuletzt nicht aktualisiert. Vermutlich sind die Geräte oder Verbindungen infolge des Sturms ausgefallen oder konnten keine Daten sammeln. Ungewöhnliche Eruptionen haben sich aber nicht ereignet. Hinweise auf eine bevorstehende Aktivitätssteigerung gibt es ebenfalls nicht.

Aso-san: Hubschrauber stürzte auf dem Nakadake ab

Hubschrauber stürzte am Aso-san auf aktiven Vulkankraterkegel – Tragödie wirft Fragen auf

Am japanischen Vulkan Aso auf Kyushu kam es am 20. Januar zu einem schweren Unfall, der international Aufmerksamkeit erregte: Ein Touristenhubschrauber mit drei Menschen an Bord stürzte im Bereich des aktiven Nakadake ab. Offenbar kamen alle drei Insassen ums Leben. Die Bergung gestaltet sich schwierig – nicht zuletzt wegen der besonderen Gefahren, die von einem der aktivsten Vulkane Japans ausgehen.



Aso
Aso-Nakadake

Der Vulkan Aso liegt in der Präfektur Kumamoto und zählt zu den größten Calderavulkanen der Welt. Im Zentrum der weitläufigen Caldera befindet sich der Nakadake. Im Krater befindet sich temporär ein säurehaltiger See, der vulkanische Gase ausstößt und zu phreatischen Eruptionen neigt. Ansonsten ist der Nakedake für seine Ascheeruptionen bekannt, die er phasenweise produziert. Zuletzt war das 2021 der Fall gewesen. Trotz – oder gerade wegen – seiner Aktivität ist der Vulkan eine bedeutende Touristenattraktion. Bei niedrigen Warnstufen dürfen Besucher den Kraterbereich unter strengen Auflagen betreten oder aus der Luft besichtigen.

Zum Zeitpunkt des Unglücks galt für den Aso ein vergleichsweise niedriger Alarmstatus. Der Zugang war nicht grundsätzlich gesperrt, auch touristische Rundflüge waren erlaubt. Aus der Luft lassen sich die Dimensionen der Caldera und der tiefblaue Kratersee des Nakadake besonders eindrucksvoll erleben.  Der abgestürzte Hubschrauber befand sich auf einem dieser Rundflüge und hatte ein älteres Touristenpaar aus Taiwan an Bord. Der Hubschrauber startete am Vormittag zu seinem dritten Flug und sollte nur wenige Minuten unterwegs sein, als der Kontakt abbrach.

Der Nakadake-Krater gilt selbst bei niedriger Warnstufe als anspruchsvolles Fluggebiet, dass von starken auf- und abwinden dominiert wird. Nebel und Gase beeinträchtigen oft die Sicht und es kommt zu Turbulenzen. Doch warum der hubschraub plötzlich abstürzte ist bislang unklar. Erst nach einiger Suche wurden die Wrackteile des Hubschraubers an einer schwer zugänglichen Stelle der Nakadake-Nordflanke entdeckt.

Bergungsmaßnahmen waren nach der Sichtung von Wrackteilen bisher nicht möglich, da dichte Gase und wechselnde Winde einen Abstieg zur Absturzstelle vereitelten. Der Absturzort liegt in einem Gebiet, das selbst für erfahrene Bergretter nur schwer zugänglich ist. Die drei Insassen gelten offiziell als vermisst. Ob und wann eine Bergung möglich sein wird, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der vulkanischen und meteorologischen Lage ab.

Der Vorfall dürfte eine erneute Debatte darüber auslösen, wie nah touristische Aktivitäten an aktive Vulkane heranreichen dürfen.

Dem nicht genug, kam es kürzlich auch am Fuji zu einem Bergunfall, der die Diskussion über Kostenübernahme im Falle eines Rettungseinsatzes entfachte.

Zyklon Harry wütete in Griechenland

Zyklon Harry wütete in Griechenland und richtete Zerstörungen an – mindestens 2 Menschen starben

Nachdem der Zyklon Harry in den letzten Tagen über Süditalien hinweggezogen war und große Schäden an der küstennahen Infrastruktur angerichtet hatte, erreichte er gestern Griechenland. Anders als in Italien, wo offenbar keine Menschenleben zu beklagen waren, starben hier mindestens zwei Personen.

Griechenland

Sturmtief Harry, ein sogenannter Mittelmeerzyklon, der auch als Medicane (mediterraner Hurricane) bezeichnet werden kann, traf vor allem die Küstenregionen sowie Teile des griechischen Festlands mit voller Wucht. Heftige Regenfälle mit Orkanböen und außergewöhnlich hoher Seegang führten innerhalb weniger Stunden zu Überschwemmungen und Erdrutschen, die starke Sachschäden verursachten. In der Region Attika wurden Straßen überflutet, Keller liefen voll, und der Verkehr kam zeitweise zum Stillstand. Einsatzkräfte mussten zahlreiche Menschen aus Fahrzeugen und Gebäuden retten.

Besonders dramatisch war die Lage an den Küsten. Ein Angehöriger der griechischen Küstenwache kam ums Leben, als er während eines Einsatzes von einer gewaltigen Welle erfasst wurde. Ein weiterer Todesfall ereignete sich, als eine Frau von den Wassermassen mitgerissen wurde. Dabei wurde sie unter ein – ebenfalls von den Fluten erfasstes – Auto gedrückt und kam ums Leben. Die Behörden warnten eindringlich davor, sich während des Sturms in Küstennähe oder in ausgetrockneten Flussbetten aufzuhalten.

Auch mehrere Inseln der Ägäis waren betroffen. Dort registrierten die Meteorologen Windgeschwindigkeiten von teils über 120 Kilometern pro Stunde. Fähren blieben in den Häfen, zahlreiche Verbindungen wurden gestrichen. Auf einigen Inseln kam es zu Stromausfällen, nachdem Leitungen beschädigt oder Masten umgestürzt waren. Landwirte berichten zudem von Ernteverlusten durch Starkregen und Sturm.

In den sozialen Medien wurden teils dramatische Aufnahmen geteilt, auf denen man sieht, wie sich die Straßen in reißende Flüsse verwandelten und alles mitrissen, was nicht niet- und nagelfest war. Dabei wurden Unmengen an Geröll mitgeschwemmt und auf der Straße abgelagert. Wer diese Bilder gesehen hat oder sogar selbst direkt betroffen war, wird klar, dass der Klimawandel bittere Realität ist, und dürfte sich von Klimawandelleugner Trump vor den Kopf gestoßen gefühlt haben, sofern er gestern Zeit hatte, die Rede des offenbar geisteskranken Präsidenten zu hören.

Während sich der Zyklon weiter nach Osten zieht und sich dabei abschwächt, beginnen in Griechenland die Aufräumarbeiten. Die Regierung kündigte Soforthilfen für besonders betroffene Regionen an. Meteorologen sehen in Harry ein weiteres Beispiel für die zunehmende Intensität extremer Wetterereignisse im Mittelmeerraum. Vor allem sogenannte Medicanes, also tropenähnliche Stürme über dem Mittelmeer, treten nach Einschätzung vieler Klimaforscher häufiger und stärker auf. Umso erstaunlicher die wirre Rede von Präsident Trump gestern in Davos, in der einer der mächtigsten (und auch einer der gestörtesten) Menschen der Welt den Klimawandel offen als „großen Schwindel“ bezeichnete. Einfach irre!