Unwetter und Überflutungen von Portugal bis Irland

„Atmosphärischer Fluss“ verursacht Unwetter und Überschwemmungen auf der Iberischen Halbinsel

Der Westen Europas erlebt derzeit eine außergewöhnliche Wetterlage, die eine Serie von Stürmen, Unwettern und Überflutungen mit sich bringt: Ein schmales Band feuchter Luft bildet einen sogenannten „atmosphärischen Fluss“ und transportiert enorme Wasserdampfmengen vom subtropischen Atlantik direkt auf den Kontinent. Dieses Phänomen sorgt für langanhaltenden Starkregen und massive Überschwemmungen in Portugal und Südspanien. Aber auch in Irland regnete es ungewöhnlich viel.



Malaga

Ein atmosphärischer Fluss funktioniert wie ein unsichtbares „Wassertransportband“ hoch oben in der Atmosphäre. Er bringt feuchte Luftmassen über Tausende von Kilometern vom warmen Atlantik Richtung Europa. Trifft diese Luft auf Gebirge oder kühle Landmassen, kondensiert der Wasserdampf und es kommt zu lange anhaltenden Regenfällen.

In Portugal und im Süden Spaniens verursachte Starkregen Überflutungen von Siedlungs- und Landwirtschaftsflächen. Es kam bereits zu Evakuierungen und Schulschließungen. Der Straßen- und Bahnverkehr brach vielerorts zusammen. In Teilen Andalusiens und an der portugiesischen Küste wurden besonders hohe Niederschlagsmengen gemessen, so dass Flüsse und Stauseen bedenklich hohe Wasserstände erreichten. Die Lage könnte sich deutlich verschärfen, wenn Wasser aus den Stauseen abgelassen werden muss.

In den sozialen Medien geteilte Aufnahmen zeigen das Ausmaß der Katastrophe. So schossen in Malaga ungebändigte Wassermassen durch das Nadelöhr einer Brücke und drohten, überzuspringen. Solche Fluten können urplötzlich auftreten und stellen eine ernste Gefahr für Menschen dar, die sich in der Nähe der ansonsten oft trockenen Flussbetten aufhalten.

Das Phänomen des atmosphärischen Flusses macht die Unwetter nicht nur stärker, sondern auch langanhaltender. Böden können kaum abtrocknen, wodurch die Gefahr von Überflutungen konstant hoch bleibt. Die Katastrophenschutzbehörden und Feuerwehren sind im Dauereinsatz. Solange der atmosphärische Fluss aktiv ist, müssen Anwohner mit weiteren extremen Wetterlagen rechnen.

Land unter in Teilen von Irland

Irland

Abseits des schmalen Wolkenbandes des atmosphärischen Flusses wurde Irland ebenfalls von starken Unwettern mit orkanartigen Stürmen und Überflutungen getroffen, die eine seit Tagen andauernde Alarmsituation bedingen. Bereits gesättigte Böden können kaum weiteres Wasser aufnehmen, während anhaltender Starkregen die Pegel zahlreicher Flüsse rasch ansteigen lässt. Besonders betroffen sind Regionen im Osten und Nordosten des Landes, darunter auch Dublin. Starker Wind drückt zudem das Ozeanwasser gegen die Küsten und verursacht Sturmfluten. Behörden warnen vor plötzlichen Überflutungen und bereiten Evakuierungen in niedrig gelegenen Gebieten vor.

Island: Magmaakkumulation nähert sich Höchsstand

Das Geothermalkraftwerk Svartsengi liegt genau im Brennpunkt der größten Bodenhebung.

Magmaakkumulation bei Svartsengi nähert sich Höchststand – Gefahreneinschätzung bleibt unverändert

Im isländischen Svartsengi-Gebiet hebt sich der Boden langsam, aber vergleichsweise konstant, und nach fast einem halben Jahr Pause wird es langsam mal wieder Zeit für eine neue Eruption entlang von Sundhúkur Doch ob es dazu kommt, bleibt ungewiss, obwohl sich im flachen Magmenkörper inzwischen mehr als 21 Millionen Kubikmeter Magma angesammelt haben – ein Wert nahe dem Höchststand von 22,3 Millionen Kubikmetern, der vor der Eruption vom Dezember 2023 angesammelt wurde. Die Bodenhebung ist bereits jetzt die höchste, da nach dem letzten Ausbruch im August nicht alles Magma eruptiert wurde und sich der Boden nicht so weit absenkte wie bei vorherigen Eruptionsphasen.




Gestern veröffentlichte das Meteorologische Amt Islands (IMO) eine neue Gefahreneinschätzung, die gegenüber den beiden letzten Veröffentlichungen unverändert bleibt. Sie wurde bis zum 3. März verlängert. Die Entwicklungen werden weiterhin engmaschig überwacht. Entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe gilt das größere Eruptionsrisiko. Die Gefahreneinschätzung für Gridnvik wird als moderat eingeschätzt. Obwohl sich die letzten Eruptionsspalten vermehrt Richtung Norden öffneten, kann eine Ausbreitung in südlicher Richtung und damit nach Grindaik nicht ausgeschlossen werden.

Insgesamt kam es seit Dezember 2023 zu neun Vulkanausbrüchen entlang der Sundhnúkur-Kraterreihe. Die derzeitige Ruhephase ist mit 183 Tagen die längste seit Beginn dieser Ausbruchsserie. Parallel dazu setzt sich die Bodenhebung im Gebiet von Svartsengi fort und nähert sich inzwischen einem Meter, ein deutliches Zeichen für anhaltenden Magmazufluss und steigenden Druck im System.

Das wahrscheinlichste Szenario für die kommenden Wochen ist laut IMO eine erneute Magmaintrusion von Svartsengi in Richtung der Sundhnúkur-Kraterreihe, die in einem weiteren Ausbruch münden könnte. Sollte es dazu kommen, würde dieser voraussichtlich ähnliche Merkmale wie die bisherigen Eruptionen entlang dieser Spalte aufweisen.

Ich frage mich allerdings inzwischen, ob der Druckanstieg nicht zu langsam vonstatten geht, um noch eine Eruption zu triggern.

Abseits von Svartsengi gibt es derzeit keine Hinweise auf neue Magmaansammlungen auf der Reykjanes-Halbinsel. Ein kürzlich ausgewertetes satellitengestütztes InSAR-Bild zeigt Bodenverformungen ausschließlich im Bereich von Svartsengi, während andere Regionen unverändert bleiben.

Die seismische Aktivität in unmittelbarer Nähe der Kraterreihe ist weiterhin gering. Am 28. Januar wurde jedoch östlich der Halbinsel, nahe Lambafell, ein Erdbebenschwarm mit rund 200 Beben registriert. Insgesamt wurden in der vergangenen Woche etwas mehr als 260 Erdbeben erfasst, das stärkste mit einer Magnitude von M3 – ein für die Region typisches Niveau.

Heute gab es einen Erdbebenschwarm am Grjotarvatn bei der Snæfellsnes-Halbinsel Erstmalig seit langem bebte es auch vor der Nordküste der Westspitze der Halbinsel, wo der Vulkan Snæfelsjökull liegt.

Sol: Ungewöhnlich starke Serie von Sonneneruptionen

Serie ungewöhnlich starker Sonneneruptionen hält an – Flare X 4.2

Heue Vormittag ereignete sich auf der Sonne eine weitere starke Sonneneruption, die einen Flare (Sonnensturm) der Klasse X4.2 verursachte. Zurzeit wird noch geprüft, ob es bei dem Strahlungssturm blieb oder ob es auch zu einem koronalen Massenauswurf (CME) gekommen ist. Sollte letzteres der Fall gewesen sein, besteht wieder die chance auf Polarlichter in gemäßigten breiten, bis hinab nach Deutschland.

Sonneneruption

Der Flare reiht sich in einer Serie vergleichbarer Ereignisse ein, die in den letzten tagen von der Sonne ausgingen. Am 1. Februar gab es sogar den stärksten Flare der letzten Jahrzehnte: Er hatte die Klasse X8.1 und verursachte einen Radioblackout über Australien und Ozeanien. Auch heute wurden wieder moderate Störungen gemeldet. Die Blackouts betreffen vor allem den Funkverkehr von Flugzeugen im Kurzwellenbereich, da dieser besonders empfindlich auf Röntgenstrahlung reagiert. Normalerweise erreicht diese Strahlung nicht die Erdoberfläche, da sie von der Atmosphäre starke gefiltert wird. Zusätzlich zum Funkverkehr kann es zur Beeinträchtigung von Satellitennavigationssystemen kommen.

Starke X-Klasse-Eruptionen sind deutlich seltener als die schwächeren M- oder C-Klassen und zeigen, dass die Sonne derzeit in einem hochenergetischen und instabilen Zustand ist.

Die Sonnenfleckenregion AR4366 ist aktuell der Hauptmotor der Sonneneruptionen. Sie hat dutzende M-Klasse-Flares und mehrere X-Flares freigesetzt und gilt als magnetisch extrem komplex und energiegeladen.

Wird eine Sonneneruption von einem erdgerichteten CME begleitet, kann dies zu geomagnetischen Stürmen führen, die Polarlichter und im Extremfall sogar Spannungsfluktuationen in Stromnetzen zur Folge haben können – die Intensität dieser Effekte ist auch von der Ausrichtung des einfallenden Magnetfelds der Plasmawolke abhängig.

Ob heute ein entsprechender CME entstanden ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Erste Hinweise deuten jedoch darauf hin, dass große Plasmamengen bewegt wurden – die Auswertung der LASCO-Koronographen der SOHO-Mission wird in Kürze mehr Klarheit bringen.

Vulkan Masaya: Deutlicher Anstieg der Erdbebenaktivität

Erhöhte seismische Aktivität am Vulkan Masaya: Behörden mahnen zur Wachsamkeit

Am Vulkan Masaya in Nicaragua ist es zu einem deutlichen Anstieg der seismischen Aktivität gekommen. Wie das nicaraguanische Institut für Territorialstudien (INETER) mitteilte, registrierten die Messstationen am Morgen des 3. Februar einen Wert von rund 1.000 Einheiten auf der RSAM-Skala. Die Behörden riefen daraufhin die Bevölkerung in 293 umliegenden Gemeinden dazu auf, aufmerksam zu bleiben und offizielle Hinweise zu befolgen.




Lavasee (Archivbild)

Die sogenannte RSAM-Skala (Real-time Seismic Amplitude Measurement) misst die durchschnittliche Stärke seismischer Schwingungen in Echtzeit. Anders als bekannte Erdbebenskalen gibt RSAM keine Auskunft über die Magnitude einzelner Beben, sondern zeigt an, wie viel seismische Energie über einen bestimmten Zeitraum freigesetzt wird. Hohe Werte deuten auf verstärkte Bewegungen im Untergrund hin, wie sie durch aufsteigendes Magma oder intensive Gaszirkulation im Vulkansystem verursacht werden. Ein Wert von 1.000 gilt als deutlich erhöht, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass ein Ausbruch unmittelbar bevorsteht.

Seismologen von INETER erklären, dass die aktuelle Aktivität auf magmatische Prozesse im Inneren des Kraters hindeuten könnte. Solange der RSAM-Wert jedoch nicht weiter ansteigt oder von anderen Warnsignalen wie starker Bodendeformation oder massiven Ascheemissionen begleitet wird, schließen sie größere Eruptionen vorerst aus.

Der Masaya-Vulkan zählt seit Jahren zu den aktivsten Feuerbergen Mittelamerikas. Bereits seit 2015 befindet er sich in einem nahezu dauerhaften Aktivitätszustand: Über Jahre hinweg brodelte ein kleiner Lavasee in seinem Krater. Zusätzlich wurden starke Entgasung und Asche-Emissionen beobachtet, begleitet von häufigen Tremorphasen. In den vergangenen Monaten verzeichneten die Überwachungsbehörden wiederholt Schwankungen der seismischen Werte und der Schwefeldioxid-Emissionen, ohne dass es zu einer größeren Eruption kam.

Der Masaya-Vulkankomplex liegt in unmittelbarer Nähe mehrerer Ortschaften und unweit der Hauptstadt Nicaraguas. Stärkere Eruptionen könnten den dortigen internationalen Flughafen stören. Trotz der aktuellen Lage bleibt der Nationalpark Masaya für Besucher geöffnet, allerdings nur zeitlich begrenzt und unter strenger Aufsicht. Die Behörden überwachen die Situation engmaschig und rufen Bevölkerung wie Touristen gleichermaßen zu Umsicht und Vorsicht auf.

Vulcano: Leichte Entspannung der Situation

Vulcano atmet auf – erhöhte GeoWerte rückläufig

Vulcano, römischer Gott und Namensgeber aller Vulkane, zeigt sich zu Beginn des Jahres vergleichsweise gnädig: Nach Monaten alarmierend hoher Fumarolentemperaturen und Kohlendioxid-Emissionen meldet das italienische Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia (INGV) eine insgesamt abnehmende Aktivität auf der liparischen Vulkaninsel, die den Namen des Gottes trägt und vielfach als sein Zuhause angesehen wird. Die GeoDaten liegen aber immer noch deutlich über den Normalwerten und die Lage bleibt beobachtungswürdig.




Im gestern veröffentlichten Bulletin für den Januar 2026 beschreiben die Vulkanologen ein von intensiven, aber nachlassenden hydrothermalen Prozessen geprägtes Vulkansystem. So haben die Fumarolen-Temperaturen im Krater La Fossa deutlich abgenommen und liegen inzwischen rund 40 Grad unter den Höchstwerten des Vorjahres. Konkret liegen die Temperaturen an den 4 gemessenen Fumarolen zwischen 267 und 227 °C. Auch die Gasemissionen von Kohlendioxid und Schwefeldioxid zeigen leicht rückläufige Trends. Dennoch stößt der Vulkan noch viel Gas aus: Der CO₂-Ausstoß lag im Schnitt bei 10000 g/m2/d. Geht man von einem 10.000 Quadratmeter großen Fumarolenfeld aus, wären das ca. 100 Tonnen am Tag. Betrachtet man einen ganzen Krater aus dem diffus Gas austritt, kommt man schnell auf das 10-fache des Wertes.

Die Seismizität blieb im Januar niedrig, und Messungen der Bodenverformung liefern keine Hinweise auf Bodenhebungen. Es gibt also derzeit keine Anzeichen dafür, dass frisches Magma aufsteigt. Die Entgasungen stammen von der letzten Intrusion im September letzten Jahres.

Die Situation auf Vulcano eskalierte im Herbst 2021, als es zu einer ersten Intrusion unter dem Vulkan kam. Die Gasemissionen nahmen sprunghaft zu, Fumarolentemperaturen stiegen auf ungewöhnlich hohe Werte, und das Bodenniveau im Kraterbereich hob sich messbar an. In Vulcano Porto mussten zeitweise Sperrzonen eingerichtet werden, weil sich CO₂ in Senken und Gebäuden ansammelte und zur Gefahr für die Bevölkerung wurde.

Die wissenschaftliche Einordnung des Geschehens ist heute klarer als damals: Unter Vulcano kam es zu einer Magmenintrusion in geringer Tiefe. Das Magma erreichte die Oberfläche nicht, setzte jedoch große Mengen an Gasen frei und heizte das hydrothermale System stark auf. Schätzungen zufolge drangen mehrere Millionen Kubikmeter Magma in die Erdkruste ein – genug, um das System zu destabilisieren, aber nicht genug für eine Eruption. Ähnliche Prozesse hatte der Vulkan bereits zwischen 1988 und 1993 gezeigt.

Auch wenn sich die Situation momentan entspannt und die Bewohner von Vulcano durchatmen können, kann es jederzeit zu neuen Magmaintrusionen kommen, die letztendlich in einer Eruption gipfeln könnten. Verlässliche Prognosen lassen sich nicht aufstellen.

Luna: Impakt von Asteroid 2024 YR4 droht

Asteroid 2024 YR4: Vom potenziellen Erdtreffer zum kosmischen Mondschauspiel

Als der Asteroid 2024 YR4 Ende 2024 entdeckt wurde, sorgte er in der Astronomischen Gemeinschaft zunächst für Aufregung: Erste Bahnberechnungen ließen die geringe Möglichkeit zu, dass der etwa 60 Meter große Himmelskörper im Jahr 2032 auf der Erde einschlagen könnte. Der Impakt eines Asteroiden dieser Größenordnung wäre mit jenem in Tunguska (1908) vergleichbar. Er könnte ganze Metropolen auslöschen, aufgewirbelte Staubpartikel würden das globale Klima beeinflussen. Bei einem Treffer im Meer könnten gewaltige Tsunamis entstehen. Solche frühen Einschätzungen sind bei neu entdeckten Asteroiden nicht ungewöhnlich, wie das Chaos um Apophis verdeutlichte: Die Beobachtungsdaten und Bahnberechnungen sind anfangs ungenau, die Unsicherheiten groß. Dennoch reichte die rechnerische Wahrscheinlichkeit aus, um 2024 YR4 zeitweise auf die Impakt-Risikolisten der NASA zu setzen.

Asteroid

Mit fortschreitenden Beobachtungen änderte sich das Bild. Zusätzliche Messungen, unter anderem mithilfe leistungsstarker Teleskope, erlaubten eine präzisere Bestimmung der Umlaufbahn. Heute gilt ein Erd-Einschlag als praktisch ausgeschlossen. Stattdessen richtet sich der Blick nun auf ein anderes Szenario: eine kleine, aber nicht vernachlässigbare Wahrscheinlichkeit von ca. 4 %, dass der Asteroid den Mond trifft.

Sollte es im Dezember 2032 tatsächlich zu einem Mond-Impakt kommen, würde 2024 YR4 mit einer Energie von rund 6,5 Megatonnen TNT einschlagen. Das entspricht der 400-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Atombombe – genug Energie, um einen etwa einen Kilometer großen Krater zu erzeugen. Für die Erde bestünde keine direkte Gefahr. Denkbar wäre jedoch ein spektakulärer Nebeneffekt: Beim Einschlag ausgeworfenes Mondmaterial könnte teilweise in Richtung Erde geschleudert werden und dort als außergewöhnlicher Meteorschauer in der Atmosphäre verglühen. Für Wissenschaft und Himmelsbeobachter wäre dies ein wertvolles Ereignis: Einen so großen Impakt mit modernen Instrumenten live zu verfolgen, würde eine Menge Echtzeitdaten liefern und Rückschlüsse auf irdische Einschläge zulassen. Außerdem würden Forscher Daten erhalten, die Rückschlüsse auf die innere Struktur des Mondes liefern. Allerdings bräuchte man dafür ein seismisches Netzwerk, was es derzeit nicht gibt. Last but not least könnten Mondmeteoriten bis zur Erdoberfläche durchdringen und Wissenschaftler bekämen Mondmaterial für Studienzwecke kostenlos geliefert.

Der Fall 2024 YR4 zeigt exemplarisch, wie dynamisch und selbstkorrigierend die planetare Gefahreneinschätzung funktioniert. Ähnlich verlief die Geschichte des berühmten Asteroiden Apophis, der nach seiner Entdeckung 2004 ebenfalls kurzzeitig als potenzielle Bedrohung galt. Heute ist klar: Apophis wird 2029 zwar extrem nahe an der Erde vorbeifliegen, soll aber aktuellen Bahnberechnungen zufolge keine Gefahr darstellen.

Myanmar: Zwei Erdbeben Mw 5,9 und 5,2 am 3. Februar

Starke Erdbeben in Myanmar: Spürbare Erschütterungen aber keine schweren Schäden gemeldet

Datum: 03.02.2026 | Zeit: 15:34:01 UTC | Koordinaten  20.514 ; 93.964 | Tiefe: 55 km | Mw 5,9

Heute Nachmittag haben zwei moderate bis starke Erdbeben mit den Magnituden 5,9 und 5,2 das westliche Myanmar erschüttert. Die Erschütterungen, deren Epizentren 95 km westlich von Yenangyaung lagen, wurden nicht nur in Myanmar, sondern auch weit darüber hinaus in Teilen Indiens und Bangladesch gespürt. Bisher gibt es keine bestätigten Berichte über größere Schäden oder Verletzte in den betroffenen Regionen.

Myanmar

Das stärkere der beiden Erdbeben hatte ein Hypozentrum in einer Tiefe von 55 km unter der Erdoberfläche. Ein zweites Beben Mw 5,2 folgte rund 17 Minuten später in praktisch derselben Region und lag in einer Tiefe von 63 km.

Seismische Ereignisse dieser Stärke sind in Myanmar nicht ungewöhnlich und verursachen oft Schäden, wenn sie sich in geringeren Tiefen manifestieren. Darüber hinaus sind sie noch in benachbarten Regionen spürbar. In Städten wie Kolkata berichteten Bewohner, dass sie das Beben deutlich gespürt hätten. Scheiben und Türen klapperten, Möbel bewegten sich und Menschen sind vorübergehend aus Gebäuden geflüchtet. Stärkere Schäden entstanden nicht.

Myanmars Lage am Schnittpunkt mehrerer tektonischer Platten macht die Region zu einer der aktivsten seismischen Zonen Asiens, die einem tektonischen Pulverfass gleicht. Das Land liegt zwischen der Indischen, Eurasischen, Sunda- und Burma-Platte – vier tektonischen Einheiten, deren Bewegungen enorme Spannungen im Gestein erzeugen.

Ein besonders bedeutender geologischer Bruch ist die Sagaing-Verwerfung – ein rund 1 200 Kilometer langer transformierender Verwerfungszug, der sich von der Andamanensee bis in den Norden Myanmars erstreckt. Entlang dieses Bruches gleiten die Platten seitlich aneinander vorbei, was immer wieder zu starken Erdbeben führt. Diese Störung war unter anderem auch Ursprung des verheerenden Bebens der Magnitude 7,7 im März 2025, das große Teile des Landes verwüstete und Tausende Menschenleben forderte.

Entlang der westlichen Küste Myanmars verläuft außerdem eine stark schräg einfallende konvergente Grenze des Andamanen Grabens, an der die Indische Platte unter die Burma-Platte subduziert. Diese Subduktionsprozesse sind in der Lage, auch sehr starke Erdbeben hervorzubringen, und sind tektonisch mit den Himalaya-Bogensystemen verbunden.

Doch die aktuellen Beben manifestierten sich an keiner dieser beiden tektonischen Grobstrukturen, sondern an einer Verwerfung der dazwischen liegenden Myanmar-Range, einem Küstengebirge, das sich infolge der Plattenkonvergenz auffaltet.

Shiveluch: Vulkanasche in 8500 m Höhe detektiert

Shiveluch bleibt hochaktiv: Aschewolken in 8500 m Höhe gefährdet Flugverkehr

Der Vulkan Shiveluch auf der russischen Halbinsel Kamtschatka zeigt weiterhin frequente explosive Aktivität, die Vulkanasche bis in Höhen aufsteigen lässt, wo sie für den internationalen Flugverkehr gefährlich werden könnte: Seit Monatsanfang gab das VAAC Tokio 11 VONA-Warnungen zum Shiveluch heraus. Nach aktuellen Angaben des Kamchatka Volcanic Eruption Response Teams (KVERT) setzt sich die explosive-extrusive Eruption fort, begleitet vom anhaltenden Wachstum des Lavadoms und starken Dampf-Emissionen. Jederzeit ist mit starken Eruptionen zu rechnen. Der Alarmcode steht auf „Orange“.

VONA-Warnung

Eine am 3. Februar 2026 veröffentlichte VONA-Meldung des Tokyo Volcanic Ash Advisory Centre (VAAC) bestätigt, dass Vulkanasche kontinuierlich in Satellitenbildern beobachtet wird. Demnach erstreckte sich die Aschewolke vom Boden bis etwa 8500 m ( FL280) und bewegte sich mit 65 km/h (35 Knoten) nach Norden. Prognosen zufolge könnte die Asche in den folgenden Stunden Höhen von bis zu FL300 erreichen und sich über große Teile des nördlichen Pazifikraums ausbreiten. Teile der Aschewolke waren zeitweise durch meteorologische Wolken verdeckt, was die Beobachtung erschwerte.

KVERT berichtet zudem von einer durchgehenden thermischen Anomalie, die während der gesamten letzten Woche registriert wurde, was ein klarer Hinweis auf aktives, heißes Material im Bereich des Lavadoms ist. Bereits am 23. und 24. Januar sowie erneut zwischen dem 26. und 28. Januar erreichten explosive Ausbrüche Aschehöhen von bis zu 10 Kilometern über dem Meeresspiegel. In mehreren Phasen wurden Aschewolken über Distanzen von bis zu 1.400 Kilometern verfrachtet, sowohl nach Nordosten als auch nach Südwesten und Süden.

Shiveluch zählt zu den aktivsten Vulkanen Kamtschatkas, und Vulkanologen gehen davon aus, dass die aktuelle Aktivitätsphase weiterhin explosive Ausbrüche hervorbringen wird, die typischerweise episodisch auftreten. Die potenziellen Auswirkungen können weit über die unmittelbare Region hinausreichen.

Piton de la Fournaise: Studie zu Langzeit-GNSS-Messungen

Wenn der Vulkan atmet – zehn Jahre GNSS-Messungen am Piton de la Fournaise

Vulkane kündigen ihre Ausbrüche selten mit weithin sichtbaren Anzeichen an. Viel häufiger verraten sie sich leise – durch schwache Erdbeben und minimale Bewegungen des Bodens. Millimeterweise hebt und senkt sich die Erdoberfläche, lange bevor Lava austritt. Genau diese unscheinbaren Signale stehen im Mittelpunkt einer neuen Data Note im Bulletin of Volcanology: Zehn Jahre lang haben Forschende den Piton de la Fournaise auf La Réunion mit GNSS-Feldkampagnen vermessen, bei denen mobile Satellitenempfangsstationen an unterschiedlichsten Punkten des Vulkans installiert wurden und dabei erstmals Bodenbewegungen eines vollständigen eruptiven Zyklus dokumentiert wurden.




Fournaise. © OVPF

Der Piton de la Fournaise gilt als einer der aktivsten Vulkane der Welt. Zwischen Juni 2014 und August 2023 erzeugte er 25 Eruptionen und 9 Intrusionen, wobei die Vorgänge von mehrmonatigen Ruhephasen unterbrochen waren, in denen der Magmenspeicher wieder auflud. Dieser Aufladungsprozess wurde mit Hilfe verschiedener Messinstrumente beobachte. Ein wichtiges Instrument sind dabei GNSS-Messungen (Global Navigation Satellite System), mit deren Hilfe selbst kleinste Bodenbewegungen millimetergenau bestimmt werden können. Das Besondere an der jüngst vom OVPF veröffentlichten Arbeit bzw. „Data Note“ ist nicht eine neue spektakuläre Entdeckung, sondern ein genaues Bild über den „Atmen des Vulkans“ während der letzten 10 Jahre anhaltenden Eruptionsphase. Atmen deswegen, weil sich der Boden hob und senkte wie der Brustkorb eines atmenden Menschen.

Bei den 27 Messkampagnen wurden asymmetrische Ost-West-Verschiebungen des Gipfelkegels detektiert, wobei es zu besonders starken Bewegungen an seiner Ostflanke kam. Dabei wurden maximale horizontale Verschiebungen von 256 Zentimeter nach Osten sowie maximale vertikale Hebungen von 194 Zentimeter am Gipfel registriert.

Die GNSS-Daten enthüllen ein klares Muster: In Ruhephasen hebt sich der Gipfelbereich langsam, was als ein Zeichen für Magmenzufuhr in flache Reservoirs interpretiert wird. Vor Intrusionen magmatischer Gänge bis kurz unter die Erdoberfläche, die auch zu Vulkanausbrüchen führen können, beschleunigt sich die Bodendeformation deutlich. Kommt es zu einer Eruption, folgt eine rasche Deflation, bei der sich der Boden absenkt. Nach dem Ausbruch erfolgt eine Phase der mechanischen und thermischen Relaxation. Dieses zyklische Verhalten lässt sich im Datensatz nahezu lehrbuchhaft verfolgen.

Solche Langzeitdaten sind selten. Permanente Messstationen liefern zwar kontinuierlich Werte, decken aber oft nicht alle relevanten Bereiche des Vulkans ab. Kampagnenbasiertes GNSS schließt diese Lücken, besonders im schwer zugänglichen Gelände eines aktiven Vulkans. Die Studie macht deutlich, dass beide Ansätze zusammengehören, wenn man vulkanische Systeme genau verstehen will. Die Daten können helfen, künftige Eruptionen anhand der Bewegungsmuster der Bodendeformationen genauer vorherzusagen.

Wo die Daten vom Fournaise helfen könnten

Möglicherweise ist der Datensatz über La Réunion hinaus relevant. In den Campi Flegrei bei Neapel etwa hebt und senkt sich der Boden seit Jahrzehnten. Doch dort ist unklar, ob Magma, Fluide oder hydrothermale Prozesse dominieren. Der Piton de la Fournaise liefert hier ein Referenzbeispiel dafür, wie „magmatisch getriebene“ Inflation und Deflation aussehen können – ein Vergleichsmaßstab, der hilft, Signale besser zu deuten, auch wenn die Werte nicht 1:1 übertragbar sein mögen.

In Island sind die Parallelen noch direkter. Auch dort dominieren basaltische Systeme, Dyke-Intrusionen und häufige Deformation ohne Eruption. Die GNSS-Signaturen vom Piton de la Fournaise helfen, Schwellenwerte einzugrenzen: Wann bleibt eine Intrusion stecken, wann wird sie eruptiv? Gerade in Zeiten anhaltender Unruhe auf der Reykjanes-Halbinsel ist dieser Vergleich von großer Bedeutung.

Am Ende erzählt die Studie eine einfache, aber wichtige Geschichte: Vulkane sprechen leise. Wer sie verstehen will, muss lange zuhören.

(Quellenangabe Peltier, A., Staudacher, T., Villeneuve, N., et al.; „Ten years of GNSS field campaigns covering a full eruptive cycle at Piton de la Fournaise (2014–2023)“; Bulletin of Volcanology 2026; DOI: https://doi.org/10.1007/s00445-026-01944-2; Lizenz der CC)