Russland: Schneechaos auf Kamtschatka

Schneechaos auf Kamtschatka: Schneemassen reichen bis zum vierten Stock

Eine ungewöhnlich heftige Wintersturmfront hat große Teile der russischen Halbinsel Kamtschatka in eine beispiellose Notsituation gestürzt. Seit mehreren Tagen fallen bei starkem Wind große Mengen Schnee, was zu massiven Verwehungen führt, in deren Folge Straßen und Hauseingänge blockiert wurden und teils lebensbedrohliche Bedingungen entstanden sind. Mindestens zwei Männer starben durch herabstürzende Schneemassen bzw. abgegangene Dachlawinen.



Schneechaos

Augenzeugen und lokale Behörden berichten von Schneeverwehungen, die in einigen Stadtteilen so hoch sind, dass sie Hausfassaden bis in den dritten und vierten Stock hinein bedecken und Eingänge blockieren. Bilder und Videos, die in den sozialen Medien kursieren, zeigen vollständig verschüttete Eingänge: Die Bewohner der Häuser konnten sich nur über ausgegrabene Schneetunnel Zugang zu ihren Wohnungen verschaffen oder mussten den Weg übers Fenster wählen.

„Der Schnee türmt sich hier meterhoch. Wir mussten uns einen Weg durch die Schneewehen graben, um überhaupt aus dem Haus zu kommen“, berichtet eine Bewohnerin von Petropawlowsk-Kamtschatski. Fahrzeuge liegen tief verschüttet an Straßenrändern, der öffentliche Nahverkehr ist weitgehend eingestellt und das öffentliche Leben kam zum großen Teil zum Erliegen. Um die wichtigsten Verbindungen aufrechtzuerhalten wurden Busse durch geländegängige LKW ersetzt, die sonst Touristen zu den Vulkanen Kamtschatkas fahren.

Die außergewöhnliche Kombination aus intensiven Schneefällen und heftigen Winden hat die Lage verschärft. Die Räumungsarbeiten sind vielerorts nur stockend möglich, da die Schneeverwehungen wiederholt neue Barrieren schaffen. Notfallteams kämpfen gegen die Zeit, um wichtige Verkehrswege und Versorgungslinien freizuhalten.

Meteorologen führen das extreme Wetter auf ein stark ausgeprägtes Tiefdruckgebiet über dem Nordpazifik zurück, das feuchte Luftmassen ins Landesinnere zieht und für dauerhafte Niederschläge sorgt. Obwohl Kamtschatka regelmäßig mit schneereichen Wintern konfrontiert ist, bezeichnet ein Vertreter des regionalen Wetterdienstes den aktuellen Sturm als „historisch intensiv“.

Die Gefahr durch die Schneemassen ist nicht nur logistischer Natur: Lokale Behörden bestätigten, dass mindestens zwei Männer ihr Leben verloren haben, nachdem sie von herabfallendem Schneemassen getroffen wurden. In Anbetracht der schwierigen Bedingungen riefen die Behörden zu äußerster Vorsicht auf und baten die Bevölkerung, nur dringend notwendige Wege zu unternehmen.

In verschiedenen Städten und Siedlungen leiden die Menschen nicht nur unter blockierten Straßen, sondern auch unter Versorgungsengpässen. Schulen und Behördenämter blieben geschlossen, und es wird befürchtet, dass die Aufräumarbeiten sich noch über Tage erstrecken könnten.

Lewotolok: Aktivitätssteigerung mit Lavaüberlauf

Lewotolok im Sommer. © Jochen Felkl

Aktivitätsanstieg am Vulkan Gunung Ili Lewotolok: Behörden warnen vor Gefahren

Der Vulkan Gunung Ili Lewotolok auf Lembata in Indonesien zeigt seit Anfang des Jahres eine deutliche Zunahme seiner vulkanischen Aktivität. Es kommt zu zahlreichen strombolianischen Eruptionen und seit gestern zu einem Lavaüberlauf aus dem Gipfelkrater, der einen Lavastrom generiert. Die jüngste Eruption heute Morgen schickte eine Aschesäule bis auf 500 Meter Höhe über den Krater und löste eine VONA-Warnung beim VAAC Darwin aus. Auch das indonesische Vulkanologie- und Katastrophenschutzzentrum berichtet über die Aktivität und spricht Warnungen vor einer möglichen Eskalation der Situation aus.




Die seismischen Messungen registrierten in den vergangenen Tagen ca. 900 unterschiedliche Erdbebensignale täglich. Mehr als 500 dieser Signale wurden gestern von explosionsartigen Entgasungen verursacht, 277 Beben zeugten von Eruptionen. Das stärkste Signal hatte eine maximalen Amplitude von 34 Millimetern und eine Dauer von 100 Sekunden.

Die Aktivität steigerte sich seit dem 5. Januar sprunghaft. Neben den beschrieben Erdbebensignalen werden auch zahlreiche Tremorphasen registriert, die von starken Fluidbewegungen im Fördersystem verursacht werden.

Die Warnstufe für Gunung Ili Lewotolok steht weiterhin auf Level II (Waspada, deutsch: Vorsicht). Die Behörden appellieren an die Bevölkerung und Besucher, den Sicherheitsbereich mit einem Radius von mindestens 2 Kilometern um den Krater sowie bestimmte angrenzende Sektoren im Umkreis von 2,5 Kilometern strikt zu meiden.

Besonders gefährdet sind die südlichen, südöstlichen, westlichen und nordöstlichen Sektoren, wo vermehrt mit pyroklastischen Strömen und Gesteinsabbrüchen gerechnet wird. Die Bevölkerung wird eindringlich gebeten, Ruhe zu bewahren und sich auf mögliche weitere Eruptionen einzustellen. Die typischen Geräusche von Grollen oder Explosionslauten aus dem Krater sollten nicht zu Panik führen, da sie natürliche Zeichen einer aktiven Vulkanphase sind.

Der Vulkan Ili Lewotolok hat sich in den letzten Jahren immer wieder mit Ausbrüchen bemerkbar gemacht. Nach einer vergleichsweise ruhigen Phase im Jahr 2024 wurde seit Mitte 2025 eine neue Aktivitätsphase mit mehreren Eruptionen und Aschewolken registriert. Experten beobachten die Situation mit großer Aufmerksamkeit, da die anhaltende seismische Unruhe Hinweise auf eine weiterhin instabile Magmabewegung gibt.

Die indonesischen Behörden raten dringend, die Sicherheitsvorkehrungen ernst zu nehmen und Warnungen zu beachten, um Gefahren für Menschenleben und Infrastruktur zu minimieren.

Südafrika: Kruger-Nationalpark wegen Überflutung geschlossen

Hochwasser im Norden von Südafrika: Kruger-Nationalpark nach Extremregen geschlossen

In dem bei deutschen Auswanderern beliebten Südafrika ereignete sich nach den Buschbränden im Süden nun teils dramatische Überflutungen im Norden des Landes, von denen der beliebte Kruger Nationalpark besonders betroffen ist. Der Nationalpark musste geschlossen werden. Tausende Wildtiere sind in Not geraten. In den Flutgebieten spielten sch teils dramatische Szenen ab, als Tiere versuchten den Wassermassen zu entkommen.




Südafrika

Besonders starke Regenfälle verursachten im Norden Südafrikas eine außergewöhnliche Hochwasserlage, die zu weitreichenden Beeinträchtigungen des öffentlichen Lebens führt. Besonders betroffen ist der weltberühmte Kruger-Nationalpark, der vorübergehend für Besucher geschlossen bleibt. Nach Angaben der Parkverwaltung traten mehrere Flüsse über die Ufer, Straßen und Brücken wurden zerstört oder unpassierbar, ganze Parkabschnitte waren zeitweise von der Außenwelt abgeschnitten.

Die Schließung sei aus Sicherheitsgründen unvermeidlich gewesen, erklärten die Behörden. Überflutete Flussdurchfahrten, unterspülte Fahrbahnen und instabiler Untergrund stellten ein signifikantes Risiko für Touristen und Mitarbeitende dar. Besucher, die sich zum Zeitpunkt der Überschwemmungen bereits im Park befanden, wurden evakuiert und beim Verlassen der betroffenen Gebiete unterstützt. Laut der Nachrichtenagentur Reuters berichteten Verantwortliche des Nationalparks, dass einige Überschwemmungen ein Ausmaß erreichten, wie es seit Jahren nicht mehr beobachtet worden sei.

Doch auch außerhalb des Nationalparks spitzt sich die Lage zu. In den Provinzen Limpopo und Mpumalanga führten die anhaltenden Niederschläge zu Hochwasser in mehreren Regionen. Um Schäden zu begrenzen, mussten an Stauseen und Wehranlagen kontrollierte Schleißungen bzw. Rückbau vorgenommen werden. Diese sind notwendig, um den Druck auf Dämme zu reduzieren, können flussabwärts jedoch die Hochwassergefahr weiter erhöhen.

Meteorologisch betrachtet führte nicht um ein einzelnes extremes Sturmereignis zu der Hochwasserlage, sondern eine länger anhaltende, ungewöhnlich feuchte Wetterlage. Warme, feuchtigkeitsreiche Luftmassen vom Indischen Ozean trafen wiederholt auf instabile atmosphärische Bedingungen über dem südlichen Afrika. Das begünstigte tagelange Starkregen- und Gewitterserien. Klimatologen verweisen zudem auf den möglichen Einfluss einer La-Niña-Phase, die in Südafrika häufig mit überdurchschnittlichen Sommerniederschlägen einhergeht.

Solche Ereignisse haben in der Region eine Vorgeschichte. Die verheerenden Überschwemmungen in KwaZulu-Natal im Jahr 2022 oder die Hochwasser im Eastern Cape 2025 gelten als Mahnung, wie verwundbar Infrastruktur und Siedlungen sind. Im Kruger-Nationalpark kommen zu den wirtschaftlichen Folgen für den Tourismus auch Risiken für Naturschutz und Wildtiermanagement hinzu, etwa durch eingeschränkten Zugang zu abgelegenen Gebieten.

Mit dem Klimawandel steigt die Wahrscheinlichkeit intensiver Starkregenereignisse, da eine wärmere Atmosphäre mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Das bedeutet nicht nur für Südafrika, das Hochwasserlagen künftig häufiger auftreten..

Mayon: Überflutungen und erhöhte Seismizität

Überschwemmungen durch Tropensturm und wachsende Gefahr am Mayon-Vulkan

Die Situation am Mayon bleibt angespannt und gefährlich: Zu den Gefahren infolge pyroklastischer Ströme gesellte sich nun noch ein hohes Lahar-Risiko. Starke Regenfälle setzten Ortschaften am Vulkanfuß bereits unter Wasser. Infolge des Wassereintrags könnten phreatomagmatische Explosionen getriggert werden. In den letzten beiden Tagen wurde zudem eine erhöhte Seismizität registriert, die auf eine Beschleunigung des Magmennachschubs und damit des Domwachstums hindeutet.




Überflutungen

Starke Regenfälle, ausgelöst durch den Tropensturm Ada, haben am Freitag weite Teile der Provinz Albay unter Wasser gesetzt. Besonders betroffen sind Gemeinden am Fuß des Mayon-Vulkans, wo Straßen überflutet wurden und sich Geröll vom Vulkanhang abgelagerte, wodurch Straßen unpassierbar wurden. Behörden warnen eindringlich vor einer erhöhten Lahargefahr, da die intensiven und anhaltenden Niederschläge große Mengen lockeren vulkanischen Materials aus den oberen Hangbereichen mobilisieren können. Entlang von Flussläufen und Entwässerungskanälen besteht akute Gefahr durch Schlammlawinen, die Siedlungen, Felder und wichtige Infrastruktur bedrohen. Einsatzkräfte stehen in erhöhter Bereitschaft, während lokale Verwaltungen Notfallpläne überprüfen und Evakuierungsrouten vorbereiten.

Parallel zur angespannten Wettersituation bleibt auch die vulkanische Aktivität des Mayon auf einem hohen Niveau. Der Vulkan befindet sich weiterhin unter Alarmstufe 3, da der effusive Ausbruch am Gipfel  andauert und den Lavadom wachsen lässt. Aktuelle Beobachtungen zeigen, dass es zu häufigen Felsstürzen, Schuttlawinen und pyroklastischen Dichteströmen kommt. Innerhalb eines Tages wurden 338 Rockfall-Ereignisse sowie 72 pyroklastische Dichteströme registriert, die vor allem die südlichen und östlichen Flanken betreffen. Ein Kraterglühen ist bei günstigen Sichtverhältnissen mit bloßem Auge erkennbar und zeugt von der fortgesetzten Förderung heißen Materials.

Wärmesignatur Mayon

Besonders auffällig sind die derzeit sehr hohen Schwefeldioxid-Emissionen. Am 16. Januar wurde ein durchschnittlicher SO₂-Ausstoß von 4.970 Tonnen pro Tag gemessen, der höchste Wert der vergangenen 15 Jahre. Die Vulkanfahne war zeitweise durch dichte Wolken verdeckt, während Messungen der Bodenverformung weiterhin eine Aufblähung des Vulkangebäudes anzeigen – ein deutlicher Hinweis auf anhaltenden Magmenaufstieg im Untergrund. Vulkanische Erdbeben wurden zuletzt zwar nicht registriert, doch Experten betonen, dass das Fehlen von Erdbeben keine Entwarnung bedeutet.

Zusätzliche Aufmerksamkeit erregt eine erhöhte seismische Energiephase, die an mehreren Messstationen festgestellt wurde. Der Anstieg der seismischen Werte ist auf die Häufung von Felsstürzen und pyroklastischen Strömen zurückzuführen und wird als mögliches Vorzeichen neuer Magmaintrusionen interpretiert. Vulkanologen schließen daher Lavafontänen oder moderat explosive Ausbrüche nicht aus. Die Behörden mahnen zur Vorsicht, halten an den Sperrzonen fest und appellieren an die Bevölkerung, offizielle Warnungen strikt zu befolgen und gefährdete Gebiete konsequent zu meiden.

Vogtland: Ursache der Schwarmbeben im Eger-Becken identifiziert

Neue GFZ-Studie lüftet das Rätsel um die Schwarmbeben im deutsch-tschechischen Vogtland

Forschende des GFZ Potsdam lösten das jahrzehntealte Rätsel um die Schwarmbeben im deutsch-tschechischen Grenzgebiet des Vogtlands, wo es im Eger-Becken (Cheb-Becken) immer wieder zu starken Erdbebenschwärmen kommt, so wie es zuletzt im Dezember 2025 der Fall war. Dabei fand die von mir priorisierte Theorie Bestätigung, dass die Beben eine Folge des Aufstiegs magmatischer Fluide sind.

Im Frühjahr 2024 wurde die Region Klingenthal–Kraslice im deutsch-tschechischen Grenzgebiet von einem außergewöhnlich starken Erdbebenschwarm erfasst – dem ersten dieser Größenordnung seit mehr als 125 Jahren. Über 8.000 einzelne Beben registrierten Forschende im Vogtland und in Nordwestböhmen, einer Region, die weltweit als Hotspot für sogenannte Schwarmbeben gilt. Eine jetzt veröffentlichte Studie unter Leitung von Dr. Pinar Büyükakpinar vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung liefert neue, detaillierte Einblicke in die Ursachen und die Dynamik dieses Ereignisses.




Bohrlochmesssystem

Möglich wurde die Analyse durch eine außergewöhnlich dichte seismische Instrumentierung. Neben den Stationen der Erdbebendienste in Sachsen und Tschechien kamen Bohrlochmessungen des internationalen ICDP-Projekts „Drilling the Eger Rift“ sowie temporäre Messnetze mit mehreren Hundert Sensoren zum Einsatz, die im Rahmen des Eger Large Seismic Experiment (ELISE) installiert worden waren. Dadurch konnten selbst kleinste Erschütterungen bis zu einer Magnitude von –0,5 präzise lokalisiert werden und das mit einer räumlichen Genauigkeit von unter 100 Metern.

Die Auswertung der Daten zeigt, dass sich der Erdbebenschwarm in zwei klar voneinander unterscheidbare Phasen gliederte. Zunächst breitete sich die seismische Aktivität über wenige Tage schnell und stark gerichtet entlang einer nordwest-südostlich orientierten Zone aus. In einer zweiten Phase folgte über mehrere Wochen hinweg eine langsamere, radiale Ausdehnung innerhalb einer bestehenden Verwerfungsstruktur in rund zehn Kilometern Tiefe.

Als treibende Kraft identifizieren die Forschenden aufsteigende Fluide magmatischen Ursprungs, die in diese Verwerfungszone eindrangen. Dabei handelt es sich jedoch nicht direkt um aufsteigendes Magma. Vielmehr stammen die Fluide aus tiefer liegenden magmatischen Prozessen, bei denen Magma im unteren Krustenbereich oder im oberen Erdmantel entgast.

Vogtland

Besonders in der ersten Phase des Schwarmbebens spielte ein leichtes, CO₂- und wasserreiches Fluid eine zentrale Rolle, das unter hohem Überdruck das Gestein hydraulisch aufbrach. In der zweiten Phase folgte der Zustrom deutlich größerer Mengen dichterer, vermutlich karbonat- oder salzhaltiger Fluide, die Scherbewegungen entlang der Verwerfung begünstigten und so spürbare Erdbeben auslösten.

Mehrere unabhängige Befunde sprechen für einen magmatischen Ursprung dieser Fluide: Dazu zählen mantelspezifische CO₂- und Helium-Isotopensignaturen, die langanhaltende Gasfreisetzung in Form von Mofetten und Mineralquellen sowie die physikalischen Eigenschaften der modellierten Fluide. Einen klar abgrenzbaren Magmenkörper konnten die Forschenden jedoch nicht nachweisen. Stattdessen deuten die Ergebnisse auf ein tiefes, diffuses magmatisches System hin, das über lange Zeiträume hinweg Fluide freisetzt, ohne dass Magma selbst in die obere Erdkruste aufsteigt.

Der Schwarm von 2024 gilt damit als eindrucksvoller „Naturversuch“, der zeigt, wie stark aufsteigende magmatische Fluide die Spannungsverhältnisse in der Erdkruste beeinflussen können. Zugleich unterstreicht er die Bedeutung einer grenzüberschreitenden, hochauflösenden Überwachung, um die komplexen Prozesse im Untergrund des Vogtlands künftig noch besser zu verstehen.

Quellen: Büyükakpınar, P., Dahm, T., Hainzl, S., Isken, M., Ohrnberger, M., Doubravová, J., Wendt, S. & Funke, S. (2025). Modelling of earthquake swarms suggests magmatic fluids in the upper crust beneath the Eger Rift. Communications Earth & Environment, 7, 6. https://doi.org/10.1038/s43247-025-03019-0; Pressemeldung GFZ. Lizenz der CC

Huaynaputina: Lahar beschädigte Brücke am Fuß des Vulkans

Lahar am Vulkan Huaynaputina beschädigt Brücke in Südperu

Ein vulkanischer Schlammfluss (Lahar) hat gestern am südperuanischen Vulkan Huaynaputina starke Schäden an der lokalen Infrastruktur verursacht. Wie das Geophysikalische Institut von Peru (IGP) mitteilte, wurde am Nachmittag ein Lahar in der Schlucht El Volcán registriert. Die Schlammmassen flossen talwärts in Richtung des Río Tambo und beschädigten eine Brücke im Bezirk Quinistaquillas in der Provinz General Sánchez Cerro. Einen Ausbruch des Vulkans hatte es zuvor nicht gegeben und es gibt keine Anzeichen für sein Erwachen.

Huaynaputina

Der Lahar trat gegen 15:42 Uhr auf und bestand aus einer Mischung aus Wasser, alter Vulkanasche, Geröll und Sedimenten. Nach Angaben der Behörden handelt es sich nicht um eine direkte Folge eines Vulkanausbruchs, sondern um ein Ereignis, das durch intensive Niederschläge ausgelöst wurde. Die starken Regenfälle mobilisierten lockeres vulkanisches Material, das sich bei früheren Eruptionen an den Hängen des Huaynaputina angesammelt hatte. In Peru werden solche regenbedingten Murgänge häufig auch als „huaicos“ bezeichnet.

Die Gemeindeverwaltung von Quinistaquillas führt derzeit eine Schadens- und Bedarfsanalyse durch. Parallel überwacht das Nationale Notfallzentrum des Zivilschutzes die Lage. Das IGP rief die Bevölkerung dazu auf, sich von der Schlucht El Volcán fernzuhalten und auf der Straße Quinistaquillas–Sijuaya besondere Vorsicht walten zu lassen. Auch Flussläufe und Bewässerungsanlagen in tiefer gelegenen Gebieten könnten betroffen sein.


Der Huaynaputina zählt zu den historisch bedeutendsten Vulkanen Südamerikas. Er liegt rund 80 Kilometer nordöstlich von Arequipa und ist ein komplexer Stratovulkan ohne ausgeprägten Kegel, bestehend aus mehreren Kratern. Sein letzter und zugleich verheerendster Ausbruch ereignete sich im Jahr 1600. Mit einer Stärke von VEI 6 war er der größte dokumentierte Vulkanausbruch auf dem Kontinent und hatte sogar globale Klimafolgen, darunter Missernten in Europa.

Obwohl der Huaynaputina seit Jahrhunderten keine Eruptionen mehr gezeigt hat, gilt er weiterhin als aktiv. Der aktuelle Vorfall verdeutlicht, dass selbst ruhende Vulkane in Kombination mit extremen Wetterereignissen ein ernstzunehmendes Risiko darstellen können.

Sakurajima eruptiert Vulkanasche am 16. Januar

Anhaltender Ausbruch des Vulkans Sakurajima – Aschewolke zieht nach Nordosten

Heute eruptierte der japanische Vulkan Sakurajima eine Aschewolke, die nach Angaben des VAAC Tokio bis auf eine Höhe von 2400 m über dem Meeresspiegel aufstieg und mit dem Wind in nordöstlicher Richtung driftete. Die meteorologischen Observatorien in Kagoshima und Fukuoka detektierten die Eruption ebenfalls und bestätigten die Aschewolke, die sich nach ihren Angaben 1200 m über den Krater erhob. Der explosive Vulkanausbruch begann am 16. Januar 2026 um 15:47 Uhr Ortszeit (06:47 UTC) und dauert zum Zeitpunkt der Meldung noch an. Die erste internationale Aschewarnung wurde um 07:17 UTC veröffentlicht.

Archivbild

Der Ausbruch ereignete sich am Minamidake-Gipfelkrater, einem der aktivsten Krater des Sakurajima.  Die Eruptionswolke wurde von Vulkanbeobachtern am Boden als dunkelgrau beschrieben. Zudem war Dampf enthalten.

Die japanischen Behörden halten weiterhin die Eruptionswarnstufe 3 aufrecht, die mit Zutrittsbeschränkungen im Berggebiet verbunden ist. In einem Umkreis von bis zu einem Kilometer um den Gipfel- und den Showa-Krater wurden große vulkanische Gesteinsbrocken sowie kleinere Auswurfmaterialien festgestellt. Zudem besteht die Gefahr von pyroklastischen Strömen, insbesondere bei stärkeren Explosionen.

Eine erste Eruption hatte es bereits am Vormittag des 16. Januar um 10:19 Uhr Ortszeit gegeben. Die dabei aufsteigende Aschewolke erreichte etwa 1.000 Meter über dem Kraterrand des Minamidake, zudem wurde Feuerschein am Krater beobachtet. Am benachbarten Showa-Krater hingegen traten keine Eruptionen auf.

Seismologisch wurden in den vergangenen Tagen nur wenige vulkanische Erdbeben, jedoch gelegentlich vulkanische Erschütterungen registriert. Langfristige GNSS-Messungen zeigen eine anhaltende Aufwölbung tief unter der Aira-Caldera, was auf eine fortgesetzte Magmaansammlung hindeutet. Auch die Emission von Schwefeldioxid bleibt auf hohem Niveau. Bei der letzten Messung am 6. Januar wurde eine Emission von 2800 Tonnen am Tag registriert, was darauf schließen lässt, dass die vulkanische Aktivität auch in der nächsten Zeit anhalten könnte.

Die Behörden warnen Anwohner und Besucher eindringlich vor herabfallenden vulkanischen Bomben, Asche und Schlackenpartikeln, die insbesondere auf der windabgewandten Seite weit transportiert werden können. Zudem können starke Luftdruckwellen Fensterscheiben beschädigen. Bei anhaltendem Ascheregen besteht in Verbindung mit Niederschlägen die Gefahr von Schlammlawinen.

Mayon: Militär bereitet Evakuierungen vor

PHILVOLCS warnt vor Lahar-Gefahr am Vulkan Mayon – Armee mobilisiert Rettungskräfte

Der philippinische Vulkan Mayon ist weiterhin hochaktiv: Seine Aktivität zeichnet sich durch Domwachstum aus, wodurch es zu fortgesetzten Kollapsereignissen kommt. Dadurch entstanden in den letzten 24 Stunden 68 pyroklastische Dichteströme und 308 Schuttlawinen bzw. Steinschlagabgänge. Nachts hinterlassen diese Phänomene Glutspuren auf dem oberen Vulkanhang. Der Mayon stieß zudem 1318 Tonnen Schwefeldioxid aus. Gegenüber der Vorwoche verdoppelte sich der Wert fast. Es wird weiterhin Inflation registriert und Aschewolken steigen auf. Da das Wetter kippt und intensive Regenfälle infolge des Taifuns Ada erwartet werden, gab das philippinische Institut für Vulkanologie und Seismologie (PHILVOLCS) nun eine Laharwarnung heraus.

Die Behörde ruft die Bevölkerung in der Provinz Albay zu erhöhter Wachsamkeit auf, da anhaltende starke bis intensive Regenfälle in der Region die Gefahr von vulkanischen Sediment- und Schlammströmen deutlich erhöhen.

Die Vulkanologen erklärten, dass die Regenfälle entlang der Ostküste von Süd-Luzon instabile vulkanische Ablagerungen, insbesondere jene von neuen pyroklastische Dichteströme (PDC), mobilisieren und in die Flusssysteme und Schluchten rund um den Mayon einbringen könnten. „Starke Regenfälle können Lahare in den Hauptentwässerungsgräben an den Süd- und Osthängen des Vulkans auslösen“, heißt es in der Warnung. Diese Schlammströme können heiß sein und bei Kontakt schwere Verbrühungen verursachen.

Besonders betroffen sind die Flussbetten und Kanäle Mi-isi, Bonga und Basud, die bereits mit erosionsgefährdeten Ablagerungen gefüllt sind. Mehrere Gemeinden, darunter Daraga, Mabinit und Legazpi City sind demnach durch potenzielle Überschwemmungen durch Schlammströme bedroht. Auch nicht-eruptionsbedingte Lahare, ausgelöst durch ältere Ablagerungen, stellen ein Risiko dar.

Die Lahar-Warnung gilt übrigens auch für den Kanlaon und andere aktive Vulkane der Philippinen.

Armee bereit für Rettungseinsätze

Angesichts dieser und vorangegangenen Bedrohungen hat die philippinische Armee bereits reagiert: Am Montag versicherte ein Armeesprecher, dass Truppen der 9. Infanteriedivision, darunter die 901. und 903. Infanteriebrigade, einsatzbereit sind, um Sicherheit zu gewährleisten und bei Rettungs- und Hilfseinsätzen zu unterstützen. Seit dem 6. Januar ist die Task Force Sagip aktiv und koordiniert präventive Evakuierungen sowie Hilfsmaßnahmen in enger Zusammenarbeit mit lokalen Behörden und Katastrophenschutzorganisationen.

Derzeit befinden sich rund 2.449 Menschen in Evakuierungszentren in Camalig, Guinobatan, Daraga und Tabaco City. Um die Sicherheit zu erhöhen, wurden zudem Kontrollpunkte an wichtigen Straßen eingerichtet.

Phivolcs hält weiterhin die Alarmstufe 3 für den Vulkan Mayon aufrecht und es gilt eine 6-Kilometer-Sperrzone um den Krater. Die Bevölkerung wird dringend aufgefordert, die Hinweise der Behörden zu beachten und sich auf mögliche weitere Entwicklungen vorzubereiten.

USA: Erdbeben Mw 6,0 nahe Axial Seamount

Erdbeben der Magnitude 6,0 vor der Küste Oregons – tektonische Aktivität nahe Unterwasservulkan Axial Seamount

In den frühen Morgenstunden kam es um 03:25:53 UTC zu einem starken Erdbeben bzw. Seebeben der Magnitude 6,0, das den Nordostpazifik vor der Küste des US-Bundesstaates Oregon erschütterte. Das Epizentrum lag bei den Koordinaten 43,727° N; 127,985° W, rund 300 Kilometer westlich von Coos Bay und fast 400 Kilometer west-südwestlich von Eugene. Die Herdtiefe betrug etwa 10 Kilometer, was auf ein vergleichsweise flaches, potenziell stark spürbares Beben hindeutet, auch wenn es aufgrund der großen Distanz zur Küste keine Schäden verursachte.




Lage des Erdbebens zum Axial Seamount. © Google Maps

Tektonisch lässt sich das Ereignis klar der Blanco Transform Fault Zone (BTF) zuordnen. Diese markante Störungszone verbindet den Juan-de-Fuca-Rücken mit dem Gorda-Rücken und ist eine der seismisch aktivsten Transformverwerfungen im Nordostpazifik. Entlang der BTF gleiten ozeanische Platten (Juan de Fuca und Pazifikplatte) seitlich aneinander vorbei, wodurch sich regelmäßig Spannungen aufbauen, die sich in starken bis sehr starken Erdbeben entladen können. Das aktuelle Beben passt in dieses bekannte Muster und gilt als klassisch tektonisches Ereignis.

Besondere Aufmerksamkeit erhält das Beben jedoch durch seine relative Nähe zum Axial Seamount, einem großen submarinen Schildvulkan etwa 330 Kilometer nordwestlich des Epizentrums. Der Axial Seamount gilt als aktivster Unterwasservulkan im Nordostpazifik und wird seit Jahrzehnten intensiv überwacht. Seine letzten Eruptionen fanden 1998, 2011 und 2015 statt.

Vulkanologen hatten aufgrund der gemessenen Hebung des Calderabodens prognostiziert, dass es im letzten Jahr erneut zu einem Ausbruch kommen könnte, doch dieser blieb bekanntlich aus. Neuere Daten deuteten zuletzt auf eine Verzögerung der Magmainflation hin und die Forscher gehen von einem Ausbruch in 2026 aus.

Das aktuelle Erdbeben liefert keinen direkten Hinweis auf eine unmittelbar bevorstehende Eruption des Axial Seamount. Allerdings liegt der Vulkan im Wirkungskreis des Erdbebens, und der erwartete Vulkanausbruch könnte von den Vibrationen der Erschütterung getriggert werden. Bis jetzt wurden aber noch keine Anzeichen bekannt, dass es zu einem Ausbruch gekommen wäre. Starke Erdbeben können aber noch über ein Jahr nachwirken, was bewirkt, dass es wissenschaftlich schwierig ist, zu beweisen, ob ein Vulkanausbruch von einem länger zurückliegenden Erdbeben ausgelöst wurde.